Sara erwischt ihren Mann in flagranti beim Seitensprung. Hals über Kopf flieht sie aus Südfrankreich und kehrt in ihre Heimat zurück. In einer Bar beobachtet sie ein Paar, das sich streitet. Nachdem die Frau wütend aus dem Lokal stürmt, wird Sara von ihrem Begleiter gebeten, sich zu ihm zu setzen. Obwohl sie im Moment genug von den Männern hat, willigt Sara ein. Der feucht-fröhliche Abend endet mit wildem Sex in einem Hinterhof. Sara versteht die Welt nicht mehr. Sie, eine anständige Frau, hat mit einem Kerl geschlafen, von dem sie nur den Vornamen weiss. Was war mit ihr los?

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Printausgabe: 10,99 €

ISBN: 978-9925-33-019-5

Seiten: 155

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Linda Wood

Linda Wood lebt mit ihren Söhnen in Zürich. Das Schreiben gehört seit vielen Jahren zu ihrem Leben. Schon mit zwölf Jahren träumte sie davon, eines Tages Bücher zu schreiben, irgendwo in einem Haus am Strand zu leben und natürlich einen Bestseller zu schreiben. Der Traum der Autorin ging in Erfüllung, vom Strandhaus träumt sie noch immer. Genau so gern, wie sie schreibt, liest sie Bücher anderer Autoren, taucht in deren Welten ein und ist immer darauf bedacht, dass genügend Nachschub in Buchform bereit liegt. Bisher hat sie Geschichten in den Bereichen Krimi, Fantasy, Kinder und Satire geschrieben.  "Verführerisches Alibi" ist ihr erster Erotic-Romance Roman, der vom Bookshouse-Verlag veröffentlicht wurde.  

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Leseprobe

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1

Das Wetter war genau so schlecht wie ihre Laune. Trüb, grau und verregnet.
   Sara stand am Ufer des Sees, in der Hand das angefangene Sandwich, das sie vor wenigen Minuten am Kiosk nebenan gekauft hatte. Schon nach zwei Bissen war ihr der Appetit vergangen. So, wie schon so oft in den letzten Wochen. Genau so, wie ihr der Hunger abhandengekommen war, verhielt es sich mit ihrem Schlaf und mit ihrem Ex.
   Sie befreite ihr Sandwich aus seinem Zellophanpapier, das sie gerade mal vor zwei Minuten erst sorgfältig darin eingewickelt hatte. Ihre Füße, in den dunklen Stiefeln, berührten beinahe das vom Wind gewellte Seewasser.
   Sie starrte mit Tränen in den Augen auf die beiden Schwäne, die sie erwartungsvoll anblickten. Ihr Blick war unscharf, in ihrem Magen saß ein dicker Kloß, ebenso wie in ihrem Hals.
   Das war es nun, ihr neues Leben. Trist, einsam, verlassen. Zurück in ihrer alten Heimat und doch heimatlos. Nichts verband sie mehr mit dieser Stadt. Keine Eltern, keine Kinder und keine Freunde. Zu lange war sie fort gewesen.
   Sie hatte damals alle Verbindungen gekappt, in dem irrigen Glauben, den Rest ihres Lebens in Südfrankreich zu verbringen, mit dem ihr angetrauten Mann.
   Eine einzelne Träne lief ihr über Wange, bei dem Gedanken an ihn, diesen miesen Verräter und Betrüger. Sie sah ihn vor sich über dem Wasser stehen, so klar und deutlich, als befände er sich wirklich dort. Die hohe Gestalt, mit den inzwischen ergrauten Haaren, der markanten Nase. Ein Traumtänzer und hauptberuflich Regisseur.
   Sie konnte nicht an seinem Namen denken. Zu viel löste dieser in ihr aus. Sie musste akzeptieren, dass er für sie nicht mehr erreichbar war. Vergessen, dass ihr Lebensplan bis vor drei Monaten noch anders ausgesehen hatte.
   Da hatte sie noch daran geglaubt, dass sie zusammen alt werden würden, mit gebeugten Rücken nebeneinander auf einer Bank säßen, ihre Gesichter voller Falten und gemeinsamer Erlebnisse. Sie hätten auf das Meer gesehen und sich darüber gefreut, dass sie ihren Lebensabend in der Wärme verbringen durften.
   Stattdessen stand sie an diesem kalten Novembertag allein am Ufer des Sees und glaubte, innerlich zu sterben, während ihr Ex noch immer in Frankreich lebte, zusammen mit seiner Regieassistentin. Blond, groß und jung und genau so naiv, wie sie es damals gewesen war.
   Ein trauriges Lachen entwich ihrer Kehle, und sie schüttelte den Kopf. Sie lenkte ihre Gedanken von ihm fort und sein Bild verschwand. Mit kalten Fingern riss sie kleine Stücke ihres Sandwiches ab und warf sie den Schwänen zu. Wenn man diese eleganten Tiere so sah, hätte man beinahe glauben können, das Leben wäre schön. Sie verfütterte ihnen alles bis auf den letzten Rest. Dabei blickte sie immer wieder auf die Möwen, die hier überall anzutreffen waren, und auf das große Schiff, das wenige Meter neben ihr vor Anker lag.
   Sie hörte den Verkehr hinter ihrem Rücken vorbeirauschen, die Schritte und Stimmen der Passanten. Doch alles schien hinter einem dichten Nebel zu liegen, hatte nichts mit ihr zu tun. Befand sich außerhalb ihrer Welt.
   Ein Windstoß zerzauste ihre Haare, riss an ihrem Mantel und dem Schal. Sie zerknüllte das Papier des Sandwichs und steckte es in ihre Jackentasche, schlug den Kragen ihres Mantels hoch.
   Sie sollte nach Hause gehen, in ihre Zweizimmerwohnung im Oberdorf. Es widerstrebte ihr. Dort würde sie allein sein mit ihren trüben Gedanken. Sie brauchte Abwechslung, Lärm, irgendetwas. Hauptsache, sie musste nicht in ihrer stillen Wohnung sitzen.
   Der Regen wurde stärker. Sara blickte auf ihre Uhr. Es war halb neun Uhr abends. Sie beschloss, irgendwo etwas trinken zu gehen. Die Zeit tot zuschlagen, zu vergessen. Sie steckte ihre kalten Hände in ihre Manteltasche und ging los.
   Kurz war sie versucht, das Café Felix zu betreten. Sie überquerte die Straße und blickte durch die Fenster hinein. Wie immer war das Café gut besetzt. Doch alles, was sie sah, waren glückliche Paare oder Grüppchen von Frauen, die sich angeregt unterhielten. Wenn sie da hineinginge, würde sie sich ihrer Einsamkeit noch bewusster werden. Sie wandte sich nach links, ging über den Zebrastreifen in Richtung Starbucks. Blieb erneut stehen und beobachtete die Menschen, die allesamt glücklicher zu sein schienen als sie selbst.
   Vielleicht war es doch besser, sie ginge nach Hause, um sich dort mit einem Glas Wein unter der flauschigen Decke auf ihrem Sofa verkriechen und in das TV starren, ohne wirklich etwas wahrzunehmen.
   Sie ließ den Starbucks hinter sich, ging rechts die Kruggasse hoch und blickte in die Schaufenster der Läden. Lange Zeit blieb sie vor jedem einzelnen Fenster stehen, betrachtete jedes Detail der ausgestellten Ware.
   Sie hatte es nicht eilig. In der Spiegelung des Fensters sah sie, wie ein junges Paar Hand in Hand hinter ihrem Rücken stehen blieb. Die beiden lachten und umarmten sich.
   Sara ertrug es nicht, ihnen zusehen. Sie wandte sich ab und ging einige Meter bergauf, von ihnen weg. Da zog ein anderes Schaufenster sie in Bann. Sie stand vor einem Hexenladen, sah Schalen zum Räuchern, Magische Steine, Bücher, Amulette und ein Regal voller Kräuter. Schmuck hing in einer Vitrine, Federn von Raubvögeln standen in einer Vase, Schwerter und Dolche lagen in einem verschließbaren Glasschrank. Der Laden wirkte mystisch, geheimnisvoll, wie aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit.
   Zu gern wäre sie hineingegangen, hätte in den Büchern herumgestöbert, an den Kräutern und Kerzen gerochen, die bunten Karten mit Feen und anderen magischen Wesen, die ausgestellt waren, betrachtet. Obwohl sie wusste, dass der Laden geschlossen war, rüttelte sie dennoch an der Tür. Vergebens.
   Der Regen wurde kräftiger. Die Menschen auf der Oberdorfstraße beschleunigten ihre Schritte. Eilten ihrem Ziel entgegen. Manche hatten ihre Schirme aufgespannt, andere trugen Kapuzen. Es blitzte, gefolgt von einem lauten Donner.

*

Heute war ein beschissener Tag.
   Angefangen damit, dass er sich vor lauter Hektik am frühen Morgen den heißen Espresso über sein Shirt gekippt hatte, sich dabei die Brust verbrüht und in der Wut, als er es zu ruckartig über den Kopf streifte, einen Knopf abgerissen hatte. Er hatte sich in großer Eile umgezogen und war losgerannt.
   Kaum aus dem Haus gehetzt, wollte sein Auto – sein geliebter Granny – nicht anspringen. Die Benzinpumpe meldete sich mit einem lauten Knurren und zeigte ihren Unmut. Hätte ich das Ding doch schon eher gewechselt, schoss es ihm durch den Kopf. Doch der Mechaniker, der Mechaniker für seinen Granny schlechthin, steckte bis zum Hals in Arbeit und hatte keine Zeit. Was tun? Er war ausgestiegen und hatte sich unter das Auto gelegt, beim Tank kräftig angeklopft wie die Tage zuvor. Endlich, der Granny sprang beim nächsten Drehen des Zündschlüssels mit einem dumpfen Grollen an. Der Klang des V6 war wie Musik in seinen Ohren. Er fuhr sofort los und steckte dann über eine halbe Stunde in der morgendlichen Rushhour fest.
   Als wäre das nicht genug, musste er sich mit seinem ersten Fall befassen. Wieder einmal war die Bagatellabteilung, so nannte er sie heimlich, überlastet. Drei Mädchen im Alter von sechzehn Jahren hatten in einer Parfümerie kräftig zugelangt und waren dabei erwischt worden.
   Rotznasenfrech, geschminkt, föhnfrisiert, in frechen Absatzschuhen, wie es früher verboten gewesen wäre, alle auf dem besten Weg, regelrechte Tussis zu werden. Natürlich wollte keine von ihnen, dass ihre Eltern informiert wurden. Ebenso behaupteten sie, sie hatten zum ersten Mal geklaut. Doch die Datenbank behauptete etwas anderes. Erste Maßnahme: Handys einziehen. Somit zog er schon mal ihren Unmut auf sich.
    Die Jugendanwältin, eine gewiefte Juristin mit strengem Blick, verlangte selbstverständlich eine Hausdurchsuchung beim klauenden Trio. Somit wusste er genau, wo er die restlichen Stunden des Tages verbringen würde. Zum Glück hatte er dabei Unterstützung: Sandra, eine gewiefte kinderlose Polizistin mit Haaren auf den Zähnen, die das Mädchentrio mit markigen Sprüchen in Schach hielt.
   Kurz nach zwanzig Uhr war der Arbeitstag endlich zu Ende. Er schlüpfte in seine Lederjacke und blickte auf seine Uhr. In diesem Moment klingelte sein Handy. Er las die Nachricht, die ihm seine Affäre geschrieben hatte. Sie erwartete ihn in zwanzig Minuten in seiner Hausbar. Obwohl er müde und schlecht gelaunt war, beschloss er, hinzugehen. Es wurde Zeit, dass sie ein paar Dinge klärten. Bestimmt würde das kein einfacher Abend werden. Es passte perfekt zu diesem Tag.
   Er hatte beschissen begonnen und konnte auch so enden. Ben verabschiedete sich knapp von seinen Kollegen und ging zu seinem Auto. Er brauchte einen Drink. Dringend. Er fuhr in Richtung Altstadt.

*

Sara beschloss, sich in der nächstbesten Bar zu betrinken. So lange, bis nichts mehr von Belang war.
   Auf der Oberdorfstraße angekommen, blickte sie sich um. Gleich hier befand sich eine Bar, wo sie früher öfters gewesen war. Früher, was für eine Untertreibung, wurde ihr klar. Das war schon über fünfzehn Jahre her, seid sie in der Americano Bar verkehrt hatte. Damals, als die Welt noch in Ordnung gewesen war.
   Erneut blitzte es. Sie beschleunigte ihre Schritte. Nach wenigen Metern hatte sie die Bar erreicht. Sie sah von außen anders aus, als sie sie in Erinnerung hatte. Sara stieß die Tür auf und wurde von einer angenehmen Wärme empfangen.
   Sie blickte sich um. Nur wenige Gäste waren anwesend. An der Bar saß ein Paar. Sie hatte rote Haare, er braune. Daneben zwei Männer in Anzügen, die sich angeregt unterhielten. In der linken Ecke an einem kleinen Tisch vor dem Fenster waren drei Frauen in ein Gespräch vertieft.
   Sara ging an die Bar und bestellte einen Gin Tonic. Damit wandte sie sich nach rechts und setzte sich auf die bequeme Sitzbank aus Leder in der Ecke neben der Tür zu den Toiletten.
   Im Sitzen zog sie ihren Mantel aus und legte ihn neben sich. Ein kalter Schauder durchfuhr ihren Körper. Sie griff nach ihrem Gin Tonic, lehnte sich zurück und genoss den ersten Schluck. Genau das brauchte sie. Sie ließ den Blick erneut durch den Raum schweifen, nahm die angenehme Atmosphäre wahr und die leise Musik, die im Hintergrund lief.
   Der Barkeeper füllte mit geschmeidigen Bewegungen die gebrauchten Trinkgläser in die Abwaschmaschine.
   Sie stellte ihr Glas auf den Tisch zurück und nahm ein paar Erdnüsse aus dem winzigen Schälchen, das vor ihr stand. Dabei blickte sie auf das Paar, das an der Bar saß. Die Frau war scheinbar aufgebracht. Eindringlich redete sie auf ihren Begleiter ein, das Gesicht nur wenige Zentimeter von seinem entfernt. In ihren blauen Augen blitzte Wut auf.
   Der Rücken ihres Begleiters versteifte sich, spannte sich unter seinem Shirt. Es schien, als müsste er sich beherrschen, um nicht gleich auszuflippen. Er griff nach dem vollen Bierglas, das vor ihm auf dem Tresen stand, und leerte es in einem Zug. Dann bestellte er beim Barkeeper ein neues.
   Sara war beunruhigt. Hoffte, dass die Situation nicht eskalierte. Zu gut konnte sie die Zeichen lesen, die einer heftigen Auseinandersetzung vorausgingen.
   Sie beobachtete das Paar weiterhin, versuchte zu hören, um was es bei ihrem Gespräch ging. Das Einzige, was sie verstand, war, als die Frau etwas lauter »Nein« sagte. Dann wandte sie sich genervt von ihrem Begleiter ab, blickte demonstrativ auf die andere Seite. Der Mann indessen schien sich noch mehr zu verspannen. Gab einen undefinierbaren Laut von sich und griff nach dem vollen Bierglas. Auch das leerte er in einem Zug, tippte der Frau auf die Schulter und zwang sie dazu, ihn wieder anzusehen.
   Sie zischte etwas in seine Richtung, stand abrupt auf, kramte in ihrer Handtasche, zog ihre Geldbörse hervor und legte eine Geldnote auf den Tresen. Dann schlüpfte sie in ihren hellen Regenmantel. Noch einmal kam sie mit ihrem Gesicht dem Mann ganz nahe. Die Verachtung, die daraus sprach, ließ Sara erschaudern.
   Die Rothaarige hängte sich ihre Handtasche über die Schulter und stürmte regelrecht zur Bar hinaus. Der Typ drehte sich nicht mal nach ihr um, sondern winkte den Barkeeper erneut zu sich heran. Kurz darauf standen zwei Gläser vor ihm. Ein weiteres Bier und ein Glas Schnaps.
   Sara blickte durch das gegenüberliegende Fenster nach draußen, sah die Fremde, wie sie mit zackigen Schritten in Richtung Hauptstraße davon ging. Im nächsten Moment war sie verschwunden. Scheinbar war sie selbst nicht die Einzige, die Probleme mit Männern hatte. Irgendwie gab ihr dieser Gedanke etwas Frieden. Sara trank ihren Gin Tonic aus und stellte das Glas lautlos auf den Tisch zurück.
   Die erhoffte Wirkung hatte noch nicht eingesetzt. Sie würde sich noch einen bestellen. Warum nicht? Sie wollte einfach nur ihre Gefühle betäuben. Wenigstens für heute Nacht.
   Sie stand auf und ging zur Bar. Dahin, wo der Barkeeper stand, und auch dahin, wo der breitschultrige Kerl saß, der von der Rothaarigen stehen gelassen wurde.
   Sie war neugierig. Wollte ihn von Nahem sehen, einen Blick auf ihn riskieren, auch wenn es nur unauffällig durch die Spiegelung der Glasfläche hinter den Spirituosen ging.
   Die Wut und die Kraft, die er durch seine Haltung ausstrahlte, faszinierten sie. Auch wenn sie wusste, dass ihr ein solcher Typ im Privatleben nur schaden könnte. Das war ihre größte Schwäche. Männer, die körperlich was darstellten, zogen sie magisch an. »Einen Gin Tonic, bitte«, sagte sie zu dem Barkeeper, sobald sie seine Aufmerksamkeit hatte.
   »Auch noch mehr Nüsse?«, fragte dieser mit einem zweideutigen Lächeln.
   Er war attraktiv, hatte schwarze Haare, dunkle Augen und einen Dreitagebart. Es war ihm anzumerken, dass ihm seine Wirkung auf das andere Geschlecht vollkommen bewusst war und er dies vermutlich auch des Öfteren ausnutzte.
   »Nein, danke«, antwortete sie. »Von Nüssen habe ich im Moment genug.«
   »Wie du meinst.« Er lächelte sie an und zeigte eine Reihe perfekter Zähne. Dann drehte er sich um, um ein frisches Glas für ihren Drink aus dem Regal zu nehmen.
   »Von welchen Nüssen hast du denn genug?« Die Stimme war tief, männlich und unterschwellig aggressiv.
   Sie drehte sich zu dem Typen um, blickte zum ersten Mal frontal in sein Gesicht. »Ich wüsste nicht, was dich das angeht.«
   Kurz huschte ein schelmischer Funken durch seine graublauen Augen. Er war kaum wahrzunehmen. »War nicht so gemeint, Mädel.« Er klang versöhnlicher. »Willst du dich nicht eine Weile zu mir setzen? Allein trinken macht mir keinen Spaß.«
   Sara war versucht, wortlos an ihren Platz zurückzukehren. Sie musterte ihn eindringlich. »Wenn du mit allen Frauen so behandelst, wundert es mich nicht, wenn sie dir davonlaufen.«
   »Ach das.« Er wischte die Angelegenheit mit einer Handbewegung zur Seite. Ein unmissverständliches Zeichen, dass er nicht näher darauf eingehen wollte. »Kleines Missverständnis. Die wird sich schon wieder einrenken. Na, was sagst du? Leistest du mir ein wenig Gesellschaft?
   Sie nahm ihr Glas und wollte davongehen. Etwas hielt sie zurück. Genauer gesagt, ein einziger Gedanke. Der an ihren Ex, der vermutlich gerade mit seiner jungen Regieassistentin im Bett lag. »Warum eigentlich nicht?« Sie nickte, stellte das Glas auf den Tresen zurück und holte ihren Mantel und ihre Tasche, die noch auf der Fensterbank lagen. Vielleicht würde ihr ein bisschen Ablenkung guttun, überlegte sie, als sie auf den nun freien Barhocker neben ihm zusteuerte.
   Sie setzte sich hin, zog ihren Rock zurecht und schlug ihre Beine übereinander.
   Ungeniert sah er ihr dabei zu, ließ kurz seinen Blick in Richtung ihres Ausschnittes wandern, um ihr dann in das Gesicht zu blicken. »Nett von dir.« Er hob sein Glas und prostete ihr zu.
   Sie nahm einen Schluck aus ihrem eigenen Glas und lächelte ihn an. Nur kurz.
   Sein Blick war intensiv, als würde er sie röntgen. Als sie bei ihrem dritten Drink angelangt war, wurde sie gelassener. Sie diskutierten angeregt miteinander. Sie redeten über dies und das, aber nichts, was ihr Privatleben betraf.
   Irgendwann legte er seine linke Hand auf ihr Knie. Als wäre es selbstverständlich. Ein angenehmer Schauder durchströmte Sara. Noch mehr, als er einmal etwas zudrückte. Er ließ seine Hand da, wo sie war, und sie genoss es.
   »Die schließen gleich«, bemerkte er mit einem Blick auf seine Uhr. »Mitternacht.« Er gab einen missmutigen Ton von sich. Dann blickte er ihr wieder in die Augen. »Ich bin übrigens Ben.« Er streckte ihr seine rechte Hand entgegen, ließ aber seine linke weiterhin auf ihrem Knie liegen.
   »Sara. Freut mich.«
   »Freut mich ebenfalls.« Er lächelte, drückte ihre Hand etwas kräftiger und ließ sich ein paar Sekunden Zeit, um sie wieder loszulassen.
   »Dann werden sich unsere Wege hier wohl trennen.« Sara hätte gern noch länger mit diesem nicht mehr ganz so fremden Mann geredet.
   »Ich könnte dich ein Stück begleiten. Wo hast du dein Auto stehen?«
   »Ich habe keines. Ich wohne nicht weit weg von hier.« Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und warf ihm gleichzeitig einen langen Blick zu.
   »Moment.« Er zog seine Brieftasche hervor und beglich die ganze Rechnung. Dem Barkeeper gab er Trinkgeld. »Wollen wir?« Er stand auf.
   »Ja, ich sollte auch« Sie erhob sich vom Barsessel und merkte, dass sie zu viel getrunken hatte. Auf ihre Bewegungen bedacht, schlüpfte sie in ihren Mantel und knöpfte ihn zu. Dann griff sie nach ihrer Handtasche.
   Gemeinsam verließen sie die Bar. Noch immer regnete es in Strömen. Sie blieben einen Moment unter dem viel zu kurzen Vordach stehen und blickten sich um.
   »Ich würde dir ja einen Schirm anbieten.« Er zuckte mit seinen Schultern. »Wenn ich denn einen hätte.« Es war ihm anzuhören, dass auch er zu viel getrunken hatte.
   Sein nach Bier und Schnaps riechender Atem stieg ihr in die Nase. Es störte sie nicht. Im Gegenteil. Sie war froh, nicht die Einzige zu sein, die über den Durst getrunken hatte.
   »Welche Richtung?«
   »Ähm, da lang.« Sara zeigte nach links. »Ist nicht weit.«
   »Dann sollten wir mal.« Er nickte und schlug den Kragen seiner Jacke hoch und legte ihr ungefragt seinen Arm um die Taille.
   Während sie schweigend in Richtung Großmünster losgingen, begegneten ihnen nur wenige Passanten.
   Nach wenigen Schritten blieb er stehen, ließ ihre Taille los und drehte sie zu sich um. Er legte ihr eine seiner Hände in den Nacken und zog sie zu sich heran. Ein-, zwei Sekunden lang beobachtete er ihre Reaktion. Dann küsste er sie. Heftig und fordernd schob er seine Zunge in ihren Mund. Küsste sie leidenschaftlich, beinahe aggressiv. Er ließ von ihr ab, nahm ihr Gesicht in beide Hände, betrachtete sie erneut. Als er keine Gegenwehr erkennen konnte, küsste er sie noch länger und leidenschaftlicher.
   Sara stöhnte. Entsetzt über sein ungefragtes Vorgehen, gleichzeitig voller Gier, noch mehr von ihm zu bekommen. Sie hob ihre Arme und umarmte seinen Hals. Nun war sie es, die ihn an sich zog. Der Regen prasselte unaufhörlich auf sie, während sie mitten auf der Oberdorfstraße standen.
   Abrupt ließ er sie los. »Komm!« Er packte ihre Hand und zog sie mit sich, bog vor dem Großmünster rechts ab, ging mit ihr Hang aufwärts und ließ gleichzeitig seinen Blick umherschweifen.
   Energischen Schrittes ging er weiter. Blieb erneut stehen, küsste sie kurz auf ihren Mund, um sie dann nach rechts durch einen schmalen Durchgang in einen Hinterhof zu ziehen.
   Er sprach dabei kein Wort. Wieder blickte er sich um, richtete den Blick zu den wenigen noch erleuchteten Fenstern hinauf und führte sie in eine dunkle Ecke.
   Zwischen einem grauen Container aus Metall und einem Geländer, das vermutlich in einen Veloraum hinabführte, drückte er sie mit dem Rücken gegen die Wand. Er griff ihr mit der einen Hand in die Haare am Hinterkopf, während die andere kurz ihren Hals berührte, um dann oberhalb ihres Mantels ihren Köper zu erforschen.
   Ben tastete nach ihren Brüsten, ließ die Hand weiter hinunterwandern und sie schließlich auf ihrem Bauch verharren. Er stöhnte leise und drückte wieder seinen Mund auf ihre Lippen. Noch fordernder als beim zweiten Mal. Wieder entwich ihm ein Stöhnen.
   Urplötzlich ließ er von ihr Lippen ab und lehnte mit seiner Stirn auf ihre linke Schulter und fluchte leise. So verharrte er sicherlich eine halbe Minute lang.
   Sara bewegte sich nicht. Atmete heftig. Er ging einen halben Schritt von ihr weg, um mit fahrigen Fingern ihren Mantel aufzuknöpfen. Fast eine Minute lang, betrachtete er schweigend ihren Körper. Es schien ihm zu gefallen, was er sah.
   Mit ernstem Gesicht, fast vorsichtig, umfasste er von unten her ihre Brüste, begann, mit seinen Daumen ihre Warzen zu suchen. Strich immer wieder darüber und forschte gleichzeitig in ihrem Gesicht nach Widerstand. Vergeblich.
   Ben umgriff ihre Brüste fester, knetete sie mit seinen Fingern, drückte mehrmals zu.
   Sara genoss es, wie er ihre Brüste packte, mit seinen Fingern immer wieder über ihre erigierten Warzen glitt. Es löste in ihr einen süßen und gleichzeitig leichten Schmerz aus, der sich bis in ihren Unterleib fortsetzte. Der kalte Regen, der ihre Bluse durchscheinend werden ließ, tat sein Übriges, damit sie sich sexy fühlte. Hier stand sie nun. Mit dem Rücken zur Wand, während ein ihr fast völlig fremder Mann das Gefühl gab, begehrenswert zu sein. Ein äußerst interessanter Mann, fügte sie in Gedanken an. Dieser Kerl brachte sie gerade um ihren Verstand und ihre anerzogene Moral. Inständig hoffte sie, dass er zu Ende führte, womit er begonnen hatte. So erregt war sie schon seit Jahren nicht mehr gewesen. Was sie hier gerade taten, fühlte sich verwegen und abenteuerlich an. So hemmungslos war sie in ihrem Leben bisher nur selten gewesen. Vielleicht lag es daran, dass sie zu viel Alkohol getrunken hatte oder aber, sie entdeckte gerade eine neue Seite an sich.
   Sie blickte Ben in die Augen, als er kurz seinen Kopf hob, und erkannte darin dieselbe Lust, die auch sie verspürte. Sie gab sich ihm hin und beobachtete, was er tat. Er begann, ihre helle Bluse aufzuknöpfen, zog den Stoff auseinander, langte mit seinen großen Händen an ihre Taille, fuhr mit den Händen wieder empor. Er schob die Körbchen ihres BHs beiseite, entblößte ihren Busen und betrachtete ihre hellen Brustwarzen. Hörbar atmete er ein, um dann eine von ihnen mit seinem Mund zu liebkosen.
   Sara stöhnte entzückt auf. Ließ ihn gewähren, während seine andere Hand über ihren Körper entlang wieder nach unten fuhr.

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