Sie ist allein und einsam. Ihre Träume sind verworren und verboten, denn sie lassen sie ihren Stolz vergessen. Dann steht er vor ihr, und sie ahnt, wie gern sie auf eben jenen Stolz verzichten würde. Er berührt diesen geheimen Schalter in ihrem Inneren, der nicht fallen darf. Und doch sehnt sich ihre Seele so sehr danach. Nein, schreit die Vernunft. Aber sie missachtet ihren Ruf und bringt den Schalter zum Kippen. Weil Konstantin es möchte und sie ihm nie widersprechen würde.

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Printausgabe: 12,99 €

ISBN: 978-9963-53-711-2

Seiten: 185

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Sabina Tempel

Sabina Tempel ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, unter dem sie Liebesromane veröffentlicht. Müsste sie sich selbst beschreiben, würde sie Eigenschaften wie chaotisch, herzlich, aber auch impulsiv nennen. Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, ist ihre Spezialität. Auch dem Herz folgt sie gern, manchmal lieber als dem Verstand. Sie genießt und lebt das Leben. Zum Entspannen kuschelt sie sich gern auf ihre große Ledercouch und liest ein romantisches Buch, das sie von Zeit zu Zeit auch selbst schreibt.

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Farben spiegeln deine Stimmung wider. Bilder dein Herz. Du kannst Linien ziehen. Dick und schwarz. Oder ein Aquarell schaffen. Du magst auch beides miteinander mischen. Selbst, wenn du denkst, dass dies unmöglich wäre und nie ein Kunstwerk entstehen könnte. Geschmäcker sind unterschiedlich. Vorlieben ebenso. Ein Weg ist selten gerade. Oftmals teilt er sich. Die Richtung, in die du gehst, magst nur du zu bestimmen. Manchmal scheinen diese Wege unbequem, aber Glück findet sich oft dort, wo man es nicht erwartet. Darum achte darauf, wohin du deine Füße setzt und überlege, ob du nicht ein wenig Farbe in das Bild deines Lebens fließen lassen möchtest. Manchmal ist das Ergebnis von einer Schönheit, die einem erst fremd erscheinen mag, aber ihre vollendete Entfaltung nach einer Weile findet.



1. Kapitel

Nadja zog den Mantel eng um sich. Ihr war kalt. Sie hätte nur die Knopfreihe schließen müssen, so wie jeder es tat. Doch aus einem unerfindlichen Grund mochte
   sie dies nicht. Selbst im tiefsten Winter verschränkte sie lieber die Arme vor der Brust, als die Jacke zu schließen. Wahrscheinlich war der Schönheitswahn ihrer Mutter daran schuld. Zumindest teilweise, denn schon als Kind war ihr gepredigt worden, wie wichtig gutes Aussehen für eine Frau war. Und eine geschlossene Jacke machte nun oftmals keine gute Figur.
   Der Wind blies Nadja rau ins Gesicht und zerzauste ihre hennagefärbten roten Haare. Sie mochte die orangefarbenen Reflexe, die sich gut zu ihrem blassen Teint machten und das strahlende Blau ihrer Augen betonten. Auch gegen den Wind hatte sie nichts einzuwenden. Dennoch beschleunigte sie ihre Schritte. Nun begann es auch noch zu regnen. Den Schirm hatte sie natürlich im Büro gelassen. Wie immer. Weil sie selten voraus dachte. Und den Wagen nutzte sie kaum in der Innenstadt. Meist war sie mit dem Bus oder zu Fuß unterwegs. So auch heute. Ziemlich aufgeregt war sie losgestürmt. Eigentlich hatte sie absagen wollen, aber Silvia nicht erreicht. Zu viel Angst hatte sie, einen Fehler zu begehen, wenn sie diesen Termin wahrnahm. Immerhin leitete sie die Personalabteilung eines Callcenters. Da mussten schon gewisse Normen eingehalten werden. Kleidungs- aber auch schmucktechnisch. Das komplette Erscheinungsbild musste stimmen. Eingeschlossen ihrer Mimik. Nett, aber nicht kumpelhaft. Eher eine Idee distanziert. Ja, ihr Auftreten war stets freundlich, aber eben auch korrekt. Dennoch hatte sie einen Termin in dem Tattoostudio namens Inkart ausgemacht. Einem kurzen Impuls, einem Gefühl war sie gefolgt. Um endlich einmal das zu tun, was sie gern tun wollte. Ihre Eltern hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, Roman sowieso. Aber die Epoche Roman war glücklicherweise beendet. Mit einem blauen Auge war sie davongekommen. Gerade noch. Manchmal fragte sie sich, warum sie stets nur männliche Katastrophen jeglicher Art anzog. Vom Softie bis zum Gewalttäter. Hauptsache reich mussten sie sein - so lautete zumindest die Meinung ihrer Eltern. Immerhin waren auch sie wohlhabend. Reich gehörte zu reich. Anders lief das nicht. Auch nicht in diesem Jahrhundert. Manchmal ertappte sich Nadja dabei, wie sie eben jenes Verhaltensmuster einer Tochter aus gutem Haus lebte, obwohl sie sich tief in ihrem Inneren dagegen sträubte. Dann schämte sie sich. Nicht vor anderen, aber vor sich selbst. Manchmal war die Engstirnigkeit ihrer Eltern echt zum Verzweifeln. Es machte auch ihr Leben enorm anstrengend. Stets musste sie sich beweisen. Vieles hätte so leicht sein können. Als nicht einmal ihre Mutter die Trennung von Roman hatte akzeptieren wollen, war sie davongerannt. Nur fort von der Enge und dem Zwang. Hinein in die offenen Arme Silvias. Silvia, die sie mit ihrer Kunst begeistert hatte, deren Studio aber lange nicht so gut besucht war wie andere in der Stadt. Folglich: gute Beratung und fast keine Wartezeit. Das hatte den Ausschlag gegeben und die Tatsache, dass es sich bei Silvia um eine Frau handelte. Nadja hätte sich nie halb entblößt in einem Studio tätowieren lassen, in dem schlimmstenfalls die Kundschaft dabei zusehen konnte. Aber Silvia hatte sie beruhigt. Auch war in der Stunde, in der sie sich durch verschieden Bilder gearbeitet hatte, kein weiterer Interessent in den Laden gekommen. Letztendlich hatte sie sich einen Paradiesvogel als Motiv ausgesucht. Schön und schillernd sollte er sein, aber auch majestätisch und frei. Ein Bild, das verborgen ihren Rücken zieren sollte. Nicht einmal im Sommer würde es zu sehen sein, außer vielleicht im Schwimmbad. Ihre Eltern würden ihr eine Tätowierung nicht verzeihen. Deswegen sollten sie diese auch nie zu Gesicht bekommen. Selbst Nadja sah ein, dass sie sich – als Personalchefin - kaum die Arme verschönern lassen konnte. Im Callcenter waren viele Mädchen tätowiert. Sie zeigten ihre Kunstwerke gern und manchmal auch relativ freizügig, aber sie übten eben auch keine leitende Position aus. Im Gegensatz zu ihnen stand Nadja auf gepflegte Kleidung. Meist trug sie gerade geschnittene Röcke, Shirt und Mantel. Dazu hohes Schuhwerk. Oft Pumps oder – wie eben jetzt – engschaftige Stiefel. Ihre bevorzugten Farben waren schwarz und grau. Dazu als Kontrast das leuchtendrote glatte Haar. Sie wusste, dass sie ein Hingucker war, ohne dabei eingebildet klingen zu wollen.
   Der Wind frischte weiter auf und wehte ihr den Regen ins Gesicht. Das braune Laub zu ihren Füßen verwandelte sich in eine schmierige Masse. Natürlich sah eine begrünte Stadt schön aus, dennoch wäre es nicht schlecht, wenn die städtischen Arbeiter irgendwann einmal das herabgefallene Laub beseitigen würden, doch wahrscheinlich reichten dazu die finanziellen Mittel nicht. Wie so oft, wenn es um das Allgemeinwohl ging. Zum Glück musste sie nur noch um den nächsten Häuserblock gehen. Manchmal waren hochhackige Schuhe eben doch nicht so gut geeignet. Doch da leuchtete ihr das Schild Inkart bereits entgegen. Nadjas schlug das Herz mittlerweile wortwörtlich bis zum Hals. Sie war schrecklich aufgeregt und hoffte, dass sie keine falsche Entscheidung getroffen hatte. Auch vor dem Schmerz fürchtete sie sich. Allein die Vorstellung, dass kleine Nadeln sie blitzschnell stechen würden, zauberte ihr eine Gänsehaut auf die Arme. Vor dem Schaufenster hielt sie inne. Sollte sie wirklich? Noch konnte sie einen Rückzieher machen. Doch der Himmel öffnete just in dem Moment all seine Schleusen. Wie es aussah, tat er dies genau über ihr. Kein Schirm, keine Kapuze.
   Dumm gelaufen, dachte sie sich. Wahrscheinlich war es die Schuld des Regens, der sie letztendlich dazu trieb, die Klinke niederzudrücken und die Tür zu öffnen.
   Ein helles Glöckchen bimmelte. Nadja hielt mitten in der Bewegung inne. Nicht wegen des Glöckchens, sondern wegen des Bildes, das sich hinter der Theke erstreckte. Erst hatte sie es für Graffiti gehalten, doch Silvia hatte ihr erklärt, dass es sich nicht um gesprayte Schriftzüge, sondern um ein gemaltes Bild handelte. Grüner Urwald, der die Macht über eine Großstadt übernahm. Verfallene Hochhäuser, Autowracks, aufgebrochener Asphalt, dazwischen bunte Pflanzen, schillernde Vögel und ein schwarzer Panter. Das Bild zog einen sofort in seinen Bann. Nadja hatte bereits bei ihrem ersten Besuch das Gefühl empfunden, in das Kunstwerk hineinzulaufen. Als würde es einen anziehen und in eine fremde Welt transportieren. Eine Welt, die es nicht gab. Zum Glück nicht, denn auf eine Begegnung mit dem Panter hätte sie keine große Lust verspürt. Und doch ging dieses bunte Aufbegehren der Natur gegen den Mensch nicht spurlos an ihr vorbei.
   »Kann ich dir helfen?«
   Nadja fuhr zusammen. Eine Männerstimme? Warum eine Männerstimme? Irritiert blickte sie sich um.
   Da stand er. Ein Mann wie in ihrer schlimmsten Vorstellung. Ein Tätowierer wie aus dem Bilderbuch. Aus dem Bilderbuch ihrer Fantasie. Groß und breitschultrig. Bekleidet mit einem engen schwarzen Shirt. Kurzärmelig, wodurch seine muskulösen, tätowierten Arme entblößt wurden. Über der Brust spannte der Stoff, was aber nicht an zu viel Gewicht, sondern eher am durchtrainierten Oberkörper lag.
   Boah! Nadja schluckte. »Ich habe einen Termin«, stammelte sie. Ihr war heiß unter dem warmen Wollmantel. Sehr wohl bemerkte sie, wie sein dunkler Blick abschätzend über ihren Körper wanderte bis hinab zu ihren Stiefeln, dann wieder empor. Seine Lippe zuckte. Amüsierte er sich etwa?
   Nadja gab sich einen Ruck und lief mit betont selbstsicheren Schritten auf die Theke zu. Dort würde er sie wenigstens nicht mehr mustern können. Auch er kam näher.
   Augen so dunkel wie … wie? Sie überlegte. Wie Ebenholz? Wie dunkel war Ebenholz eigentlich?
   Augen, die bis in die Tiefe ihre Seele blicken konnten. So fühlte sie sich zumindest. Wie durchleuchtet. Aber gleichzeitig auch Augen, die prüfend ihren Körper abtasteten, was es nicht besser machte.
   Sein Aussehen irritierte Nadja. Gut sah er aus, doch passte etwas an ihm nicht zusammen. Aber was war das? Die Haare goldbraun. Der Dreitagebart dunkel. Dieser Mann glich einer gelungenen Mischung aus Legolas und Jack Sparrow. Mit dem tiefgründigsten und gleichzeitig selbstbewusstesten Blick, den sie je bei einem Menschen gesehen hatte. Dieser Mann war ein einziges Abenteuer. So sah er zumindest aus.
   »Du hast einen Termin?« Wieder glitt sein Blick an ihr hinab. Allerdings nur bis zu ihren Brüsten. Ihr restlicher Körper blieb hinter der Theke verborgen.
   Der kann es nicht lassen, fuhr es ihr durch den Kopf. Der kommt mit meiner Art, mich zu kleiden, nicht klar.
   Natürlich nicht. Eine Businesslady im Tattooladen. Beinahe hätte sie belustigt gegrinst. Wie engstirnig Menschen doch sein konnten. Silvia war nicht annähernd auf ihr Outfit eingegangen. Nicht einmal mit verwunderten Blicken.
   »Ja«, antwortete sie mit fester Stimme. »Bei Silvia.«
   Er blätterte in dem Terminbuch, fand anscheinend auch sofort den passenden Eintrag. »Paradiesvogel«, murmelte er vor sich hin.
   Nicht eben vertrauenerweckend. Hoffentlich hatte Silvia ihre Vorlage fertiggestellt. Nicht, dass sie zum Schluss mit einem Geier-Gemälde den Laden verlassen musste. Nadja fühlte sich nun noch unsicherer als vor wenigen Minuten, als sie lediglich aufgeregt durch die Stadt gelaufen war. Vielleicht war die Tätowierung doch keine so gute Idee …
   »Nur zehn Zentimeter groß?« Durchdringend blickte er sie an.
   Was? Von was sprach er?
   »Du willst dir einen zehn Zentimeter kleinen Vogel auf den Rücken tätowieren lassen?« Er schüttelte ablehnend den Kopf.
   »Und?«, fragte sie leicht pampig.
   »Das wird kein Vogel, sondern ein Farbklecks.«
   »Wie bitte?«
   »Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie lang allein sein Schwanz ist?«
   Sein Schwanz?
   Nadja schluckte. Das Gespräch nahm eine seltsame Wendung, obwohl sie lediglich über eine Tätowierung sprachen.
   »Er hat im Vergleich zu seinem Körper einen riesigen Schwanz. Da siehst du vom restlichen Vogel nicht mehr viel.«
   Krampfhaft biss sich Nadja auf die Lippen. Beinahe hätte sie losgeprustet.
   »Was ist daran so lustig?« Seine Stimme klirrte wie Eis.
   Sie spürte seinen Blick förmlich auf ihrer Haut, doch sie sah nicht auf. »Nichts«, würgte sie hervor, immer noch bemüht, dem kribbelnden Lachreiz nicht nachzugeben.
   »Ich will dich nur beraten und versuchen, dir die Augen zu öffnen für die Dinge, die sein müssen und die, die nicht sein dürfen.«
   Kalt und heiß zugleich rieselte es ihr den Rücken hinab, obwohl sie seine Worte beinahe unverschämt fand. Und ein wenig verworren dazu.
   »Du bist eine schöne Frau. Du solltest ein schönes Bild auf deinem Körper tragen.«
   Wieder schluckte sie.
   »Ich rede mit dir.«
   Na, das war ihr auch bewusst. Schließlich war sie nicht taub und die einzige Kundin im Laden.
   Dennoch schaute Nadja unsicher auf. Selten zuvor hatte sie sich so gefühlt. »Wo ist Silvia?«
   »Silvia ist weggefahren.«
   Sie hatte es geahnt in dem Moment, als sie ihn und nicht sie im Studio angetroffen hatte. Bestätigt, als er ihr seine Beratung aufgezwungen hatte. Silvia war nicht da - das änderte ihre gesamten Pläne. Nur zu einer Frau hatte sie gehen wollen. Nie zu einem Mann. Was sollte sie jetzt tun?
   »Ich vertrete sie.«
   Das brachte ihr herzlich wenig. »Warum hat sie mich nicht verständigt?« Nadja war leicht säuerlich. Immer hin hatte sie Silvia erzählt, dass sie sich ausschließlich von einer Frau verschönern lassen würde.
   Er zuckte die Schultern. »Ich male dir einen schönen Vogel. In einer Größe, die seiner würdig ist.«
   »Nein.«
   »Nein?« Belustigte Überraschung schwang in seiner Stimme.
   Nadja ballte eine Hand zur Faust. Unterhalb der Theke, sodass er es nicht sehen konnte. »Nein«, wiederholte sie so fest es ihr möglich war. Auch sie konnte Autorität ausstrahlen, wenn sie es wollte. Schließlich hatte sie bereits verschiedene Seminare diesbezüglich besucht.
   Sein Blick nagelte sie fest. Von Freundlichkeit keine Spur mehr, doch sie riss sich zusammen und wich ihm nicht aus.
   Der hält dich für eine dumme, arrogante Zicke, meldete sich ihr inneres Stimmchen zu Wort.
   Ja, das tat er wohl. Zumindest sah er sie genauso an. Kalt, ohne jegliche Gefühlsregung, als würde er sich nicht einmal ärgern. Oder als wäre er es nicht gewohnt, dass ihm widersprochen wurde. In Nadja Bauch begann es neugierig zu kribbeln. Neugierig und verlangend. Sie hasste es, aber es machte sie an, wenn Männer wussten, was sie wollten. Oder was sie eben nicht wollten. Leider war sie wegen dieser dummen Vorliebe bereits einmal sehr tief gefallen. Erst vor Kurzem. Der Grund, warum sie überhaupt in das Tattoostudio gegangen war. Nie wieder sollte ihr so etwas Entwürdigendes geschehen. Nie wieder würde sie sich schlecht behandeln lassen und die Kontrolle über eine Beziehung verlieren. Nie wieder wollte sie Angst empfinden.
   Trotzig presste sie die Lippen aufeinander, weil sie sich über ihren Bauch ärgerte, der vom wirklichen Leben leider so überhaupt keine Ahnung hatte.
   »Dann bekomm ich zwanzig Euro, weil du den Termin nicht wahrnimmst.« Kein noch so kleines Lächeln spielte um seinen Mund.
   Zwanzig Euro für nichts? Hatte der Typ noch alle Tassen im Schrank?
   Geld für Leistung - nichts anderes gab es.
   »Das können Sie …« Sie räusperte sich. »Das kannst du vergessen.«
   »Du hast nichts angezahlt.«
   »Nicht mein Problem.« Mutig hob sie das Kinn.
   Was würde er tun? Wie wollte er sie zwingen, zu bezahlen? Er hatte keine Chance. Und das wusste er.
   »So ein kleines, feiges Mädchen, das auf große Dame macht.« Er sprach nicht laut, aber äußerst deutlich.
   Nadja schnappte nach Luft. Hatte sie sich verhört? »Ich bin überhaupt nicht …« Sie stockte in dem Moment, als ihr klar wurde, dass sie genau in die Falle getappt war, die er ihr gestellt hatte.
   »Was soll ich sonst denken?«
   »Gar nichts.« Nadja holte tief Luft. »Sondern das Denken denen überlassen, die …«
   Er sog geräuschvoll die Luft ein. »Dafür gehört dir eigentlich dein sexy Arsch versohlt.« Seine Augen wurden schmal. »Und zwar fest.«
   Ihre Ohren begannen zu klingeln. Sie musste sich verhört haben. Das konnte er nicht gesagt haben. Völlig unmöglich. Doch sie wusste, dass diese Worte eben über seine Lippen gekommen waren. Und ihrem idiotischen Bauch gefielen sie auch noch. Das war doch nicht normal, dass solche Anmaßungen ihren Körper mit prickelndem Adrenalin versorgten und ihre Mitte vor Verlangen pochen ließen. Irgendwann würde sie eine Therapie machen müssen. Wenn das Thema nur nicht so peinlich wäre.
   »Ein weiterer Grund, warum ich nun gehen werde.« Kühl sah sie ihn an. Wenn er dachte, dass sie seine unverschämte Bemerkung ignorieren würde, hatte er sich geirrt.
   »So viel Angst vor Schmerz?«
   Innerlich schnappte sie erneut nach Luft. Äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, sondern hielt seinem Blick stand, obwohl es ihr wirklich schwerfiel. »Ich habe keine Angst …« Sie stockte. Wieder war sie in die gleiche Falle getappt. Egal. »vor Schmerz.«
   »Weißt du überhaupt, wie er sich anfühlt?«
   Langsam reichte es aber! Was sollte diese idiotische Fragerei? Natürlich wusste sie, wie sich Schmerz anfühlte, aber anders, als er es erwartete. Doch das würde sie nie zugeben. Vor keinem Menschen. »Ich habe bisher kein Tattoo, falls du das meinst.«
   »Habe ich auch nicht erwartet«, kam es prompt.
   »Warum nicht?«, hakte sie nach.
   »Weil du nicht danach aussiehst.«
   »Nach was sehe ich denn aus?« Nadja ahnte, dass sie eine Antwort erhalten würde, die ihr nicht gefiel, dennoch war sie neugierig.
   »Nach einem kleinen Mädchen, das auf Dame macht und sich überlegt hat, die Hände nach etwas Verbotenem auszustrecken.«
   Was? Sie lachte schallend auf. »Und das Verbotene ist das Tattoo?«
   »Genau. Und im Moment überlegst du, zu kneifen.«
   »Ich kneife nicht.«
   »Sondern?«
   »Ich hatte einen Termin bei Silvia.«
   »Du willst dich nicht von einem Mann tätowieren lassen?«
   Nadja schwieg.
   »Das ist es nicht allein. Du willst dich nicht vor einem Mann ausziehen. Habe ich recht?« Sein Blick bohrte sich in die Tiefen ihrer Seele. Das Blut kroch ihr langsam, aber stetig, in die Wangen.
   »Ich habe schon viele nackte Frauen gesehen.«
   Na super! Die Aussage machte es nicht besser.
   »Das bezweifle ich nicht«, quetschte sie hervor.
   »Außerdem habe ich Frauen bereits an wesentlich empfindlicheren Körperstellen als am Rücken tätowiert.«
   Wie interessant! Sollte ihr die Bemerkung etwa Mut machen?
   Neugierig versuchte Nadja, über die Theke zu lugen. Was schrieb er ständig, während er mit ihr redete? Sein Blick fing ihren auf, dann glitt er wieder hinab zu seinen Händen, die hinter der Theke verborgen waren.
   »Da ist dein Vogel, wenn du ihn willst.« Er schob ihr einen DIN A 4 Bogen entgegen.
   Ihr Vogel? Er hatte gezeichnet, während er sich mit ihr unterhalten hatte? Na, da war sie aber mal gespannt! Skeptisch schaute Nadja auf die Skizze. Dann erstarrte sie. Ein wunderschöner Vogel verzierte das weiße Blatt. Ein Vogel mit einem langen gebogenen Schwanz. Auf einem Zweig mit grünen Blättern saß er. Das Bild war groß. Doch was hieß groß? Mindestens zwanzig Zentimeter. Wenn nicht sogar größer. Es würde ihr bis tief in den Rücken reichen und nicht nur das Schulterblatt verzieren. Das hatte sie nicht vorgehabt.
   Doch was störte sie daran? Niemand würde den Vogel zu Gesicht bekommen. Da war die Größe eigentlich unbedeutend.
   »Wäre es auch ein wenig kleiner möglich?«, fragte sie zaghaft, sehr bemüht, sich ihre Begeisterung über das kleine Kunstwerk nicht anmerken zu lassen.
   »Nein.«
   »Warum nicht?«
   »Das ist eine Tätowierung, kein Abziehbild.«
   »Und wenn ich es möchte?«
   »Nein. Ein Künstler steht mit seinem Namen für das, was er erschafft.«
   Ein Künstler? Ja, das war er wohl.
   Nadjas Gedanken arbeiteten fieberhaft. Sollte sie sich wirklich auf ein so großes Bild einlassen? Und die nächste Frage: Wie weit würde sie sich entkleiden müssen? Da war nichts mit BH-anbehalten. Der riesige Vogelschwanz würde diese Grenze locker sprengen. Als wenn er absichtlich so lang gemalt worden wäre …
   »Hast du dich entschieden?«
   »Ich bin mir nicht sicher«, wich sie aus.
   »Wegen des Bildes? Oder meinetwegen?«
   Wieder kroch ihr das Blut in die Wangen.
   »Natürlich finde ich es reizvoller, schön geformte und attraktive Frauen zu verzieren, aber das Tätowieren ist ein Job wie jeder andere auch. Ich sehe ein Bild, das ich vollenden will. Egal, wie der Untergrund ist. Nur die präzise Fertigstellung des Bildes ist letztendlich wichtig.« Er holte hörbar Luft. »Und schöne Frauen kann ich mir in meiner Freizeit suchen. Die muss ich nicht ins Studio locken.«
   War da etwa ein leises Lachen in seiner Stimme? Nadja horchte auf. Unsicher schielte sie zu ihm empor. Hatte sie vorhin gedacht, dass er wie eine Mischung aus Legolas und Jack Sparrow aussah? Wie war sie nur auf so eine absurde Idee gekommen? Hatte sie den Stolz übersehen, der in seinen Augen ruhte? Die relativ ausgeprägten Wangenknochen, die sein Gesicht verzierten und diesen Stolz zusätzlich unterstrichen?
   »Also: Warum bist du dir nicht sicher?«
   »Wegen des Bildes. Die Größe lag außerhalb meiner Vorstellung«, wich sie erneut aus.
   »So ist das oft mit der Vorstellung«, sagte er leichthin. Doch plötzlich nahm er sie ins Visier. »Ich mag es übrigens nicht, angelogen zu werden.«
   Oh. Auch das gefiel ihrem eigenartigen Bauch. Ebenso, dass er erkannt hatte, dass selbst die unerwartete Größe zweitrangig war. »Und wenn?«, meinte sie schnippisch. »Ich bin es eben nicht gewohnt, mich vor fremden Männern auszuziehen.«
   Irritiert musterte er sie. »Hast du noch nie barbusig in der Sonne gelegen?«
   Sie schüttelte den Kopf.
   »Aber dein Arzt durfte dich schon abhören?«
   »Das ist etwas vollkommen anderes.«

*

Natürlich war es das, das wusste auch er. Die Kleine sah in ihm den Mann. Also kein Neutrum, und damit auch nicht den Tätowierer. Und das machte Appetit. Natürlich hatte er schon viele Frauen gesehen, mehr oder weniger entblößt.
   Normalerweise interessierte ihn wirklich nur sein Bild. Er war Profi. Sein Denken wurde vom Verstand und nicht von seinem Schwanz gelenkt. Das Herz ließ er meist gar nicht zu Wort kommen. Es lebte sich leichter so. Und er genoss es, zu leben.
   Der Himmel hatte sich im Laufe des Nachmittags immer weiter zugezogen, der Wind böig aufgefrischt. In dem Moment, als es zu schütten begonnen hatte, war sie in das Studio gestolpert. Ein Traum in verschiedenen Grautönen. Elegant vom Kopf bis zu den Füßen. Das Sinnbild von dem, was er unter einer schönen Frau verstand. Attraktiv und gepflegt war sie. Wie eine Dame, die gut aussehen, aber gleichzeitig auch gefallen wollte, ohne in irgendeiner Form aufdringlich zu wirken. Er konnte sich kaum sattsehen. Das glänzende rote Haar, die zarten, bleichen Gesichtszüge, die strahlend blauen Augen fügten alle ihren Teil zu ihrem atemberaubenden Erscheinungsbild bei. Aber auch der schlanke Körper, die zugleich anliegende wie auch zart umspielende Kleidung, die hohen Stiefel, die Strümpfe, von denen er sich vorstellte, dass sie einen Spitzenabschluss besaßen. Solche Frauen betraten gewöhnlich kein Tattoostudio. Auch nicht in der heutigen Zeit. Aber es war genau die Art von Frau, die ihn als Mann ansprach. Von der er sich vorstellen konnte, wie sie unter ihm lag, vor ihm kniete, er sie erobern durfte. Nach und nach. Bis sie ihm gehörte. Nur ihm allein.
   Natürlich bemerkte er sofort, dass sie Hemmungen hatte, die Idee, sich tätowieren zu lassen, aus einem kurzen Impuls heraus entstanden sein musste. Dabei wirkte sie nach außen so geordnet, als würde sie nur wohlüberlegte Schritte unternehmen. Aber sie war auch ein gutes Beispiel dafür, das Fassade und Innenleben nicht unbedingt übereinstimmen mussten. Beide Versionen hätten ihn gereizt. Rein wegen ihres Erscheinungsbildes. Silvia hatte ihr ein winziges Bild aufgeschwatzt. Manchmal verstand er seine Kollegin nicht, denn auch sie wusste nur zu gut, dass ein kleines Bild, das viel darstellen sollte, nie ein gelungenes Ergebnis hervorbringen würde. Wie ein Farbklecks würde es aussehen. Das war es nicht wert. Dann sollte der Kundschaft besser von einem Tattoo abgeraten werden. Silvia tat manchmal zu viel, um die Kunden zufriedenzustellen. Er würde nicht nach ihrem Schema verfahren. Nicht als ihre Vertretung und schon gar nicht als zukünftiger Teilhaber dieses Studios.
   Doch nicht nur mit der Größe des Tattoos hatte diese Frau ein Problem, sondern mit ihm. Sie hatte Hemmungen, sich vor ihm zu entkleiden. Wahrscheinlich hatte sie sich das Studio bewusst Silvias wegen ausgesucht. Das gefiel ihm. Er mochte Frauen, die sich nicht zu freizügig zeigten. Das vergrößerte den Reiz.
   Doch sie würde gehen – das wurde ihm schlagartig klar. Sie wollte sich keinesfalls von einem Mann tätowieren lassen. Folglich musste er sie reizen. Sie ärgern, und sie damit zum Bleiben auffordern. Ein Spiel, das ganz nach seinem Geschmack war. Erst würde er ihr erzählen, dass sie für null Leistung zahlen musste. Schließlich war ihr ein Termin freigehalten worden, der auch anderweitig hätte vergeben werden können. Das würde ihr nicht gefallen, da war er sich ziemlich sicher. Doch er musste höher pokern. Sie mehr locken, sie regelrecht ärgern und damit ihren Stolz ansprechen. Wenn er sie dann noch als nicht mutig bezeichnete, würde sie mit Sicherheit wütend werden. Sie sah nicht so aus, als würde sie so eine Bemerkung stillschweigend hinnehmen. Inzwischen würde er ihr – heimlich, versteht sich - ein Bild zeichnen. Das Bild eines wunderschönen Paradiesvogels. In einer Größe, die er für angemessen hielt und die sich perfekt auf ihrem schlanken Rücken machen würde. Also begann er sie zu ärgern. Und zu malen …
   »Sondern das Denken denen überlassen, die …«, hörte er sie sagen.
   Arrogant war sie. Und unverschämt. Dafür würde sie eines Tages büßen. Er freute sich jetzt schon darauf. Es bereitete ihm einen diebischen Spaß, stolze Raubkatzen in kleine Stubentiger zu verwandeln.
   Geräuschvoll sog er die Luft ein. »Dafür gehört dir eigentlich dein sexy Arsch versohlt.« Er visierte sie. »Und zwar fest.«
   Ein kurzes Flackern in ihren Augen. Die Vorstellung schien ihr nicht unangenehm zu sein. Er hatte es gleich geahnt. Sein Instinkt täuschte ihn – zumindest in dieser Beziehung – äußerst selten.
   »Ein weiterer Grund, warum ich jetzt gehen werde.« Absichtlich kühl sah sie ihn an.
   Noch war sie am Wanken. Gehen oder bleiben? Er hatte schon viel gewonnen. Sie bemerkte es nicht einmal, sondern lief mit einer geschmeidigen Leichtigkeit immer weiter in seine Falle, die verlockend nach ihr rief.
   »So viel Angst vor Schmerz?«
   Sie hielt seinen Blick stand, obwohl es ihr sichtbar schwerfiel. Auch das gefiel ihm. Er mochte Stolz, auch bei Frauen. »Ich habe keine Angst …«, sie stockte kurz, »vor Schmerz.«
   Beinahe hätte er laut aufgelacht, aber natürlich beherrschte er sich. »Weißt du überhaupt, wie er sich anfühlt?«
   Wieder flatterten ihre Lider. Er registrierte es sofort. Ja, sie wusste, wie sich Schmerz anfühlte. Aber sie sprach von richtigem Schmerz. Jemand hatte ihr wehgetan. Sie verletzt. Ihre Seele und ihren Körper. Er hasste solche Männer, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hielten und ihre nicht ausgelebten Aggressionen an Schwächeren, in diesem Fall an einer wehrlosen Frau, ausließen. So ein Verhalten bereitete ihm Übelkeit. Wie sich ein Mann nur auf so eine niedrige Stufe stellen und zum Schwächling werden konnte? Menschen ohne Respekt und damit auch ohne Autorität.
   Aber jetzt musste er sich beeilen. Seine Hand flog förmlich über das Papier.
   Fertig! Er legte den Stift beiseite. »Das ist dein Vogel, wenn du ihn willst.«
   Ihre Augen weiteten sich. Er sah, dass ihr seine Zeichnung gefiel, sie selbst die Größe zu akzeptieren versuchte. Natürlich würde sie diesbezüglich zu feilschen beginnen. Er erwartete es nicht anders, doch er wusste auch, dass er beinahe gewonnen hatte. Sie würde bleiben. Nicht nur wegen des Vogels.
   Ah! Wie interessant! Die Größe des Bildes lag außerhalb ihrer Vorstellung. Wer hätte das gedacht? Doch nun war es an der Zeit, das Hin und Her zu beenden. Er beschloss, direkter zu werden. »So ist das oft mit der Vorstellung«, bemerkte er leichthin. Beim nächsten Satz würde er wesentlich mehr Schärfe in seine Stimme legen, damit sie lernte, was sie zu beachten hatte. Er hielt nichts davon, mit solchen Schritten zu warten. Eine Klarheit von Anfang an musste geschaffen werden, damit sich beide Spielpartner darauf einstellen und entscheiden konnten, ob sie das Spiel nach den vorgegebenen Regeln spielen wollten. Meist funktionierte das, nur manchmal gab es Einwände. »Ich mag es übrigens nicht, angelogen zu werden.« Er wusste, dass die ungewohnte Schärfe sie zusammenzuzucken ließ und seine Autorität langsam in ihre Seele sickerte.
   »Und wenn?«, entgegnete sie dennoch schnippisch. »Ich neige eben nicht dazu, mich vor fremden Männern auszuziehen.«
   Mit Mühe musste er sich ein Grinsen verkneifen. Sie versuchte, aufzubegehren und gab in Wirklichkeit immer weiter nach. Tat sie das bewusst? Oder handelte sie ihrem Instinkt folgend, der ihr sagte, dass sie genau dieses Verhalten mochte.
   »Hast du noch nie barbusig in der Sonne gelegen?«, fragte er beiläufig.
   Sie schüttelte den Kopf.
   »Aber dein Arzt durfte dich schon abhören?«
   »Das ist etwas vollkommen anderes.«
   Da wusste er, dass er gewonnen hatte.
   Er warf einen kurzen Blick in das Terminbuch. »Hast du es dir überlegt, Nadja?« Ganz weich ließ er ihren Namen über seine Lippen gleiten.
   Hilflos blickte sie ihn an. Ein Teil ihrer zur Schau gestellten Fassade geriet ins Bröckeln. »Dein Bild ist sehr schön. Ich mag es.«
   »Es ist deine Entscheidung. Eine Tätowierung trägst du dein Leben lang.« Er gab sich bewusst entspannt. Normalerweise nervte es ihn, wenn Menschen nicht wussten, was sie wollten. Ja – nein, nein – ja. Aber er wollte sie sehen. Ihren Rücken. Ihren Körper. Ihre Haut. Er wollte sie vor sich sitzen sehen. Abwartend, was auf sie zukam. Er wollte sehen, wie sie reagierte. Auf die Nadel, auf einen Hauch von Schmerz, auf ihn. Aber genau dies durfte er ihr nicht zeigen.
   »Also?« Wieder legte er ein wenig Schärfe in seine Stimme, als wenn ihm die Zeit davonrennen würde. Dabei gab es heute keine weiteren Termine. Silvias Studio lief nicht gut. Das wollte er ändern. Es war für ihn die Chance, auf die er gehofft und gewartet hatte. Eine rentable Teilhaberschaft. Gleichzeitig bot es ihm eine gute Gelegenheit, die Leute in seiner Heimatstadt von seinem Können zu überzeugen und sich endlich selbstständig zu machen. Lange und schwer genug hatte er dafür gearbeitet.
   »Ja«, wisperte sie. »Ich mag deinen Vogel und die Art, wie du ihn gemalt hast.«

2. Kapitel

Nadja wusste, dass sie dabei war, über all ihre Vorsätze zu springen. Nur zu einer Frau hatte sie gehen wollen. Nur eine Frau hatte sie an ihre Haut lassen wollen.
   Und jetzt? Jetzt tat sie etwas, was sie sich eigentlich verboten hatte. Ein No-Go! Zumindest in ihrer Vorstellung.
   Aber da war dieses Bild. Und dieser Mann. Diese faszinierende Mischung aus … nein, nicht Legolas und Jack Sparrow. Er war nicht sein Aussehen, da lag etwas in seiner Art. Etwas, das sie nicht greifen konnte, sie jedoch unheimlich anzog. Wie ein Magnet, von dem sie sich nicht lösen konnte. Diese Stimme, die so dominant und dann wieder so zärtlich klingen konnte. Der Blick - noch nie hatte sie solche Augen gesehen. Noch nie war ihr so ein Mann begegnet. Plötzlich lief er ihr über den Weg. Wie aus heiterem Himmel. An einem Ort, an dem sie ihn nie erwartet hätte.
   Verdammt! Gerade dort gehörte er nicht hin!
   Aber was war schon dabei? Eigentlich nichts. Keine andere Frau würde sich Gedanken machen. Noch dazu hatte er schon massenhaft Frauen tätowiert. Wie er selbst gesagt hatte, an weitaus sensibleren Körperstellen.
   Wo wohl?
   Nadja fehlte die Vorstellung. Bilder mochten nicht überall gut aussehen. Außerdem lag die Schmerzempfindlichkeit an gewissen Stellen wahrscheinlich sehr hoch. Doch Tattoos waren mittlerweile Kult. So stieg wohl auch die Toleranzgrenze. Nur ihre eben nicht. Der Vogel war ein riesiger Schritt, von dem sie immer noch nicht wusste, ob er richtig war oder nicht. Eigentlich gefiel ihr ihr Körper so, wie er war. Ihre Haut leuchtete makellos in einem hellen Porzellanton. Der einzige Grund, warum sie das Studio nicht verließ, war der, aus dem sie noch vor wenigen Minuten am liebsten gegangen wäre. Dieser Mann. Denn würde sie nun gehen, würde sie ihn nie wiedersehen. Nie erfahren, wie sich seine Hand auf ihrer Haut angefühlt hätte. Nie wissen, wie es war, vor ihm zu sitzen und sich von ihm verschönern zu lassen. Nie würde er ihren makellosen Körper sehen, und nie würde er sie berühren wollen. Doch sollte er sie tätowieren, bestand zumindest die Möglichkeit, dass er sie begehren könnte. Auch, wenn er es bestritt, dass er wahrnahm, an wem er arbeitete. Schließlich musste er doch Augen in seinem Kopf haben.
   Nadja verstand sich selbst nicht. Woher kam der Wunsch, diesem Mann zu gefallen? Einem Mann, den sie nicht kannte, der ihr sogar irgendwie unheimlich war. Warum zog er sie so unheimlich an? Noch vor wenigen Minuten hatte sie ihm eine dumme Antwort nach der anderen gegeben. Und ja, sie würde dies gern weitertun. Ihn reizen, ihn ärgern. Nur, um das Bestimmende in ihm zu locken. Dann kurz die Augen schließen, genießen und träumen. Einen Traum, der sie nach Hause begleiten würde.
   »Nach dir!« Er klappte die Theke hoch, sodass sie eintreten konnte.
   Sie war nicht klein. Fast einen Meter siebzig groß, und dennoch überragte er sie. Aber das Imposanteste war seine Figur. Durchtrainiert. Ohne Speck. Sie stand nicht auf Muskelberge, aber Muskeln gemischt mit Geschmeidigkeit, da wurde selbst ihr Mund wässrig beziehungsweise ihr Höschen feucht.
   Er war so verlockend nah. Und gleich würde sie ihm noch näher kommen.
   Verdammt!, schalt sie sich. Sie war eine dumme Träumerin. Sonst nichts. Wahrscheinlich hatte sie schon zu lange keinen Mann mehr in ihre Nähe gelassen. Roman hatte zwar ihr Leben bestimmt, aber ihr Bett war schon lange kalt geblieben. Und ja, es mochte ein Fehler gewesen sein, sich nach der Trennung von ihm aus dem normalen Gesellschaftsleben zurückzuziehen. Aber diese Trennung hatte eben auch nicht von heute auf morgen stattgefunden, sondern sich über einen längeren Zeitraum hingezogen. Immer wieder hatte sie nachgegeben. Wegen ihrer Eltern, wegen ihres Rufes, aus Angst … Und dennoch hatte er sie nicht in Frieden gelassen. Auch danach nicht.
   Und nein, Sex mit Roman war nicht schön gewesen. Zumindest zum Ende ihrer Beziehung hin nicht, vielleicht sogar schon früher. Sie durfte überhaupt nicht darüber nachdenken, wie lange und wie gut sie geschauspielert hatte.
   »Du kannst hinter dem Vorhang Platz nehmen und dein Shirt ausziehen, Nadja.«
   Da war er wieder, dieser weiche Unterton. Noch nie hatte ihren Name so ein zarter Beiklang umwoben.
   Aber Shirt ausziehen? Das brachte sie schlagartig in die Realität zurück.
   Mit so selbstsicheren Schritten wie möglich trat sie hinter den Vorhang. Ein abgetrennter Raum, der einer Arztpraxis glich, lag vor ihr. Weiße Schränke, weiße Wände, aber eine Decke, die wie der Himmel gestrichen war. Blau mit weißen Wolken. Versteckte Lichter leuchteten herab und malten goldene Strahlen auf den Boden. Dennoch sah es in dem Raum wie in einem Behandlungszimmer aus. Nadja wurde ganz flau im Magen. Sie würde sich ausziehen müssen, dann würde der Schmerz kommen. Sie würde nicht jammern dürfen, denn das würde sie sich vor diesem Mann nicht erlauben. Sie wollte nicht, dass er sie für eine schwache Frau hielt. Das war sie nicht, nie gewesen, höchstens man zwang sie dazu. So wie Roman. Dabei war sie in ihrer Fantasie ganz gern schwach. Sie wollte einen starken Mann, der sie beschützte, ihr den Weg zeigte, dem sie bedingungslos vertrauen konnte. Sie wollte kein Weichei. Auch dieses Extrem hatte sie einst eine Liebe genannt. Nur um zu erkennen, dass sie damit überhaupt nicht zurecht kam. Leider war das Extrem Roman noch schlimmer gewesen. Viel schlimmer.
   »Bist du so weit?« Er sah sie nicht an, sondern griff nach Handschuhen, mehreren kleinen Döschen und einem Gerät, das sie an einen Zahnarztbohrer erinnerte. Irgendwie war sie enttäuscht. Er hatte eben doch nur sein Bild im Sinn.
   Aber hatte sie das nicht eigentlich genauso gewollt? Schon, bevor sich ihre Fantasie zu Wort gemeldet hatte. »Wie heißt du?«, fragte sie einem kurzen Impuls folgend.
   Nun blickte er doch auf. Ganz kurz. Mit diesem »Ich-schau-dir-in-die-Seele-Blick«.
   »Konstantin.«
   Konstantin – was für ein schöner Name. Er passte perfekt, erzählte von Stolz, den er verkörperte.
   »Ich heiße Nadja«, stotterte sie.
   »Das weiß ich.« Er lächelte.
   Zum ersten Mal sah sie ihn lächeln.
   Natürlich kannte er ihren Namen. Schließlich hatte er sie bereits angeredet. Silvia hatte ihn ins Terminbuch eingetragen.
   »Den Mantel kannst du auf die Liege legen.«
   Ihre Hände zitterten, als sie aus den Ärmeln schlüpfte, dann legte sie ihn auf die Liege. Sie sah Konstantins Blick, der ihren Körper abtastete, obwohl er es verbergen wollte.
   Gefällt dir, was du siehst?, hätte sie am liebsten gerufen, aber natürlich sagte sie keinen Mucks.
   »Dein Shirt«, erinnerte er sie. Seine Stimme klang rau, da wusste sie, dass ihre unausgesprochene Frage beantwortet war.
   Sie sollte sich nicht wegdrehen, doch sie konnte nicht anders. Sie war zu schüchtern. Zu unsicher. Mit einem Ruck zog sie sich das Shirt über den Kopf. Nichts war mit erotischer, appetitweckender Langsamkeit. Auch legte sie es nicht beiseite, sondern hielt es sich vor die Brust, obwohl sie ihm den Rücken zuwandte.
   »Setzen!«
   Das war nun unüberhörbar ein Befehl. Wie von selbst bewegten sich ihre Beine zu dem Hocker, um sich darauf niederzulassen.
   »Den BH wirst du ausziehen müssen.«
   »Kann ich nicht nur den Träger …?«
   »Soll ich das Bild über den Verschluss stechen?«
   Das war natürlich nicht möglich. Zum Glück konnte er nicht sehen, dass sich ihre Wangen erneut gefährlich röteten.
   »Kannst du ihn öffnen?«
   Was hatte sie eben gefragt?
   »Ausnahmsweise«, knurrte er.
   Was sollte das heißen? Durfte man einen Tätowierer nicht um so eine Gefälligkeit bitten? Anscheinend nicht. Okay, sie bat schließlich ihren Arzt auch nicht darum, sie auszuziehen, bevor er sie untersuchte. Das war ihr nun fast peinlich. Doch alle Peinlichkeit der Welt konnte ihre Aufregung nicht überwiegen, sie höchstens noch verstärken. Ihr Atem ging schnell, obwohl sie ihn zu kontrollieren versuchte.
   Ganz leicht fühlte sie seine Hände, wie er die Haken öffnete. Zum Glück trug sie stets schöne Wäsche. So auch heute. Hellblau mit Spitze. Nicht verrucht. Das hatte er hoffentlich auch nicht erwartet. Der passende String saß natürlich ebenfalls an ihrem Hintern, doch darüber musste sie sich wohl keine Gedanken machen.
   »Den Träger«, erinnerte er sie.
   Oh, den hätte sie beinahe vergessen. Schnell schlüpfte sie mit dem Arm heraus, stets darauf bedacht, das Shirt vor ihre Brüste zu halten. Doch seltsam fühlte es sich an, wie der BH nur an einer Schulter hing. So schlüpfte sie auch aus dem zweiten Träger, doch das war ein Fehler. Es gab keinen Halt mehr. Folglich musste sie das Shirt die nächsten Stunden krampfhaft vor ihren Oberkörper halten. Aber sie konnte schlecht ihren BH-Träger wieder überstreifen. Überhaupt, da er ihre Brüste bereits nicht mehr hielt.
   Konstantin tat so, als bemerkte er ihr Missgeschick nicht. Er ignorierte es vollkommen, obwohl sie sich sicher war, dass es ihm nicht entgangen war. Doch vielleicht war er wirklich nur auf das Bild konzentriert …
   »Nicht erschrecken. Ich desinfiziere nun deine Haut.«
   Nadja schwieg. Das Spray war kalt. Dann fuhr er fest vom Hals zu ihren Schulterblättern und weiter den Rücken hinab. Seine Berührung fühlte sich gut an. So selbstverständlich. Wieder spürte sie einen kurzen Druck.
   »Willst du dir ansehen, ob dir das Bild auf deinem Rücken gefällt?« Er hielt kurz inne. »Oder vertraust du mir?«
   Sie wäre dumm, wenn sie es täte, denn sie vertraute niemandem. Keiner Freundin und auch nicht mehr ihren Eltern. Niemandem auf dieser Welt. Und sie würde es auch nie wieder tun.
   »Was soll schon schiefgehen?«, fragte sie und bereute augenblicklich ihre unüberlegten Worte.
   »Ich könnte dir eine Ente anstatt eines Vogels stechen.«
   »Ja, das könntest du«, stimmte sie ihm zu. »Aber das könntest du auch, wenn ich mir das Bild ansehen würde.«
   »Hm.«
   Mit diesem »Hm« war die Unterhaltung auch schon wieder beendet. Wahrscheinlich musste sich Konstantin konzentrieren, vermutete sie. Ein schreckliches Geräusch ertönte, wie beim Zahnarzt. Nadja versteifte sich, hielt ihr Shirt ganz fest und wartete auf den kommenden Schmerz.
   »Erst die Umrisse.«
   »Ist es schlimm?« Nun stellte sie doch die Frage, die sie nie hatte stellen wollen.
   »Nein.«
   »Okay.«
   »Frauen können Schmerz außerdem besser verarbeiten als Männer.«
   »Wirklich?«
   »Hm.«
   Dann berührte die Nadel ihre Haut.
   Nadja zuckte nicht zusammen. Vielleicht ein ganz klein wenig. Allerdings mehr aus Überraschung. Oder vielleicht auch aus Erleichterung. Doch eines stand fest: Dieses Gefühl war zu ertragen. Das ist alles?, fragte sie sich.
   Konstantin arbeitete zügig, fuhr Linie für Linie nach. Immer wieder säuberte er die Haut, wahrscheinlich, um verlaufene Tinte wegzuwischen.
   Ganz so locker, wie sie anfänglich gedacht hatte, war das Stechen dennoch nicht. Es gab Stellen an ihrem Rücken, die sehr wohl auf die unsanfte Behandlung reagierten. Dennoch nahm sie die Vibration nicht als unangenehm wahr, obwohl sie leicht schmerzte. Zu gern hätte sie Konstantin zugesehen, ihn beobachtet, wie er arbeitete. Irgendwie fühlte sie sich ihm so nah und dennoch meilenweit entfernt. Sie spürte seine Hände, doch sie berührten ihre Haut nicht, weil sie sie berühren wollten, sondern lediglich, um einen Auftrag zu vollenden. Einen Auftrag, für den er bezahlt wurde. Dabei wollte Nadja nicht, dass er das so sah. Sie wollte, dass er ihr seine Aufmerksamkeit schenkte und nicht einem Bild. Bald würde sie gehen, und alles, was sie von ihm mitnehmen würde, war ein bunter Vogel auf ihrem Rücken. Ein Vogel, der Freiheit bedeuten sollte. Dabei vermisste sie eben in jenem Moment das Gefühl, eben nicht frei, sondern gebunden zu sein. Zu jemandem zu gehören. Geborgenheit empfinden zu dürfen. Nadja schluckte. Bald würde sie gehen und diesen Mann nie wiedersehen. Außer sie würde sich den ganzen Körper tätowieren lassen. Beide Gedanken gefielen ihr nicht. Überhaupt nicht.
   »Geht es dir gut?«
   Sie antwortete nicht. Zu sehr war sie in ihren Überlegungen versunken.
   »Ich habe dich etwas gefragt, Nadja!« Die Vibration verließ ihren Rücken.
   »Was?«, stotterte sie.
   »Du kannst dich gern mit mir unterhalten, wenn es dich von dem Schmerz ablenkt.«
   »Es ist okay.«
   »Manche Menschen fallen einfach um, wenn sie das Reden aufhören.«
   »Warum?«
   »Ihre Nerven spielen nicht mit.«
   »Ich habe gute Nerven.«
   »Wirklich?«
   »Und der Schmerz?«
   »Ist nicht schlimm.«
   »Aber stetig. Und du nimmst ihn an, anstatt ihn zu ignorieren.«
   »Wie meinst du das?«
   »Du schweigst, was mir zeigt, dass du dich mit dem Schmerz beschäftigst.«
   »Mach dir keine Sorgen. Ich kippe schon nicht um.« Sie lachte. »Der Schmerz ist leicht. Eine Mischung aus unangenehm und angenehm.«
   »Angenehm?« Ein seltsamer Unterton schwang in seiner Stimme.
   »Ja, ich mag die Berührung.«
   Was hatte sie da nur gesagt? Das Blut schoss ihr erneut in die Wangen. Zum Glück konnte er es auch dieses Mal nicht sehen.
   »Die Berührung? Das ist interessant.«
   Nadja schwieg. Sie wusste nichts mehr zu sagen.
   »Ich benutze nun eine andere Nadel zum Ausfüllen des Bildes.«
   Eine andere Nadel?
   »Gibt es einen Unterschied?«, erkundigte sie sich erneut etwas ängstlich.
   »Manche finden den Umriss unangenehmer. Andere das Ausfüllen. Das ist unterschiedlich.«
   Also nicht schmerzhafter. Sie musste sich keine Sorgen machen. Erleichtert entspannte sie sich wieder. Und doch bedeutete es, dass sich ihr Termin langsam, aber unausweichlich dem Ende näherte.
   Sie musste Konstantin in ein Gespräch verwickeln. Aber wie? Und was sollte es nützen?
   »Was empfindest du als schöner? Die Berührung? Oder den Schmerz?«
   Die Berührung oder den Schmerz? Hatte sie sich verhört? Ihre Ohren ihr einen Streich gespielt?
   Konstantin hielt nicht mit der Arbeit inne. Kontinuierlich tat die Nadel ihr Werk.
   »Beides fügt sich zu einer Einheit zusammen«, antwortete sie wahrheitsgemäß.
   »Bist du dir sicher?«
   »Natürlich würde ich die Berührung vorziehen«, stammelte sie.
   »Du lügst.« Seine Stimme nahm an Schärfe zu. »Habe ich dir vorhin nicht gesagt, dass ich es nicht mag, angelogen zu werden?«
   Ganz heiß wurde ihr. »Doch«, hauchte sie.
   »Warum tust du es dann?« Kurz entfernte er das Gerät. »Normalerweise zieht das eine Strafe nach sich.«
   Ihr wurde noch heißer. Nicht nur in ihrem Bauch. Auch zwischen ihren Schenkeln. Nervös kicherte sie auf.
   »Ich habe nicht gescherzt.«
   Nein, das hatte er wohl nicht. Sie wollte es auch nicht. Ein Scherz hätte die Magie zerstört, die seine direkten Worte in ihr ausgelöst hatten. Wieder herrschte Stille, dafür ging die Stecherei weiter. Der Schmerz wurde intensiver, wahrscheinlich, weil die Haut bereits gerötet war. Stechen, säubern, stechen, säubern. Sie spürte den Druck seiner Finger, dadurch seine Berührung, obwohl er Handschuhe trug. Nadjas Arme begannen vor Anstrengung zu zittern. Sie saß schon seit über einer Stunde in dieser unbequemen Stellung. Ihr Widerstand schmolz. Langsam ließ sie das Shirt sinken. Ganz seltsam fühlte sie sich. Ihre Gedanken waren leer. Sie fühlte nur noch, hoffte einerseits, die Tortur zu überstehen, andererseits, sie nicht enden zu lassen. Ein Gefühlswirrwarr, das eindrucksvoll von dem Ziepen und Brennen in ihrer Haut unterstrichen wurde.
   Das helle Glöckchen ertönte und brachte sie schlagartig in die Realität zurück. Jemand hatte das Studio betreten. Konstantin stellte die Tätowiermaschine ab.
   »Bin gleich zurück.« Dann stand er auf und ging in den Vorraum.
   »Kannst du mein Bild nachstechen? Silvias Linie ist nicht sauber gestochen«, klagte eine Frauenstimme.
   »Lass sehen!«
   »Es ist an meiner Leiste.«
   An ihrer Leiste? Nadja horchte auf. Wollte sich die Frau etwa mitten im Studio entkleiden?
   »Hose runter!«
   Das Öffnen eines Reißverschlusses ertönte. Nadja hielt die Luft an.
   Die Frau kicherte. »Das kitzelt.«
   »Wenn du so wackelst, sehe ich gar nichts.«
   »Ich kann mich ja auf die Liege legen.«
   »Die ist besetzt.«
   »Kannst du die Linie nachstechen? Ich kann später wiederkommen.«
   »Nein, ich bin bis heute Abend beschäftigt.«
   »Danach?«
   »Nein.«
   »Aber …«
   »Die Tätowierung ist noch zu frisch. Die Linie fast gerade. Ich würde gar nichts machen. Silvia ist in ein paar Tagen wieder in der Stadt. Es ist ihr Bild. Sie soll es sich ansehen und entscheiden.«
   »Ich wollte aber gern …«
   »Tut mir leid. Ich mische mich nicht in die Arbeitsweise meiner Kollegin ein.«
   Der Reißverschluss wurde wieder emporgezogen. »Würdest du mir das nächste Bild stechen?«
   »Natürlich. Komm zum Beratungstermin und such dir ein Bild aus. Dann machen wir einen Termin aus.«
   »Danke.«
   Nadja konnte sich förmlich vorstellen, wie die Frau Konstantin anstrahlte. Und das gefiel ihr nicht. Überhaupt nicht.
   Die Tür fiel ins Schloss. Konstantins Schritte näherten sich.
   »Hat die sich wahrhaftig die Hose heruntergezogen?«, platzte sie heraus.
   »Nicht jede Frau ist so schüchtern wie du.«
   »Ich bin nicht schüchtern.« Mit einem Ruck erhob sie sich und fuhr gleichzeitig herum. Das Shirt rutschte komplett zu Boden. Konstantin stand direkt vor ihr. Sie starrte ihn an, musste den Kopf allerdings heben, um ihm in die Augen zu sehen. Wieder versank sie in diesem Blick.
   »Magst du nicht mehr sitzen? Du kannst dich auch auf die Liege legen. Wäre im Moment sowieso besser.«
   Was? Nadja blinzelte irritiert. Dann schluckte sie. Ihre verdammte Fantasie!
   Die Liege ist besetzt, hatte er der Frau eben erzählt.
   »Warum erst jetzt?«
   »Magst du es, stundenlang auf dem Bauch zu liegen? Ich finde sitzen bequemer. Nur müssten wir nun deinen Stuhl höher drehen, oder du legst dich jetzt eben hin. Ansonsten bekommt dein Vogel kein farbiges Unterteil oder ich muss meine Arme verdrehen.«
   »Ach so. Natürlich«, stotterte sie. Unbewusst trat sie einen Schritt zurück. Da glitt sein Blick tiefer und blieb auf ihren Brüsten haften. Prompt richteten sich ihre Knospen steif auf.
   Wie peinlich!
   Ganz leicht spitzte er die Lippen. Sie war sich beinahe sicher, den Hunger in seine Augen lesen zu können. Aber eben nur beinahe. Wenn er sie doch nur berühren würde …
   Vielleicht hätte sie abwarten sollen, aber das konnte sie nicht. Also ging sie brav zur Liege.
   »Soll ich die Stiefel ausziehen?«
   »Nein, es gefällt mir gut so.«
   Es gefiel ihm gut so?
   »Wie meinst du das?« Sie hielt inne und wieder stand sie barbusig vor ihm.
   »So, wie ich es gesagt habe.«
   »Darf deine Freundin keine Gesundheitslatschen tragen?«, versuchte sie zu klapsen.
   »Ich habe keine Freundin. Und nein, sie würde mit Sicherheit keine Latschen tragen.«
   »Barfuß?«
   »Unter gewissen Umständen.«
   »Unter welchen?« Ihre Stimme war nur noch ein Hauch.
   »Willst du es etwa herausfinden?« Ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen, doch sein Blick sprach eine andere Sprache. »Auf die Liege mit dir! Sonst werden wir nie fertig.«
   Nadjas Wangen glühten. Sie sagte nichts mehr, sondern kletterte gehorsam auf die Liege. Als sie sich auf den Bauch drehte, rutschte ihr Rock unzüchtig die Schenkel empor. Aber es war ihr egal. Irgendwie hoffte sie sogar, dass Konstantin den Spitzenabschluss ihrer Strümpfe sehen konnte, denn sie wusste, dass sie wohlgeformte Schenkel hatte, was von den Strümpfen noch betont wurde.
   Wieder säuberte Konstantin ihren Rücken, und wieder ertönte das Surren der Tätowiermaschine. Doch nun spürte sie auch seinen Arm auf ihrem Rücken ruhen. Sogar einen Hauch von seinem Gewicht. Gut fühlte sich das an, obwohl das Liegen ansonsten wirklich eher unbequem war. Doch seltsamerweise gefiel ihr auch diese Tatsache ganz gut.
   Wie sollte sie nur an diesen Mann herankommen? Sie konnte ihm kaum ein öffentliches, unzüchtiges Angebot machen.
   Warum eigentlich nicht? Sie würde ihn nie wiedersehen, wenn sie es nicht wollte. Aber dazu war sie viel zu schüchtern. Zu verklemmt. Sie getraute es sich nicht. Und doch wünschte sie, er würde den Druck auf ihren Körper verstärken, würde seine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten lassen. Nur fühlen wollte sie. Dazu der Kontrast des Schmerzes auf ihrem Rücken. Allein die Vorstellung brachte ihre feuchte Mitte zum Glühen. Dieser Mann trieb sie in den Wahnsinn! Wenn er vorhin doch nur ihre Brüste berührt hätte. Ihre Knospen. Sie wollte ihn nicht einmal küssen, ihn nur spüren, seine Wünsche erfüllen. Verdammt, sie wollte von ihm gefickt werden!
   »Alles okay?«, fragte er sie in dem Moment. »Ist dir unbequem?«
   »Nein, ich mag es.«
   »Was?«
   »Hier zu liegen.« Das Wörtchen »hier« war schon eine große Überwindung gewesen. Ob er es überhaupt gehört hatte?
   »Das ist gut.«
   »Warum?«
   »Weil ich es mag, wenn Frauen das tun, was ich gern möchte.«
   »Verstehe ich nicht.«
   »Du musst nicht alles verstehen, oder?«
   »Das mag ich nun wiederum ganz gern.«
   »Was? Die Kontrolle?«
   Nadja überlegte. Er hatte recht. Sie mochte es, alles unter Kontrolle zu haben. Das fing bereits auf der Arbeit an. Kontrolle gab ihr ein Gefühl der Sicherheit. Doch insgeheim wollte sie diese manchmal gern abgeben. Sich fallenlassen, aber dabei aufgefangen werden. Doch das waren lediglich Träume. Wunschvorstellungen, die nicht der Realität entsprachen. »Ich weiß nicht«, murmelte sie.
   »Das glaube ich auch.«
   Mittlerweile musste Nadja ganz schön die Zähne zusammenbeißen. Ihre Haut war gereizt und bettelte förmlich nach Ruhe.
   »Ich bin gleich fertig«, sagte Konstantin in dem Moment.
   Nadja schluckte. »Wie sieht es aus?«, quetschte sie hervor.
   »Du kannst dir dein Tattoo in ein paar Minuten ansehen.«
   Ansehen. Danach bezahlen und gehen.
   Schon schaltete er die Tätowiermaschine aus. »Nicht erschrecken!« Er sprühte etwas auf, wischte wieder über ihre Haut. Angenehm war es. Seine kräftigen Finger. Die Bewegung. Mhm.
   »Nicht einschlafen!« Er lachte leise. »Du bist hier nicht bei einer Massage.«
   »Leider.«
   »Extrabonus gibt es nicht.«
   »Wie unfair.«
   »Los, aufstehen!« Mit den Fingern fuhr er ihr sacht den Rücken hinab und gab ihr einen Klaps auf den Po.
   Mhm. Auch das mochte sie. Wenn er doch die Hand hätte liegen lassen. Aber nein. Aufstehen sollte sie.
   Sie drückte die Arme durch und rutschte ungelenkig in eine sitzende Position. Schließlich musste sie darauf achten, dass der Rock nicht noch bis zu ihrem Hintern hochglitt. Wie der Zufall es wollte, landete sie genau zwischen Konstantins Beinen, der seinen Hocker nicht wirklich von der Liege weggeschoben hatte. Wieder war sie ihm nah. Und wieder hatte sie ihre nackigen Brüste vergessen. Schnell verschränkte sie die Arme.
   Tadelnd schüttelte er den Kopf. »Ich habe deine Brüste vorhin bereits gesehen und bin der Meinung, dass du sie nicht verstecken musst.«
   »Mir ist das aber peinlich.«
   »Das ist dein eigentliches Problem, nicht die entblößten Brüste.«
   Immer noch rutschte er nicht beiseite. Aber auch sie blieb zwischen seinen Beinen sitzen, schaute in sein Gesicht und ließ langsam die Hände sinken.
   »Ich mag es, schöne Dinge zu betrachten. Also schau ich mir auch deinen Körper an.« Schon glitt sein Blick hinab zu ihrem Hals und weiter über ihren nackigen Oberkörper.
   Nadja hielt vollkommen still und ließ ihn gewähren. Dabei fühlte sie sich einfach nur schön. Leider wurden ihre Knospen erneut hart und streckten sich ihm keck entgegen.
   Wieder spitzte er leicht die Lippen. »Du solltest jetzt besser aufstehen und dir dein Bild ansehen, sonst tue ich etwas, was gegen meine Prinzipien verstößt.«
   »Was?«, krächzte sie.
   »Ist man einen Schritt erst einmal gegangen, ist er nicht mehr rückgängig zu machen.«
   »Wäre das schlimm?«
   »Für mich weniger.«
   »Für mich schon?«
   »Du wolltest mich vor ein paar Stunden nicht einmal an deinen Rücken lassen«, erinnerte er sie.
   »Hm«, stimmte sie ihm zu.
   »Deswegen wirst du es sein, die zu mir kommt. Nicht ich zu dir.« Er stupste sich mit dem Fuß ab und ließ den Hocker nach hinten rollen.
   Da saß sie nun. Allein auf der Liege. Und wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte.
   Sie sollte es sein, die zu ihm kam? Nicht er zu ihr? Was sollte das bedeuten?
   »Willst du nicht aufstehen und dir den Vogel ansehen?«
   Nadja nickte nur.
   Mit wackligen Beinen sprang sie von der Liege und ging zu ihm hinüber. Auch er war aufgestanden, stellte sie mit dem Rücken vor einen Wandspiegel und drückte ihr einen weiteren in die Hand.
   Nadja riss die Augen auf.
   Das war nicht der Vogel, den er zuvor gemalt hatte. Irgendwie schon, doch hatte er seine Position verändert. Er saß auch nicht mehr auf einem Zweig, sondern zeigte seinen farbenprächtigen Rücken, der in einen ebenso farbenprächtigen Schwanz überging. Der Kopf blickte seitlich zu ihrem Herzen. Allerdings war das Bild pastellfarbig. Passend zu ihrem porzellanen Hautton, jedoch seltsamerweise auch passend zu dem Rot ihrer Haare.
   Boah! Was für ein Kunstwerk!
   »So wärst du doch fast zu einer Ente gekommen«, bemerkte er ernst.
   »Mit dem Vertrauen ist das eben so eine Sache«, versuchte sie zu scherzen.
   Er zog die rechte Augenbraue hoch. »Man sollte sich gut überlegen, wem man es schenkt.«
   »Das Bild ist viel schöner als das Original.«
   »Dann hast du wohl Glück gehabt.« Immer noch lächelte er nicht. »Dreh dich um! Es muss noch Folie über die Tätowierung.«
   »Folie?«
   »Die lässt du über Nacht auf der Wunde.«
   »Okay«, antwortete sie nur. Irgendwie war sie überfordert mit der Situation. Mit der Tätowierung, die auf ihrem Rücken leuchtete, mit Konstantin und der Wirkung, die er auf sie ausübte. Sie war hin- und hergerissen, wäre am liebsten ewig geblieben und gleichzeitig aus dem Studio gestürmt.
   Konstantin trat leise von hinten an sie heran, trug die Folie auf und strich sie fest. Doch anstatt seine Hand zu entfernen, legte er auch die zweite auf ihren Rücken. Dann fuhr er zu ihren Schultern empor und an ihren Seiten hinab. Beinahe berührte er ihre Brüste. »Ich gebe dir eine Pflegeanleitung und meine Visitenkarte mit für den Fall, dass Schwierigkeiten auftreten oder du Fragen hast.«
   Wieder quetschte sie ein »Okay« heraus.
   Irgendwie berührte er sie absichtlich und sprach gleichzeitig über Belanglosigkeiten. Dann gab er zweideutige Bemerkungen von sich, handelte jedoch nicht danach.
   Nadja war komplett verwirrt.
   »Den BH würde ich nicht anziehen.«
   Sie nickte nur und griff nach ihrem Shirt. Er sah nicht weg. Nicht eine einzige Sekunde, als sie es sich überzog. Dann nickte er, schob den Vorhang beiseite und lief in den Laden. Mit immer noch wackligen Beinen folgte sie ihm. Wieder öffnete er die Theke, sodass sie hindurchtreten konnte. Nur würde der Weg sie dieses Mal hinausführen. Nadja zahlte wie in Trance, steckte Anleitung und Karte ein und ging, ohne sich noch einmal umzuwenden.

*

Konstantin blickte ihr nach, bis sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte. Natürlich hätte er sie aufhalten können. Ebenso wie er sich überlegt hatte, sie zu berühren. Ihre zarten Knospen zwischen seine Finger zu nehmen, sie zu zwirbeln und sacht daran zu ziehen. Er war sich beinahe sicher, dass sie den leichten Schmerz als angenehm empfunden hätte. Als Ausgleich für das Brennen auf ihrem Rücken. Er hatte sich sehr beherrschen müssen, aber er hatte auch eine leise Vorstellung, wo er Nadja haben wollte. Aber in diese Position sollte sie sich selbst begeben. Aus freiem Willen. Ihrem eigenen Wunsch entsprechend. Er würde keinen Hehl daraus machen, was er mochte und was ihn nicht ansprach. Ging sie darauf ein, war es immer noch an der Zeit, zu agieren. Seine Selbstbeherrschung war die letzten Stunden auf eine harte Probe gestellt worden. Es war extrem schwierig, sich auf ein Bild zu konzentrieren, zu arbeiten und dabei einen pulsierenden Schwanz in der Hose zu haben. Angemerkt hatte sie ihm das natürlich nicht. Bewusst hatte er sie im Unklaren gelassen, ob er sich nun auch für sie als Frau interessierte oder nicht. Immer wieder hatte er sie vermuten lassen, dass sie ihm gefiel, um letztendlich doch sachlich zu bleiben. Aber mit ihr war eine Veränderung geschehen. Wie – das wusste er nicht, aber es schien, als hätte er ein schmerzhaftes Verlangen in ihr geweckt. So etwas passierte manchmal. Nicht oft und nur bei speziellen Menschen. Die Chemie musste stimmen.
   Doch warum bei ihr? Beziehungsweise: Warum hatte sie auf ihn so extrem reagiert? So sehr, dass es ihm nicht entgangen war? Vielleicht, weil er etwas verkörperte, nach dem sie suchte? Diese Frau könnte ihm gefährlich werden. War es folglich nicht schlauer, einen großen Bogen um sie zu schlagen? Ihm war nicht nach einer Beziehung zumute. Er wollte Single bleiben, eben jetzt, da er eine Teilhaberschaft im Inkart anstrebte. Lange genug hatte er gelernt und in verschiedenen Studios gearbeitet. Nun war es an der Zeit, sich selbstständig zu machen. Natürlich brauchte er Frauen in seinem Leben, aber keine Freundin. Danach stand ihm der Sinn nicht. Eine Freundin stellte Anforderungen, wollte Zeit und ein Stück Herz. All das hatte er nicht zu vergeben. Folglich konnte eine hübsche Frau seinen Körper haben, aber eben nicht sein Herz. Nur Nadja war – da hätte seine Hände ins Feuer legen können – nicht an einem Abenteuer oder einer lockeren, rein sexuell orientieren Beziehung interessiert. Jedoch war er nicht bereit, mehr zu geben. Niemals. Auf jeden Fall nicht jetzt. Und doch reizte sie ihn. Ihr zartes Gesicht, der schlanke Körper, ihre Art, sich zu kleiden, ihr Wesen.
   Sein Handy klingelte.
   »Darf ich heute Abend vorbeikommen?«, gurrte es in sein Ohr.
   Sheila – sein momentaner Zeitvertreib.
   Darf ich?, hatte sie gefragt. Sie hatte schon viel gelernt in der Zeit mit ihm. Dennoch reizte sie ihn nicht. Aus sexueller Sicht natürlich schon. Sie ergänzten sich eben, und solange sie keine Forderungen stellte, konnte er damit umgehen. »Nein, heute nicht.«
   Heute nicht? War er dumm? Gerade heute hätte ihm ein wenig Abwechslung gutgetan.
   Aber da war so ein schlanker, grau gekleideter Körper in seinen Gedanken. Rotes Haar, weiße Haut und blaue Augen …
   »Wirklich nicht?«
   »Nein«, knurrte er.
   Ihm war im Moment nicht nach reiner Unterwürfigkeit. Ihm war nach etwas Neuem. Nach Leichtigkeit und einem Hauch von Unverdorbenheit. Ja, es war diese Prise an Unschuld, die er vermisste, obwohl es ihm nie aufgefallen war. Vielleicht bestand nicht alles nur aus Nehmen, sondern auch einem Teil von Geben. Das war ein seltsames – ein fremdes – Gefühl.
   Schon lange hatte er keine Frau mehr kennengelernt, der er gezeigt hatte, wie der Weg überhaupt aussah, dem er folgte. Stets hatte er nur darauf geachtet, dass sie ihn so beschritt, wie er es wollte. Praktisch war das. Und wenig anstrengend, aber auch fad und langweilig.
   Fad und langweilig? Wie kam er nur darauf? Er liebte es doch genauso.
   »Schade«, hauchte es in sein Ohr.
   Was erlaubte sich Sheila heute eigentlich? Ihr Missfallen interessierte ihn nicht. Zudem hatte sie es auch nicht zu äußern. So lauteten die Regeln, denen sie bereitwillig zugestimmt hatte. Ahnte sie etwa, dass ihre gemeinsame Zeit dem Ende entgegenging?
   Konstantin überlegte. Die Zeit mit Sheila war vorbei, obwohl er das vor wenigen Stunden noch nicht geahnt hatte. Er wollte sie nicht verletzen, nahm aber an, dass sie keine ernsthaften Gefühle für ihn empfand. Sie teilten lediglich sexuelle Vorlieben. Seit wann machte er sich überhaupt Gedanken darüber?
   Gründlich reinigte er das Studio. Noch war Nadja in seiner Erinnerung lebendig. Würde sie über ihren Schatten springen und sich bei ihm melden?

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