Schon wieder reicht das Geld nicht bis zum Monatsende, und mit ihrer WG-Kameradin hängt einmal mehr der Haussegen schief. An Privatsphäre ist nicht zu denken, ihr Bruder schläft vorübergehend neben ihrem Bett auf einer Luftmatratze. Um ihm zu einem Job zu verhelfen, versucht Chloe, ihren Chef um den kleinen Finger zu wickeln, doch Alex zeigt ihr die kalte Schulter. Erst, als sie auf die Wahrheit setzt, ändert er sein Verhalten, und zwischen ihnen entwickelt sich eine heiße Romanze. Bald jedoch ziehen düstere Wolken am Liebeshorizont auf. Nicht jeder ist mit dieser Verbindung einverstanden, und als Chloe ein folgenschwerer Fehler passiert, hängt ihr Glück plötzlich an einem seidenen Faden …

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Printausgabe: 12,99 €

ISBN: 978-9925-33-047-8

Seiten: 180

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Jenna Fields

Jenna Fields
Jenna Fields ist das Pseudonym der Autorin Doris Winter, unter dem sie prickelnde erotische Geschichten schreibt, in denen sich alles um die Liebe dreht. Doris arbeitet im IT-Bereich, geht für ihr Leben gern Radfahren und verlässt praktisch nie das Haus, ohne ein Buch dabei zu haben. Ihr Debütroman ist „Romanze Undercover“, ein romantischer Thriller, mit dem sie die bookshouse-Ausschreibung „Cover sucht Autorin“ gewonnen hat.  

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Leseprobe

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1

»Ist das dein Ernst?« Chloe hielt das lilafarbene Brautjungfernkleid von sich weg, als wäre es giftig. »Hast du Angst, dass wir dich als Braut ausstechen könnten oder was hat dich geritten?«
   »Ich dachte, es wäre eine gute Idee. Das Farbthema ist Lavendel, die Tischdeko, die Sesselhussen, die Blumen, alles ist lavendelfarben. Lavendelfarben und weiß.« Heather sah etwas zerknirscht drein.
   »Lass mal sehen«, sagte Ellie und hielt sich das Kleid vor einem verzierten, silbergerahmten Standspiegel an. Ihr rotblondes Haar und das Blasslila erklärten sich sofort den Krieg. Auch Heather schien das zu erkennen.
   »Oje, das ist wirklich nicht ideal. Der Einzigen, der die Farbe Lavendel stehen könnte, ist Gillian.«
   Das Brautjungfernkleid wurde an Gillian weitergereicht, die es sich wie Ellie zuvor anhielt.
   »Gillian steht es«, bestätigte Chloe. »Aber Gillians Hautton ist auch dunkler.«
   »Wollt ihr es nicht wenigstens anprobieren?«, fragte Heather hoffnungsvoll.
   »Gib schon her«, sagte Chloe und verschwand damit in eine Kabine. Ellie und Gillian griffen nach ihren Kleidern und taten dasselbe.
   Das Ergebnis hielt keine Überraschung bereit. Chloe wirkte darin erwartet blass, und Ellie sah aus, als wäre ihr übel.
   »Warum probieren wir nicht etwas, das zum Motto passt und in dem wir nicht aussehen, als litten wir an Morgenübelkeit?«, schlug Chloe vor. »Ellie könnte Dunkelblau tragen, ich versuch’s mit Violett und Gillian bleibt bei Lavendel.«
   »Gute Idee. Ich habe auch eine Brille mit nachtblauem Rahmen«, meinte Ellie.
   »Ich wollte doch so gern, dass ihr alle gleich ausseht. Ihr seid doch meine Brautjungfern.«
   Die Beraterin, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, mischte sich ein. »Verwandte Farbtöne sind nicht ungewöhnlich bei Brautjungfern. Es liegt sogar im Trend. Wenn Sie kurz warten möchten, ich bin gleich wieder da.«
   Chloe gähnte und sah auf die Uhr. Hoffentlich dauerte die Anprobe nicht länger als eineinhalb Stunden. Sie wollte nicht schon wieder zu spät zur Arbeit kommen. Das wäre dann das dritte Mal in dieser Woche.
   »Wieso siehst du eigentlich dauernd auf die Uhr?«, fragte Ellie. »Hast du noch ein heißes Date?«
   »Ein Date? Erzähl!«, forderte Heather sie auf.
   »Und lass nichts aus«, meldete sich nun auch Gillian zu Wort.
   Beinahe hätte Chloe aufgelacht. Ein Date! Schön wär‘s. »Kein Date. Mein Dienst beginnt in zwei Stunden.«
   »Du arbeitest heute?« In Heathers Stimme schwang Enttäuschung mit. »Ich dachte, heute hätten alle Zeit.«
   »Ich habe ja auch Zeit«, räumte Chloe rasch ein. »Aber arbeiten muss ich trotzdem.«
   »Hast du niemanden gefunden, der mit dir Dienst tauscht?«, fragte Ellie.
   Chloe wusste nicht, was sie erwidern sollte. Sie arbeitete zurzeit so gut wie jeden Tag, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Aber davon hatte sie ihren Freundinnen noch nichts erzählt. Erst war sie sich nicht sicher gewesen, ob sie die Module neben ihrem Job schaffen würde, und dann hatte sich keine Gelegenheit mehr ergeben. Die Sache ganz nebenbei bei einer Anprobe anschneiden, wollte sie auch nicht.
   »Ist nicht so einfach«, sagte sie und hoffte, dass keine ihrer Freundinnen darauf herumreiten würde.
   Ellie grinste. »Liegt es vielleicht an deinem neuen Chef, diesem Alex, dass du dich nicht von der Arbeit losreißen kannst?«
   »Ellie hat gesagt, er sieht schnuckelig aus«, warf Heather ein.
   »Wie sieht er denn aus?«, erkundigte sich Gillian.
   Alle sechs Augen ruhten erwartungsvoll auf Chloe.
   »Zwischen Alex und mir läuft absolut nichts«, sagte Chloe, doch keine der drei schien ihr das zu glauben.
   »Jetzt tu doch nicht so«, sagte Ellie. »Seit wann lässt du dir einen so heißen Typen entgehen?«
   »Mann, sagt mir jetzt endlich jemand, wie dieser Alex aussieht?« Gillian stemmte die Hände in die Hüften.
   »Ich habe eine Idee«, sagte Heather. »Wenn wir hier fertig sind, begleiten wir alle Chloe ins Maple Mug und nehmen diesen Alex genau unter die Lupe.«
   »Nein!« Chloe sagte dies so energisch, dass die anderen zusammenzuckten. »Ich meine, das ist keine gute Idee.«
   »Wieso denn nicht?«, wollte Ellie wissen.
   »Weil ich seine Angestellte bin und er ein arroganter Schnösel. Deswegen.«
   »Ein arroganter, gut aussehender Schnösel.«
   »Mag sein, dass er passabel aussieht, aber das ändert nichts daran, dass er nicht gut auf mich zu sprechen ist. Ihr solltet ihn hören, wenn er sagt ‚Dein Dienst beginnt um zwei Uhr, Chloe. Nicht um fünfzehn nach zwei‘.«
   »Nur weil du einmal zu spät kommst?«, fragte Heather ungläubig. »Das kann doch jedem passieren.«
   Von einmal konnte keine Rede sein. Wenn sie ehrlich war, hatte Alex die ersten paar Male nichts gesagt, aber nachdem sie Wiederholungstäterin war, hielt er nun nicht mehr hinter dem Berg.
   »Kann sein, dass es mehr als einmal vorgekommen ist.«
   »Wie oft denn?« Ellies Blick hatte etwas Alarmiertes.
   »Diese Woche?«
   »Du kommst jede Woche zu spät?« Ellie klang schockiert.
   »Liegt es daran, dass Daniel bei dir wohnt?«, fragte Heather.
   Gern hätte Chloe ihrem Bruder die Schuld daran gegeben, doch das wäre eine fette Lüge gewesen. Danny versuchte alles, um sie nicht zu stören. Was per se unmöglich war, denn er schlief auf einer Luftmatratze neben ihrem Bett auf dem Boden.
   »Nein, Danny kann nichts dafür.«
   Chloe war froh, als die Beraterin mit drei wunderschönen Chiffonkleidern zurückkehrte und sich aller Aufmerksamkeit darauf richtete. Die Modelle ähnelten einander, variierten jedoch in Schnitt und Farbe, sodass sie nicht wie Drillinge herumlaufen mussten. Chloe fand Kate, so hatte sich die Beraterin vorgestellt, sofort um dreihundert Prozent sympathischer.
   Als Gillian, Ellie und sie selbst die Umkleidekabinen verließen, schien auch Heather überzeugt. Das glücklich strahlende Lächeln, das Chloe so gern an ihr mochte, machte sich auf ihrem Gesicht breit.
   »Super seht ihr aus.« Vor Freude klatschte Heather in die Hände. »Einfach großartig.«
   »Darf es ein Gläschen Sekt sein?« Kate hielt ein Tablett mit Gläsern in die Höhe.
   Das musste sie nicht zweimal fragen. Vier Hände griffen gleichzeitig nach den Gläsern und stießen schwungvoll miteinander an.

Außer Puste öffnete Chloe die Tür zum Maple Mug. Sie musste erst mal Luft holen, denn von der U-Bahn bis hierher war sie gerannt. Ihr Blick flog zur Kasse, wo Alex gerade einer Kundin das Wechselgeld reichte. Eine Haarsträhne fiel ihm in die Stirn und auf seiner Wange konnte sie ein Grübchen erkennen, das sich immer zeigte, wenn er lächelte. Die Kundin – Chloe schätzte sie auf Mitte dreißig –, grinste ihn an, und sogar aus der Entfernung konnte Chloe erkennen, dass sie mit ihm flirtete. Das Lächeln, das Alex ihr schenkte, war freundlich und einnehmend und hatte nichts damit zu tun, wie er Chloe manchmal ansah. Just in diesem Moment fiel sein Blick auf sie. Verflixt, warum war sie nicht längst dabei sich umzuziehen, anstatt hier herumzustehen? Spätestens jetzt wusste er, dass sie wieder einmal unpünktlich war, auch wenn es nur wenige Minuten waren.
   »Willst du hier Wurzeln schlagen?«
   Das war Natalie. Chloe verkniff sich eine Antwort und ging nach hinten. Flink schlüpfte sie in eine weiße Bluse, steckte die Haare locker zusammen und band sich die schwarze kleine Schürze mit dem roten Ahornblatt um. Irgendwer musste Alex mal sagen, dass dieses Ding alles andere als gut aussah. Noch ein letzter Blick in den Spiegel – okay, zumindest beinahe. Rasch zupfte Chloe noch eine Strähne aus ihrem Haar und öffnete den nächsten Blusenknopf. Dank ihres Push-up-BHs ließ sich der Ansatz ihrer Brüste mehr als erahnen. Das war gut fürs Trinkgeld und lenkte Alex hoffentlich davon ab, dass sie zu spät dran war.

»Wenn du einen Moment hast, ich muss kurz mit dir reden.«
   Das konnte nichts Gutes bedeuten. Chloe stellte das Tablett ab und folgte Alex hinter die Bar.
   »Was gibt es denn?«, erkundigte sie sich und schenkte ihm ihr freundlichstes Lächeln. Er schien es nicht einmal zu bemerken.
   »Es ist wegen Mittwochvormittag. Natalie hat einen Termin, und es gibt niemanden, der ihre Schicht übernehmen kann.«
   Chloes Erleichterung, dass es nicht um ihre Unpünktlichkeit ging, war nur von kurzer Dauer. »Ich … ich kann Mittwochvormittag nicht.« Montag, Mittwoch und Freitag hatte sie am Vormittag ihre Module. Die waren nicht nur teuer und schwer finanzierbar, sie wollte auch auf keinen Fall eine Einheit verpassen.
   Alex’ Blick ruhte auf ihr. Wenn er sie mit diesen klaren blauen Augen so intensiv ansah wie jetzt, wurde sie aus unerfindlichen Gründen immer nervös.
   »Ich versuche wirklich, eure privaten Termine mit dem Schichtplan abzustimmen, aber immer klappt es nicht. Joey fällt wegen seines Unfalls länger aus, und Sheila macht bereits Abenddienst.«
   »Aber …« Sie verstummte. Sie hatte kein Argument. Zumindest keines, das sie ihrem Chef erzählen wollte. Dessen Blick im Übrigen noch immer auf ihr ruhte.
   »Ich übernehme freiwillig alle Samstagschichten bis Weihnachten, aber den Mittwochvormittag brauche ich. Bitte Alex.«
   Ein paar lange Sekunden vergingen.
   »Irgendwann wirst du mir erzählen müssen, was du an den Mittwochen immer treibst. Ich werde für dich einspringen. Ausnahmsweise. Und jetzt geh lieber zu den Tischen, bevor ich es mir anders überlege.«

Es war bereits nach ein Uhr Früh, als Chloe die Wohnungstür aufsperrte. Heather, Ellie und Gillian hatten sie vom Maple Mug abgeholt und in eine Cocktailbar verschleppt, obwohl Chloe mehr der Sinn nach schlafen gestanden hatte. Besser sie dachte nicht daran, dass in sechs Stunden ihr Wecker bereits läutete.
   Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen und das Licht eingeschaltet, stand Isabelle vor ihr.
   »Dein Bruder kann nicht hier wohnen bleiben, Chloe. Ein Wochenende war ausgemacht. Das war vor einer Woche gewesen.«
   »Hat das nicht bis morgen Zeit? Ich bin hundemüde.«
   »Das sagst du immer.«
   Es stimmte auch immer. Seit sie, um ihre Ausbildung zu finanzieren, Überstunden schob, gab es kaum einen Tag, an dem sie nicht wie ein Stein ins Bett fiel. »Danny tut doch niemandem was.«
   »Es war ausgemacht, dass Männer hier nur in Ausnahmefällen übernachten, aber auf keinen Fall hier wohnen.«
   »Danny ist kein Mann, er ist mein kleiner Bruder. Und es ist ja nur vorübergehend. Außerdem hilft er, wo er kann. Er hat den Toaster repariert und die Kaffeemaschine wieder zum Laufen gebracht.«
   »Trotzdem. Er wohnt hier.«
   »Nein, tut er nicht. Das ist nur eine Notlösung.«
   »Dann sorg dafür, dass diese Notlösung bald ein Ende hat, sonst überlege ich mir, eine neue Mitbewohnerin zu suchen.«
   Normalerweise hätte Chloe ihr entgegengeschleudert, dass Isabelle für diese Bude so schnell niemanden finden würde, aber dazu fehlte ihr die Energie. Sie wollte nicht streiten, sie wollte schlafen. »Schon gut. Ich kümmere mich darum. Aber nicht jetzt. Gute Nacht, Isabelle.«
   Chloe ließ sie stehen und ging ins Bad. Der einzige Ort, an dem sie allein sein konnte. Geschwind verriegelte sie die Tür. Isabelle konnte eine solche Nervensäge sein. Dabei tat Danny alles, um nicht zu stören. Nur gut, dass Isabelle nicht ahnte, dass er keine Bleibe hatte, weil er auf Bewährung war. Chloe musste grinsen, als sie sich Isabelles entsetztes Gesicht vorstellte, sollte sie das jemals herausfinden.
   Armer Danny. Die Jobchancen für Ex-Häftlinge waren alles andere als rosig. Und so lange er kein Geld verdiente, konnte er sich auch kein Zimmer leisten. Ganz sicher würde sie nicht zulassen, dass er zu Dad zog. Das kam nicht infrage.
   Sie schälte sich aus ihrer Kleidung und ließ sie achtlos zu Boden fallen. Mit automatisierten Handgriffen wischte sie sich das Make-up aus dem Gesicht und drehte dann die Dusche auf. Hoffentlich funktionierte das Warmwasser heute. Das Letzte, das sie brauchen konnte, war eine lauwarme Dusche.
   Das Heißwasser funktionierte, und Chloe ließ das warme Wasser genüsslich über ihren Rücken prasseln. Tat das gut. Sie drehte sich herum und hielt ihr Gesicht unter den Duschstrahl. Für ein paar Momente war ihr Kopf frei, als hätte der Wasserstrahl ihre Gedanken weggespült, doch sie kamen rasch zurück.
   Sie musste eine Lösung für Danny finden. Isabelle würde sie vermutlich nicht aus der Wohnung werfen, aber das Gezeter wollte sie sich nicht permanent anhören. Zudem war die aktuelle Lösung alles andere als ideal. Obwohl Danny versuchte, sich unsichtbar zu machen, so schlief er doch in ihrem Zimmer. Privatsphäre war ein Luxus, von dem Chloe kaum mehr wusste, wie er sich anfühlte.
   Ein Job musste her, und zwar flott.
   Dann hatte sie eine Idee, einen echten Geistesblitz. Warum war sie nicht schon eher darauf gekommen? Gleich morgen würde sie Alex darauf ansprechen. Er konnte ihren Vorschlag gar nicht ablehnen.

Chloe war pünktlich, sie war sogar etwas früher ins Maple Mug gekommen, da sie es nicht erwarten konnte, mit Alex zu reden. Sie warf noch einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, bevor sie die Schranktür zuwarf und nach draußen ging. Heute würde Alex ihr nichts abschlagen können. Sie hatte ihre Wimpern für einen perfekten Augenaufschlag mehrfach getuscht. Ihre Haut wirkte so fein wie Porzellan, und auf ihren Lippen glänzte ein sattes Rot, das jeden Blick auf sich lenkte. Es sei denn, man blickte etwas tiefer, denn dann bekam man ein eng anliegendes Blusenshirt mit freizügigem Dekolleté präsentiert, das wie angegossen saß. Und wenn man noch tiefer blickte, und Chloe hoffte, dass Alex das tun würde, konnte man sich an endlos langen Beinen erfreuen, die in sexy High Heels steckten, sowie an einem Rock, der gerade mal so viel bedeckte, dass er ohne Waffenschein durchging. Heute würde Alex ihr endlich die Aufmerksamkeit schenken, die er ihr sonst verwehrte. Mit Natalie schäkerte er schließlich auch dauernd herum, nur zu ihr hielt er Abstand.
   Alex stand hinter dem Tresen und schien beschäftigt. Genau genommen wirkte er etwas verbissen, vermutlich machte der Milchaufschäumer wieder Probleme.
   »Hallo«, sagte sie freundlich und setzte ihr bestes Lächeln auf. Alex sah nur kurz auf und widmete sich gleich wieder dem Gerät. »Hallo Chloe. Hilfst du bitte Natalie und übernimmst Tisch eins bis fünfzehn. Der Milchaufschäumer will nicht.«
   »Ist gut«, antwortete Chloe, schnappte sich Block und Tablett und steuerte einen Tisch an, um eine Bestellung aufzunehmen. Als ihr Blick in Richtung Tresen schweifte, sah sie, wie Natalie sich zu Alex gesellte und etwas zu ihm sagte. Er schien etwas zu erwidern, denn Sekunden später hörte sie Natalies hohes Lachen. Unnatürlicher ging es nicht, aber es schien seine Wirkung nicht zu verfehlen, denn Alex, der eben einen Schritt zur Seite trat, lächelte.
   Chloe räumte das schmutzige Geschirr der umliegenden Tische ab und brachte es in die Küche, ehe sie zur Bar ging.
   »Zweimal Latte, einmal Ahorn Spezial und einmal Ahorn Vanille. Funktioniert der Milchaufschäumer wieder?«
   »Halbwegs.«
   Alex widmete sich der Bestellung.
   Er hatte nicht einmal zu ihr gesehen. Es war, als wäre sie unsichtbar. Was musste sie eigentlich noch tun? Nackt Sirtaki tanzen?
   »Du, Alex …«
   »Später, Chloe. Oder ist es wichtig? Ich bin wegen des Milchaufschäumers mit den Bestellungen im Rückstand.«
   »Nein, hat Zeit«, gab Chloe zurück und öffnete das oberste Kästchen, um nach einer Dose Ahornzucker zu greifen. Dabei streckte sie sich, so sehr sie konnte, damit die Bluse hinaufrutschte und ein Stückchen ihrer nackten Haut freigab.
   »Was tust du da?«, fragte Alex, während er die gefüllten Becher auf einem Tablett platzierte.
   »Zucker. Ich habe Ahornzucker gesucht.«
   »Hier. Wie immer.« Alex deutete auf eine weiße Schüssel mit unzähligen Zuckerpäckchen, die prominent und unübersehbar neben der Kaffeemaschine stand.
   Ganz toll. Statt sexy und begehrenswert kam sie sich auch noch bescheuert vor. Warum machte er es ihr bloß so schwer? War er vielleicht schwul? Der gestrige Abend kam ihr in den Sinn. Sie hatte sich wieder einmal über Alex beschwert und in den Raum gestellt, dass er vielleicht schwul sei, worauf Ellie nichts Besseres zu erwidern gewusst hatte, als: »Nicht jeder Mann, der nicht auf dich abfährt, ist schwul.« Dann folgte das, was folgen musste. »Erinnere dich an Nick. Der hat dich damals auch abblitzen lassen, und jetzt ist er mit Heather verlobt.«
   »Vielen Dank«, hatte Chloe daraufhin erwidert und gehofft, dass das Thema damit beendet war. Aber das war es nicht.
   »Manche Typen mögen es nicht so gern, wenn …« Gillian rang um passende Worte. »… wenn man sich zu offenherzig gibt.«
   »Vielleicht versuchst du es eine Spur zurückhaltender, wenn du Alex beeindrucken möchtest«, hatte Heather gemeint. »Du bist wunderhübsch, du brauchst kein kräftiges Make-up oder tiefe Ausschnitte.«
   »Oder Röcke, die kaum über deinen Hintern gehen.« Ellie schob sich ihre Brille ein Stück hinauf.
   »Den Männern, die ich kenne, hat das immer gefallen,« verteidigte sich Chloe. Ihre Röcke konnten nicht kurz genug und der Ausschnitt nicht tief genug sein.
   »Das waren auch alle Machos.«
   Damit hatte Ellie recht.
   Als Chloe das nächste Mal hinter die Bar trat, ließ sie einen Löffel fallen. Mit beinahe gestreckten Beinen bückte sie sich danach, sodass ihr Rock unweigerlich hinaufrutschen musste und zumindest den Ansatz ihrer halterlosen Strümpfe freigab.
   Danach fühlte sie sich nicht nur leicht schwindelig, es war auch umsonst gewesen. Wenn Alex es bemerkt hatte, so ließ er sich nichts anmerken.
   Hatten die Mädels recht? Mochten nicht alle Männer diese Tour? Aber welche Möglichkeiten boten sich ihr sonst? Sie wollte Alex einen Vorschlag unterbreiten und auf keinen Fall ein Nein kassieren.
   »Chloe?« Alex stand auf einmal dicht vor ihr.
   »Ja?«
   »Tu mir einen Gefallen und zieh deinen Rock ein Stück hinunter. Es muss nicht jeder sehen, was du darunter trägst.«
   Ebenso gut hätte er ihr einen Schlag in die Magengrube versetzen können. Chloe schluckte.
   »Und was sollen diese Schuhe? Willst du damit den ganzen Tag servieren?«
   »Ich …« Chloe fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Meine Turnschuhe sind beim Schuster.« Das entsprach der Wahrheit. Eine Naht hatte sich gelöst und die Reparatur war billiger als ein Paar neue.
   »Erzähl mir nicht, dass du nur zwei Paar Schuhe besitzt. Aber es ist deine Sache. Du musst stundenlang darin herumlaufen.«
   Was sich als Katastrophe erwies. Nach bereits einer Stunde begannen ihre Ballen leicht zu zwicken und nach zwei Stunden unangenehm zu stechen.
   Chloe biss die Zähne zusammen. Eine halbe Stunde musste sie noch durchhalten, dann konnte sie eine Pause einlegen. Sie würde Danny anrufen und ihn bitten, ihr die ausgelatschten Ballerinas vorbeizubringen. Dazu noch eine Fußcreme und Blasenpflaster.
   Apropos Danny.
   »Alex, hast du mal ein paar Minuten? Es dauert auch nicht lange.«
   »Später, Chloe. Du siehst doch, dass das Lokal zum Bersten voll ist. Wenn du Natalie siehst, sag ihr, sie soll hinter den Tresen kommen und die To-Gos übernehmen.«
   Was bedeutete, dass alle Tische an ihr hängen blieben. Wo sie doch kaum noch laufen konnte.
   »Du sollst die To-Gos machen«, richtete Chloe ihrer Kollegin im Vorbeigehen aus.
   »Alex will mich offenbar in seiner Nähe haben«, sagte Natalie. »Er steht wohl nicht auf Flittchen.«
   Chloe atmete tief ein. Sie spürte, wie ihr die Zornesröte in die Wangen stieg. Nein, diesen Triumph wollte sie Natalie nicht gönnen. »Du hast ja keine Ahnung«, erwiderte sie. »Oder hast du erwartet, dass er mich hier vor allen bespringt?«
   Natalie blieb der Mund offen, und Chloe ging erhobenen Hauptes zu Tisch vier, um zu kassieren.
   Beim Abräumen blickte sie zur Bar, wo Alex soeben an Natalie übergab. Er legte die Schürze ab und verschwand nach draußen, was mehr als ungewöhnlich war. Nicht nur, weil er sich keine Jacke überzog. Soweit sich Chloe erinnern konnte, hatte Alex noch nie das Maple Mug mitten im Betrieb verlassen. Schon gar nicht, wenn so viel los war.

Chloe servierte gerade zwei Christmas Coffees, einen Ahorn-Zimt-Mokka sowie einen Ahorn-Chocolate Brownie, als Alex wenige Minuten später wieder das Lokal betrat. Seine Wangen waren von der Kälte leicht gerötet und er rieb sich die Hände.
   »Ich mach Pause«, verkündete Chloe und ging nach hinten, wo sich Alex vermutlich die Hände wusch und desinfizierte. Sie ließ sich auf einen Sessel fallen und streifte die Schuhe ab. Fehler, schoss es ihr zugleich durch den Kopf. Sobald sie ihre Füße aus dem Gefängnis befreit hatte, begannen ihre Fußsohlen wie verrückt zu stechen.
   »Hier«. Alex reichte ihr etwas.
   »Was ist das?«
   »Gelsohlen. Damit du diesen Tag überstehst.«
   Bevor sie sich bedanken konnte, war Alex auch schon wieder im Verkaufslokal. Langsam sickerte es in ihr Bewusstsein. Alex war draußen gewesen, um ihr Gelsohlen zu besorgen. Nicht nur Gelsohlen, wie sie feststellte. In dem Säckchen befanden sich auch ein Fußbalsam sowie Blasenpflaster.

Die Gelsohlen wirkten wahre Wunder. In Kombination mit den Blasenpflastern halfen sie Chloe, diesen Tag ohne größere Blessuren zu überstehen. Das war gut, denn Danny befand sich bei einem Freund in Woking und reparierte gemeinsam mit ihm dessen Waschmaschine. Ihr die Ballerinas vorbeizubringen, wäre also nicht möglich gewesen.
   Danny war der gutmütigste Mensch, den Chloe kannte. Er half immer und jedem, ohne selbst je etwas einzufordern. Sie konnte sich nicht erinnern, wann ihr Bruder jemals um etwas gebeten hatte. Dass er bei ihr wohnte, war ihre Idee gewesen. Sie hatte Danny geradezu breitschlagen müssen, damit er ihr Angebot annahm.
   Das Maple Mug leerte sich schön langsam, und Chloe konnte es kaum erwarten, nach zu Hause zu kommen und ein heißes Bad zu nehmen. Das würde ihre Lebensgeister wieder auf Vordermann bringen. Dazu ein Glas Gin Tonic und einen Brownie, auf den sie sich schon freute. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie den ganzen Tag nichts gegessen und kaum etwas getrunken hatte. Ihr Magen knurrte und ihre Kehle fühlte sich trocken an.
   Nachdem sie die beiden letzten besetzten Tische bedient hatte, ging sie nach hinten, um einmal kurz durchzuatmen. Erschöpft ließ sie sich in den nächstbesten Sessel fallen, nahm einen großen Schluck Mineralwasser und schloss für ein paar Momente die Augen. Mit den Füßen streifte sie die mörderischen High Heels ab und bewegte die Zehen.
   »Wie geht es deinen Füßen?«, hörte sie Alex plötzlich fragen.
   »Okay, danke. Dank dir haben sie überlebt.«
   »Lass mal sehen.« Alex ging vor ihr in die Hocke. Ehe Chloe realisierte, was geschah, griff er nach einem ihrer Füße. Langsam und mit angenehmem Druck rieb er von der Ferse über ihre Fußhöhle bis hin zu ihren Ballen und Zehen. Jede einzelne Zehe wurde gedrückt, ehe seine Daumen ihre Fußballen mit kreisenden Bewegungen massierten.
   Sachte stellte Alex den Fuß wieder ab und widmete sich dem anderen.
   Chloe war sich nicht sicher, ob das hier wirklich passierte. Alex, der Alex, der sie immer abwimmelte, zurechtwies und ihr nie einen zweiten Blick schenkte, massierte ihre Füße! Und es fühlte sich himmlisch an. Ein genüssliches Stöhnen entwich ihrer Kehle, als Alex mit sanftem Druck gegen ihre Fußhöhle drückte.
   »Was wolltest du eigentlich von mir?«, fragte er, während er sich ihren müden Zehen widmete.
   Chloes Kopf, der wie ihre Füße beschlossen hatte, sich zu entspannen, begann wieder zu arbeiten.
   »Ich habe einen Bruder – Daniel, der zurzeit auf Jobsuche ist. Da wir unterbesetzt sind, dachte ich, er könnte hier vorübergehend aushelfen.«
   »Hast du deswegen dieses Theater heute veranstaltet?«, fragte Alex und stellte ihren Fuß ab. »Du hättest mich einfach fragen können.«
   Darauf war sie nicht gekommen. Sie war davon ausgegangen, dass sie nur ihr Ziel erreichte, wenn sie etwas dafür tat. So kannte sie es, so war es immer gewesen. »Danny ist freundlich, geschickt und arbeitet gern«, sagte sie, ohne auf seine Frage einzugehen.
   »Hat er schon mal gekellnert?«
   »Das nicht. Aber wie gesagt, er ist geschickt. Ach ja, er ist Koch«, fiel ihr gerade noch ein. Warum hatte sie das nicht gleich erwähnt?
   »Kann er einmal vorbeikommen?«, fragte Alex und reichte ihr die Hand zum Aufstehen. Genau in dieser Sekunde schwang die Tür auf und Natalie betrat den Raum. Wie angewurzelt blieb sie stehen.
   »Was gibt es?« Nichts in seinem Ton wies darauf hin, dass er sich ertappt fühlte.
   »Der Milchaufschäumer spinnt schon wieder.«
   »Bin gleich da«, erwiderte er, worauf sich Natalie verzog. Wenn Blicke töten könnten, dachte Chloe.
   »Zum Glück ist sie nicht eher hereingekommen. Ich möchte nicht wissen, was sie gedacht hätte«, sagte sie.
   »Offen gesagt ist es mir ziemlich egal, was Natalie denkt«, entgegnete Alex, und Chloe grinste.

Kapitel 2

Als Chloe die Wohnungstür aufsperrte, merkte sie sofort, dass niemand zu Hause war. Kein Licht brannte, kein Fernseher lief, alles ruhig. Dem Himmel sei Dank. Sie ließ ihre Tasche fallen und steuerte direkt das Bad an. Ein kurzer Test – Warmwasser und Wasserdruck schienen okay.
   Während sie Wasser in die Wanne einlaufen ließ, mixte sie einen Gin Tonic mit einem Extraschuss Gin und platzierte diesen gemeinsam mit einem übrig gebliebenen Brownie aus dem Maple Mug auf der Ablage neben der Wanne.
   Innerhalb weniger Sekunden hatte sie ihre Kleidung abgelegt und beinahe genauso schnell ihr Gesicht von Make-up befreit. Erschöpft stieg sie in die Wanne und legte den Kopf auf das Wannenkissen. Herrlich.
   Sie machte einen Schluck und biss dann in den Brownie, dessen Schokolade auf ihrer Zunge zerschmolz. Mit den Zehen spielte sie mit dem laufenden Wasser, als ihr Alex’ Fußmassage in den Sinn kam. Hatte er einen Blick auf ihre halterlosen Strümpfe riskiert und wenn ja, hatte es ihn angetörnt?
   Sie gönnte sich einen weiteren Schluck und ließ ihn bewusst langsam ihre Kehle hinunterlaufen.
   Alex. Dieser Mann war ihr ein Rätsel. Manchmal schien er sie überhaupt nicht wahrzunehmen und dann besorgte er ihr Gelsohlen und Blasenpflaster.
   Hätte er dies auch für Natalie getan? Ihr ebenso die Füße massiert? Und warum beschäftigte sie das?
   Die Worte ihrer Freundinnen kamen ihr wieder in den Sinn. Lagen sie richtig? Gehörte Alex zu den Männern, denen ihre Sexyness zu viel war?
   Chloe nahm gleich mehrere Schlucke. Der Wasserspiegel stieg langsam an und wärmte angenehm von unten. Sie ließ ihren rechten Fuß über ihren linken gleiten, als wollte er um ihn werben, und tat dasselbe dann mit dem anderen.
   Der Cocktail schmeckte mit jedem Schluck besser. Ihr Kopf bekam eine angenehme Schwere, doch auch ein anderes Gefühl machte sich bemerkbar. Sie hielt das kühle Glas an eine Brustwarze, worauf sich diese frech emporreckte.
   Chloe stellte das Glas ab und begann, an der hellrosa Spitze herumzuspielen; sie zupfte an ihr, zwirbelte sie und drückte sie zusammen, worauf kleine Erregungsimpulse direkt in ihren Bauch schossen.
   Dasselbe tat sie mit der anderen, vernachlässigten Spitze, reizte und stimulierte sie, bis auch diese sich komplett aufrichtete.
   Wie von selbst wanderte ihre rechte Hand tiefer, strich über ihren glatten Venushügel hinunter bis zu ihrer Scham. Sie ließ ihren Zeigefinger über die Öffnung gleiten, und als sie ihre empfindlichste Stelle berührte, ging ein wohliger Schauder durch ihren Körper.
   Chloe stellte das Wasser auf Handbrause um und dosierte diese so, dass ein einzelner, nicht allzu starker Strahl heraustrat. Sie legte die Beine auf den Wannenrand, winkelte diese an und ließ den Strahl ein paar Mal über ihre Schamlippen tanzen, ehe sie ihn höher wandern ließ. Das herbeigesehnte Kribbeln meldete sich sofort und machte Lust auf mehr.
   Chloe seufzte genießerisch, nahm einen tiefen Schluck Gin Tonic und führte den Strahl erneut über ihre Schamlippen, ehe sie ihn wieder über ihren Kitzler lenkte.
   Vertraute Wärme breitete sich in ihrem Unterleib aus, doch Chloe wollte es nicht schnell hinter sich bringen; sie wollte das Gefühl voll auskosten, hinauszögern, so lange es ging, und führte den Strahl weg von ihrem Lustzentrum.
   Ihre rosigen Knospen waren steil aufgerichtet, und Chloe stellte sich vor, wie eine Männerhand sie zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und leicht zudrückte. Dabei ruhten zwei strahlend blaue Augen aufmerksam auf ihr und beobachteten ihre wachsende Erregung. Es waren Alex’ Augen. Und dann waren es nicht mehr seine Finger, die ihre Brustwarzen stimulierten, es waren seine Lippen und seine Zähne.
   Vor ihrem geistigen Auge saugten seine Lippen an einer ihrer Knospen, knabberten seine Zähne daran, während seine Finger eine Spur auf den Innenseiten ihrer Schenkel zogen, hinauf zu ihrem Geschlecht, ihre Spalte entlangfuhren, ehe sie zu ihrem Kitzler glitten.
   Chloe ließ den Strahl dieselbe Strecke zurücklegen, doch dieses Mal führte sie ihn mehrmals über ihr pochendes Zentrum. Heiße Blitze durchzuckten ihren Unterleib, doch ehe der Höhepunkt ansetzte, ließ sie wieder von ihrem Kitzler ab und den Strahl über Schamlippen und Venushügel wandern.
   Sie sah Alex’ Gesicht vor sich, wie sich Grübchen um seine Mundwinkel bildeten, weil er das Spiel genauso genoss wie sie, und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
   Mit einer schnellen Bewegung erhöhte Chloe die Intensität des Strahls und schwenkte ihn genussvoll über ihre Perle.
   Ihr Unterleib zog sich zusammen, ihr ganzer Körper kribbelte vor Erregung. Noch einmal über die Schamlippen massieren und dann den vollen, warmen Strahl genießen.
   »Chloe! Chloe! Wie lange brauchst du noch? Ich muss aufs Klo.«
   Isabelle. Na, durfte das wahr sein?
   »Ein paar Minuten«, rief Chloe zurück und versuchte, sich wieder auf ihre Erregung zu konzentrieren.
   »Mach schnell!«
   Chloe unterdrückte ihren Ärger und fühlte in sich hinein. Ihre Erregung war ein wenig abgeflaut, aber noch da, das schöne Gefühl, das sie begleitet hatte, hatte sich jedoch verflüchtigt.
   Mechanisch führte sie die Brause über ihren Kitzler, bis sich ihr Unterleib erneut anspannte und die Erregung in einem unspektakulären Höhepunkt mündete.
   »Vielen Dank, Isabelle«, murmelte sie, als sie aus der Wanne stieg, »super Timing.«

»Ich habe zu Alex masturbiert«, verkündete Chloe und nahm einen großzügigen Schluck ihres Bellinis.
   Zu viert saßen sie im Rumpus Room, einer angesagten Rooftop-Bar, bei einem Afterwork-Cocktail. Der Ausblick auf die City und die eindrucksvolle Kuppel von St.Paul’s war einzigartig, doch niemand schien ihn zu bemerken.
   »Im Maple Mug?« Ellie sah sie entgeistert an.
   »Wirklich?«, fragten Heather und Gillian gleichzeitig.
   »In der Badewanne«, antwortete Chloe. »Zu Hause«, fügte sie in Richtung Ellie an, bevor diese fragte, wo es denn im Maple Mug eine Badewanne gab.
   »Haben wir was verpasst?«, erkundigte sich Heather.
   »Ja, am Samstagvormittag war Alex doch noch der Typ, der dir furchtbar auf den Zeiger ging.« Ellie schob sich ihre schicke Designerbrille im Leo-Design hoch. Sie passte wie angegossen zu ihrem schwarz gemusterten Leo-Print-Shirt.
   »Kann sein, dass ich mich in ihm getäuscht habe. Er ist netter, als ich angenommen habe.«
   »Wie nett?« Ellie hatte diesen speziellen Blick, wie immer, wenn sie unbedingt etwas wissen wollte.
   »Er hat mir eine Fußmassage gegeben. Hinten, im Büro.« Mit wenigen Worten umriss sie, was geschehen war.
   »Cool. Ich kenne niemanden, dem so etwas je passiert ist. Anscheinend kümmert es ihn echt nicht, was andere denken.« Heather zog am Strohhalm ihrer Piña Colada.
   Chloe konnte nicht glauben, was Heather eben gesagt hatte. »Jetzt mach aber einen Punkt. Ich kenne da jemanden, der in einem Besprechungszimmer im Büro eine heiße Nummer geschoben hat. Besser gesagt, mehrere heiße Nummern.«
   Heather wurde bis auf die Haarwurzeln rot. Chloe, Ellie und Gillian grinsten.
   »Er hat dir wirklich nur die Füße massiert?«, hakte Ellie nach.
   »Ja, erst. Dann hat er mich auf den Tisch gelegt, den Slip runtergezogen und mich bis zur Besinnungslosigkeit geleckt.«
   Fassungslos starrte Ellie sie an.
   »Sche-erz.« Chloe lachte. »Was denkst du denn?«
   »Ich denke, dass er dich mag«, sagte Gillian ernst, »wirklich mag.«
   »Oder er wollte sichergehen, dass Chloe auch am nächsten Tag noch laufen kann.« Ellie nickte, als wollte sie sich selbst zustimmen.
   »Nein, glaube ich nicht.« Heathers Gesicht hatte wieder eine normale Färbung angenommen »Alex mag dich. Was er nicht zu mögen scheint, ist diese Tour, die du manchmal abziehst. Hast du auch nicht nötig«, fügte sie rasch an. »Wenn du so bist, wie du bist, dann bist du am liebenswertesten.«
   »Toller Satz, Heather«, sagte Gillian. »Der wievielte Cocktail war das?«
   »Auf jeden Fall einer zu viel. Ich möchte gar nicht daran denken, dass ich morgen in die Arbeit muss.«
   »Wem sagst du das.« Ellie trank ihren Sex on the Beach aus.
   Chloe sagte nichts dazu. Seit Alex ihr die Füße massiert hatte, konnte sie nicht genug Zeit im Maple Mug verbringen.
   Chloe ertappte sich dabei, dass sie bei jeder Gelegenheit zu Alex blickte, und wenn er ihren Blick auffing, dann spürte sie eine verräterische Wärme an ihren Wangen.
   Sie irrte sich nicht. Als sie nach einem intensiven Blickkontakt im Waschraum in den Spiegel sah, zierte eine zarte Röte Wangen, Hals und Dekolleté. Das war neu, denn normalerweise brachten Männer sie nicht zum Erröten, egal, was sie anstellten.
   Natalies Blicke hingegen waren eisig. Wie spitze Giftpfeile, die sie in einem fort gegen Chloe schleuderte. Leider ließ sie ihren Unmut unter anderem an Danny aus. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit korrigierte sie ihn und nörgelte an ihm herum. Danny tat das einzig Richtige: Er blieb umgänglich und ignorierte die Spitzen, was Natalie nur noch mehr zu ärgern schien.
   Mit beinahe mütterlichem Stolz beobachtete Chloe ihren Bruder in seinem neuen Job. Er machte sich toll, seine Freundlichkeit kam bei den Kunden gut an und seinen Mangel an Erfahrung machte er mit Engagement wett.
   Seit Danny hier kellnerte, wurde das Maple Mug immer öfter von weiblichen Teenagern, vorwiegend in kleinen Gruppen, besucht. Chloe schmunzelte, wenn die Girls Danny hinterhersahen und dann die Köpfe zusammensteckten und tuschelten. Man konnte es ihnen nicht verübeln, ihr Bruder war nicht nur cool und gut aussehend, auch sein jahrelanges Hanteltraining machte sich bezahlt. Ein echter Hingucker eben.
   »Chloe?«
   Alex stand auf einmal vor ihr. Er lächelte, und Chloe konnte sich nicht entscheiden, ob sie sich in seine Grübchen oder die herrlich blauen Augen vertiefen sollte.
   »Ja?«
   Er zog sie ein Stück zur Seite. »Wollen wir gemeinsam auf einen Weihnachtsmarkt gehen? Christmas by the River soll besonders gelungen sein.«
   Wow. Damit hatte sie nicht gerechnet. So überhaupt nicht. »Weihnachtsmarkt klingt super«, antwortete sie so locker sie konnte.
   »Fein. Ich hole dich morgen gegen fünf Uhr ab.«
   »Nein! Ich meine, wir können uns auch dort treffen. Ist einfacher.«
   Wenn Alex kurz irritiert war, ließ er es sich nicht anmerken. »Wie du magst. Und Chloe …«
   »Ja?«
   »Bitte keine High Heels.«

Sie trafen sich bei der London Bridge. Chloes Herz klopfte bis zum Hals, als Alex in der Menschenmenge lächelnd vor ihr auftauchte. Ganz selbstverständlich gab er ihr zur Begrüßung einen Kuss auf die Wange, und genauso selbstverständlich griff er nach ihrer Hand.
   Seine warme Hand auf ihrer fühlte sich fantastisch an. Sie wärmte nicht nur ihre kalten Finger, sie war fest und weich zugleich, einfach genau richtig.
   Chloe war froh, dass sie gleich losgingen, denn sie hatte keinen Schimmer, was sie sagen sollte. Wieder etwas, das sie nicht kannte, auf den Mund gefallen war sie ja normalerweise nicht.
   »Scheint sich rumgesprochen zu haben, dass dieser Markt ein Highlight ist«, sagte Alex, als sie sich durch die Menge schoben.
   »Ja, sieht so aus.«
   Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und die beleuchtete Tower Bridge hob sich schon beinahe kitschig vom Abendhimmel ab. Die angestrahlten Türme hatten etwas Unwirkliches an sich. Sie konnten glatt zu einem Eispalast gehören oder zu einem Disney-Schloss. Chloe blieb stehen, um den Anblick zu genießen. Sicher hatte sie die Tower Bridge schon Hunderte Male beleuchtet gesehen, aber heute fiel ihr zum ersten Mal auf, wie umwerfend sie aussah.
   »Schön, nicht wahr?«, sagte Alex, und Chloe nickte.
   Sie wandte ihren Blick wieder Alex zu. Sogar in der Dunkelheit meinte sie, das unglaubliche Blau seiner Augen erkennen zu können. Seine Mundwinkel waren leicht nach oben gebogen, seine Wangen von der Kälte gerötet. Nordischer Hauttyp, genau wie sie. Sicher wurden seine Haare genau wie ihre im Sommer blond und dunkelten im Winter nach. Unsere Kinder hätten allesamt blaue Augen, einen blonden Schopf und rosige Wangen, ging es Chloe durch den Kopf. Nur in der Sonne müssten sie aufpassen, denn ehe man bis drei zählen konnte, wären sie krebsrot.
   Hatte sie das eben wirklich gedacht? Sofort schob sie diesen Gedanken zurück in die Tiefen, wo er herkam.
   Alex’ Blick wanderte von ihren Augen zu ihren Lippen. Einen Moment dachte Chloe, er wollte sie küssen, doch sein Mund blieb, wo er war.
   »Wollen wir weiter?«, fragte er, und Chloe stimmte zu.
   Sie schlenderten an liebevoll geschmückten Holzbuden vorbei, die Strickware, handbemalte Glaskugeln sowie weihnachtliche Souvenirs und Geschenke anboten, und, dem Geruch nach, der ihr um die Nase wehte, nicht ganz so weihnachtliches Curry. Ein Stand hatte es Chloe besonders angetan. Die zur Schau gestellten Fotografien zeigten Gebäudeteile oder Landschaftsausschnitte, Tänzer in bestimmten Posen, Früchte sowie unzählige andere Motive, so geschickt fotografiert, dass jedes Bild einen einzelnen Buchstaben repräsentierte.
   Aus den verschiedenen Buchstaben-Fotos konnte man seinen eigenen Namen oder ein beliebiges Wort zusammensetzen.
   C – H – L – O – E. Für das C wählte sie im Geist einen Halbmond am Nachthimmel, für das H einen Brückenpfeiler, das L setzte sich aus Ziegelsteinen zusammen, eine Pusteblume formte das O und ein um eine Stange geschlungenes Tau stellte das E dar.
   »Ich finde das genial«, sagte Chloe und tauschte im Kopf den Brückenpfeiler gegen den Ausschnitt eines Piers aus, dessen zwei Pfosten oben in den Himmel ragten und unten von der Brandung umspült wurden.
   Alex folgte ihrem Blick, und gemeinsam entschieden sie, dass das H als Piermotiv der gelungenste Buchstabe überhaupt war.
   Chloe war so hingerissen von diesem Weihnachtsmarkt, dass sie den Weg in Richtung Southbank einschlugen, wo, wie ihr Alex versicherte, der nächste Weihnachtsmarkt wartete. Je näher sie dem Markt kamen, desto dichter wurde das Gedränge. Die Uferpromenade wimmelte vor Menschen. Da waren Jugendliche, meist in Gruppen, die laut und ausgelassen scherzten, Kinder, die hin und her wuselten und versuchten, ihren Eltern zu entwischen, und verliebte Pärchen, die Händchen haltend vorüberschlenderten.
   Ihre Hand lag immer noch in der von Alex, und obwohl die Kälte in ihre Wangen biss, stieg ein warmes Gefühl in ihr auf.
   Von den weihnachtlich geschmückten Buden wehte ihnen der Duft von Glühwein, warmen Würstchen und Bratkartoffeln entgegen, was Chloes Magen zum Knurren brachte. Für ein Mittagessen hatte sie keine Zeit mehr gehabt und nur ein Sandwich hinuntergeschlungen, was sich jetzt bemerkbar machte; sie hoffte inständig, dass Alex ihr Magenknurren nicht auffiel.
   Vor einer Bude, von deren Decke große Herzchen mit Zuckerguss baumelten, blieben sie stehen.
   »Ist das Gingerbread?«, fragte sie. »Sieht irgendwie anders aus.«
   »Deutscher Lebkuchen. Möchtest du probieren?«
   Chloe überlegte kurz. Diese Lebkuchenherzen sahen zwar entzückend aus, aber sie war kein Freund von Zuckerguss. Die kleinen Würfel, die sich dahinter neben allerlei Lebkuchenspezialitäten tummelten, reizten sie eher.
   Alex war ihrem Blick gefolgt. Er kaufte eine Packung und riss sie sogleich auf. »Lebkuchenkonfekt«, sagte er, nahm einen Würfel und hielt ihn Chloe verführerisch vor die Nase. Sie öffnete die Lippen, und Alex grinste. Dann steckte er ihr den Würfel sachte in den Mund und beobachtete ihre Reaktion.
   Himmlisch. Chloe schloss die Augen. Dunkle Schokolade zerschmolz auf ihrer Zunge und vermischte sich mit dem Geschmack von Anis, Kardamom, Zimt, Nelken und noch etwas, das sie nicht ausmachen konnte. Lebkuchenkonfekt klang nicht nur hübsch, es schmeckte auch hervorragend.
   »Das musst du kosten.« Sie griff in die Tüte, nahm ein Würfelchen heraus und schob es ebenso sachte in Alex’ Mund.
   Wie sie ließ er das Konfekt auf der Zunge zergehen, ehe er es zerbiss und hinunterschluckte. »Mit Honig. Nicht schlecht.«
   »Honig, genau!« Das war es gewesen, was sie zuvor nicht identifizieren konnte.
   Er nahm wieder ihre Hand, und sie schlenderten weiter, vorbei an Buden mit geschnitzten Holzsternen, Schneekugeln, und handwerklich gefertigtem Christbaumschmuck. Die meisten Buden jedoch verkauften Bratwürste und Glühwein, was Chloes Magen motivierte, sich einmal mehr bemerkbar zu machen.
   »Was ist denn das?« In einer Bude türmten sich braune und weiße Schokokuppeln. In Reih und Glied standen sie nebeneinander und sahen zum Anbeißen aus.
   »Schaumküsse«, sagte die Dame hinter der Bude lächelnd, »köstlich.«
   »Schaumküsse«, wiederholte Chloe. Wieder etwas, das sie nicht kannte. Beinahe kam sie sich vor wie eine Touristin.
   »Probieren Sie! Es gibt sie klassisch, mit Minzgeschmack, Kokos, Erdbeer, Vanille und Cappuccino.«
   »Ich versuch’s mal mit klassisch«, meinte Chloe und die Dame reichte ihr eine Kuppel. Chloe biss in den süßen weichen Schaum und war begeistert. »Echt lecker.«
   »Darf ich?« Alex tupfte an ihre Oberlippe, wo noch ein Rest Schaum kleben geblieben war.
   Chloe hätte sich gewünscht, dass er ihn weggeküsst hätte, aber es blieb bei dem Wunsch.
   Sie nahmen einen ganzen Karton voll schaumiger Köstlichkeiten mit und gingen Hand in Hand wieder zurück zur London Bridge. Hinter den Buden rankten mit Lichtern geschmückte Bäume in die Höhe, und über der Themse bot sich ein wahres Lichtermeer; Tower, Tower Bridge und die Cityskyline leuchteten um die Wette, als wollten sie die Nacht zum Tag machen.
   »Wow«, sagte Chloe, »wenn man es dauernd sieht, fällt einem nicht auf, wie schön London ist.« Erst nach einigen Sekunden merkte sie, dass Alex’ Blick fest auf sie gerichtet war.
   »Hab ich … hab ich noch irgendwo Schaum im Gesicht?«, fragte sie etwas verunsichert und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
   »Dein Gesicht ist perfekt«, sagte Alex nur, und Chloe schluckte.
   »Es ist nicht perfekt«, entgegnete sie verlegen, »es ist …«
   »Es ist perfekt«, sagte er, und Chloe musste gleich nochmals schlucken.
   »Es gibt etwas, das ich schon die ganze Zeit tun möchte.« Seine Stimme war ein wenig rau, was sie absolut sexy klingen ließ.
   »Dein Gesicht in Schaumware tauchen?«, scherzte Chloe und hätte sich dafür ohrfeigen können. Was redete sie da für einen Unsinn?
   Sein Ausdruck blieb ernst. »Ich möchte dich gern küssen, Chloe.«
   Ohne es zu merken, öffnete sie ihre Lippen.
   »Ist das ein Ja?«
   Chloe nickte nur. Sie brachte kein Wort heraus. Noch nie hatte sie ein Typ gefragt, ob er sie küssen durfte.
   Seine Hände umfassten ihr Gesicht, und seine Lippen legten sich weich und köstlich auf ihre. Mit sanfter Entschlossenheit tastete sich seine Zungenspitze zu ihrer vor, umwarb und umkreiste sie, bis sich ihre Zungen hingebungsvoll liebkosten.
   Ein feiner Hauch von Sandelholz, weicher Vanille und frischer Zitrone stieg ihr angenehm in die Nase. Sie presste sich an ihn, so eng die viele Kleidung es zuließ, und stellte sich vor, wie Alex ihr Schicht für Schicht vom Leib riss, bis sie splitternackt vor ihm stand. Wie seine Hände auf ihrem Körper auf Wanderschaft gingen, ihn erkundeten und berührten. Trotz Minusgrade wurde ihr kochend heiß unter ihrem nicht allzu dicken Wollmantel. Sie krallte sich an seiner Jacke fest, und als ihre Münder sich trennten, rang sie nach Atem.
   Wow!
   »Ich hätte nicht gedacht, dass ich heute noch meinen Chef küsse«, flüsterte sie und suchte erneut seine Lippen.
   Bestimmt nahm er ihre Hände in seine. »Tu mir einen Gefallen, Chloe. Vergiss, dass ich dein Chef bin. Ich bin Alex. Nur Alex.«
   »Okay«, sagte sie, »nur Alex.«
   Er beugte seinen Kopf erneut zu ihr hinab und streifte ihre Lippen mit seinen.
   »Und jetzt bringe ich dich ins Warme. Deine Hände sind eiskalt.«

Wenig später saßen sie auf einem Sofa vor einem Kamin, genossen heißen Apfelwein, naschten Pommes und ließen sich von dem knisternden Feuer wärmen. Alex beobachtete Chloe, wie sie eine Fritte nach der anderen in Ketchup tauchte und verschlang.
   »Hätte ich geahnt, dass du am Verhungern bist, hätte ich ein anderes Lokal gewählt. Eines, wo es richtiges Essen gibt.«
   »Pommes sind richtiges Essen.«
   Seine Mundwinkel gingen nach oben. »Klingt nicht so, als ob du gern kochst.«
   »Ich koche auch nicht. Keine Zeit. Dafür habe ich Danny. Mein kleiner Bruder ist ein echter Gourmet. Hätte er die Mittel, würde er nur französische und italienische Köstlichkeiten kochen. Lauter Dinge mit unaussprechlichen Namen. Je ausgefallener, desto besser. Aber auch aus Resten schafft er es, etwas Leckeres zu zaubern.«
   »Du liebst deinen Bruder«, stellte Alex fest.
   »Über alles. Er ist die einzige Familie, die ich habe.«
   »Was ist mit deinen Eltern?«
   Schon waren sie bei einem unliebsamen Thema angelangt. »Meine Mum ist tot und zu meinem Dad habe ich kaum Kontakt. Wenn du nicht aufpasst, Alex, esse ich dir alle Pommes weg.«
   Alex lächelte nur. Chloe war ihm dankbar, dass er nicht weiterfragte.
   »Was machen wir jetzt Schönes?«, fragte Chloe, nachdem sie die ganze Portion vertilgt hatte.
   Alex’ Blick ruhte auf ihr, wie er es so oft tat, und Chloe wurde bewusst, dass ihre Frage einiges an Möglichkeiten zuließ.
   »Was immer du möchtest.«
   »Wir könnten zu dir gehen«, schlug Chloe vor.
   Alex nahm ihre Hände in seine. »Ist es das, was du möchtest, Chloe?«
   Auch das war sie noch nie gefragt worden. Heute war der Tag der Premieren.
   »Klar, machen wir es uns gemütlich. Ich bin sicher, dass uns etwas einfällt, was uns Spaß macht.« Sie zwinkerte.
   Sein Blick war schwer zu deuten, aber Begeisterung sah anders aus.
   »Oder willst du nicht?«, fragte sie.
   »Ist das dein übliches Tempo?«
   Die ehrliche Antwort wäre Ja gewesen. Zumindest früher, bevor sie Job und Ausbildung unter einen Hut bringen musste. Jetzt hatte sie für Beziehungen, auch wenn sie nur eine Nacht dauerten, so gut wie keine Zeit mehr.
   Da sie nicht wusste, was sie erwidern sollte, zuckte sie mit den Achseln. »Ist das wichtig?«
   »Ich bin mir nicht sicher.«
   »Wenn du dir Sorgen wegen der Arbeit machst, ich werde mir im Maple Mug nichts anmerken lassen.«
   »Die Arbeit ist mir offen gesagt im Moment ziemlich egal. Ich beschäftige mich ohnehin die meiste Zeit damit, da würde ich sie in meiner Freizeit gern beiseitelassen.«
   Chloe konnte sich auf dies alles keinen Reim machen. So wie er sie geküsst hatte, innig und leidenschaftlich, war er scharf auf sie. Der nächste logische Schritt war Sex, oder hatte sich etwas geändert, seit sie nicht mehr datete? So lange war sie schließlich auch noch nicht aus dem Rennen.
   »Wir gehen zu mir«, sagte Alex unerwartet und zog Chloe mit sich hoch.
   »Ich dachte schon, du bist … du findest mich nicht attraktiv.«
   »Du weißt genau, dass du toll aussiehst und mit jedem Unterwäschemodel mithalten kannst. Das ist eine nicht unangenehme Tatsache, aber nicht der Grund, warum wir zu mir gehen.«
   »Was ist denn der Grund?«, fragte Chloe und rieb ihre Nase neckisch an seiner. »Bist du ein heimlicher Künstler und willst mich splitternackt malen?«
   »Ich will wissen, wie es ist, wenn du die Kontrolle abgibst und dich fallen lässt.«

So ließ es sich also wohnen, wenn man Geld besaß. Alex’ Loft mit Blick auf die Themse spielte in einer ganz anderen Liga als ihr WG-Zimmer. Chloe hatte so etwas schon geahnt und war froh über ihre Entscheidung, sich mit Alex direkt beim Markt getroffen zu haben. Wenn sie die Wohnung, in der sie lebte, schon nicht besonders schön fand, wie musste sie erst Alex finden?
   »Nett hast du es hier«, stellte sie fest. »Darf ich?«
   Alex nickte nur und beobachtete, wie sie durch den Loft schritt. Genauso oder zumindest sehr ähnlich würde sie eine Wohnung einrichten, verfügte sie über das nötige Kleingeld. Sie mochte den Kontrast der dunklen Parkettdielen zu der hellen Couch, die schneeweiße Hochglanzküche mit der schwarzen Bar und dem großen Esstisch davor. Alles, wirklich alles harmonierte. Ganz anders als ihre zusammengestoppelte Küche, wo die gemusterten Fliesen nicht zu den hellblauen Möbeln passten und das Holz des Esstisches nicht zu den Sesseln. Das hatte Isabelle verbrochen, was Chloe überhaupt nicht verstand, denn auch mit wenig Geld konnte man seine vier Wände hübscher gestalten.
   Der Loft war sicher vier bis fünf Meter hoch, und im Wohnzimmerbereich führte eine gusseiserne Wendeltreppe nach oben.
   Nur zu gern hätte sie ihren Rundgang weitergeführt, aber zielstrebig nach oben ins Schlafzimmer zu marschieren, kam selbst ihr überstürzt vor. Sie würde es ohnehin in Kürze zu sehen bekommen.
   »Ein Glas Wein?«, fragte Alex, und Chloe riss sich von einem Bild neben der Treppe los, das mit seinen klaren Farben den puristischen Stil der Wohnung unterstrich.
   »Gern.«
   »Irgendwelche Vorlieben?«
   In letzter Sekunde schluckte sie die Meldung hinunter, die ihr auf den Lippen lag. »Keine. Hauptsache Alkohol.« Auch das hätte sie sich lieber verkniffen zu sagen, aber da war es schon aus ihr herausgesprudelt.
   Alex verschwand in Richtung Küche und kam mit zwei bauchigen Weingläsern, in denen sich tiefrote Flüssigkeit befand, zurück.
   »Auf einen schönen Abend«, sagte er.
   »Auf einen schönen Abend«, wiederholte Chloe und stieß ihr Weinglas gegen seines, worauf ein helles Klirren ertönte.
   Der Wein schmeckte voll und nicht die Spur herb oder sauer, was sie im Allgemeinen nicht mochte und der Grund dafür war, warum sie lieber zu Cocktails griff. »Nicht schlecht.« Sie kostete nochmals. »Welcher Wein ist das?«
   »Ein Pinotage aus Südafrika.«
   Pinotage. Chloe nahm ein paar weitere Schlucke, bis das Glas fast geleert war. Sie ging damit zum Esstisch, stellte es ab und deutete Alex, zu ihr zu kommen.
   Er kam ihrer Aufforderung nach, blieb jedoch einen halben Meter vor ihr stehen.
   Chloe grinste. »Schüchtern?«
   Er schüttelte nur lächelnd den Kopf.
   »Das ist gut«, sagte Chloe, »denn das bin ich auch nicht.«
   Sie griff nach seinem Kragen und zog ihn daran zu sich, bis ihre Münder nur mehr einen Hauch voneinander entfernt waren.
   »Wenn du nicht den ersten Schritt machst, dann muss das wohl ich tun«, flüsterte sie und fing seine Lippen mit ihren ein.
   Der Kuss war gut, rein technisch gesehen, aber an den Kuss auf dem Weihnachtsmarkt reichte er nicht heran.
   Alex nahm ihre Hände von seinem Kragen und löste den Kuss langsam auf.
   Fragend blickte Chloe ihn an.
   »Entspann dich ein wenig und versuche, zu genießen.«
   »Zu ge…«
   Das Wort blieb in ihrem Hals, denn Alex fuhr mit dem Daumen über ihre Unterlippe, ehe sich seine Lippen auf ihre legten, seine Zungenspitze ihre suchte. Ihre Zungen erkundeten einander vorsichtig, als küssten sie einander zum ersten Mal, ehe sie einen heißen Tanz voller Leidenschaft und Sinnlichkeit vollführten. Als sich ihre Lippen lösten, fühlte sich Chloe schwindelig.
   »Du verstehst es, einen zu küssen«, flüsterte sie und griff nach dem Weinglas. Alex tat es ihr gleich, während sein Blick sie nicht losließ.
   Dieser Mann irritierte und faszinierte sie gleichermaßen. Einerseits war er heiß auf sie, das zeigte nicht nur die innige Art, mit der er sie küsste, sondern auch die Erregung, die sich vorhin deutlich gegen seine Jeans gedrückt hatte. Andererseits sendete er Signale aus, die sie nicht verstand. Eine Art Distanz, die sie von Typen, die sie haben wollten, nicht kannte. Vielleicht hatte er einen Fetisch, den er ihr nicht offen präsentieren wollte.
   »Ich mach dir einen Vorschlag«, sagte Chloe und setzte ein verführerisches Lächeln auf. »Du schenkst mir noch etwas Wein nach und ich gehe inzwischen ins Bad, um mich frisch zu machen.«
   »Das Bad ist oben, gleich rechts. Wenn du ein Handtuch brauchst, nimm dir einfach eines vom Stoß.«
   Wieder vernahm sie eine Distanz zwischen ihnen, von der Chloe nicht wusste, wo sie herkam. Egal, sie würde einen Abstecher ins Bad unternehmen, und wenn sie zurückkam, würde sie dafür sorgen, dass sich jegliche Distanz zwischen ihnen in Luft auflöste.
   Das Bad war der einzige Raum mit einer Tür und dafür war Chloe dankbar. Bei aller Freizügigkeit, wenn sie sich wusch oder pinkelte, brauchte sie weder Zuhörer noch Zuschauer.
   Während sie auf der Toilette saß, begutachtete sie ihre Umgebung. Der puristische Stil zeigte sich auch hier; Naturstein dominierte den Raum, nur die Toilette selbst war in Weiß gehalten und das Waschbecken aus Glas. Wo sich in ihrem Bad ein großer Spiegel befand, hing nur ein Rasierspiegel, was darauf hindeutete, dass keine Frau bei der Einrichtung mitgeredet hatte.
   Sich zu schminken, wäre hier eine echte Herausforderung und Abstellfläche war eine absolute Rarität. Gerade mal ein Designerkästchen schwebte an der Wand, damit hatte es sich auch schon. Entweder Alex war ein eingefleischter Junggeselle oder er wohnte noch nicht allzu lange hier.
   Wieso, schoss es ihr durch den Kopf, beschäftigte sie das? Sie wollte mit ihm vögeln und ihn nicht heiraten. Fehlte noch, dass sie wie Heather anfing, Nestchen zu bauen. Sie war unabhängig, sie hatte ein Ziel vor Augen, eine Beziehung kam in ihrer Lebensplanung fürs Erste nicht vor. Schon gar nicht mit ihrem Chef. Aber gegen eine Runde Sex war absolut nichts einzuwenden.

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