Scorpio Sternburg, Forscher und Archäologe, beschäftigt sich mit alten Gräbern, Friedhöfen, Beerdigungsritualen und dem Aberglauben. Er erklärt sich die Welt stets logisch und glaubt an nichts Übersinnliches. Als er ein altes Haus in Ungarn erbt, auf dessen Grundstück sich ein Friedhof aus dem 17. Jahrhundert befindet, verändert sich sein Leben. Scorpio stößt bei der Freilegung alter Gräber auf ein unterirdisches Labyrinth und entdeckt eine Bibliothek und ein Gewölbe mit einer höchst seltsam anmutenden Ahnengalerie. Eines der Gemälde fasziniert ihn besonders. Es ist das Porträt einer jungen Frau, deren Anziehungskraft er sich nicht entziehen kann. Doch nicht nur das bleiche, attraktive Mädchen auf dem Bildnis beschäftigt ihn bis in seine Träume, sondern auch ein Buch mit fremdartigen Zeichen und Ritualen zur Wiedererweckung von Toten. Scorpio weigert sich, an diesen Humbug zu glauben, doch als der Mond voll ist und im Zeichen des Skorpions steht, gerät er in einen mysteriösen und erotischen Sog.

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ISBN: 978-9963-52-048-0

Seiten: 287

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Andreja Xena

Xena Andreja fand schon als kleines Kind Gefallen an alten Friedhöfen. Sie liebt mit Efeu bewachsene Mauern, alte Gewölbekeller und Kirchen, aber auch Geschichten, die in alten Schlössern spielen, Spuk und Hexerei. Im bookshouse-Verlag erschien im Spätherbst 2013 ihr erster erotischer Vampirroman.

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Leseprobe

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Prolog
Bükk-Gebirge in Ungarn 1669

Bonifác starrte aus dem Fenster.
   »Bis der Inquisitor eintrifft, ist es zu spät.« Csongor atmete schwer. »Sie muss brennen. Noch heute. Der Wind gebärdet sich wie verrückt. Schon der Weg von den Karpaten zurück durch das Bükk-Gebirge war beschwerlich. Wenn Ihr nicht schnell handelt, wird ein Sturm über uns hereinbrechen.« Voller Angst sah sein Gehilfe ihm in die Augen.
   Bonifác schwieg und schüttelte innerlich den Kopf. Er war Respekt einflößend, dennoch niemand, vor dem man sich fürchten musste. Der Stuhl knarrte unter seinem Gewicht.
   »Herr! Bonifác Thor, bitte. Ihr seid der Dorfrichter und ein angesehener Mann. Entscheidet. Wenn Ihr ohne den Großinquisitor nicht handeln wollt, übergebt sie dem Vampirjäger.« Csongor wagte einen weiteren Schritt ins Zimmer. »Er schwört, dass die junge Frau zu den Vampiren gehört. Mir scheint das auch so. Ihre Haut ist unnatürlich bleich.«
   Bonifác legte die Fingerkuppen aneinander. Er konnte sich nicht entscheiden.
   Csongor trat von einem Fuß auf den anderen. »Bedenkt die Gefahr.«
   Bonifác drehte sich um. »Diese Anschuldigung ist lächerlich. Hast du vergessen, dass sie am Tag aufgegriffen wurde? Vampire! Pah!« Er schüttelte den Kopf.
   »Wenn das so ist, und Ihr es nicht glaubt«, Csongor knetete den Hut mit beiden Händen, »dann muss sie als Hexe brennen.« Er deutete nach draußen. »Seht doch die aufziehenden Wolken. Das ist ihr Werk. Und noch immer weigert sie sich, uns ihren Namen zu nennen.« Seine Stimme zitterte vor unterdrückter Erregung. »Ihr wisst noch nicht alles, Herr. József wollte ihr die Kleider vom Leib reißen, aber sie hat ihn von sich gestoßen. Danach konnte er sich ihr nicht mehr nähern. Keinen Fußbreit. József war weiß vor Wut, weil er sie nicht bezwingen konnte. Sie besitzt Hexenkräfte. Herr, ich flehe Euch an, Ihr müsst schnell handeln. Der Vampirjäger wird auch ungeduldig. Er macht die Leute rebellisch, sie schreien nach Vernichtung.«
   Bonifác wandte den Blick erneut zum Fenster. Er hörte das Grölen der Menschen seit Stunden. Lange ließen sie sich nicht mehr bändigen. Der Sturm, der seit der Gefangennahme der jungen Frau tobte, hatte ein Haus zerstört und mehrere Scheunen in Brand gesetzt. Doch das war noch nicht alles. Seit die junge Frau sich hier aufhielt, war der alte Gerzon gestorben und die Frau des Bauern Móllnár schwer erkrankt. Für die Dorfbewohner war klar, dass nur die Fremde die Schuldige an diesen Vorfällen sein konnte. Da sie von ungewöhnlichem Aussehen war, hatte der Priester sofort nach dem Inquisitor geschickt. Dieser weilte zurzeit nur einen Tagesritt entfernt.
   Bonifác war seit zwanzig Jahren Richter, versuchte stets, gerecht zu sein und missbilligte Folter, doch genau das stand der jungen Frau bevor, sobald der Inquisitor eintraf. Wenn das Unwetter noch weiter tobte, würde die aufgebrachte Menge das Verlies stürmen und die Gefangene eigenhändig lynchen. Er rief sich das Bild der jungen Frau in Erinnerung. Sie war noch keine zwanzig Jahre alt, auf eigentümliche Weise hübsch und besaß eine außergewöhnliche Ausstrahlung. Ihr Auftreten gegenüber seinen Männern war selbstbewusst, wahrscheinlich war sie eine Angehörige der Adelsstände. Ihrer Kleidung nach wirkte sie eher wie ein Bauernmädchen. Dass sie allein reiste und sich von niemandem anfassen ließ, bestärkte den Verdacht, dass sie eine Hexe war. Der Umstand, dass ein Gewitter aufzog, Menschen starben oder krank wurden, schloss den Kreis der Verdächtigungen.
   »Hexen«, flüsterte er und ließ sich in seinen Sessel fallen. So viele waren schon unschuldig verurteilt worden, weil sie unter der Folter alles gestanden hatten, was ihre Peiniger hören wollten. Der Hass der Inquisition, vor allem gegenüber Frauen, wurde immer größer. Die Massen ließen sich so leicht aufhetzen. Bonifác schloss die Augen. Einige wenige hatte er retten können. Bei diesem Mädchen, das fühlte er deutlich, war seine Macht zu Ende. Die junge Frau war bereits tot, verbranntes Fleisch, und nicht nur er, auch andere wussten, dass sie nichts verbrochen hatte. Dass sie ihre Identität verschwieg und sich seinen Männern widersetzt hatte, genügte für das Todesurteil. So gering ihr Vergehen auch war, der Großinquisitor würde sich ihrer morgen annehmen. Wenn das geschah, musste sie entsetzliche Demütigungen ertragen und qualvoll leiden. Und sie würde …
   »Wenn wir sie dem Vampirjäger überge…«
   Bonifác hob abrupt die Hand. »Ich will nichts mehr von ihm und seinen Gefolgsleuten hören. Die Herren sind fremd und haben nichts zu bestimmen.« Er hievte sich aus dem Sessel und stützte sich auf seinen Schreibtisch. Als er in das verstörte Gesicht seines Gehilfen sah, wusste er, dass es besser war, schnell zu handeln. »Die Vampirjäger haben schon genug Unheil angerichtet. Geh, Csongor, die Leute sollen nicht weiter von ihnen aufgehetzt werden und sich beruhigen. Du kannst es verkünden; sie soll brennen. Um des Friedens willen und der Barmherzigkeit. Noch heute, bei Sonnenuntergang. Beeil dich, und leite alles in die Wege.«
   Csongor nickte und rannte nach draußen. Die Tür schlug hinter ihm zu.
   »Es ist besser so«, flüsterte Bonifác und sah erneut aus dem Fenster. Der Himmel war grau und wolkenverhangen. Sie durften keine Zeit verlieren, sonst würde die Wut der Menge eskalieren.

Bonifác ertrug den Anblick der gefesselten jungen Frau kaum. Sie stand aufrecht auf dem Scheiterhaufen und hielt die Augen zum Himmel gerichtet. Auf den ersten Blick wirkte sie ruhig, erst bei längerem Betrachten erkannte er die Unsicherheit, die sie hinter ihrer selbstbewussten Haltung verbarg. Ihre langen schwarzen Haare wehten im Wind, und sie sah zart und zerbrechlich aus.
   Als die Flammen gierig um sie züngelten, kreischte die Menge auf.
   Es war besser so. Bonifác wollte sich damit eher selbst beruhigen. Es gelang ihm nur kläglich. Wohl wissend, dass jeder verloren war, der sich der Obrigkeit widersetzte, verabscheute er seine Ohnmacht und Feigheit. Wenn es nur endlich vorbei wäre. Er beobachtete die Menge, in deren Gesichtern sich blanker Hass spiegelte. József lachte siegessicher auf und schwang sein Schwert, das ihm als Wache zustand. Verächtlich stieß er mit dem Fuß gegen einen Stein und kickte ihn in hohem Bogen davon.
   Durch diese Bewegung aufmerksam geworden, wandte die junge Frau den Kopf zur Seite.
   Bonifác folgte ihrem Blick. Ein brauner Skorpion huschte über einen flachen Felsen. Seines Verstecks beraubt, suchte er inmitten der von Fackeln erhellten Umgebung Schutz in einem Spalt, konnte jedoch nicht sofort einen neuen Unterschlupf finden.
   Die Gefangene hätte sich auch dem Schutz der Dunkelheit anvertrauen sollen, dachte er, doch für diese Überlegungen war es zu spät. Die Flammen fraßen sich gierig durch das Stroh und züngelten nach den Kleidern des Mädchens.
   In diesem Moment erhellte ein Blitz die Umgebung. Fast zeitgleich folgte ein ohrenbetäubender Donner. Es krachte so laut, dass die Menge auseinanderstob. Bonifác hatte Mühe, nicht mitgerissen zu werden.
   Mit weit aufgerissenen Augen starrte die junge Frau in den bedrohlich schwarzen Himmel, der sich zu öffnen schien. Sie zerrte an ihren Stricken, doch es war vergebens, sie konnte sich nicht befreien.
   Der Donner grollte, der Wind heulte und drohte, die Flammen zu ersticken.
   »Das Feuer! Seht! Es erlischt«, ertönten Rufe. »Das ist Hexerei.« Die Menge rannte kopflos durcheinander.
   Bonifác betrachtete das Schauspiel. Noch immer stand die junge Frau aufrecht, jetzt jedoch starr vor Angst. Mit blankem Entsetzen blickte sie in den Himmel, als würde sie dort jemanden sehen.
   Bonifác sah ebenfalls nach oben. Außer Wolken, die im Sturm durcheinanderwirbelten, war nichts zu erkennen. Er wandte sich erneut der Gefangenen zu und zuckte zusammen, als sie laut aufschrie.
   »Nein! Niemals«, rief sie und zerrte an ihren Stricken. »Lieber sterbe ich!«
   Es war, als hätte sie mit diesen Worten ihr Schicksal besiegelt. Der Wind entfachte die Flammen. Sie schlugen bedrohlich in die Höhe, umgaben ihr Opfer, umfingen es und erfassten den Saum des Rocks.
   »Nein, nicht«, schrie sie auf. »Ich will es nicht vergessen.« Sie wehrte sich verzweifelt, doch ohne Erfolg. »Nicht, bitte nicht«, keuchte sie.
   Bonifác trat näher. Sie tat ihm leid.
   Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Es schien, als ergäbe sie sich ihrem Schicksal und senkte den Blick. »Der Skorpion ist in Sicherheit«, flüsterte sie. »Und ich darf es nicht vergessen. Ich darf es nicht, ich …« Flammen ergriffen und verzehrten sie.
   Die Schmerzen mussten unerträglich sein, sie verbrannte bei vollem Bewusstsein.
   Bonifác ballte die Hände zu Fäusten. Er konnte die junge Frau im hellen Licht des Feuers nicht mehr erkennen. Er wandte sich ab und sah, wie der Skorpion über einen Felsen huschte, um in einem tieferen Spalt endgültig Schutz zu finden.

Regensburg, Gegenwart, 21. Jahrhundert

1. Kapitel

Die Einladung

Rita warf die Zeitschrift auf den Wohnzimmertisch. »Dein Bericht über Hexenverbrennungen ist entsetzlich, ebenso die Beschreibungen der Foltermethoden, um ein Geständnis zu erzwingen.«
   »Du hast dich nie für meine Studien interessiert«, entgegnete Scorpio, »warum ausgerechnet jetzt?«
   Rita starrte einen Moment auf seine Unterlagen, dann in sein amüsiertes Gesicht. »Ich dachte, es gefällt dir.«
   Scorpio grinste. »Es würde mir gefallen, aber nichts von dem, was ich tue, fällt in deinen Interessenbereich.«
   Leider hatte er recht. Sie verabscheute seine widerlichen Reportagen, ebenso seine Leidenschaft für Gräber, Tote und altertümliche Rituale. Doch obwohl er gern im Dreck wühlte, fühlte sie sich wie magisch von ihm angezogen. Daran hatte sich bis heute nichts geändert. Es war seine Unnahbarkeit, die sie faszinierte, sogar sein muskulöser Körper, seine pechschwarzen Haare und die dunkle Haut, die ihm das Aussehen eines Zigeuners gaben. Normalerweise stand sie überhaupt nicht auf diesen dunklen Typ, aber der warme Blick seiner grauen Augen verwischte diesen Eindruck, und sein Lächeln war nicht verwegen, sondern einnehmend. Es war überhaupt das Gefährlichste an ihm, denn diesem Lächeln konnte sie meist nicht widerstehen. Nicht, wenn es freundlich aussah. Nur jetzt lag wieder ein spöttischer Zug um seinen Mund, den sie verabscheute.
   Rita bemühte sich, eine Lässigkeit vorzutäuschen, die sie nicht empfand. »Du bezweifelst, dass es mir ernst ist?«
   Scorpio lachte. Der zynische Ausdruck war wie weggewischt. »Warum sollte ich? Es ist völlig idiotisch. Meine Artikel erschrecken dich. Also lass es. Ich studiere auch keins eurer Kosmetikrezepte, nur damit ich mich mit dir über die Zusammensetzung einer Hautcreme unterhalten kann.«
   »Diese Beschäftigung würde dich zumindest nicht erschrecken.«
   »O doch«, konterte Scorpio. »Puder und Kosmetikartikel schrecken mich immer ab.«
   »Das ist etwas anderes.«
   »Blödsinn! Es ist das Gleiche. Jedem das Seine.«
   »In einer Studie«, erklärte Rita, »wird behauptet, dass Männer es schätzen, wenn man sich mit ihrem Beruf auseinandersetzt. Es belebt die Beziehung. Findest du nicht auch, dass wir das nötig haben?«
   »Eigentlich nicht.« Scorpio deutete auf seine Abhandlungen. »Ich wüsste nicht, was mein Geschreibsel über Aberglaube, Friedhöfe und Beerdigungsrituale zu unserer Beziehung beitragen könnte. Außer, du willst sie beenden. Dann müssten wir sie natürlich symbolisch begraben.« Das Zwinkern, das diese Worte begleitete, nahm der Aussage den Stachel.
   »Das will ich natürlich nicht«, fuhr Rita ärgerlich auf. Normalerweise mochte sie seinen trockenen Humor, heute war sie dafür nicht in Stimmung. Warum konnte er nie ernsthaft sein, wenn es um ihre Beziehung ging? »Dieser Professor behauptet in seinem Bericht«, fuhr sie fort, nicht gewillt, sich ablenken zu lassen, »der erste wichtige Schritt liegt im Dialog. Das Thema, das den Mann fesselt, ist der Einstieg zu allem anderen.«
   »Wenn das die Meinung des Professors ist, soll er gefälligst seiner Frau den Kopf mit seinem Fachchinesisch vollstopfen. Ich meine das ganz und gar nicht.« Er sah ihr provozierend in die Augen. »Im Gegenzug müsste ich dann auf dich eingehen. Die Folge wären Diskussionen, ob eine Honigmaske einer Gurkenmaske vorzuziehen wäre. Oder wie Buchhaltung und ein Ablagesystem funktionieren. Glaub mir, nichts würde mich mehr langweilen. Und dir geht es mit meinem Kram genauso. Lass uns beim gemeinsamen Nenner bleiben. Im Hinblick auf Gesprächsstoff kann ich den jetzt zwar nicht benennen, aber wir sind drei Jahre prima miteinander ausgekommen. Im Zweifelsfall ist bei Sprachlosigkeit das Wetter und die politische Lage auch ein Thema.«
   »Ich weiß, worauf du hinauswillst. Unser gemeinsamer Nenner ist das Schlafzimmer.«
   »Was ist schlecht daran?«, wollte Scorpio wissen. »Ich habe mich nie beschwert und vermisse nichts. Wo liegt also das Problem?«
   »Darin, dass du mich nicht ernst nimmst.«
   »Du bist diejenige, die meine Tätigkeit als Hirngespinst abtut.«
   »Ja. Ich begreife nicht, was dich an diesen Themen reizt.«
   »Ich finde an Mode auch nichts Reizvolles, außer ich bekomme sie vorgeführt. Eine deiner neuen Errungenschaften?«
   Weil sie jeden Streit vermeiden wollte, ging sie zähneknirschend auf seinen stupiden Themenwechsel ein. Um sich zu sammeln, strich sie sich über ihr eng anliegendes Kleid, das den Blick auf ihre Beine und ihr Dekolleté freigab. Sie hatte es extra heute angezogen, um ihn … ja, sicher nicht, um ihn zu einem Gespräch zu verleiten, wenn sie ehrlich war. Nein, sie hatte ihn verführen wollen. Heile Welt. Sie seufzte leise. »Gefällt es dir?« Hitze stieg ihr in die Wangen.
   »Mhm …« Scorpio rutschte näher an sie heran und strich ihr durch die Haare. »Wirklich geschmackvoll und passend zu deinen kurzen blonden Haaren. Du hast doch nicht vor, das Kleid, respektive mich, auszuführen?«
   Rita schlang die Arme um seinen Hals. »Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell du begreifst. Wir sind tatsächlich eingeladen.« Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. »Mach nicht so ein finsteres Gesicht. Dein Chef braucht dich ganz dringend. Unter den Gästen ist der Leiter des archäologischen Instituts aus Hannover.«
   »Vergiss es! Am Wochenende will ich weder meinen Chef noch andere Archäologen sehen.«
   »Du bist so ein Langweiler. So eine Chance wird dir vielleicht nie wieder geboten. Professor Gestner ist besonders an deiner Arbeit interessiert.«
   »Woher weißt du das?«
   Rita fühlte sich unbehaglich. Scorpio sah düster aus, sein Blick alarmierend. Trotzdem ignorierte sie seine zusammengezogenen Augenbrauen, schließlich ging es um seinen beruflichen Aufstieg. »Von deinem Chef, Robert Lörrer. Der Anruf kam, als du unter der Dusche warst. Ich habe die Einladung angenommen.« Sie bemühte sich, ihm selbstsicher zuzulächeln. »Es klang dringend, und er will, dass ich dich begleite. Er weiß ja, dass wir bald heiraten.«
   »Da weiß er mehr als ich.«
   »Sei doch nicht so schwer von Begriff.« Trotz der Tatsache, dass sie es war, die gerade die Regeln brach, machte er sie wütend. Seine Reaktion kam einer Abfuhr gleich. Zugegeben, Scorpio hatte ihr von Anfang an eingestanden, dass er seinen Freiraum brauchte und weder heiraten noch mit ihr zusammenziehen wollte. Er war immer ehrlich zu ihr gewesen, und sie hatte seinen Wunsch akzeptiert. Damals war ihr das leicht gefallen, inzwischen …
   Sie sehnte sich nach mehr, sie wollte öfter mit ihm zusammen sein, ihre biologische Uhr tickte. Obwohl sie die Warnung in seinen Augen, das Thema weiterzuspinnen, erkannte, missachtete sie seinen Blick. »Was ist dabei, wenn wir heiraten? Dein Vater würde sich auch über Enkel freuen.«
   »Mein Vater? Ich liebe meinen alten Herrn, aber mit Heiratsplänen braucht er mir nicht zu kommen, und du auch nicht.«
   »Warum können wir nicht wenigstens zusammenziehen? Wir könnten Geld sparen, wir kön…«
   »Rita, vergiss es! Ich lebe gern allein. Das wusstest du von Anfang an. Für eine feste Bindung bin ich einfach noch nicht bereit.«
   »Das wirst du auch nie sein, wenn du dich nicht endlich zusammennimmst. Es ist schlimm, dass deine Mutter sterben musste, als du noch ein Kind warst. Und jetzt hast du Angst, noch einmal einen Menschen zu verlieren. Aber deshalb musst du doch nicht alle Frauen abweisen.«
   Scorpio wandte überrascht den Kopf. »Wie kommst du auf diese absurde Idee?«
   »Das behauptet dein Vater. Er glaubt, dass du den Tod deiner Mutter nicht vergessen kannst. Doktor Tegler meint auch, dass …«
   »Erwähne nicht diesen Namen.« Scorpio sprach ganz ruhig, aber Rita wusste, dass sie zu weit gegangen war.
   »Ich hätte ihn nicht erwähnen sollen. Aber von deinem Vater darf ich doch reden?« Sie schluckte. »Er mag mich.«
   »Ich weiß das, nur über mein Leben bestimme ich selbst.«
   Rita blickte zur Uhr. Im nächsten Moment bedauerte sie diese Unvorsichtigkeit, denn Scorpio hatte es bemerkt.
   »Und ich gehe nicht auf diese Party«, fuhr er sie an. »Ist das der Grund, warum ich mir die Haare hätte schneiden lassen sollen?« Er starrte auf seine Unterlagen, die verstreut auf dem Tisch lagen.
   »Das mit dem Friseur war gestern«, verteidigte sich Rita. »Und hingegangen bist du ja auch nicht. Abgesehen davon wusste ich gestern noch nichts von der Party. Und ein Haarschnitt ist dringend nötig, deine Haare gehen dir bis zur Schulter. Das macht keinen guten …« Sie brach ab, als sie Scorpios Blick bemerkte. Sein Zorn war verflogen, nur jetzt entdeckte sie in seinen Augen einen Ausdruck, den sie nicht deuten konnte.
   »Du meinst, es macht keinen guten Eindruck, wenn ich so verwildert vor Professor Gestner erscheine?« Durch die erweiterten Pupillen glänzten seine Augen jetzt fast schwarz.
   »Das wollte ich sagen. Denk doch, Hannover. Du hast schon Bremen abgelehnt. Warum lässt du dir jede Chance entgehen?«
   »Ich habe kein Angebot aus Hannover bekommen. Mein Chef ist zwar ein eingebildeter Pinsel, aber beruflich lässt er mir meine Freiheiten. Ich mag meine Kollegen und kann mir meine Zeit einteilen. Warum sollte ich woanders hingehen?«
   »Um dich zu verbessern. Du bist vierunddreißig. Du hast Archäologie und Geschichte studiert, und was tust du? Friedhöfe ausgraben und Abhandlungen schreiben. Was ist an alten Gräbern in Europa so spannend? Hannover bietet dir die Möglichkeit, an Ausgrabungen in Ägypten teilzunehmen. Du würdest mehr verdienen, du hättest wichtigere Aufgaben, die auch die Presse beleuchtet, du könntest …«
   »Ich will das aber nicht. Warum geht das nicht in deinen hübschen Kopf?«
   »Weil ich hier nicht versauern will.«
   Scorpio sah überrascht auf. »Dann solltest du dir einen Job in Hannover suchen.«
   »Würde ich auch, wenn du mich begleitest.«
   »Keine Chance.«
   »Bedeutet das, dass du lieber auf mich verzichtest?« Sie konnte es kaum glauben. War sie zu offen gewesen? Was, wenn jetzt alles in die Brüche ging? Was lag ihr an Hannover, wenn er nicht bei ihr war? Wie konnte sie ihm nur begreiflich machen, dass ein Umzug ihre Beziehung neu beleben könnte? In einer fremden Stadt waren sie anfangs auf sich allein gestellt und sich dadurch besonders nahe.
   »Es bedeutet«, sagte Scorpio, »dass ich mich eher auf eine Wochenendbeziehung einlasse, als mein Leben hier aufzugeben.«
   »Willst du nicht weiterkommen?«
   »Nein. Und wenn ich dir zu langweilig bin, solltest du dich nach einem anderen Mann umsehen. Nach einem, der deinen Hang nach Geselligkeit teilt.« Er strich sich über die Stirn. »Warum hast du das nicht schon längst getan? An Angeboten mangelt es dir doch bestimmt nicht.«
   Rita schluckte. »Auf die Idee, dass ich dich liebe, bist du noch nicht gekommen?«
   »Doch schon, es ist mir nur unverständlich.«
   »Verdient hast du es nicht.«
   »Wahrscheinlich nicht. Ich will dir nicht immer wieder wehtun.« Er strich ihr über die Wange. »Zugegeben, wenn du mich verlässt, würde ich dich schmerzlich vermissen, aber wenn Heirat das ist, was du anstrebst, bin ich der Falsche. Ich tauge nicht zum Ehemann. Und Karriere ist so furchtbar anstrengend.«
   »Dein mangelnder Ehrgeiz macht mich wahnsinnig. Du weißt so unglaublich viel. Du könntest mehr aus dir machen.«
   »Vergiss es und jetzt Schluss der Debatte.«
   »Einverstanden«, gab Rita nach. »Zu der Party müssen wir trotzdem gehen. Wir werden erwartet. Zum Glück bleibt uns noch etwas Zeit.«
   »Dir«, sagte Scorpio. »Ich bleibe, wo ich bin.« Er wollte aufstehen, doch Rita hielt ihn fest.
   »Wollen wir diese Zeit nicht gemeinsam nutzen?« Sie schlug ihre Augen bewusst bittend zu ihm auf und öffnete leicht ihre Lippen. Rita beugte sich zu ihm und küsste ihn sanft auf den Mund.
   Wie erwartet, reagierte Scorpio sofort. Noch ehe sie auf seinen Schoß kriechen konnte, nahm er sie hoch und trug sie ins Zimmer nebenan. Dort ließ er sie behutsam aufs Bett gleiten. Er öffnete seine Hose, ohne Rita aus den Augen zu lassen. Sie richtete sich halb auf, winkelte ihre Beine an und spreizte sie.
   Langsam zog er sein Hemd aus.
   Rita streckte die Hände nach ihm aus. »Komm endlich, ich will dich berühren.«
   Seine Hand wanderte Zentimeter für Zentimeter nach oben. Rasch streifte er ihr das Kleid über den Kopf. Seine Finger glitten zärtlich über ihren nackten Körper.
   Ihre Körperhaare stellten sich auf und ein Hitzestrahl durchflutete sie von oben bis zu den Zehen. Ihr Schoß krampfte sich angenehm zusammen und begann zu pochen.
   »Du bist wunderschön«, hauchte er und küsste ihren Busen. Seine Hand fuhr ihr zwischen die Beine und seine Finger glitten in sie. »Zugegeben, eine Wochenendbeziehung fände ich unerträglich.« Er drückte ihre Beine weiter auseinander, wanderte mit den Fingern nach oben, drückte Rita in die Kissen und schob sich über sie, ohne einzudringen.
   Rita ließ ihre Finger über seinen Rücken gleiten und legte ihre Hände auf seinen Po. Sie hob ihr Becken, presste seinen Körper gegen ihren, sodass er keine Chance hatte, das Liebesspiel hinauszuzögern. Sie öffnete sich weit und stöhnte, als er endlich in ihren Schoß eintauchte.
   Ihre Körper bewegten sich in einem harmonischen Rhythmus, zuerst langsam, dann heftiger. Rita ließ die Hüften im Takt zu seinen intensiven Stößen kreisen, während Scorpio an ihrer Brustwarze saugte. Sie war kurz vor dem Höhepunkt und spürte, dass auch er sich nicht mehr lange beherrschen konnte. Ein letztes Kreisen, dann ergoss er sich in ihrem Schoß. Rita kam im gleichen Augenblick. Noch während ihr Körper zuckte, umklammerte sie Scorpio mit den Beinen, presste ihre Hände fest um seine Pobacken und drückte ihn so tief sie konnte in sich hinein.
   Scorpio blieb auf ihr liegen und streichelte ihr durch das Haar. »Biest«, flüsterte er und vergrub sein Gesicht zwischen ihren Brüsten. »Wieso kriegst du mich in diesem Punkt immer so schnell klein?«
   Sie fuhr ihm durch die dunklen Haare. »Ganz einfach. Im Bett bist du alles andere als ein Langweiler.«
   Scorpio lachte und biss ihr in den Hals. »Jetzt verstehe ich, warum du bei mir bleibst.«
   Rita seufzte. »Nein, das verstehst du nicht. Aber jetzt will ich nicht mit dir streiten. Mir war das eben zu schnell. Oder hast du schon genug? Willst du dich lieber wieder in deine Mittelalterlektüre vergraben?«
   »Momentan finde ich die Gegenwart aufregender.«
   »Das will ich dir auch geraten haben.« Rita umfasste sein Gesicht mit beiden Händen. »Wenn du mich je wegen alter Gräber ignorierst, verlasse ich dich auf der Stelle.« Sie durchwühlte seine Haare. »Ein Haarschnitt würde dir wirklich nicht schaden. Du siehst nämlich verdammt gut aus.«
   »Wenn ich nicht gerade den Zigeuner abgebe«, konterte Scorpio. Er küsste ihre Brüste, ihren Bauch und setzte den Weg weiter nach unten fort. »Willst du, dass ich das, was ich jetzt vorhabe, abbreche und zum Friseur gehe?«
   »Du bist und bleibst ein Schuft!«
   »Vielleicht«, entgegnete Scorpio, »aber deinen eigenen Worten nach wenigstens kein Langweiler im Bett.« Er spreizte ihre Schamlippen und vergrub seinen Mund zwischen ihren Beinen. Als er begann, seine Zunge kreisen zu lassen, ließ sich Rita in die Kissen fallen. Jetzt war nicht der richtige Augenblick für Diskussionen. Jetzt wollte sie ihn haben und tief in sich spüren.

*

Die Party war genau so, wie Scorpio befürchtet hatte. Die meisten redeten über sich selbst und prahlten mit ihren Erfolgen. Rita stand mit einem Sektglas in der Hand bei seinem Chef und amüsierte sich.
   »Hey, sind Sie nicht der Friedhofstyp?« Ein junger Mann stellte sich vor Scorpio auf. »Wenn ich Sie mir so ansehe, haben Sie selbst etwas von einem Vampir.«
   »Wirklich?« Scorpio ließ absichtlich eine Braue hochfahren. »Normalerweise werde ich anders tituliert.«
   »Ach ja.« Der junge Mann grinste. »Als Hexenmeister.« Er maß Scorpio von oben bis unten. »Ich bin Uwe Habenreiter. Wie Sie Archäologe, aber richtiger Archäologe, wenn Sie verstehen, was ich meine.«
   »Nur zu gut. Sie praktizieren die Archäologie, die einen in die Schlagzeilen bringt.«
   »Genau. Ich will schließlich nicht in Europa versauern.« Habenreiter kam einen Schritt näher. »Was gibt es auf unseren Friedhöfen schon zu finden? Hoffen Sie, einen Vampir wiederzuerwecken?« Er lachte. »Um den leitenden Posten bei Gestner zu bekommen, muss man mehr auf dem Kasten haben.« Er griff nach einem der Cocktailgläser, die ein Kellner auf einem Tablett umherreichte. »Gegen meine Mumien kommen Sie mit Ihren Grabfunden nicht an.«
   »Warum sollte ich auch? Stehen wir im Wettstreit?«
   »Ihr Wissen reicht über einen Ghul sicher nicht hinaus. Was für ein Wort für einen Vampir. Ich weiß alles über Ihr lächerliches Spezialgebiet.«
   Scorpio begriff nicht ganz, was dieser Angriff sollte. Und er war nicht gewillt, die Unverschämtheiten dieses Mannes durchgehen zu lassen. »So, wie es aussieht, wissen Sie nicht viel. Ein Ghul ist kein Vampir, sondern ein Opfer, das von einem Vampir in eine Art dienenden Zombie verwandelt wird. Es ist allgemein bekannt, dass der Ghul nichts mit dem traditionellen Vampirmythos zu tun hat, weil er seinen Ursprung im arabisch-persischen Mythenkreis hat und ein leichenfressender Dämon ist.«
   Habenreiter kippte seinen Drink hinunter. »Viel haben Sie als Forscher nicht erreicht. Keine Ahnung, warum fast jeder auf der Party Ihren Namen erwähnt.« Er drehte sich um und mischte sich wieder unter die Menge.
   Scorpio sah ihm kopfschüttelnd nach.
   »Keine Lust auf Small Talk?«, hörte er eine Stimme hinter sich. Peter drückte ihm ein Glas in die Hand. »Deinem Gesichtsausdruck nach bist du verärgert, aber das Zeug schmeckt echt toll. Wenn du dich mit mir zur Bar begibst, ist der Abend nicht ganz und gar verdorben.«
   »Du meinst, weil wir dann auf Kosten unseres Chefs sternhagelvoll sind?«
   »So ungefähr.« Peter lotste ihn zur Bar und drückte ihn auf einen der Hocker. »Da ich weiß, dass dich solche Zusammenkünfte anöden, kümmere ich mich ab jetzt um dich.« Er zwinkerte Scorpio zu. »Immerhin kennen wir uns seit Kindergartentagen. Schon damals hattest du diesen besonderen Blick, wenn dir etwas nicht passte. Also rede, wie hat Rita dich hierher gekriegt?«
   »Ich wollte sie nicht noch mehr kränken.«
   »Hey, was heißt kränken?« Peter setzte sich neben ihn. »Du solltest dich mehr um sie kümmern. Rita ist perfekt. Sie besitzt alles, wovon ein Mann träumen kann. Sie ist schön, klug, charmant und unterhaltsam.«
   »Und trotz dieser liebenswerten Eigenschaften kann ich mich nicht entschließen, für immer mit ihr zusammen zu sein. Allein schon der Gedanke daran, sie täglich zu sehen, verursacht mir Probleme.«
   »Rita hat eine solche Behandlung nicht verdient.«
   »Und einen Mann wie mich auch nicht«, gab Scorpio zu. »Mir genügt es, wenn wir uns regelmäßig treffen. Mehr erwarte ich nicht von einer Beziehung, und mehr bin ich auch nicht bereit, zu geben. Auch, wenn ich mir wieder schäbig vorkomme, kann ich nichts daran ändern.« Scorpio sah sich um. »Wieso sind wir hier?« Er nahm den Drink, den Peter ihm reichte. »Lörrer muss irregeworden sein.«
   »Weil er uns erlaubt, unter all diesen erlesenen Gästen zu wandeln und seine Bar zu plündern?«
   »Letzteres ist unsere Rache, wenngleich ich meine Einladung noch immer nicht begreife. Eigentlich Schwachsinn, und für schwachsinnig habe ich unseren Chef nie gehalten. Es gab schon ein paar Andeutungen, aber das kann ich kaum glauben.«
   »Doch doch, glaub es nur.« Peter grinste. »Professor Gestner ist an uns interessiert. Es geht um einen uralten Friedhof nahe der belgischen Grenze. Da der Professor sich jedoch nur mit Ägyptologie beschäftigt …«
   »Braucht er uns?«, unterbrach ihn Scorpio. »Als ob es im Norden nicht genug Leute gäbe, die dafür infrage kämen.«
   »Leute schon. Aber du kennst doch das Netzwerk der oberen Zehntausend. Eine Hand wäscht die andere, und der Professor hat ein Töchterlein, das einen Roman über Vampire schreibt. Die junge Dame braucht jemanden in ihrer Nähe zum Löchern, nämlich dich.« Er deutete zu Robert Lörrer, der bei Rita stand und sie förmlich mit den Augen verschlang. »Dass Lörrer das nicht passt, darauf kannst du Gift nehmen. Und noch jemandem passt das nicht in den Kram. Diesem Habenreiter.« Peter blickte zu dem jungen Mann, der sich gerade an eine Blondine heranmachte. »Er glaubt tatsächlich, er wäre der Größte.«
   Scorpio betrachtete seinen Chef, der sich angeregt mit Rita unterhielt.
   »Ich an deiner Stelle würde besser auf sie aufpassen. Lörrer ist kein Kostverächter. Der einzige Vorteil, dich an Hannover zu verlieren, ist der, dass du aus dem Weg bist. Dann kann er sich um Rita kümmern.«
   Scorpio winkte ab. »Ihr spinnt euch da nur was zusammen. Niemand will mir einen Job anbieten.«
   »Ich weiß ja auch nichts Genaues, aber …«
   »Typisch«, unterbrach eine Frauenstimme das Gespräch.
   Peter fuhr herum. »Du weißt natürlich mehr.« Peter schob der jungen Frau einen Barhocker zurecht.
   Auch Scorpio ließ seinen Blick über sie gleiten. Helen war eine schlanke Blondine mit kurz geschnittenen Haaren, blauen Augen und eine Kollegin von Peter und ihm.
   »Hübsch, der Hosenanzug«, sagte Peter. »Endlich zeigst du mal Dekolleté. Du solltest so was öfter tragen.« Er deutete auf ihren Ausschnitt.
   Helen klopfte ihm auf die Finger. »Das könnte dir so passen. Damit du mir beim Buddeln bis auf den Bauchnabel sehen kannst.« Sie blickte ihn amüsiert an. »Seit wann machst du Komplimente?«
   »Das gehört sich doch so. Wir sind in vornehmer Gesellschaft.«
   »Richtig.« Helen nahm den Drink, den Scorpio ihr gemixt hatte. »Wenn ihr das bemerkt habt, frage ich mich allerdings, warum ihr nicht in einem Anzug glänzt.« Sie musterte Peter von oben bis unten. »Deine Hose ist ganz passabel, ebenso dein Jackett. Aber ihr hättet wenigstens eine Krawatte umbinden können. Wann begreift ihr, dass Einladungen beim Chef nichts mit Ausgrabungen oder dem Alltag im Institut zu tun haben?« Sie maß Scorpio mit strengem Blick. »Jeans und Hemd, ansonsten geht es dir noch gut? Und deine Haare. Glaubst du, Professor Gestner will einen Zigeuner engagieren?«
   »Er will was?«
   »Du bist nur hier, weil er dir ein Angebot machen will«, sagte Helen. »Mach dich darauf gefasst, dass er demnächst an dich herantritt.« Sie musterte ihn noch einmal gründlich. »Nein. So, wie du aussiehst, kannst du nicht damit rechnen.«
   »Umso besser. Was soll ich auch in Hannover?«
   »Rita ist mit dem Professor bereits im Gespräch.« Peter deutete zu der kleinen Gruppe. »Ich schätze, sie ebnet dir gerade den Weg.«
   »Daher das plötzliche Interesse an meinen Forschungsarbeiten«, brummte Scorpio.
   »Habt ihr schon bemerkt, wie nervös Lörrer ist?«, fragte Helen.
   »Können wir das Thema wechseln?« Scorpio unterzog sämtliche Flaschen auf der Theke einer gründlichen Inspektion. »Was haltet ihr davon, wenn wir diese vier Sorten zusammenkippen?«
   Peter schob ihm den Mixbecher zu. »Ich bin immer für Experimente zu haben.«
   »Ich auch.« Helen griff nach der Zitrone. »Mir bitte spritzig.«

Es dauerte eine Stunde, bis Scorpio begriff, dass an dem Gerede seiner Freunde etwas dran war. Professor Gestner näherte sich der Bar.
   Er hatte ihn unterschätzt, dachte er, als ihn der ältere Herr geschickt von seinen Freunden isolierte und wenig später durch den Saal lotste. Als sie an Uwe Habenreiter vorbeigingen, öffnete dieser den Mund und entblößte ein Vampirgebiss. Allgemeines Gelächter begleitete den Scherz.
   Scorpio ignorierte die Gruppe und verfluchte sich dafür, hergekommen zu sein.

*

Peter beobachtete das Gespräch aus der Ferne.
   »Sieht nicht gut aus«, meinte Helen, die neben ihm saß und sich über die Erdnüsse hermachte.
   »In diesem Punkt ist mit Scorpio nichts anzufangen.«
   »Ein richtiger Sturkopf. Ich bewundere ihn. Er weiß genau, was er will. Es gehört eine Menge dazu, so ein Angebot abzulehnen.«
   Peter blickte kurz zu Rita, die Scorpio ebenfalls nicht aus den Augen ließ. »Die Falte zwischen Scorpios Augen müsste sie eigentlich warnen.« Er seufzte. »Nur wie ich Rita kenne, wird sie das wie immer ignorieren. Ich befürchte nur, dass das heute so richtigen Ärger gibt.«
   »Nicht unser Problem.« Helen rutschte von ihrem Stuhl. »Begleitest du mich in den Garten? Scorpio hat recht, die Hälfte von Lörrers Gästen sind eingebildete Pinsel und halten sich für unwiderstehlich.«
   Peter reichte Helen einen Arm und führte sie auf die Terrasse.

*

Scorpio fand sich nach dem Gespräch in einem Strudel belangloser Plaudereien wieder und sehnte das Ende der Party herbei.
   »Wohl keinen Mumm, so einen verantwortungsvollen Posten anzunehmen«, raunte ihm Habenreiter zu.
   »Was hat der Professor mit dir besprochen?«, fragte Rita, und bot ihm dadurch die Möglichkeit, sich von der Menschentraube um Habenreiter loszueisen.
   »Nichts. Können wir gehen? Das Gerede wird von Minute zu Minute langweiliger.«
   »Gehen?« Rita blickte entsetzt auf.
   »Nein, Sie dürfen noch nicht gehen«, mischte sich auch Lörrer ein, der überraschend hinter ihnen aufgetaucht war. »Himmel, bin ich froh, dass Sie mir erhalten bleiben. Ich an Ihrer Stelle hätte diesem Angebot nicht widerstehen können.«
   »Was bedeutet das?« Rita blickte zu Scorpio, dann zu seinem Chef.
   »Ihr Freund hat einen leitenden Posten abgelehnt.« Lörrer nippte an seinem Glas. »Und ein recht ordentliches Gehalt. Diese Summe kann ich ihm niemals bieten.«
   »Bist du von Sinnen?« Rita schnappte nach Luft. »Du musst das rückgängig machen. Diese Ablehnung … Das kann unmöglich dein Ernst sein. Du gehst jetzt mit mir zu …«
   Scorpio packte sie am Arm und zog sie Richtung Garderobe. »Ich will nichts mehr davon hören. Ich bin nur dir zuliebe hier, also sei damit zufrieden. Wenn du keinen Eklat auf Lörrers Party willst, lässt du mich ab jetzt mit Hannover in Ruhe. Haben wir uns verstanden?«
   Rita riss sich von ihm los. »Dann versauere doch in deinem Institut.«
   »Bitte keinen Streit«, mischte sich Lörrer ein, der ihnen gefolgt war. »Rita, beruhigen Sie sich.« Er legte Scorpio eine Hand auf die Schulter. »Sie sind aus irgendeinem Grund verärgert. Trotzdem muss ich Sie um einen Gefallen bitten. Sarah Gestner braucht Informationen für ihren Roman. Scorpio, es geht um Ihr Spezialgebiet.« Er deutete zu dem Bogengang, der in die Diele und von dort aus in den Wintergarten führte, wo die junge Frau bereits auf ihn wartete.
   »Das mache ich nur zu gern«, sagte Scorpio. »Das ist wenigstens ein Thema, bei dem ich kein leeres Stroh dreschen muss.«
   Rita schloss entsetzt die Augen.
   Ohne ein weiteres Wort drehte sich Scorpio um und ging.

»Als Lörrer mich bat, mit Ihnen zu sprechen, dachte ich, der Abend würde jetzt noch furchtbarer werden.« Scorpio betrachtete seine Gesprächspartnerin. »Ich bin angenehm überrascht.«
   Sarah lachte. »Dann waren meine Fragen nicht so dumm?«
   »Im Gegenteil. Sie verfügen über ein fundiertes Wissen in Geschichte.« Er lehnte sich entspannt in seinem Korbsessel zurück. In Sarah Gestners Gesellschaft hatte er sein inneres Gleichgewicht wiedergefunden. »Und Sie schreiben einen Vampirroman?« Scorpio starrte auf das plätschernde Wasser des Springbrunnens, der im Wintergarten zwischen üppigen Pflanzen stand und für eine angenehme Atmosphäre sorgte.
   »Es handelt sich um einen historischen Roman. Im Mittelpunkt meiner Handlung stehen ein Vampirjäger und sein weibliches Opfer. Die Frau gerät in den Verdacht, von einem Vampir gebissen worden zu sein. Es geht mir um die Bekämpfung der Vampire und deren Opfer im achtzehnten Jahrhundert. Wie ging die Kirche damit um? Wie konnten die Menschen damals von ihrem Aberglauben abgebracht werden?«
   »Gar nicht«, sagte Scorpio. »Das ist uns bis heute nicht gelungen. Es gibt noch immer Menschen, die schwarze Katzen für Unglücksbringer halten oder die Zahl dreizehn als böse ansehen.«
   Sarah blätterte in ihren Notizen. »Der Vampirjäger stößt also einem Verdächtigen den Pflock ins Herz. Sie selbst haben solche Grabstätten gefunden, auch welche, wo dem Toten der Kopf abgeschlagen wurde.«
   »Richtig. Es wird oft behauptet, dass das Pfählen, also das Schlagen eines Holzpflocks mitten durchs Herz, nur zu einer Art Totenstarre führt. Der Glaube, dass der Vampir durch das Entfernen des Pflocks wieder lebendig wird, war weit verbreitet. Um sicherzugehen, dass der Vampir nicht als Untoter zurückkehrt, wandte man eine kombinierte Methode aus diesen beiden Praktiken an. Zuerst haben sie den vermeintlichen Vampir gepfählt, danach wurde ihm der Kopf mit dem Spaten des Totengräbers abgetrennt. Das Köpfen erschien den Menschen als die sicherste Methode.«
   »Das ist genau das, was ich für meinen Roman brauche. Und wenn das alles getan wurde, waren die Leute dann zufrieden?«
   »Da zu keiner Zeit irgendjemand sein Grab jemals verlassen hatte, würde ich Ja sagen. Außer natürlich im Roman und beim Film.« Scorpio deutete auf ihre Notizen. »Maria Theresia war sehr daran interessiert, diesen Irrsinn zu beenden. Sie hat zahlreiche Untersuchungen veranlasst, bei denen belegt wurde, dass alle Vampirkennzeichen rational erklärt werden konnten und auf natürliche Ursachen zurückzuführen sind.« Er lehnte sich wieder zurück. »Eigentlich logisch. Maria Theresia erließ daraufhin einen Erlass zum Thema Vampire. Alle traditionellen Abwehrmaßnahmen wie das Pfählen, Köpfen und Verbrennen wurden daraufhin verboten.«
   »Das muss unbedingt in einen historischen Roman mit eingebaut werden.« Sarah nickte zufrieden. »Jetzt sind Sie von mir befreit.«
   »Unser Gespräch hat sich als Höhepunkt des Abends erwiesen.«
   »Was für ein Kompliment. Ich hörte schon, dass Sie Ungar sind. Daher wohl Ihr geheimnisvoller Vorname.«
   »Meine Mutter stammte aus Ungarn. Scorpio heiße ich auf ihren Wunsch. Ich bin im Sternzeichen des Skorpions geboren und trage seit meiner Geburt einen Skorpionanhänger.«
   »Dann sind Sie ideal, um als Romangestalt ins Visier genommen zu werden.«
   »Alles, nur das nicht«, wehrte er ab. »Laut meiner Freundin bin ich nur ein Langweiler.«
   »Niemals. Sie erzählen so fesselnd, ich könnte Ihnen stundenlang zuhören.«
   »Meine Freundin hasst alles, was mit der Vergangenheit und Tod in Verbindung steht.«
   Sarah blickte zur Tür, dann in sein Gesicht. »Ich glaube, wir sollten uns wieder unter die Leute mischen. Ich möchte Sie nicht zu lange aufhalten.«
   Scorpio nickte. Er wollte nach diesem Gespräch unauffällig mit Rita verschwinden. Es klopfte an der Tür.
   »Mein Verlobter.« Sarah seufzte. »Ich wünschte, er hätte mehr Verständnis für meinen Beruf.«
   »Wer wünscht sich das nicht? Meine Freundin begreift auch nicht, warum ich gern im Dreck buddle und uralte Gräber aushebe. Würde ich das allerdings in Ägypten tun, wäre es etwas anderes.«
   »Unglaublich, nicht wahr?« Sarah lächelte und gab ihrem Verlobten ein Zeichen, dass sie gleich kommen würde. »Ich habe schon gehört, dass Sie den Posten im Institut meines Vaters abgelehnt haben. Mögen Sie Ägypten nicht?«
   »Sagen wir lieber, mich fasziniert Europa.«
   »Und an einer Karriere liegt Ihnen auch nichts?«
   »Nicht, wenn ich dafür eine geliebte Tätigkeit aufgeben muss. Auch wenn manche mich für einen Versager halten, ich bin glücklich da, wo ich bin.«
   Sarah winkte ab. »Wenn Sie damit auf die Bemerkung von Habenreiter anspielen, denken Sie sich nichts dabei. Er ist ein aufgeblasener Angeber. Mehr Schein als Sein. Er will immer höher hinaus. Genau wie einige andere auch, die ich hier kennengelernt habe.«
   »Man misst sich mit dem, was man hat und was man noch erreichen muss«, erwiderte Scorpio.
   »Ist das einer Ihrer wunden Punkte?«
   »Vielleicht«, antwortete er, »aber ich will mich weder wegen einer zweifelhaften Karriere noch wegen eines höheren Gehalts ändern, auspowern oder einschränken.«
   »Ihre Freundin hat das noch nicht verstanden. Sie hofft, dass mein Vater vielleicht …«
   »Keine Chance. Für diesen Posten bin ich der Falsche. Repräsentieren liegt mir nicht. Wenn Sie Ihrem Vater einen Wink geben wollen: Mein Kollege Herbert Rötinger ist genau der Mann, den er braucht.«
   Die Tür öffnete sich, und andere Gäste betraten den Raum. Sarah reichte Scorpio die Hand und verabschiedete sich.
   Er starrte ihr in Gedanken versunken nach. Erst Minuten später riss er sich zusammen und folgte ihr zurück in den Saal. Als Scorpio, auf der Suche nach Rita, in den ersten Stock schlenderte und dort an der offenen Balkontür vorbeikam, sah er Uwe Habenreiter draußen stehen und auf die Straße stieren. Der Archäologe lehnte sich plötzlich weit über das Geländer und schwankte dabei so sehr, dass Scorpio befürchtete, er würde gleich über die Brüstung kippen. Schnell trat er hinaus, um das Schlimmste zu verhindern.
   Habenreiter fuhr herum, als Scorpio ihn von der Brüstung zurückzog. »Sieh an, der Friedhofstyp. Werfen Sie mal einen Blick da runter. Echt scharf, die Lady.«
   Scorpio blickte auf die Straße. Er sah eine Frau in einem roten Kleid, die offensichtlich auf jemanden wartete.
   »Hat’s Ihnen die Sprache verschlagen?«, fuhr Habenreiter ihn an. »Die ist doch Wahnsinn!«
   Er zuckte mit den Schultern. »Nicht mein Typ. Sieht aus wie ein Vamp.«
   Habenreiter lachte. »Die müsste doch in Ihre Kategorie fallen. Vampire und Hexen.« Er drehte sich so heftig um, dass er schwankte. Scorpio packte ihn am Kragen, damit er das Gleichgewicht nicht verlor.
   »Loslassen, Mann.«
   Scorpio zögerte nicht eine Sekunde und tat ihm den Gefallen.
   Habenreiter torkelte erneut und ruderte mit den Armen.
   Scorpio warf einen Blick über die Brüstung. Der Garten unter ihnen war mit dichten Sträuchern bepflanzt. »Es ist sicherlich schmerzhaft, da runterzusegeln«, meinte er ungerührt, »aber das Gestrüpp mindert bestimmt den Aufprall. Ich kann Sie also Ihrem Schicksal überlassen.« Er drehte sich um, doch Habenreiter packte ihn am Arm.
   »Nichts da, die Biene da unten gehört mir.«
   »Bitte sehr, kein Interesse.«
   Habenreiter grinste. »Hast wohl Angst vor so einer. Mit Weibern muss man nur richtig umgehen. Selbst die, die Krallen haben, wollen nur gezähmt werden. So ein Vamp ist nichts für Kerle mit schwachen Nerven.«
   »Na dann.« Scorpio ließ ihn stehen. Er wollte jetzt endlich nach Hause.
   Auf dem Weg zur Garderobe wurde er von Sarah aufgehalten, die ihm ihren Verlobten und einige ihrer Freunde vorstellte.
   Scorpio registrierte, dass Habenreiter wütend zu ihnen herüberblickte, dann aber den Balkon verließ und sich hinter der Bar eine Flasche Sekt und zwei Gläser schnappte. Offensichtlich war er entschlossen, die Lady mit dem roten Kleid aus der Nähe zu begutachten. Habenreiter schlenderte an ihnen vorbei, blieb aber abrupt stehen.
   »Sie glauben an nichts Übersinnliches?«, fragte Sarah gerade.
   Scorpio wandte sich von Habenreiter ab und sah in ihr verwundertes Gesicht. »Warum sollte ich?«, antwortete er.
   »Eine Bekannte hört im Haus ihres verstorbenen Onkels nachts Geräusche«, erzählte Sarahs Verlobter.
   »Wenn man gründlich nachforscht, findet sich meist eine logische Erklärung«, sagte Scorpio. »Es gibt nichts Übersinnliches. Dafür hat noch niemand einen Beweis erbracht, der einer genauen Überprüfung standhalten konnte.«
   »Richtig«, mischte sich Habenreiter in ihr Gespräch. »Aber Horrorgeschichten jagen den Leuten einen Schauder über den Rücken. Die Welt giert nach blutigen Erzählungen.« Nach diesen Worten drehte er sich um und verschwand Richtung Ausgang.
   »Angetrunken ist er noch unausstehlicher.« Sarah seufzte.
   Scorpio grinste. »Ganz meine Meinung. Was das Übersinnliche und den Horror betrifft, hat er allerdings recht.«

2. Kapitel
Die Frau im roten Kleid und Scorpios Chef

Verena schlenderte vor der Villa auf und ab, die hohen Absätze ihrer roten Schuhe klapperten bei jedem Schritt. Immer wieder starrte sie zu den hell erleuchteten Fenstern, aus denen Musik und Stimmengemurmel erklangen.
   »Du lässt ihn in Ruhe«, hörte sie eine Stimme hinter sich.
   Abrupt drehte sie sich um. Eine alte Frau stand ihr gegenüber und betrachtete sie streng. Die Alte trug einen Leinenrock, der bis zum Boden reichte, und eine altmodische Bluse. Ihre langen weißen Haare waren zu einem Flechtzopf gebunden, der ihr über den Rücken hing. Ihre dunklen Augen glänzten im Schein der Laterne.
   »Ich will nichts von ihm«, erwiderte sie und zog an ihrer Zigarette.
   »Dann ist es ja gut«, meinte die Alte. »Das Gleiche gilt für die anderen.« Sie starrte zu dem Mann, der gerade den Eingangsbereich verließ.
   »Ein Gast und nicht von hier. Das geht dich nichts an.«
   Die Alte blickte zur Villa. An einem der Fenster stand Scorpio Sternburg.
   »Er interessiert mich nicht«, wiederholte sie und warf ihre Zigarette fort.
   Die Alte nickte, drehte sich um und verschwand in der Dunkelheit.
   »Ich dachte schon, die Oma gehört zu dir.« Der Mann hielt eine Flasche samt Sektgläsern in die Höhe. »So was wie dich kann ich doch nicht allein auf der Straße stehen lassen.« Er füllte die Gläser. »Wartest du auf jemanden?« Galant reichte er ihr ein Glas.
   Sie nahm es und stieß mit ihm an.
   »Uwe Habenreiter«, stellte er sich vor.
   »Verena«, erwiderte sie. »Ich bin versetzt worden, so gesehen warte ich nur auf dich.« Zufrieden beobachtete sie, wie ihr Gegenüber seinen Blick über ihre Gestalt schweifen ließ.
   »Wow, aus der Nähe bist du noch viel aufregender.«
   Verena wusste genau, was ihn erregte. Ihr knallrotes Kleid schmiegte sich eng um ihren Körper und zeigte die Rundungen an Busen und Po. Ihr Ausschnitt war tief und ließ den Blick auf ein schönes Dekolleté frei. Ihr Busen wurde von einem BH nach oben gedrückt, dessen Spitzenverzierung zu sehen war. Aber nicht die Verzierungen an ihrem BH erregten ihn, sondern der tiefe Schlitz zwischen ihren vollen Brüsten.
   Uwe fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Das muss ein Idiot sein, der so was wie dich nicht abholt«, meinte er und trank einen Schluck.
   Er wirkte aufgekratzt, und seine Augen glänzten. Zu viel Alkohol, stellte sie fest, aber die Nachtluft hatte ihn ernüchtert. Und sie. Sie kroch gedanklich in seinen Kopf. Nun sah sie mit seinen Augen, was er sah. Eine Frau in lässiger Haltung mit dunklen, schulterlangen Haaren. Ein rot geschminkter Mund, die Augen, bedingt durch den Kajalstift, schmal wie die eines Raubtiers. Die Fingernägel lang und knallrot lackiert. Verena lächelte ihm zu und stellte ihr Glas auf den Bürgersteig. Dabei berührte sie ihn wie zufällig am Bein.
   Uwe zerrte an seiner Krawatte und lockerte den Knoten.
   »Hast du Lust, mich zum Flussufer zu begleiten?« Sie sah betont verführerisch zu ihm auf.
   »Nichts lieber als das.« Uwe deutete auf die gegenüberliegende Straßenseite und reichte ihr einen Arm. Den Sekt und die Gläser ließ er auf dem Bürgersteig stehen.
   Sie ließ sich von ihm über die Straße führen, die Treppe hinunter, die zur Donau führte. Ein leichter Wind wehte, und sie waren allein. Das Mondlicht beleuchtete die Umgebung, genau wie die Straßenlaternen, deren Schein ebenfalls bis hierher reichte. Vor einer Bank blieben sie stehen. Sie setzte sich und schlug die Beine übereinander. Dabei glitt ihr Kleid vorn auseinander. Sofort änderte sie ihre Stellung, stellte beide Füße auf den Boden und ließ ihre Knie nach außen fallen.
   Uwe stand vor ihr und starrte auf ihre langen Beine und die Strapse, die sie trug. Dass er deutlich etwas sehen, oder besser gesagt, nicht sehen konnte, erkannte sie an seinem Blick.
   »Du trägst ja keinen Slip.« Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, setzte sich neben sie und legte einen Arm um ihre Schultern.
   Verena wehrte ihn ab.
   »Hey, nicht so zickig.« Uwe packte sie am Handgelenk. »Was glaubst du, warum wir hier sind?«
   »Weil du mich näher kennenlernen willst.«
   Uwe lachte. »Klar doch.« Er riss sie an sich, doch Verena versetzte ihm einen Stoß.
   Er schwankte und kippte von der Bank. Sprachlos blieb er auf dem Boden sitzen.
   »Ich entscheide, ob und wann es passiert.« Sie stellte sich breitbeinig vor ihm auf.
   Uwe starrte zu ihr empor. Er war wütend und erregt, und sah aus, als würde er gleich über sie herfallen.
   »Kannst du dich nicht beherrschen?«, wollte sie wissen und wippte mit den Hüften.
   »Du Luder«, brüllte er. »Glaubst wohl, du kannst mich zum Narren halten.« Er rappelte sich auf.
   »Aber nein.« Sie knöpfte ihr Kleid auf. »Wir wollen doch beide fast das Gleiche.« Knopf für Knopf ließ sie ihr Kleid aufspringen und es zu Boden gleiten.
   Uwes Atem ging schwer, als sie in ihren Strapsen, ohne Slip und dem fast durchsichtigen BH vor ihm stand. »Na also.« Er riss sie erneut an sich, seine Hände wanderten zu ihren Brüsten. Er tastete nach ihrem Po und glitt mit der Hand zwischen ihre Beine.
   Verena öffnete seine Hose und nahm seinen Penis in die Hand. Er war nicht sehr hart, trotzdem drängte sich Uwe ihr gierig entgegen.
   Er umfasste ihren Hintern, zog ihr Becken an sich heran und versuchte, in sie einzudringen. Es gelang ihm nicht. Er bemühte sich weiter und stieß erneut zu. Es funktionierte nicht.
   »Kannst du es nicht?« Sie lachte. »Hast du zu viel getrunken?«
   Uwe wurde weiß vor Wut. Er packte sie an den Haaren, riss ihr den Kopf zurück und küsste sie brutal, während seine freie Hand sie an sich presste. Erneut versuchte er, in sie einzudringen.
   »Vergiss es!« Verena stieß ihn von sich. »Mit so einem wie dir kann ich meine Lust nicht stillen.«
   Uwe stürzte sich auf sie.
   Verena umfasste seine Schultern und schob ihn auf Armlänge von sich. Zufrieden registrierte sie, wie er über ihre Kraft erschrak.
   Er versuchte, sich loszureißen, doch sie hielt ihn gnadenlos fest. Sein zorniger Blick amüsierte sie. »Macht dich meine Heiterkeit rasend?«, fragte sie betont sanft.
   Uwe fasste ihr brutal zwischen die Beine.
   »Schade, dass du es nicht bringst. Das hätte ich zuvor auch noch gern mitgenommen.« Verena umfasste sein Gesicht mit den Händen. Sie öffnete den Mund und zeigte ihm ihre spitzen Eckzähne.
   Uwe wich zurück. Als sie lachte und ihren Mund ganz öffnete, schrie er auf. Sie schlug ihm ihre Zähne in den Hals und saugte sich daran fest.
   Uwes Aufschrei verwandelte sich in Sekundenschnelle in ein klägliches Wimmern, das Zappeln ging über in Zuckungen, bis sein Körper schlaff wurde und er sich nicht mehr rührte.
   Verena ließ ihn los. Sie spürte das Blut in ihrem Mund und wie es ihr über das Kinn lief. Während sie es hinunterschluckte und sich die Lippen leckte, griff sie nach der leblosen Gestalt und steckte ihrem Opfer einen seltsam geformten Stein in die Hosentasche. Danach packte sie ihn am Hemdkragen und zerrte ihn zum Fluss, nicht weit von der Schleuse entfernt. Dort rollte sie ihn ans Ufer und ließ ihn ins Wasser gleiten.
   »Warum tötest du sie immer?« Die Alte erschien wie aus dem Nichts.
   »Ich kann tun, was ich will.« Verena richtete sich auf. »Es geht dich nichts an.«
   »Natürlich nicht. Trotzdem ist es nicht nötig. Nur dir macht das ja Spaß.«
   »Warum auch nicht? Er wollte mich notfalls mit Gewalt nehmen. Aber ich bin stark.« Sie ging zurück zur Bank und schlüpfte in ihr Kleid.
   »Du bist nicht stark«, hörte sie die Alte flüstern. »Einem mächtigen Vampir wärst du nicht gewachsen. Du bist nur stark, solange dein Opfer schwach ist.«
   Die Alte warf sich den langen Flechtzopf auf den Rücken und stieg die Treppen Richtung Straße und Lörrers Villa hinauf.
   Verena zuckte die Schultern und schlenderte in Richtung Innenstadt davon.

*

»Da steckst du ja.« Rita fing Scorpio gerade noch vor der Garderobe ab. Sie ahnte, dass er noch immer böse auf sie war. »Sarah Gestner ist nett«, fuhr sie betont munter im Plauderton fort. »Genau wie ihr Vater.« Sie hakte sich bei ihm unter.
   »Rita, bemühe dich nicht. Meine Entscheidung ist gefallen. Hör endlich auf, mich anzutreiben. Akzeptiere mich so, wie ich bin, oder such dir einen anderen. Falls du dich für Letzteres entscheidest, empfehle ich dir einen Mann, den du nicht erst umkrempeln musst.«
   »Bildest du dir etwa ein, dass das ein Problem wäre?« Rita fühlte, wie sich ihr Magen verkrampfte. »Dein Chef wäre schon mal ein geeigneter Kandidat.«
   »Dann frage ich mich, warum du noch an meinem Arm hängst.«
   »Ach Scorpio, sei doch nicht so schwer von Begriff. Du weißt genau, dass ich keinen anderen will.«
   »Dann hör auf, mein Leben zu planen.« Scorpio runzelte die Stirn.
   Sie folgte seinem Blick. Professor Gestner kam auf sie zu, doch Scorpio wandte sich zum Gehen ab.
   »Das kannst du nicht machen, das ist unhöflich«, flüsterte sie und hielt ihn fest. »Wer weiß, wozu du den Mann noch brauchst.«
   »Es reicht. Ich brauche ihn nicht.«
   »Und mich wohl auch nicht?« Sie unterdrückte ihre aufsteigenden Tränen. »Es ist dir anscheinend egal, wenn ich mich ab jetzt allein amüsiere.« Sie drehte sich um und ließ ihn stehen.

*

Scorpio atmete auf, als er sah, dass Professor Gestner angesprochen und in ein Gespräch verwickelt wurde. Stattdessen kam Peter auf ihn zu.
   »Du machst ein Gesicht, dass man Angst bekommt.« Peter schob ihn zu einer Sitzecke und drückte ihn auf einen Stuhl. »Ist dir die Professorentochter auf die Nerven gefallen?«
   »Nein. Mit ihr hatte ich das einzig vernünftige Gespräch. Ihre Freunde sind auch nett.«
   »Wenigstens etwas. Es geht um Rita. Sie ist auffallend heiter, findest du nicht?«
   »Sie ist außer sich.«
   »Wegen Hannover?«
   »Und weil ich mich weigere, sie zu heiraten.«
   »Seid ihr mal wieder so weit?«
   »Leider.«
   »Sie flirtet mit deinem Chef, um dich eifersüchtig zu machen. Schau nicht so. Es geht wirklich nur darum.«
   »Und jetzt soll ich wohl einschreiten, Othello spielen und sie zum Altar entführen?«
   »Es würde fürs Erste genügen, wenn du eine Wohnung mit ihr teilst.«
   »Und danach werde ich festgenagelt.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, Rita und ich passen nicht mehr zusammen.«
   »Ihr habt noch nie zusammengepasst. Im Grunde ist sie viel zu gut für dich.«
   »Ich weiß, aber sie hat ganz andere Vorstellungen.«
   »Deshalb ist sie deine Freundin.«
   Scorpio sah verwundert auf. »Was soll das jetzt schon wieder bedeuten?«
   »Du hast eindeutig Bindungsängste. Und aus diesem Grund entscheidest du dich nur für Frauen, die zwar hübsch, intelligent und nett sind, aber überhaupt nicht zu dir passen.« Peter grinste.
   »Sonst geht es dir gut? Ich meine, außer dass du besoffen bist?«
   »Im Wein liegt die Wahrheit, das solltest du als Forscher wissen.«
   »Hm.« Scorpio musterte ihn amüsiert. »Seit wann bist du unter die Psychologen gegangen? Und wenn wir schon von Bindungsängsten reden, wo ist deine Frau? Wo sind deine Kinder?«
   »Nicht vorhanden wegen unüberwindbarer Bindungsängste.«
   Scorpio lachte. Sein Ärger war verflogen. Erst, als er erneut zu Rita blickte, wurde er wieder ernst.
   »Sie will dich nur eifersüchtig machen. Du darfst das nicht persönlich nehmen«, wiederholte Peter.
   »Tue ich aber. Ich weiß, du versuchst nur zu retten, was noch zu retten ist, aber das hier ist eine Aufforderung. Rita will, dass ich reagiere. Ich bin einfach noch nicht so weit.«
   »Mir musst du das nicht erklären. Willst du dich nicht doch um sie kümmern? Sie erwartet das. Sprecht euch doch aus.«
   »Wie oft denn noch?« Scorpio stand auf. »Ich lasse mich nicht provozieren. Und öffentlich erst recht nicht. Wenn ich ihr jetzt nachgebe, hört das Theater nie auf. Aus diesem Grund tue ich etwas anderes.«
   »Gehen?«
   »Richtig, und nachdenken. Hier ist nicht der richtige Ort, um eine Beziehung wieder ins Lot zu bringen. Abgesehen davon muss ich mir erst einmal klar darüber werden, ob ich das überhaupt noch will.« Er klopfte Peter auf die Schulter. »Schau nicht so bedrückt. Verrate mir lieber, ob du noch bleibst?«
   »Ich gehe mit Helen in eine Bar.« Peter hob die Hand zum Gruß.
   Scorpio nickte ihm zu, schlüpfte in seine Jacke und verschwand.

*

»Soll das heißen, er ist einfach gegangen?« Rita konnte es kaum glauben, als sich Peter von ihr und Lörrer verabschiedete. Das war alarmierend. Scorpio war sonst nie unhöflich.
   »Ich soll euch grüßen«, sagte Peter und wandte sich zum Gehen.
   Rita starrte ihm fassungslos hinterher. Sie wusste, dass er gelogen hatte.
   Lörrer berührte sie an der Schulter. »Scorpio ist, was Konventionen betrifft, recht starrsinnig.«
   »Er ist unmöglich.«
   »Trotzdem bin ich froh, dass er für mich arbeitet. Und ich bin glücklich, dass er in Regensburg bleibt, denn sonst … könnte ich Ihre Gesellschaft nicht mehr genießen. Sie würden ihm sicherlich überallhin folgen?« Er lächelte ihr zu.
   »Überallhin nicht, aber Hannover wäre ganz nach meinem Geschmack gewesen. Diese Chance ist leider vertan.« Sie legte eine Hand auf seinen Arm. »Herr Lörrer, Sie müssen Scorpio mehr fordern.«
   »Wollten Sie nicht Robert zu mir sagen?«
   »Sie wollten das.«
   »Richtig, es klingt gleich viel vertrauter.«
   »Einverstanden, aber könnten Sie Scorpio nicht helfen, voranzukommen?«
   »Er muss nicht gefordert werden. Scorpio leistet von sich aus genug. Dass er sich keinen Deut um einen Doktortitel schert, daran kann ich nichts ändern. Es würde ihm bei mir auch nichts nützen, wir sind nur ein kleines Institut.«
   »Eben, das meine ich ja. Können Sie nichts für ihn tun? Scorpio käme nie auf die Idee, sich mehr als nötig anzustrengen. Und auf mich nimmt er keine Rücksicht.«
   »Das ist allerdings unverständlich.« Robert führte ihre Hand an seine Lippen. »So sehr ich Scorpio schätze, in diesem Punkt ist er leichtsinnig. Auf eine Frau wie Sie sollte ein Mann von Welt aufpassen wie auf ein Juwel.«
   »Ein Mann von Welt.« Sie lachte. »Scorpio ist alles andere als das.«
   Robert küsste ihren Handrücken. Der Kuss war zärtlich und kribbelte angenehm auf der Haut. Lörrers Zuwendung tat ihr nach allem, was sie heute durchgemacht hatte, gut.
   »Zu Ihnen passt nur ein Mann von Welt«, flüsterte er.
   Er ließ ihre Hand los, da sich mehrere Gäste verabschieden wollten. Dies hatte zur Folge, dass sich auch alle anderen anschlossen und Robert eine halbe Stunde später den letzten Gast zur Tür begleitete.

Als er zurückkam, stand sie noch immer an der Bar und grübelte.
   »Wo waren wir stehen geblieben?« Robert reichte ihr einen Aperitif.
   »Sie sagten, zu mir passt nur ein Mann von Welt.« Sie schätzte Lörrer sehr, wollte aber nicht zu ihm überwechseln. Noch immer war sie davon überzeugt, Scorpio beeinflussen zu können. Sie musste nur langsamer dabei vorgehen. Er durfte nicht merken, dass er gelenkt wurde.
   »Was Sie an Scorpio finden, begreife ich nicht. Er ist ein netter Kerl, aber Sie müssen doch sicherlich einiges bei ihm entbehren. Der Mann an Ihrer Seite sollte ein Kavalier sein, Sie verwöhnen und ausführen.« Er legte seine Hand auf ihren Arm, strich mit seinen Fingern sanft über ihren Ellenbogen bis hoch zur Schulter.
   »Und Sie wollen dieser Kavalier sein?«
   »Finden Sie mich nicht attraktiv? Ich bin nicht nur elegant, sondern zeichne mich auch durch gutes Benehmen aus. Damit will ich nicht behaupten, dass Scorpio sich nicht benehmen kann. Nur die Welt, die Sie verdienen, liegt ihm nicht. Es ist die Welt der oberen Zehntausend. Da gehören Sie hin.« Er beugte sich tiefer. Sein Mund war ganz nah an ihrem.
   Sie sog den Duft seines Aftershaves ein. Als er den Arm um sie legte, durchflutete sie eine heiße Welle.
   Er zog sie an sich und küsste sie.
   »Nein, nicht«, wehrte sie halbherzig ab, doch es war zu spät. Robert hatte sie bereits an sich gepresst.
   Er streichelte ihr über den Rücken und schob seine Zunge in ihren Mund. Roberts Hände wanderten weiter und suchten den Weg unter ihr Kleid. Zärtlich streichelte er ihr über den Po, dann glitten seine Finger nach vorn.
   In diesem Moment schaltete sie ihre Gedanken an Scorpio aus. Rita stellte ihren Fuß auf die Querstange eines Barhockers, um Robert den Weg zu erleichtern.
   Robert schob ihren Tanga zur Seite und erkundete sie weiter. Die Hitze zwischen ihren Beinen war sein erstes Ziel, und eine Weile ließ er seinen Finger dort kreisen. Schließlich zog er ihn wieder heraus und wanderte mit seinen Händen nach oben. Er knöpfte das Oberteil ihres Kleides Knopf für Knopf auf, bis ihre nackten Brüste zu sehen waren. Er ließ seine Finger über ihren Busen gleiten, berührte ihre Brustwarzen und liebkoste sie.
   Sie öffnete seine Hose.
   Robert vergrub seinen Kopf zwischen ihren Brüsten. Er saugte an einer ihrer Brustwarzen, während eine Hand ihren Po umklammerte und die andere in ihren Schoß eintauchte.
   Das Saugen an ihrer Brust war zärtlich. Sie wünschte es sich härter, aber gerade diese leichte Berührung elektrisierte sie. Seine Zunge umrundete ihre Warze, erst nach einigen Umkreisungen sog er weiter an ihr. Rita streifte mit ihren Händen an seinem Körper entlang und fasste nach seiner Männlichkeit, die sich ihr hart und aufrecht entgegendrängte. Robert drang nicht in sie ein, sondern rieb seine Spitze zwischen ihren Beinen.
   Sie schob ihm ihren Schoß entgegen und genoss die Liebkosungen seiner Hände.
   Robert schob seine Zunge sanft in ihren Mund. Er presste sie an sich, umfasste ihre Hüfte, hob sie auf und trug sie zu einem der Tische. Dann setzte er sie darauf und drückte ihren Oberkörper gegen die Wand. Geschickt zog er ihr den Tanga aus und stellte sich zwischen ihre Beine. Er schob seinen Körper ganz nahe zu ihr und drang in Zeitlupe in sie ein.
   Sie stöhnte auf, sein langsames zärtliches Vorgehen machte sie verrückt. Schließlich verschmolzen beide im Rhythmus ihrer Bewegungen. Ein Beben ging durch ihren Körper, und sie schlang ihre Beine um seine Hüften.
   Robert hielt sie fest, beide Hände an ihrem Po, ihren Oberkörper gegen die Wand gedrückt. Während er sie küsste, stieß er endlich fester zu.
   Sie folgte seinen Bewegungen, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Als ihr Körper zuckte, ergoss sich Robert in ihr und presste sie an sich. Lange verharrte er so, hielt sie fest und berührte mit seinen Fingerspitzen ihre Brüste. Die Berührung war hauchzart, und sie hätte am liebsten ‚härter und fester’ geschrien.
   »Du bist Wahnsinn«, keuchte er. »Und ich will mehr. Nur sollten wir es uns jetzt gemütlicher machen. Mein Bett ist riesig und von allen Seiten mit Spiegeln an den Wänden umgeben.« Er hob sie auf und trug sie Richtung Schlafzimmer.
   Nur für einen kurzen Moment musste sie an Scorpio denken, doch sie unterdrückte ihre aufsteigenden Empfindungen. Sie lehnte ihren Kopf an Roberts Schulter und ließ ihn gewähren.