Luna steht mit Beziehungen im Allgemeinen auf Kriegsfuß. Selbst ihre langjährigen Freundinnen kommen nicht wirklich zu ihr durch. Mo hingegen berührt auf den ersten Blick eine emotionale Seite in ihr, bleibt dabei aber ebenfalls auf Abstand. Der Reiz ist unwiderstehlich, und so geht Luna jedes Wagnis ein, ihn doch noch rumzukriegen. Bei einer heißen Nacht allein darf es aber nicht bleiben!

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ISBN: 978-9963-53-928-4

Seiten: 246

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Kathrin Fuhrmann

Kathrin Fuhrmann
Kathrin Fuhrmann ist im März 1980 im Kreis Recklinghausen geboren und lebt in der Nähe von Dortmund. Dort arbeitet sie als Chemielaborantin und schreibt mit großer Leidenschaft an ihren Geschichten. Neben Erotik und Romantic Thrill fühlt sie sich auch in anderen Genren zu Hause, nutzt dafür aber ein anderes Pseudonym. Historische Liebesromane und Chick Lit aus ihrer Feder findet ihr unter Katherine Collins.

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Leseprobe

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1

Luna hing am Arm ihrer Freundin Rafa direkt vor der verschlossenen Tür eines Sex-Klubs und vertrat sich die Füße. Ihre Clique war vom Inhaber eingeladen worden – genau genommen vom neuen Freund ihrer Freundin Carina, was besonders gruselig an der Geschichte war.
   Ausgerechnet die doppelt weichgespülte DIY-Kolumnistin endete bei einem Hardcore-Typ wie Torben Benedict.
   Sie warteten vor der Tür zu besagtem Klub auf den Rest des Quartetts, das elendig langsam auf sie zugeschlichen kam.
   »Jetzt komm schon«, rief Luna. »Wir verpassen noch was!«
   Die beiden Nachzügler tuschelten miteinander und hatten es nicht eilig. Es wunderte Luna nicht im Geringsten. Keiner der beiden hatte genügend Schneid für die Sache hier, selbst Rafa traute sie es nicht zu, sich hier wohlzufühlen. Aber Luna konnte es kaum erwarten, endlich die geheimen Hallen des Klubs Noir zu betreten.
   »Jetzt kommt schon!« Rafa stöckelte zu dem Duo zurück und griff nach Carinas freier Hand.
   Luna revidierte ihre Ansicht, offenbar war nicht nur sie verdammt neugierig auf den Schuppen.
   Der Typ, der die Tür öffnete, war schon ein Leckerli. Sein dunkles Haar fiel ihm in die ebenfalls braunen Augen, die er blitzschnell über jede von ihnen wandern ließ, um an Carina hängen zu bleiben. Es zwickte. Wie konnte es sein, dass man Carina mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihr? Gerade die pummlige Carina.
   Man konnte es abhaken, wenn man bedachte, dass Carina hier Stammkundin und der Rest von ihnen – Luna inklusive – noch nie hier gewesen war. Wirklich beruhigend war es nicht.
   »Eine ausdrückliche Einladung, aber natürlich warten wir hier, bis Sie sich informiert haben, dass es tatsächlich …« So nervtötend unsicher. Luna ballte die Hände. Warum?
   »Nein, alles in Ordnung, bitte treten Sie ein.« Der sexy Typ räumte die Tür.
   »Wow, bist wohl ein VIP, was?«, knirschte Luna ungläubig und angefressen zugleich.
   »Unsinn«, murrte Carina, wobei ihre vollen Wangen Farbe annahmen. Wie üblich lenkte sie schnell ab. »Wir müssen uns umziehen, dort drüben …«
   »Es sind Räume für Sie reserviert worden, Anne. Bitte folgen Sie mir.«
   Carina klappte den Mund zu. Keiner reagierte auf die falsche Ansprache, schließlich kannten sie die Story zu genüge. Carina hatte sich unter falschen Namen vorgestellt, so wie sie es alle taten, wenn sie Bekanntschaften machten, schließlich landete jeder Typ, den eine von ihnen datete, auf ihrem Blog #loversguide und wurde bewertet.
   »Ah, da ist aber jemand eine sehr wichtige Person, hm?« Luna umrundete sie und folgte dem Türsteher als Erste, schließlich war der Eingangsbereich ziemlich unspektakulär und nicht der Bereich, der sie interessierte. Welche Räume waren wohl gemeint? Die interessanten? Aber es ging nicht in den Keller, sondern zur Hintertür hinaus und um die Ecke. V. I. P. stand in großen Lettern auf einem kaum zu übersehenden Schild.
   Luna stockte. Was war denn das?
   »Der Bereich ist abgeschieden, und niemand hat Zutritt, der Sauna und Pool-Bereich steht nur Ihnen zur Verfügung. Getränke ordern Sie über die Konsole dort.« Er deutete zur rechten Seite, wo einige bequem aussehende Stühle um einen Tisch gruppiert waren. »Sie werden von einer weiblichen Angestellten gebracht.«
   Rafa murrte. »So’n Mist.«
   Womit sie keinesfalls falsch lag, was bitte schön sollten sie mit weiblichen Angestellten, wenn es hier so nette Teilchen wie den Türsteher gab?
   »Um Ihre Privatsphäre zu wahren. Es liegen Morgenmäntel bereit. Sollten sie die falsche Größe haben, scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren.«
   »Das ist hier alles gesperrt?«, hakte Anne nach und drehte sich dabei, um einen vollen Überblick zu bekommen.
   Luna tat es ihr gleich. Der Sauna-Bereich war mit großen Blumentöpfen abgegrenzt vom restlichen Hof. Er war überdacht, mit blickdichten Matten abgedeckt und mit Lampions dekoriert.
   »Ja. Ich soll versichern, dass auch der Chef nicht herkommen wird. Sie werden hier völlig ungestört sein.«
   »Ich bin beeindruckt«, gab Rafa zu und machte sich auf, den Jacuzzi zu inspizieren. »Wow, schaut mal hier!«
   »Ich muss mich Rafa anschließen, Carina. Da legt sich jemand mächtig ins Zeug, dich zu beeindrucken.« Anne klang nicht so begeistert, aber das war völlig normal für sie.
   Sie hatte keine gute Meinung von Männern. Schön, wer hatte die schon, aber Anne übertrieb es. Man musste sie nur zu nehmen wissen.
   »Bekommen wir eine Führung?«, säuselte Luna breit zu Pete aufgrinsend, der kaum einen Schritt neben ihr stand. »Der Keller würde mich interessieren.«
   »Ben erwartet die Damen im Büro, sobald sie sich einfinden möchten.« Er ignorierte mich und fing stattdessen Carinas Blick auf. »Sie kennen sich hier ja aus, Anne.«
   Anne blinzelte nicht einmal, obwohl es Carina deutlich unangenehm war, im Beisein der Freundin mit deren Namen angeredet zu werden. Aber für ihre Dates waren sie nun mal alle vier Anne, und niemand verriet den bürgerlichen Namen, um vor Angriffen der bewerteten Männer auf ihrem Blog sicher zu sein. Schließlich fanden es nicht alle gut, als Lover schlecht abzuschneiden und das auch noch via Internet absolut öffentlich.
   »Ich hoffe, es macht euch nichts aus, dass ihr euch umziehen müsst?«
   Rafa lachte auf. »Du meinst ausziehen?« Sie schlackerte ihre Jacke ab und ließ sie achtlos neben dem Jacuzzi liegen.
   »Na, begeistert bin ich nicht«, murrte Anne weniger enthusiastisch, was ein guter Grund für Luna war, sich ebenfalls aus den Sachen zu pellen, es Rafa gleichzutun und zu kichern.
   »Du kannst es doch kaum erwarten, deine Mordsdinger jemanden ins Gesicht zu drücken!« Luna pikste mit dem Zeigefinger in Rafas Brust.
   »Ach? Und du suchst doch nur jemanden, der deine Sterne zählt!« Damit spielte sie auf das Meer an kleinen Sternen in Lunas Leistengegend an, die sich tiefer zogen und vereinzelt auch an ihren Schenkeln zu finden waren.
   »Stimmt! Meinst du, der sexy Türsteher hat Interesse?« Die Chancen standen wohl nicht so hoch, aber entmutigen ließe sie sich davon nicht.
   »Luna, der Kontakt zwischen Mitgliedern und Angestellten ist verboten«, tadelte Carina direkt und warf ihr einen Blick zu, der sie warnen sollte.
   »Bin ja kein Mitglied.« Luna grinste spöttisch, schließlich waren ihr Regeln völlig schnuppe.
   »Carina!«, tadelten Rafa und Luna unisono. Sie steckten bereits in ihren Morgenmänteln und gingen auf sie zu, um sie anzutreiben. Wieder mal. Carina und Anne waren einiges zu uninteressiert.
   »Ich mach ja schon.«
   »Ich bin ja mal gespannt, was uns noch geboten wird.« Rafa lockerte ihren Mantel und checkte das Ergebnis in der reflektierenden Oberfläche des Pools. »Hm, meint ihr, das ist ansprechend genug?«
   »Klar, wenn du die Kerle mit deinen Attributen erschlagen willst«, spottete Luna, wobei ihr Morgenrock auch nicht züchtiger geschlossen war.
   »Also, ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich alle hoch zu Torben sollen, oder ob Pete das vielleicht falsch verstanden hat. Am besten, ich klingele schnell durch.«
   »Auf keinen Fall!« Rafa entriss ihr die Handtasche. »Was, wenn wir nicht hochkommen sollen und ich deinen Adonis nie zu Gesicht bekomme? Kannste vergessen!«
   Luna schnappte sich ihren Arm und hängte sich ein. Nicht, um sich führen zu lassen, nein, um sie mit sich zu ziehen. »Büro, ja? Klingt langweilig, oder macht ihr dort Rollenspielchen? Spielst du die steife Sekretärin, der er es dann …«, frotzelte sie gehässig. Vorstellen konnte sie es sich nicht. Carina war so schrecklich langweilig, dass es schon wehtat.
   »Oh, halt den Mund«, überfuhr Anne sie auch schon, die ähnlich hausbacken war, wenn es um die körperliche Liebe ging.
   »Die Tänzer müssten gleich mit ihrer Show beginnen.«
   Immerhin etwas, beschied Luna und hakte sich wieder bei Rafa ein. »Was meinst du? Sehen wir uns an, was geboten wird?«
   »Rrr«, machte Rafa und kicherte. »Kommt ihr?« Sie zog Luna mit zurück in das Haus und durch den Gang. Erst vor der Tür zum vorderen Raum blieben sie stehen, um auf die anderen beiden zu warten. Rafa quietschte vor Aufregung. »Schau! Es geht bestimmt jeden Moment los!«
   Oder auch nicht, wenn man Luna fragte, denn eigentlich war die Bühne nicht einmal komplett aufgebaut. Sie ließ den Blick über die längliche Bar mit den aufgereihten Flaschen und den Gläsern hinweg zu dem Bartender wandern, der ebenfalls nicht übel anzusehen war. Sie pfiff leise, beeindruckt von der Wahl der Angestellten. Ein wahrlicher Haufen ansehnlicher Herren.
   »Verzeihung, darf ich mal vorbei?«
   Rafa wich aus, trat in den Raum und war schon fast an der Bar, bevor Luna auch nur reagieren konnte. Typisch Rafa. Luna wandte sich ab. Anne und Carina hatten zu ihr aufgeschlossen und bemerkten, dass es noch keine heiße Show geben würde, sie aber Rafa von der Bar loseisen müssten.
   »Könnten Sie bitte aus dem Weg gehen?«
   Luna lehnte sich gegen die Wand und drehte sich, wodurch sie mit dem Rücken an etwas Kantiges stieß. Eine Gruppe Männer in Achselshirts trug einige Scheinwerfer an ihr vorbei. Es war wohl offensichtlich, dass die Show noch nicht beginnen würde, solange das Equipment noch nicht aufgebaut war. Noch während die Rowdys an ihr vorbeimarschierten, öffnete der sexy Typ, der sie bereits reingelassen hatte, die Tür für eine Reihe Männer, die allesamt einen guten Kopf größer waren als er – und sogar noch beeindruckender.
   Holla, hier regnete es heiße Kerle!
   Der erste kam direkt auf sie zu, sein Blick fiel auf Luna und glitt ab, um über ihre Gestalt zu wandern, langsam und ausziehend. Sie tat es ihm gleich, wobei jeder Zentimeter hinab ihre Mundwinkel nach oben zog. Er überragte sie um gut einen Kopf, seine breiten Schultern gingen in muskelbepackte Arme über, schmale Hüften und ebenso gestählte Beine bildeten den Abschluss.
   Punkt für dich.
   Als sich ihre Blicke wieder trafen, war es nur für einen Moment, dann war er an ihr vorbei und ließ sie einfach stehen. Sie drehte sich, als der zweite Typ, ähnlich interessant gebaut, an ihr vorbeikam und sah ihnen nach, wie sie über die Treppe im ersten Stock verschwanden – mit knackigen Ärschen, fünf an der Zahl.
   Nicht übel!
   »Luna, Mensch, wie wäre es, wenn wir zusammenbleiben?«, murrte Carina nervös, während sie Luna den Blick verstellte. »Was machst du denn hier?«
   »Vermutlich sucht sie auf der Pinnwand nach einem Date«, unkte Rafa und stieß Luna an. »Der da?« Sie riss einen Zettel von der Wand. »Junge, unbedarfte Gespielin gesucht. Na, dann!« Rafa hielt ihr den Zettel ins Gesicht. »Interessiert?«
   »Tja, jung? Unbedarft? Scheint nicht wirklich zu passen, oder?«
   »Hört auf mit dem Unsinn!« Carina riss ihr den Zettel aus der Hand und pinnte ihn mit unnötiger Wucht wieder an die Wand. »Die Show steht erst in einer Stunde an, kommt, lasst uns kurz nach oben gehen.«
   O ja, bitte!
   Das Kennenlernen ihres Freundes stand noch aus, und an ihm war Luna durchaus interessiert, schließlich fesselte sie die Frage, was ein Mann wie Torben Benedikt an einer Frau wie Carina finden konnte – oder irgendein Mann.
   Den Freundinnen folgend revidierte sie ihren Gedanken. Carina war nett – langweilig, ja – aber nett. Stets hilfreich und zuvorkommend, also bestimmt eine angenehme Partnerin, auch wenn sie anstrengend sein konnte.
   Wer nicht? Komm runter, Luna, das ist pure Eifersucht.
   Von dem knackigen Quintett war im ersten Stock nichts mehr zu sehen. Sie seufzte bedauernd und folgte ihren Freundinnen weiter in den zweiten Stock und dann unter das Dach.
   Torben war ein Schock. Ähnlich wie die fünf heißen Typen war er ein muskelbepacktes Sahnestückchen und so gar nicht die Art Mann, die Luna als passenden Freund für Carina erachtet hätte.
   Wow.
   Sie machten als Paar einiges her, das musste auch Luna eingestehen, nachdem sie sich von der ersten Überraschung erholt hatte. Carina lag in seinen Armen, an die breite Brust gekuschelt und wirkte zur Abwechslung mal zufrieden. Sie strahlte regelrecht. Eine neuerliche Welle der Eifersucht überrollte Luna brennend heiß.
   Schön, zumindest eine von uns ist glücklich!
   »Und?«, flüsterte ihr Rafa zu. »Habe ich es nicht gesagt?«
   Luna murrte eine Zustimmung. Er war genau der Typ Mann, für den sie sich interessierte, und das war einfach nicht fair. »Ich dachte, Carina steht eher auf den häuslichen Typ.«
   Rafa kicherte versteckt. »Stell ihn dir in Schürze vor dem Herd vor!«
   Nein, danke. Lieber nackt im Bett.
   Der Pfiff blieb innerlich, und sie mischte sich auch ins Gespräch ein, um nicht negativ aufzufallen. Luna ging stark davon aus, dass die Geschichte zwischen den beiden niemals lang halten konnte, und in dem Fall wollte sie sich ihre Chancen nicht verbauen.
   Eher widerwillig folgte sie der Entourage wieder hinunter und in den extra für sie reservierten Bereich. Carina und Anne tuschelten miteinander, die eine besorgt, die andere glückselig.
   Was zum Teufel machst du falsch?
   »Schauen wir uns nun die Tänzer an oder nicht?« Luna verlor langsam die Geduld.
   Generell war sie für Frauenabende zu haben, und gerade als Quartett waren sie auch interessant, eben weil sie so viel gemeinsam hatten. Ihre Datingerfahrungen, ihren Wohnort und natürlich auch die ein oder andere Weltansicht, auch wenn die sich zunehmend auseinanderentwickelte. Anne und Carina waren es leid, ihre Dates online zu bewerten, Carina hatte sich nun sogar etwas langfristig Festes gesucht und sich offiziell aus der Berwertungsschiene verabschiedet. Anne suchte zurzeit nach Änderungen des Contents ihres Blogs #loversguide, und Luna kam sich zunehmend veräppelt vor.
   »Sie wirken wie Turteltäubchen, was?« Rafa stieß sie an. »Wie verlassen stehen wir beide da?«
   »Ich bin gut gebucht.«
   »Als Messehostess oder Lektorin?« Rafa kicherte, schließlich wusste sie, dass Luna solche Spitzen mit Humor nahm.
   »Sowohl als auch.« Sie zuckte die Achseln. »Ich kann mich im Datingbereich auch nicht beklagen.«
   Rafa schnaubte und streckte sich nach ihrem Cocktail. »Red keinen Quatsch. Zwei Dates in zwei Monaten ist keine Auslastung.«
   Kam wohl auf die Dates an.
   »Auf die Gefahr hin, wie Anne zu klingen: Es ist nicht mehr dasselbe.«
   Rafa rollte die Augen und drehte sich wieder auf ihrem Sitz, um das Paar am anderen Ende des Whirlpools zu betrachten. »Das willst du sicher nicht offen zugeben.«
   Mit Sicherheit nicht!
   »Langweilst du dich nicht?«
   »Nein. Mir gefällt die Aufmerksamkeit.« Sie schlürfte an ihrem Glas, streckte den Hals und machte dabei einen Entenschnabel.
   Sicher finden dich deine Dates mega unterhaltsam, bei den Fratzen, die du ziehst, mal abgesehen von deiner Körbchengröße.
   Luna zupfte an ihrem Bikinioberteil, einem Triangeltop mit dünnen Bändchen in Tankoptik. Ihre fehlende Oberweite kam dabei nur zu deutlich zur Geltung.
   Kein Grund zur Eifersucht!
   Ihr fehlte mehr als nur der üppige Busen, eigentlich jede zusätzliche Polsterung, was sie generell mochte.
   »Mir auch, trotzdem könnte auch mal etwas Ungewöhnliches passieren, meinst du nicht?« Ein Überraschungsdate, ein Restaurant, das in Flammen aufgeht, oder ein heißer Celebrity, der sich an den Tisch verirrte, an dem sie saß, so was schwebte ihr vor. Leider ging es trotz ihrer bedachten Auswahl an Lokation und Typen eher langweilig aus.
   Du brauchst dringend eine Abwechslung!
   »Hm, nein, ich bin zufrieden mit meinem Leben. Außer …« Rafa stand auf, wobei sie einen Schwall Wasser mitriss, der sich über Luna ergoss.
   »Iih!« Dass pass doch auf, verkniff sie sich zugunsten eines mörderischen Blicks.
   »Sorry.« Rafa zwinkerte ihr zu. »Ich sollte es auch mal mit einem Triangel versuchen, vielleicht perlt das Wasser dann an mir ab, anstatt mich als Wasserfall zu benutzen.«
   Witzig!
   »Du könntest auch vorgebeugt aufstehen, oder dich abwenden, es langsamer angehen …«
   Rafa unterbrach sie mit einem Lachen. »Könnte ich, ja. Ich bestelle mir noch einen Cocktail, möchte einer von euch auch etwas?«
   »Was ist mit der Show?«, beharrte Luna angefressen.
   Leider waren die anderen weniger getrieben, den Pool zu verlassen. Anne winkte wortlos ab, während Carina seufzte.
   »Wir bekommen doch eine Sondervorstellung, wozu dann reingehen?«
   »Weil hier draußen weder Licht noch Musik aufgebaut wurde!«
   Mal abgesehen davon, dass die Stimmung hier am Boden war!
   Aufregen half nichts bei dem lethargischen Haufen, also folgte Luna Rafa aus dem Pool. »Was ist mir dir? Ich habe die Tänzer reinkommen sehen und schwöre, die kann man sich mehr als einmal ansehen.«
   »Du und deine Ungeduld«, tadelte sie und griff nach ihrem Handtuch. »Verrucht oder anständig?« Ihr Zwinkern war deutlich.
   »Angezogen«, rief Carina, bevor Luna ihre Entscheidung treffen konnte. »Mindestens Unterwäsche und Bademantel!«
   Rafa kicherte einmal mehr dank ihrer unerträglichen Frohnatur. »Wie du wünschst, liebste Freundin!« Und ließ direkt ihr Oberteil fallen.
   »Sollen wir nicht besser mitgehen?« Anne war einfach eine Spielverderberin, wie sie im Buche stand.
   »Nicht nötig, wir amüsieren uns schon, keine Sorge.« Luna frottierte sich eilig ab und zog sich, um den Frieden zu gewährleisten, Unterwäsche und Bademantel über, bevor sie sich bei Rafa einhängte, die sich nur einen Jux gegönnt hatte. Selbst ihr Haar war brav verpackt, was Luna mit ihrem Pixischnitt nicht behaupten konnte.
   »Die beiden können anstrengend sein, was?«
   Ein Schnauben war Antwort genug. »Wozu sind wir hier?«, stellte sie die Gegenfrage. »Worin ist der Sinn, den Abend im Sex-Klub allein im Pool zu verbringen?«
   Rafa kicherte. »Richtig, aber …« Sie sah einem Gast hinterher und verzog das Gesicht. »Gott, der war doch schon tot!«
   Deswegen liebe ich dich, du Miststück!
   Den Gedanken sprach sie jedoch nicht aus. Nie. Ja, Rafa war ihr Bindeglied zu den anderen beiden, auch wenn sie Anne zuerst kennengelernt hatte und um ihretwillen in die WG gezogen war. Ein weiterer Gast verstellte ihnen den Weg.
   »Oh, neu hier? Ich zeige euch gern die Highlights.« Er lächelte, wodurch sein frisches Gesicht etwas an Reife gewann. Er war so groß wie Luna und eher von drahtiger Statur.
   Rafa streifte sich eine imaginäre Strähne aus dem Gesicht und rankte sich plötzlich an Lunas Arm wie Efeu. Nicht, um sich festzuhalten, obwohl sie die Standfestigkeit wohl durchaus brauchte, hatte sie doch das andere Bein angewinkelt und sich so verdreht, dass sich ihr Busen an Lunas Arm presste. Es fing auch gleich den Blick ihres Gegenübers ein, und sein Lächeln wurde breiter.
   »Oh, wie nett«, säuselte Rafa. »Nicht wahr?«
   »Aber unnötig«, beschied Luna. Sie sah es durchaus als Wettkampf an, aber dieser Hering war zu klein für ihren Köder. Sie wollte mit Carina mithalten und brauchte dazu etwas Außergewöhnlicheres. Der Typ von zuvor kam ihr in den Sinn, der erste der fünf Tänzer, wie sie vermutete, der hatte ihre Kragenweite.
   Also: Nicht aufhalten lassen!
   »Hm«, zwitscherte Rafa, »vermutlich stimmt es. Was könnte es schon zu sehen geben?« Sie seufzte. »Was hältst du davon, wenn ich mich überraschen lasse und du …«
   Schon klar!
   »Okay, du findest mich dann an der Bar.«
   Oder lechzend vor der Bühne.
   Ihre Belustigung verbiss sie sich und wurde belohnt. Rafa wechselte den Arm und rankte sich nun an den ihres freundlichen Führers.
   »Ich bin Dennis.«
   »Hallo Dennis!« Sie feixte und begann ihr Spiel. Wenn er sich nicht als völliger Idiot herausstellte, gäbe es eine neue Wertung für Annes Blog #loversguide.
   »Dann viel Spaß.« Noch bevor sie sich von Dennis und Rafa trennen konnte, begann der Aufruhr. Er kündigte sich durch schnelle Schritte auf der Treppe an, die von mehreren schweren Personen stammten, dann kreischte eine Frau.
   »Sie kommen!«
   »Oh, da habe ich den passenden Moment wohl verpasst«, murrte Dennis in Lunas Rücken.
   Sie war schon auf dem Weg zum Fuß der Treppe und bekam erneut einen netten Ausblick auf wohlgeformte männliche Hinterteile. Sie pfiff leise und folgte dem Quintett in den Aufenthaltsraum.
   Die Bühne war direkt neben der zweiflügligen Tür aufgebaut worden und lag in plötzlicher Dunkelheit, bevor alle Scheinwerfer zugleich aufflammten. Luna kniff die Lider zusammen, nur um sogleich zu blinzeln. Sie wollte nicht verpassen, was auch immer geboten werden würde.
   Die Fünf von zuvor standen breitbeinig in Pfeilposition jeder in seinem eigenen Spotlight, die Daumen in die Laschen der Hosen gehängt, den Kopf gesenkt. Sie hatten nicht auf die klischeehafte Aufmachung verzichtet, was für eine Welle Hysterie sorgte. Selbst Luna kam nicht umhin, die Männer vorzeitig mit den Augen auszuziehen. Den Cowboy ganz links, den Offizier daneben, den Polizisten in der Mitte und damit die Spitze des imaginären Pfeils, dann gab es noch den obligatorischen Feuerwehrmann und einen Bauarbeiter.
   Der Polizist war jener Knackarsch, der Luna gemustert hatte, als er den Klub betrat.
   Volltreffer!
   Luna schob sich durch die Menge, gab aber schließlich auf. Es war unmöglicher, sich durch die Frauen in Seidenmänteln zu schieben, als durch einen Stacheldrahtzaun zu schlüpfen, ohne sich die Haut zu ritzen. Zudem war sie nicht die Einzige, die versuchte, ihren Standort zu verbessern, wodurch das Gedränge fast unerträglich wurde. Die Bar war die bessere Alternative, weil völlig verlassen. Nur zwei Typen lungerten dort herum, natürlich demonstrativ von der Bühne abgewendet und sich intensiv mit ihren Getränken befassend, sodass sie nicht einmal Notiz von ihr nahmen.
   »Hi, was darf es für dich sein?« Der Barkeeper lächelte sie betont herzlich an. Eine Masche? Klar, solche Etablissements lebten sicher von ihren Einnahmen durch Alkoholika.
   »Tja.« Sie lehnte sich über den Tresen. »Ich muss gestehen, ich habe kein Geld dabei.« Das lag zusammen mit ihrem anderen Zeug am Whirlpool. Sie zwinkerte vertraut. »Gab keinen Ort, an dem es sich verstauen ließ.«
   »Sie sind eine der VIPs, oder?«
   Sieh an, da hatte Carinas Status wohl die Runde gemacht.
   »Jepp.«
   »Dann gehen Ihre Getränke aufs Haus.«
   Die Freundin gewann deutlich an Aufschwung in Lunas Beliebtheitsskala. »Dann nehme ich die Spezialität des Hauses.« Was immer das sein mochte.
   Sie drehte sich und platzierte sich auf einen der Barhocker, um einen möglichst erhöhten Blickwinkel zu bekommen. Die Musik bollerte durch den Raum, wodurch die Qualität litt, aber dies war schließlich als Augenschmaus gedacht, nicht als sinnliche Stimulation der Gehörgänge. Alle fünf Tänzer hatten sich ihrer Hemden entledigt, wodurch man fünf gestählte Oberkörper bewundern konnte. Ihre Choreografie war rasant, was in Anbetracht der Tatsache, dass man wohlgebaute Körper begaffen wollte, nicht hilfreich oder sinnvoll war. Sie schwangen die Hüften, liefen durcheinander und klatschten sich ab, um nacheinander in den Hintergrund zu treten und Stühle auf die Bühne zu schaffen.
   »Einmal Caribbean Dream. Ich hoffe, Ihnen ist ein Cocktail recht.«
   »Klar, danke.« Luna griff nach dem Glas, ohne sich umzudrehen. Ihr Blick folgte jeder sinnlichen Bewegung des falschen Polizisten.
   Hey, sexy Ding, kann ich dir behilflich sein?
   Natürlich war der Gedanke mühselig, schließlich käme sie gar nicht in seine Nähe, ohne zuvor totgetrampelt zu werden. Belustigt verfolgte sie eine Weile, wie sich die Frauen um die wenigen Plätze balgten, als jeder der knackigen Tänzer eine aus dem Publikum wählte und auf einen Stuhl setzte, um ihr den Labdance ihres Lebens zu geben.
   Lunas Aufmerksamkeit driftete wieder zu ihrem Liebling, dem Polizisten. Er bewegte sich in eindeutiger Weise vor seiner Partnerin, die sich nicht genierte, ihm genau in den Schritt zu starren. Er nahm ihre Hand auf, legte sie sich auf die Brust und schob sie langsam über seine Haut, hinunter zu seinem Sixpack und noch tiefer. Dort schloss er die Hand um sein eingepacktes bestes Stück. Berührungsängste kannte er wohl nicht.
   Beeindruckt versicherte sich Luna, dass die anderen vier ähnlich weit gingen, aber die Frauen durften sich gerade mal an der straffen Bauchmuskulatur ihrer Tänzer erfreuen, während sie erneut eindeutig das Becken vorstießen.
   Luna schlürfte ihren Drink und sinnierte über die Vorzüge, nun auf dem Stuhl auf der Bühne zu sitzen und diesen verdammt heißen Typen anzufassen. War er erregt? Oder waren sie mit Tennisbällen in Sportsocken ausgerüstet?
   Der Tänzer ging noch einen Schritt weiter, er setzte seinen Fuß auf die Sitzfläche direkt neben dem Po der Partnerin und schob sich so nah an ihr Gesicht heran, dass sie Schwierigkeiten hatte, irgendetwas anderes zu sehen als die aussagekräftige Beule in der Hose.
   Jepp, das wäre jetzt der bessere Ort.
   Nah am Geschehen und mitten dabei, anstatt sich wieder einmal nur im Geiste vorzustellen, es passierte mal was Aufregendes. Seufzend lehnte sie sich gegen den Tresen und stützte die Ellenbogen darauf ab. Ihr Bademantel öffnete sich dabei, aber das war ihr gleich.
   Die Tänzer drehten sich und präsentierten ihre Hinterteile. Sie wurden betastet, geschlagen und bejohlt, bevor sie die nächste Hülle fallen ließen, die Hosen. Mit einem Ruck standen sie ohne da, bei dem Polizisten durfte sogar die Frau Hand anlegen.
   Luna pfiff leise. Die Show war für sie sicher das Highlight ihres Lebens, und es blieb nur zu hoffen, dass man in der Privatvorstellung ebenfalls auf Tuchfühlung gehen könnte. Ihre Laune hob sich schlagartig, und sie überlegte bereits, wie sie sicherstellen konnte, den Richtigen abzubekommen. Auf keinem Fall wollte sie sich von dem Cowboy langweilen lassen, der braun gebrannt zwar knackig rüberkam, aber nicht ihr Fall war. Schön, auch ihr Polizist trug sein sonnengebleichtes Haar länger, aber der Cowboy ließ mit seiner Haarpracht selbst Rafa vor Neid erblassen.
   Ihr Polizist war schwarzhaarig und hatte eisblaue Augen, die ihr selbst in der Erinnerung einen Schauder bereiteten. Huskyaugen. Sie pinnten einen fest, ob man wollte oder nicht, und dies wiederum fesselte Luna erst recht. Die schiere Macht, die von ihm ausging. Es bereitete ihr ein ausgedehntes Kribbeln. Es war mehr, als eine Fantasie üblicherweise bei ihr auslöste, etwas, was man sich beim Sex wünschte und selten wirklich erlebte.
   Puh, du brauchst mehr Kontakt, wenn dich schon eine Vorstellung so anregt.
   Die Boxershorts wichen engen Stringtangas, womit die Show auch schon ihr Ende fand.
   Schade.
   Der nächste Schluck wurde peinlich, da Lunas Cocktailglas bereits leer war. Schnell drehte sie sich, um es abzustellen, und rutschte dabei von ihrem Stuhl.
   »Darf es noch etwas sein?«
   »Danke, aber ich werde zurück in die Saunalandschaft gehen, da der Spaß hier vorbei ist.« Sie klopfte auf die Theke. »Tschüss!«
   »Weiterhin viel Vergnügen.«
   Einen Moment haderte sie mit sich. Sollte sie Rafa suchen? Aber wenn die Freundin nun Anklang fand bei ihrem Begleiter? Sie wollte nun wirklich nicht Annes Part als Spielverderberin übernehmen. An der Tür wurde sie aufgehalten, um die Tänzer unbehelligt abziehen zu lassen. Erneut fing sie den Blick der Huskyaugen auf, der wieder an ihr hinabwanderte, nur um Luna erneut stehen zu lassen. Frustriert ballte sie die Hände. So elektrisierend sein Blick war, so niederschmetternd war es, stehen gelassen zu werden.
   Zum Teufel, das ist ein Sex-Klub, da wäre ein wenig Interesse nicht fehl am Platz!
   Man ließ sie durch, von den Männern war nichts mehr zu sehen. Luna blieb nichts weiter übrig, als ihren Weg zurück zu den Freundinnen zu finden.

Kapitel 2
Schwing die Hüften

Rafa blieb verschwunden, was Carina zunehmend in Panik versetzte.
   »Du hättest sie nicht allein lassen dürfen!«, wiederholte sie gehetzt. »Wer weiß, was sie anstellt?«
   Luna konnte es sich sehr gut vorstellen, behielt es aber für sich. »Ich bin nicht ihr Kindermädchen, Carina, komm wieder runter, ja?« Es war doch albern, sich deswegen so aufzuregen. »Ich bin in der Sauna.« Luna stieg aus dem Pool und quetschte sich dabei das Wasser aus dem kurzen Haar. Das Höschen klebte an ihrem Po, und sie zog es von ihrer Haut, gerade in dem Moment, in dem der Türsteher durch die Blätterwand brach. Und er war nicht allein, er hatte die Tänzer im Schlepptau. Also nicht der passende Augenblick, sich aus dem Staub zu machen. So gar nicht.
   Die Kostüme waren dieselben wie zuvor, was völlig in Ordnung war. Ihretwegen brauchte sich auch an der Show nichts zu ändern, nur wie bekam sie gesichert den Polizisten ab?
   »Anne, wie versprochen bekommt ihr eine Privatvorstellung«, erklärte der Türsteher und deutete auf das Quintett. »Ben lässt ausrichten, dass er Sie gern sehen würde. Allein.«
   Carina nickte schnell. Luna brauchte einen weiteren Moment, um die Namen zu sortieren, denn auch wenn ihr klar war, dass Carina gemeint war, ließ ‚Ben‘ sie zögern. Hieß der Klub-Besitzer nicht Torben?
   »Entschuldigt mich, es ist bestimmt wichtig, wenn Torben nach mir schicken lässt.« Carinas Wangen glühten, wodurch ihre Aussage in Zweifel zu ziehen war. Vermutlich war es eher etwas Intimes als etwas Wichtiges, aber Luna konnte es recht sein.
   Damit wären wir nur noch zu zweit!
   Luna bemühte sich, den Blick des Polizisten einzufangen, aber er war eher an der Umgebung interessiert.
   Blödmann!
   Carina kam an ihr vorbei und schlüpfte schnell in ihren Bademantel, ohne sich zuvor abzutrocknen. »Äh, ich brauche nur einen Moment, amüsiert euch, ja?«
   Alles klar!
   Luna unterdrückte die höhnische Replik, die ihr auf den Lippen lag. Sie wollte keinen Streit vom Zaun brechen, sondern Carina beim Wort nehmen und sich gut amüsieren, am liebsten mit dem Typen mit den Handschellen. »Also? Haben wir eine besondere Aufgabe?« Luna bückte sich nach ihrem Bademantel, ohne ihn überzustreifen. »Oder sollen wir es uns im Pool gemütlich machen?«
   »Wo immer Sie wollen. Peter, wir benötigen noch Musik.« Der Polizist hielt den Türsteher davon ab, Carina zu folgen. »Ein Minimum, wenn es schon kein vernünftiges Licht gibt.«
   Luna hätte nichts gegen vernünftiges Licht und Beat einzuwenden, schließlich war es ohne alles eher kahl. Nur schwingende Hüften reichten dann doch nicht.
   »Ich habe bereits alles in die Wege geleitet.« Peter sah Carina nach. »Jeden Moment müsste … ah! Da kommt Jonas, er wird euch alles herbeischaffen, was ihr braucht.«
   Jonas war ein Hänfling mit feuerrotem Haar, der sich mit einer Box abschleppte und sie schnaufend neben der hintersten Liege der Laguna abstellte. »So. Verlängerung ist gelegt, ich bin drin und starte die Musik«, haspelte er außer Atem und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn, während er sich schwer auf der Box abstützte.
   »Dann mal los«, scheuchte Luna ihn auf. »Und schick uns noch ein paar Drinks. Jungs, ihr braucht sicher auch eine Erfrischung, oder?« Sie ließ ihnen einen Moment. »Was soll es sein? Die Getränke gehen auf mich.« Die letztlich irgendwie doch aufs Haus gingen. Aber es klang doch besser, sich großzügig zu geben.
   »O ja«, griff der Cowboy auf und kam auf Luna zu. »Wie nett von dir.« Sein gebräuntes Gesicht wies unzählige Falten auf, die sicher nicht auf sein wahres Alter hindeuteten, eher auf exzessive Solariumnutzung. »Ein VIP, ja?«
   »Ein sehr wichtiger«, bestätigte sie mit tiefer Stimme. Aus unmittelbarer Nähe betrachtet war er absolut nicht Lunas Fall. Er war zu klein, dann das lange Haar, die Strähnen und auch noch die schlimm verbrannte Haut.
   Nein, danke.
   »Luna«, stellte sie sich vor und deutete mit einem Blick zur Freundin. »Und meine Freundin Anne. Leider haben uns Carina und Rafa verlassen, und ihr müsst mit zwei Zuschauern vorliebnehmen.« Ihr Blick schweifte wie zufällig über den Polizisten, der sie endlich wahrnahm.
   Bingo!
   »Können wir endlich anfangen?«, fragte er gelassen. »Wir haben später noch einen Auftritt und benötigen zwischendurch ein paar Minuten, um uns zu sammeln.«
   »Und Erfrischungen?«, bot sie erneut an, wobei sie ihn strahlend anlächelte.
   »Wasser.«
   »Ach, komm schon, Mo, sei nicht so bieder. Ein Bier kann doch nicht schaden.« Der Cowboy legte einen Arm um Luna. »Wir sind eingeladen.«
   »Wasser«, beharrte Mo fest. »Und Jonas, bevor du dich um die Getränke kümmerst, schalte die Musik an.«
   Jonas nickte und huschte davon. Die Zeit lief davon, lang gäbe es keine Möglichkeit zur Unterhaltung mehr. Luna musste sich also beeilen, wenn sie Mos Interesse auf sich ziehen wollte.
   »Wasser, hm. Vermutlich gesünder als Alkohol.«
   Mo hielt einen Moment ihren Blick. »Ja.«
   Das wurde verdammt schwer.
   »Immer oder nur bei Auftritten?« Sie nahm sich vor, es als Kunst zu sehen und nicht als schräge Art der Pornografie.
   »Also, ich habe gegen ein Gläschen nichts einzuwenden, wann auch immer«, ließ der Cowboy verlauten, wobei er Luna enger an sich zog. »Luna? Ein merkwürdiger Name.«
   Direkt zum Knackpunkt, was?
   Sie lächelte gelassen und schob ihn von sich. »Und wie nennt man dich? Billy the kid?«
   »Bruno.«
   Das Lachen schoss nur so aus ihr heraus, und sie schlug sich schnell die Hand vor den Mund. »Das war kein Scherz?« Unnötige Frage bei seinem gekränkten Gesichtsausdruck.
   »Nein.«
   »Ich heiße laut Papieren tatsächlich Luna.« Das hatte sie mit ihrer Volljährigkeit durchgesetzt, wollte sie sich doch um nichts in der Welt für den Rest ihres Lebens Stefanie rufen lassen.
   »Ungewöhnlich«, wiederholte Bruno. Er taute langsam wieder auf, auch wenn sein Grinsen nicht ganz so selbstsicher war wie zuvor. »Aber sicher nicht das Einzige, das dich interessant macht, oder?«
   »Nein. Aber meine Freundin hier …« Ein unauffälliger Schritt zur Seite gab ihr zusätzlichen Spielraum, als sie sich drehte und auf Anne zeigte. »… ist noch ein wenig interessanter. Anne? Darf ich dir Bruno vorstellen?«
   Anne hatte sich nur deutlich widerwillig zu ihnen bequemt, das sah man ihr an. Ihr behagte es nicht, plötzlich mit fünf Strippern allein gelassen zu werden.
   »Bruno, lass die Spielchen, die Show fängt jeden Moment an«, pfiff Mo den Cowboy zurück, während sich die drei namenlosen Kollegen von selbst einfanden und ihre Position einnahmen. Ohne passende Beleuchtung eine eher nüchterne Angelegenheit, aber davon musste man sich den Spaß ja nicht verderben lassen.
   »Komm, Anne, die Aussicht ist von den Liegestühlen hier sicher entspannter.« Luna zog sie aus dem Pool. Anne war die ätherische Schönheit von ihnen, grazil, dass es wehtat, und ebenso zerbrechlich war ihre gute Meinung über den Rest der Welt. Ein falsches Wort und das Land ging unter, trotzdem fand sie wegen ihrer Figur und ihrer klassischen Züge regen Anklang. Luna checkte, ob Mo ihr womöglich mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihr selbst. War es so, musste Anne weg, und der Weg dahin formte sich bereits in ihren Gedanken. Anne war überbesorgt und sicher bereits innerlich zum Zerreißen angespannt, weil zwei der Freundinnen nicht in Sichtweite waren. Anne wickelte sich eng in ihr Badetuch und setzte sich auf die äußerste Kante der Liege, um auf ihr herumzurutschen, auch ihre Augen huschten hin und her.
   O ja, es wäre ein Kinderspiel, sie loszuwerden.
   Allerdings konzentrierte sich Mo allein auf das Stück Boden vor sich. Er schob den Fuß im weiten Bogen über die Platten, nickte und warf den Kollegen einen zustimmenden Blick zu. »Wir bleiben auf der Höhe. Wo es nicht feucht ist, sollte es sicher sein.«
   Drei von ihnen brummten eine Zustimmung und lockerten ihre Muskeln, während der Cowboy auf Mo zuschlenderte und ihm auf die Schulter schlug. »Mach dich locker, Mo.«
   »Deine Position.«
   Die Musik übertönte ihn fast und ließ ihn und die anderen drei Tänzer in Ausgangshaltung gehen. Bruno blieb völlig aus dem Takt, während sie ihre Performance abspulten, und Anne schenkte ihnen kaum einen Blick. Sie gähnte sogar.
   Luna schwankte zwischen Amüsement und Verärgerung.
   Diese Vorstellung war mehr als enttäuschend!
   Und ließ den interessanten Part auch noch aus. Luna verkniff sich die Kritik, die sicher nicht positiv aufgenommen wurde, wenn man von Mos verkniffener Miene ausging. Sie klatschte übertrieben enthusiastisch, worin auch Anne einfiel und sich dabei schnell erhob.
   »Toll, danke schön.«
   »Sicher haben wir einiges verpasst, weil wir auf das schummrige Licht und die Effekte verzichten mussten.« Auch Luna kam auf die Füße. »Aber ich bin immer wieder begeistert von …«
   Nackten Männern? Das klang doch arg irreführend!
   »… dem künstlerischen Ausdruck.«
   Annes Blick war fassungslos, aber Luna gab sich keine Blöße, strahlte begeistert und suchte erneut Mos Kontakt. Er nickte bloß. Seine Kollegen sammelten ihre Sachen ein, nur der Cowboy ließ sich ablenken.
   »Luna, du solltest mich tatsächlich im richtigen Umfeld sehen.«
   Jetzt konnte sie zwar zugeben, dass sie zuvor bereits im Saal gewesen war und die Originalperformence verfolgt hatte, aber welchen Zweck hätte es schon? »Bestimmt. Ist das eine Einladung?«
   »Bruno, wir haben kaum eine halbe Stunde, bis wir …«
   Just in diesem Moment tauchte Jonas auf, um die Getränke zu servieren. Luna schnappte sich zwei Gläser, um sie persönlich an Mo und den Feuerwehrmann zu übergeben.
   »Danke.« Seine Huskyaugen pinnten sie einmal mehr fest.
   Komm schon!
   Luna haderte. Sollte sie es weiter auf der begeisterten Schiene versuchen oder einsehen, dass er nicht mit so billigen Tricks zu knacken war?
   »Luna, vielleicht sollten wir nach Rafa sehen.« Anne zerrte an ihrem Ellenbogen. »Zieh dich an und komm, die Herren haben ohnehin Besseres zu tun.«
   Das Lächeln beizubehalten erforderte eisernen Willen, innerlich tobte sie. »Ein paar Minuten werden Rafa nicht umbringen. Ich weiß nicht, warum du dir Sorgen machst, sie amüsiert sich sicher prächtig.« Und Carina auch, nur Luna musste sich mit der anstrengenden Freundin begnügen, anstatt etwas auszuprobieren, was Spaß versprechen könnte. »Ich bin fast ein wenig neidisch.«
   »Ich bin sicher, Sie werden noch auf Ihre Kosten kommen. Danke für das Wasser, Luna.« Er drückte ihr das Glas wieder in die Hand und gab den anderen ein Zeichen, das wohl den Aufbruch verkündete, denn die ersten machten sich bereits auf den Weg durch das Dickicht und verschwanden mit einem Wink und schwingenden Pobacken.
   Mist!
   »Ich bleibe gern noch einen Moment.« Der Cowboy ging wieder auf Tuchfühlung und legte den verschwitzten Arm um sie.
   »Bruno!«
   »Später«, wisperte er ihr ins Ohr, was von einem schnellen Schmatzer begleitet wurde, bevor er der Order Mos nachkam, der erneut lediglich nickte und verschwand.
   Scheiße!
   Luna musste sich wohl oder übel eingestehen, dass die Baustelle für sie nicht zu meistern war. Wehmut explodierte in Ärger.
   »Musste das sein?«, schnappte sie und entriss Anne erneut ihren Ellenbogen. »Wir sind nicht hier, um auf Rafa und Carina aufzupassen, sondern um zusammen einmal wirklich Spaß zu haben!« Sie stapfte zur Liege, um ihren Bademantel abzuholen, in den sie sich locker wickelte, um nicht einen ähnlich biederen Eindruck wie Anne zu machen. Wenn sie vor Langeweile umkommen wollte und im Altersheim über verpasste Möglichkeiten weinen wollte, bitte. Luna hatte nicht vor, etwas zu verpassen, und sei es eine weitere Enttäuschung.
   »Wir verstehen sicher nicht dasselbe unter richtig Spaß haben«, murmelte Anne laut genug, dass Luna es verstehen konnte, und verzog die Lippen zu einer Schnute. »Komm jetzt.«
   »Schauen wir uns die Show noch einmal auf der Bühne an?« Es war als Kompromiss gedacht, schließlich ging Luna mit und schaute nach Rafa und Carina, und im Gegenzug tat sie Anne und den anderen noch einen Gefallen. Die richtige Darbietung der Stripper war ein Genuss.
   Anne war schon auf dem Weg zum Ausgang. »Du musst es verdammt nötig haben.« Sie warf einen spöttischen Blick über die Schulter zurück. »Aber du vergisst, dass es hier Regeln gibt und Carina steht für uns gerade. Also, wie wäre es mit etwas Zurückhaltung?«
   »Schlecht.« Notgedrungen setzte sich auch Luna in Bewegung, schließlich war die Alternative, hier ganz allein zu bleiben, und das klang noch langweiliger, als nach den Freundinnen zu suchen. »Sollen wir uns trennen und einzeln suchen, oder willst du mich nicht aus den Augen lassen?«
   »Du bist unmöglich!«, sagte Anne, ging aber auf Lunas Vorschlag ein. »Wir treffen uns in zwanzig Minuten, verstanden? Ich gehe in den Keller, obwohl ich nun wirklich nicht glaube …« Seufzend brach sie ab. »Übernimm bitte die oberen Stockwerke, dort sind die meisten Zimmer, aber wenn ich hier unten durch bin, helfe ich dir natürlich.«
   Das stand außer Frage. Anne drückte sich nicht vor unangenehmen Aufgaben, aber hatte sie diese hier durchdacht? Was erwartete sie? Dass sie jedes Zimmer kontrollierten und nichts unterbrachen? Luna behielt es für sich, denn so ganz ungelegen kam ihr die Sucherei nicht. Mo ging ihr vielleicht aus dem Weg, aber sie musste es ihm ja nicht leicht machen.

*

»Was ist dabei, Mann?«, moserte Bruno. »Etwas Vergnügen steht uns ja wohl zu, und die Kleine ist verdammt scharf. Sie bettelt geradezu danach, flachgelegt zu werden.«
   Mo hielt sich zurück. Seine Meinung zu äußern führte nur zu einem Streit, und so kurz vor einem erneuten Auftritt wollte er es nicht darauf ankommen lassen. Auch wenn Bruno ihn mit voller Absicht provozierte, nicht zum ersten Mal. Stattdessen konzentrierte er sich auf einfache Atemübungen. Ronny öffnete ihm die Tür, wobei dessen Mimik ihm beipflichtete. Auch er war genervt und hielt nur den Mund, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.
   »Mann! Was ist los mit euch? Wir sind in einem Sex-Klub und verhalten uns wie im Nonnenkloster!« Der kumpelhafte Hieb auf die Schulter traf zum Glück Kevin, der gechillteste von ihnen.
   Mo ignorierte ihn weiterhin, während er mit seinen Streckübungen anfing. Zwar lag der letzte Auftritt nur wenige Minuten zurück, aber er wollte kein Risiko eingehen. Besser zu viel Vorbereitung als zu wenig, lautete sein Motto, und dem wollte er genauso wenig untreu werden wie seinem Vorsatz, sich von Bruno nicht mehr vorführen zu lassen.
   »Die Kleine ist scharf auf mich, warum sollte ich mir den Spaß verkneifen? Weil ihr solche Schlappschwänze seid?« Bruno stemmte die Hände in den Hüften und baute sich demonstrativ breitbeinig vor Mo auf.
   Natürlich war keiner von ihnen bereits angekleidet, was Mo als zusätzlichen Affront sah. Nicht, dass er bloß zu ihm aufsehen musste, weil er auf dem Boden saß und sich streckte, nein, er musste an dessen nacktem, eingeöltem Körper entlangsehen. Mo war Stripper in einer Gruppe, ja, aber deswegen musste er es nicht toll finden, schlecht verpackte Genitalien präsentiert zu bekommen.
   »Vielleicht ziehst du dich schon mal an und sparst dir den Atem für unseren Gig.« Genug war schließlich genug.
   Zum Glück grätschte Kevin dazwischen, indem er einen Arm um Bruno legte und ihm versicherte, dass die Kleine ganz sicher heiß auf ihn gewesen war.
   Mo war nicht dankbar. Zumal Bruno damit nicht einfach das Thema abschloss, er informierte sie ausgedehnt darüber, wieso die Kleine ihn vorzog und was er mit ihr zu tun gedachte.
   »Sorry, aber du hast keine Chance«, unterbrach ihn Ronny schließlich. »Das war mehr als deutlich.«
   Steve richtete seinen Helm und musterte seine Reflexion im Spiegel. »Ich glaube auch, dass jeder mehr Chancen hat als du.«
   Auch wenn Mo dem zustimmte, hielt er den Mund. Die Uhr tickte, und die Bombe in ihm erst recht.
   »Selbst Kevin.«
   »Nein danke, da bin ich raus.« Kevin vollführte mit den Händen einen abwehrenden Kreis vor sich, was so tuntig aussah, dass man es ihm sonst in der Öffentlichkeit verbat.
   »Stevie, sie würde dich auslachen, ließest du die Hose fallen, und Ronny …«
   Dem schwoll der Hals. Seine Ader pochte so heftig, dass Mo es selbst aus der Entfernung deutlich sehen konnte, und der Farbwechsel von aschfahl zu tiefrot war ebenfalls kein gutes Zeichen. Schnell sprang er auf, um die Wogen zu glätten. »Lass es, Bruno. In zwanzig Minuten geht die Show los, danach kannst du uns gern mit deinen Geschichten zum Lachen bringen.« Oder zum Ausrasten. »Ich will Ruhe im Karton, verstanden?«
   »Oder zum Ausrasten. Sonst was? Wirfst du mich raus?« Bruno grinste hämisch. Er wusste genau, dass es nicht so einfach war, ihn während der Saison rauszukegeln. Sie hatten Verträge geschlossen, die ihre Zusammenarbeit regeln sollten und natürlich auch ihre Vergütung. Neben der Kündigungsfrist gäbe es auch dieses klitzekleine Problem mit dem Werbematerial, auf dem Bruno schließlich abgebildet war und das leider erst frisch aus der Presse kam. Alles wegzuwerfen und neu zu machen überstieg das derzeitige Budget, schließlich waren in diesem Jahr bereits einige Aufträge geplatzt und einige Anschaffungen nötig gewesen.
   »Vorschlag zur Güte«, mischte sich Kevin ein und wagte sich auch zwischen sie. Je eine Hand auf die Brust der Kontrahenten gelegt, sah er von einem zum anderen. »Wenn sich doch alle einig sind, dass Bruno den Mond nur anjaulen, aber nicht rumkriegen kann, lassen wir es doch drauf ankommen.« Er zuckte die Achseln. »Wir haben unsere Ruhe und …«
   »Oh, aber ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer, nicht wahr?« Bruno quetschte Kevin zwischen sich und Mo ein, als er einen Schritt auf ihn zumachte. »Mo ist scharf auf die Kleine und weiß genau, dass er keinen hochkriegt, ohne sein Spielzeug zu bemühen.«
   Das war unter der Gürtellinie, und das wusste Bruno genau, trotzdem hielt sich Mo eisern zurück.
   »Ohne Sackkneifer und Pfeifenreiniger steht der Kleine nicht stramm.«
   Mo ballte die Fäuste. Ein Wort noch, sagte er sich, und Blut würde fließen.
   »Was war das noch? Enlarger? Ein Gummiding, das man sich …«
   »Halt die Fresse!« Kevin war stärker, als er wirkte, schob sie beide mühelos außer Reichweite und konnte durchaus auch dominant. »Es reicht! Ein Wort noch, und du kommst in den Schwitzkasten!«
   »Rühr mich nicht an, du Schwuchtel!« Keine Frage, die Situation war so was von nahe dran, zu eskalieren.
   »Fein, ich beweise es dir.« Das lag zwar so gar nicht in seinem Sinne, aber die Zeit rannte, und sie mussten sich eigentlich bereits auf den Weg machen. Mo stieg schnell in seine Hose. »Ohne Beihilfen, kein Problem.« Dazu musste er natürlich erst einmal Luna rumkriegen und als Zweites einen guten Film im Kopfkino abspielen lassen, aber Sex war Sex.
   »Das glaubst du doch selber nicht!«, höhnte Bruno wieder in alter Positur. Hände in den Hüften und sich breitbeinig vor Mo aufbauend. »Du weißt doch gar nicht, wie du eine Frau …«
   »Zieh dich besser an, wir müssen runter.« Natürlich blieb die Frage, wie er es am besten anstellte. Luna schien aufgeschlossen, die Freundin wäre ein größeres Problem gewesen, aber in diesem Punkt hatte Bruno recht: Er wusste nicht, wie man eine normale Frau rumbekam. Nicht mehr. Seine letzten Beziehungen waren szeneintern gewesen, außerhalb suchte er seit Jahren keinen Kontakt mehr zur weiblichen Hälfte der Bevölkerung, obwohl er prinzipiell natürlich keinen schlechten Job dafür hatte.
   »Einfach frontal«, riet Steve leise, als er ihm seine Mütze reichte. »Mehr als Nein sagen kann sie nicht.«
   Aber ein Nein wäre eine mittlere Katastrophe. Bruno ritte für ewig darauf herum. Trotzdem nickte Mo und setzte sich die Mütze auf den Kopf. Die Polizeiuniform war ihm die liebste Verkleidung, und das nicht nur, weil das blaue Hemd seine Augen betonte, wie Kevin nicht müde wurde, zu wiederholen, nein, die Accessoires waren ganz das seine.
   Bruno schmiss sich in seine Kostümierung und bildete das unfertige Schlusslicht, als sie den Raum verließen. Mo stockte, da ihm Luna direkt ins Auge fiel, die mit einem Angestellten des Klubs sprach – keine zwei Schritte entfernt.
   »… keine Möglichkeit?« Sie hob den Blick, begegnete seinem und sog den Atem ein. Ihre Augen weiteten sich, zumindest wirkte es, als wurde das Grün ihrer Iriden immer größer. Einen Moment ließ er sich davon ablenken, wie auch bei den anderen Malen, als sich ihre Blicke gekreuzt hatten, dann riss er sich zusammen. Frontal. Also ging er direkt auf sie zu und riss sie an sich, um sie zu küssen. Die Situation hatte nur zwei mögliche Enden. Variante eins: Sie scheuerte ihm eine, weil er sich unmöglich dreist benahm. Variante zwei: Sie ließ sich küssen.
   Luna keuchte unter seinem Ansturm, ihre Hände legten sich auf seine Brust, aber drückten ihn nicht weg. Gut, oder?
   »Willst du sie gleich hier flachlegen?«
   Mo verfluchte Bruno innerlich. Selbst wenn Luna bisher nicht abgeneigt war, solche Kommentare versauten jede Begegnung. Oder war sie der Typ Frau, der öffentlichen Sex praktizierte? Ihre Nägel bohrten sich in sein Hemd, kratzten dabei über seine Haut. Wohl nicht. Mo lockerte seine Umarmung und suchte nach einem Weg, Bruno sowohl das Maul zu stopfen wie auch ihre Bereitschaft zu sichern. Verführung, Teil seines Jobs, den er hier auch machen sollte.
   »Wir haben jetzt einen Auftritt.« Gute Kombination! Sein Grinsen bezeugte seine Zufriedenheit und änderte auch ihre Attitüde von leichtem Widerwillen zu Akzeptanz. Also zog er sie mit, als er sich wieder in Bewegung setzte, und ließ sie erst wieder los, nachdem er sie auf den Stuhl platziert hatte, der für die Performance bereitstand. Natürlich war es höchst spekulativ, dass sie tatsächlich dort sitzenbliebe. Mo zückte seine Handschellen und ließ sie blitzschnell um ihr Handgelenk klicken.
   »Damit du mir nicht wegläufst.« Die andere Schelle befestigte er am Stuhl. Schön, prinzipiell hielt er sie für kräftig genug, den Stuhl von selbst zu bewegen, aber er setzte darauf, dass sie so überrascht von seiner Aktion war, dass sie blieb, wo sie war. Da sie ihn bisher nicht wutschnaubend beschimpfte, hielt er es für wahrscheinlich und sicher genug. Liefe sie weg, wäre es wiederum nicht schwer, sie wiederzufinden. Beschwingt sprang er auf die Bühne und nahm seinen Platz ein. Anders als während der ersten Show hatte er den Platz ganz rechts und wäre als Erstes an der Reihe, seinen Stuhl zu holen. Bruno konnte ihm also nicht dazwischenfunken. Die Reihe schloss sich mit Kevin am anderen Ende gerade rechtzeitig, als die Strahler angingen und sie in gleißendes Licht hüllten. The Show must go on!

Kapitel 3
Hitziges Verlangen

una schüttelte den Kopf. Noch war sie nicht ganz dahintergekommen, wo sie reingeraten war. Von null auf hundertfünfzig? Da war doch was im Busch!
   Sie versuchte, einen Blick auf Mo zu erhaschen, aber der Spalt des Vorhangs war so schmal, dass sie nur seinen Nebenmann, den Soldaten, sehen konnte. Tja, blieb noch, über Mos verändertes Verhalten nachzugrübeln. Der Kuss hatte sie fast umgeworfen vor glühender Leidenschaft, und dabei war sie sich schon fast sicher gewesen, dass er absolut kein Interesse für sie aufbrachte.
   »Luna!«
   Ihr blieb nur, zu stöhnen. Anne marschierte wutentbrannt auf sie zu.
   »Du solltest oben nach Carina und Rafa suchen und dich nicht in den Showbereich verdrücken!« Sie griff nach Lunas freier Hand, die bisher auf ihrem Schoß gelegen hatte, und zog sie vom Stuhl. »Du wirst auf eine Wiederholung der Lachnummer verzichten können.« Der Stuhl hielt Anne auf, weil er hinter ihnen herpolterte. »Was …« Ihre entgeisterte Miene war Gold wert.
   Luna hob die gefesselte Hand. »Ich wurde entführt.« Das Grinsen auf ihren Lippen passte nicht ganz zu ihren Worten, aber alles in allem war es endlich etwas Aufregung in ihrem verflucht banalen Leben.
   Anne starrte auf die Fessel, klappte den Mund auf und zu, ohne einen Ton hervorzubringen, und schüttelte schließlich den Kopf. Damit hatte sich dieses Zusammentreffen auch schon.
   »Na, na, ich sagte: Nicht weglaufen!« Mo drückte Luna auf den eilig zurechtgestellten Stuhl nieder und hob sie mitsamt des Sitzmöbels auf, um sie auf die überbelichtete Bühne zu tragen.
   Sie war milde beeindruckt, mit welcher Lässigkeit er ihre Last trug. Abgestellt wurde ihr erst bewusst, was sie erwartete, und sie pfiff. Sie konnte das Angebot also zunächst in Augenschein nehmen, bevor sie es testete?
   Bingo!
   Auch beim dritten Mal konnte sie den Blick kaum von ihm wenden, was bei der diesmaligen Nähe ohnehin schwierig wäre. Seine definierten Bauchmuskeln, das Sixpack, befand sich direkt vor ihrer Nase, und einen Spieker hinab gab ihr einen Eindruck davon, was sich unter den Shorts verstecken musste – aus nächster Nähe!
   Mo zog ihre freie Hand hoch und legte sie sich auf die gestählte Brust, um sie langsam hinabzuschieben. Seine Hitze entfachte ein kleines, süßes Feuer in ihr, das anwuchs, je tiefer sie kamen. Der Atem stockte ihr, als er sie losließ, bevor sie noch zum interessanten Teil seiner Anatomie kamen. Die andere in der ersten Show hatte mehr bekommen, da war sie sich hundertprozentig sicher. Neid knabberte an ihr und wurde auch nicht von der neuen Aussicht vertrieben: seinem Geschlechtsteil im knappen Tanga. Wieder ließ er Lunas Hand über seinen Körper fahren, ähnlich langsam wie zuvor, was an ihr zehrte. So kam sie nicht in seinen Schritt. Sie sah auf, um abzuschätzen, was dieses Spielchen sollte, diese Ungleichbehandlung. Es erwies sich als Fehler. Seine Huskyaugen lagen auf ihr mit eben jener Frage, die auch in ihr herumgeisterte: Was wurde das?
   Die Antwort blieb fraglich. Im nächsten Augenblick saß Mo fast auf ihrem Schoß und bewegte die Hüften. Verdammt nah, aber noch immer nicht nah genug, um sie wirklich zu berühren. Blöde Sache, so ein Lapdance!
   Er drehte sich. Sein Po schwang vor Lunas Gesicht, bevor er tiefer sackte und ihr wieder eine Berührung schuldig blieb. Heißes Sehnen breitete sich in ihr aus und entfachte ihre Lust. Wenn er nicht zur Sache kam, hätte sie ein echtes Problem, denn so erregt, wie sie hier wurde, wäre es eine Schande, es ungenutzt zu lassen.
   Mo nahm ihre Hand, legte sie sich auf den Bauch und schob sie quälend langsam tiefer. Ihre Fingerspitzen juckten vor Erwartung, als sie das Leder berührte. Jeden Moment musste es so weit sein, nun berührte sie jeden Augenblick die sicher bemerkenswerte Ausbuchtung seines Tangas. Jetzt!
   Die Scheinwerfer gingen plötzlich aus. Luna zuckte zusammen und riss die Hand zurück, bevor sie sich eines Besseren besinnen konnte. Damit war die Chance vertan, was sie wurmte.
   Es kommt eine neue, also nimm es gelassen!
   Es war leichter gesagt als getan, zumal sie sich ziemlich allein fühlte. Durch die Überbelichtung von zuvor konnte sie nicht gleich in der Dunkelheit sehen und blinzelte einige Male, um die Sicht zu bessern. Sie hörte Schritte, ein Gemurmel, darunter aber nicht Mos Stimme, soweit Luna es bestimmen konnte.
   »Ich befreie dich besser, hm?« Sein Atem strich über Lunas Ohr und bewirkte eine Gänsehaut.
   Sie sah zu ihm auf, drehte sich auf dem Sitz, um ihn nicht mehr im Rücken zu haben. »Kommt drauf an.«
   Er hatte sich die Hose übergezogen, war aber noch shirtlos. Es dauerte keine Sekunde und die Schelle löste sich von ihrem Gelenk.
   »Komm.« Mo griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich. Auf dem Weg sammelte er seine Kleider auf, weshalb sie nicht gerade zügig von der Bühne kamen. Luna spürte, dass man sie beobachtete, aber erst an der Tür bekam sie die Bestätigung. Der Cowboy vertrat ihnen den Weg.
   »Lass uns durch.« Der Ton war angespannt und alles andere als freundlich. Bruno suchte ihren Blickkontakt und wich dann aus.
   Luna schob die Konfrontation direkt aus ihrem Fokus, es war ihr ziemlich egal, was zwischen den Männern lief, es betraf sie nicht.
   »Wo sind deine Freundinnen?«
   »Keine Ahnung. Anne war auf der Suche nach den anderen und fand mich stattdessen. She was not amused.« Obwohl sie belustigt war, verkniff sie sich ein Lachen. Auf keinem Fall wollte sie riskieren, dass er anderen Sinnes wurde und sie stehen ließ.
   »Dann versuchen wir es draußen.«
   Bingo!
   Sie umrundeten die Treppe und folgten dem engen Gang zur Hintertür, die in den Garten führte, wo der Sauna-Bereich lag. Obwohl der Pool leer war, eignete er sich kaum für ihre Zwecke. Mo führte sie in den hinteren Bereich, wo es drei kleine Hütten gab, die Saunen, die sich ebenfalls nicht sonderlich gut eigneten, um sich dort schweißtreibenden Aktivitäten hinzugeben, es sei denn vielleicht, wenn man lebensmüde war und auf einen Hitzeschock hoffte. Sein Ziel war die kluge Alternative. Mo schob Luna hinter die hinterste Hütte, wodurch sie vor neugierigen Blicken geschützt waren.
   »Einwände?« Mo hob ihr Kinn an. Sein Daumen glitt sanft über ihre Unterlippe und zog sie sacht hinunter.
   »Nein.«
   »Gut.« Er raunte es, während er sich vorbeugte, den Kuss blieb er ihr erst einmal schuldig. Seine Nase stupste ihre an, sein Daumen rieb über ihre Lippen, und sein Atem kribbelte auf ihrer Haut. Dann endlich ersetzte er beides mit seinem Mund, strich über ihren, bevor er auch seine Zunge einsetzte, ebenfalls zunächst, um über ihre Lippen zu streichen.
   Luna gab ihm Spielraum, schließlich suchte sie das Abenteuer, da sollte man nichts einengen, schon gar nicht mit Eile.
   Er ließ sich Zeit, küsste jeden Zentimeter ihrer Lippen, knabberte daran, biss sie sacht, bevor er die gezwickten Stellen mit der Zunge anstupste.
   Es war nicht ganz das, was sie erwartet hatte. So gar nicht, wenn man es recht bedachte, aber die ganze Situation, der ganze Abend war nicht so verlaufen, wie man es erwarten konnte, auch wenn sie letztlich genau an dem Punkt angekommen war, den sie sich klammheimlich erhofft hatte. Ein Abenteuer, und auch noch eines mit einem Typen, der nicht nur vielversprechend aussah, sondern die Sache ernst nahm. Sein Daumen schob sich noch einmal zwischen ihre Münder, um über ihre Unterlippe zu gleiten, bevor er abwanderte. Zart, wie die Berührung von Schmetterlingsflügeln, streichelten seine Fingerspitzen über Lunas Hals und legten sich in ihren Nacken. Der Daumen kreiste um die kleine Vertiefung zwischen Hals und Brustkorb.
   »Du wirst mir sagen, wenn ich zu weit gehe?«
   »Natürlich.« Es war raus, bevor sie seine Worte richtig einordnen konnte, und dann auch keines zweiten Gedankens mehr wert.
   Mo ließ die Sachen fallen, die er mit von der Bühne genommen hatte und öffnete mit der nun freien Hand ihren Bademantel, um zunächst nur den Arm um Lunas Mitte zu schlingen und sie fest an seinen stahlharten Körper zu ziehen.
   Ein Schauder rollte über ihren Körper, sobald seine heiße Haut ihre berührte. Ihr spärlicher Busen drückte sich gänzlich platt an seiner Brust, was eine besondere Note hatte. Irgendwie verschmelzend. Der Effekt blieb nicht auf der Ebene, sondern rutschte ab, tiefer und besonders deutlich in ihren Stringtanga. Ihre Lust war geweckt, lange schon, aber die Verzögerung hätte sie abflauen lassen sollen, stattdessen loderte sie nun auf, als wäre kein Augenblick zwischen heißem Strip und Kuss vergangen. Ihr Stöhnen blieb in der Kehle stecken und wurde zur bloßen Vibration, halten konnte sie sich aber sonst nicht mehr. Luna schlang die Arme um seinen Hals und vergrub die Finger in seinem tiefschwarzen Haar. Wie sehr sie ihn spüren wollte, wurde ihr nun erst bewusst. Sie wollte nachholen, was sie auf der Bühne verpasst hatte. Jetzt. Sofort!
   Sie sparte sich die Streicheleinheit und überging es, seinen Körper abzutasten, schließlich war die Erinnerung an die Berührung noch frisch und genügte vollauf, um ihr Verlangen zu schüren. Seine Hose hatte zwar einen Knopf, aber der ließ sich nicht durch irgendein Loch drücken und auch der Reißverschluss war eine Mogelpackung.
   Sie werden abgerissen, nicht aufgeknöpft!
   Mo fing ihre Finger ein, als sie um seine Hüften herumglitten und unter den Saum rutschen wollten. »Eins nach dem anderen.« Was er damit meinte, blieb nicht lang ein Rätsel.
   Zuerst wollte er sie nackt haben. Der Triangel brauchte zwei Zipper und fiel unbeachtet zu Boden. Ebenfalls unbeachtet blieb ihre Blöße, denn Mo drehte sie, kaum des Oberteils ledig, halb herum und schlang einen Arm um ihre Mitte, um sie wieder fest an seinen Körper zu ziehen. Die andere stützte er an der Wand des Saunahäuschens ab, die nun Lunas Sichtfeld ausfüllte. Seine Lippen drückten kleine, feuchte Küsse auf ihren Hals und ihr Ohr, während sein pralles Glied an ihrem Po pochte. Ihr Höschen verdiente kaum die Bezeichnung, weshalb ihre Pobacken an dem glatten Material seiner Hose rieben.
   »Stütz dich ab.«
   Es war natürlich keine Aufforderung, die nicht zu erwarten gewesen war, trotzdem irritierte sie sein Tonfall. Sie zögerte, drehte den Kopf, um ihn anzusehen, und verwarf ihre Missstimmung gleich wieder. Es war unnötig, aber völlig in Ordnung, versicherte sie sich, als er nach ihrem Handgelenk griff und nachhalf. Als auch ihre rechte Hand das Holz der Rückwand berührte, zwickte er ihr ins Ohrläppchen. Nicht fest, gerade so, dass es sie aufschreckte, aber nicht länger als diese eine Schrecksekunde schmerzte. Luna stieß den Atem aus und schloss die Augen.
   Das ist doch mal ein Abenteuer nach meinem Geschmack!
   Seine Finger fuhren langsam über ihre Arme hoch zu ihren Schultern, dann über ihren Rücken hinab zu ihrem Po und an den Hüften wieder nach vorn und oben. Dort umschlossen seine Hände ihren Busen, während er ihre Wange mit der Nase anstupste. Luna drehte das Gesicht, um abzuschätzen, was er wollte und gab es ihm damit bereits. Er sicherte sich einen langen, atemberaubenden Kuss, der ihre Knie fast weich werden ließ, wenn sie diese Albernheiten zuließe.
   Dieses Mal verschluckte er ihr Stöhnen. Der Kuss wurde so intensiv, dass sie keine Luft mehr bekam und ihn deswegen unterbrechen musste. Mo lenkte sich ab, indem er seine Lippen auf ihre Schulterkuppe drückte. Noch massierte er sacht ihre Brüste und drängte sich mit unendlicher Pracht an ihren Hintern, dass ihr ganz schwummrig wurde vor Lust und Entsagung. Keine Frage, sie liebte es, verwöhnt zu werden, aber es gab Situationen, in denen war dafür einfach kein Platz. Sex im Freien, und sei es im Hinterhof eines Sex-Klubs, war sicher keine Sache für ausgedehnte Liebkosungen. Eher für schnellen, harten Sex.
   »Hm«, machte sie, um ihre Stimmbänder zu testen, bevor sie Worte formulierte, die nachher nur zum Krächzen wurden. »Du fühlst dich wahnsinnig gut an.«
   »Du auch.« Er zwickte ihre Schulter.
   Also nonverbal?
   Sie rieb sich an ihm, ein deutlicher Hinweis, sollte man meinen, aber er zwickte sie lediglich erneut.
   »Gib Ruhe«, murmelte er. »Lass mich das Tempo bestimmen.«
   »Es könnte jeden Moment jemand …« Sie hob die Achseln. »Macht mich etwas nervös.« Nicht viel, zugegeben, aber es wäre vielleicht ein besserer Ansporn, als mit ihrem Wunsch ins Haus zu fallen, er möge sich das Vorspiel nun schenken.
   »Der Bereich ist gesperrt, nicht wahr? Nur deine Freundinnen könnten uns erwischen.«
   Die Option war extrem unattraktiv und dämpfte Lunas Lust. Sie konnte sich mühelos vorstellen, wie Carina flatternd wie ein aufgeregtes Huhn Klubregeln rezitierte, während Anne einfach nur ihren Ärger kundtat und Rafa kicherte. Herrlich. »Ja, aber …«
   Sein Daumen schob den Rest zurück, wo er hergekommen war, und mahnte sie zugleich, den Mund zu halten. Der Zwicker kam fast schon erwartet.
   »Entspann dich.« Kein Rat, es klang eher nach einem Befehl, der nur durch seine zärtlichen Küsse auf ihre Schulter gelindert wurde. Er wechselte die Seite, liebkoste Lunas Nacken, wobei ihr Haarschnitt ihnen zugutekam. Keine Strähnen mussten zur Seite geräumt und gebändigt werden. Seine Hände wechselten von ihren Busen zu anderen Teilen ihrer Anatomie, sparten nur den Intimbereich sorgsam aus. Luna nahm die Finger von der Wand und versuchte, sie um seinen Hals zu schlingen, also nach hinten über sich, wo sich sein Kopf befinden sollte, die Bewegung wurde aber abgefangen und ihre Hand zurück an ihren angestammten Platz gelegt. Der Zwicker ging ins Ohrläppchen und ließ sie aufstöhnen.
   »Bitte, können wir nicht …«
   »Scht.«
   Luna gab schweren Herzens nach, ließ sich Küssen und berühren, bis ihr nicht nur die Knie zitterten. Endlich zog er ihr Höschen zur Seite und suchte sich seinen Weg zum Kern ihrer Weiblichkeit. Wenn es ein Test war, so bestand sie sicherlich. Sie war mehr als bereit, den nächsten Schritt zu machen.
   »Gutes Mädchen.«
   Sie prustete, es war eine Ewigkeit her, dass man sie zuletzt Mädchen genannt hatte, und sie war alt genug, um es langsam wieder als Kompliment zu verstehen anstatt als Affront. Wirkte sie etwa so jung, dass man sie mit einem Mädchen verwechseln konnte? Sie wollte es ihm so auslegen, denn die Alternative hätte einen Disput zur Folge.
   Mos Hand schob sich über ihre Brust zu ihrem Hals und blieb dort locker liegen. »Mach es nicht wieder kaputt«, murmelte er so leise, dass sie daran zweifelte, ob sie es tatsächlich hören sollte. Sein Stöhnen wiederum war lautlos und vibrierte an ihrer Wange. Mo rieb seinen Schoß an ihrem Po und verlor endlich die Geduld mit sich selbst. In einem Moment spürte Luna noch den kühlen Stoff an ihren Backen, im nächsten wurde er von heißer Haut ersetzt. Er dirigierte sein Glied, schob die Hand einige Male rasch an sich auf und ab, bevor er sich in sie stieß. Seine Zähne bohrten sich in Lunas Schulterbeuge, kein richtiger Biss, zumindest keiner, der Fleisch einquetschte, eher eine Art loser Druck.
   Sie keuchte und biss die Zähne zusammen. Seine harten Stöße erfüllten sie mit heißer Lust und trieben sie geradezu in den Klimax, und das ohne weitere Stimulation. Lediglich die leichte Pein, das Piksen seiner Zähne, gepaart mit den tiefen Vorstößen rissen sie über die Schwelle. Keuchend legte sie einen Arm auf seinen, nur um erneut korrigiert zu werden. Mos Finger umklammerten fest ihr Handgelenk, sodass es nicht möglich war, erneut die Handflächen von dem Holz der Saunarückwand zu lösen. Er drängte sich fester an sie, wodurch sie die Distanz zur Wand verringern musste, bis sie dagegenlehnte und seinen Stößen nicht mehr ausweichen konnte.
   Sein Daumen glitt über ihre Kehle und drückte sich an ihre Halsschlagader, die wild pulsierte – immer noch. Mit einem lauten Stöhnen kam er tief in Luna.
   Einen Moment blieb er noch mit ihr vereint, bevor er sich löste und direkt abwandte, um die Hose hochzuziehen. Luna sackte gegen die Wand, nachdem sie sich gedreht hatte, und bemerkte mit zunehmender Irritation, dass er ihrem Blick auswich.
   »Die anderen werden schnell ungeduldig, ich sollte einige Gemüter kühlen.« Er deutete fahrig zum Haus.
   Echt jetzt?
   Sie verlangte sicherlich keine Treueschwüre nach dem Sex, aber eine Flucht war schon daneben.
   »Klar.« Es war eben, was es war: ein Abenteuer. »Meine Freundinnen werden auch schnell ungeduldig, und ich darf mir sicher eine Standpauke anhören. Besser, ich bringe es schnell hinter mich.« Wozu es natürlich keinen echten Grund gab, außer dem, nicht als die Sitzengelassene dazustehen. Dementsprechend fischte sie ihren Triangel vom Boden und legte ihn schnell an. Der Bademantel lag mit seinen Sachen einen kleinen Schritt entfernt. Sie warf demonstrativ schon mal einen Blick zum Pool, der leider immer noch menschenleer war.
   »Dann … sollten wir …« Mo schlüpfte in das Hemd, ohne es zu schließen. Stattdessen steckte er sich die Handschellen und den Knüppel in die Halterungen seines Gürtels, hob die Hand und war schon auf dem Rückzug. Sie blieb allein zurück und sah ihm nach, schwankend zwischen Belustigung und Ärger. Das war genauso zu Ende gegangen, wie es angefangen hatte: unerwartet überstürzt.

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