Sie feierte. Fröhlich und ausgelassen. Doch da war auch eine Zartheit, an die er sich sofort erinnerte. Gepaart mit Stolz. Tief sog er die Luft ein. Seine grünen Augen glühten. Damals hatte sie versprochen, auf ihn zu warten. Doch hatte sie ihr Heiligstes einem anderen geschenkt … Er war so wütend, dass er die Beherrschung verlor und ihr gnadenlos zeigte, wer ihr Mann war. Eliaz' Mund ist staubtrocken. Nur wenige Meter entfernt sieht er sie sitzen. Doch da ist dieser Typ an ihrer Seite. Sie steht auf, geht allein. Natürlich folgt er ihr, sich dessen bewusst, dass nur sie ihm alles geben kann. Ihr Herz, ihre Seele, ihren Körper …

Alle Titel der Reihe!

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ISBN: 978-9963-53-862-1

Seiten: 234

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Sabina Tempel

Sabina Tempel ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, unter dem sie Liebesromane veröffentlicht. Müsste sie sich selbst beschreiben, würde sie Eigenschaften wie chaotisch, herzlich, aber auch impulsiv nennen. Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, ist ihre Spezialität. Auch dem Herz folgt sie gern, manchmal lieber als dem Verstand. Sie genießt und lebt das Leben. Zum Entspannen kuschelt sie sich gern auf ihre große Ledercouch und liest ein romantisches Buch, das sie von Zeit zu Zeit auch selbst schreibt.

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Prolog

Aus großen braunen Augen sah sie ihn an.
   Schön würde sie einmal werden. Er wusste es. Schließlich hatte seine Mutter seinen Blick für
   Attraktivität geschärft. Als Modedesignerin war sie stets auf der Suche nach schönen Models gewesen. Bereits im Kindergarten hatte sie ihn raten lassen, welches der Mädchen in weiter Zukunft die Laufstege der Welt erobern könnte.
   Aber die Schönheit machte nicht den Reiz der Kleinen aus. Etwas an ihrem Wesen bewegte ihn dazu, auf sie aufzupassen. Dabei war sie es gewesen, die mutig für ihn eingestanden hatte. Als Gegenzug hatte er sie beschützt. Dankbar hatte sie sich in seine Arme geschmiegt. Wie ein kleines Kätzchen, das noch nicht wusste, wann es seine Krallen einsetzen und wann es schnurren sollte. Gut hatte sich ihr Vertrauen angefühlt. Wie gern hätte er die Zeit angehalten. Doch auch so würde er diese Sekunden nie vergessen.
   Dieses Mädchen gehörte zu ihm. Zu niemand sonst. Eines Tages würde auch sie es wissen. Vielleicht ahnte sie es bereits.

1. Kapitel

1. Kapitel »Wie war dein Tag, Liebes?«, fragte Sven, als Hannah zu ihm an den Tisch in dem Nobelrestaurant trat.
   Warum hatte sie nur zugesagt, sich mit ihm zu treffen? Die Antwort war eindeutig: Sie war viel zu gutmütig für diese Welt. Sie mochte weder In-Lokale noch italienisches Essen. Höchstens billig und deftig vom Pizzaimbiss. Liebes machte es auch nicht besser. Sie war nicht sein Liebes.
   »Der Noro Virus wütet in der KiTa. Ein Albtraum. Wir müssen ständig die Toiletten säubern und desinfizieren«, antwortete Hannah betont laut. Sie konnte einfach nichts gegen den miesen kleinen Teufel tun, der sie ritt.
   »Kannst du nicht leiser reden?«, zischte Sven, während sein Blick vorwurfsvoll über ihre Kleidung strich.
   Er hatte sich darauf verlassen, dass sie sich seinem Wunsch entsprechend in Stoffhose und Bluse kleiden würde. Fast schien es ihm peinlich zu sein, mit ihr in dem In-Lokal gesehen zu werden. Insgeheim schmunzelte Hannah darüber, dass das Teufelchen sie schon bei ihrer Kleiderwahl geritten hatte, denn sie wirkte tatsächlich deplatziert zwischen all den Anzugträgern, Schönlingen, Reichen und Angebern. Flaches und offenes Schuhwerk war bei den weiblichen Gästen definitiv nicht angesagt, aber auch ihre Vorliebe für stretchiges Baumwollmaterial schien keine einzige Frau zu teilen. Ebenso wie Grün wohl nicht zu den aktuellen Modefarben gehörte.
   »Du wolltest doch wissen, wie mein Tag war«, verteidigte sie sich betont unschuldig und nahm ihm gegenüber Platz. Er war zur Begrüßung nicht einmal aufgestanden, um ihr den Stuhl zurechtzurücken.
   »Hier will niemand wissen, was du arbeitest.« Sven schaute sie nicht einmal an, sondern betrachtete scheinbar interessiert seinen Tellerinhalt.
   Typisch! Trotz ihres provokativen Auftritts riss sich Sven zusammen. Zwar wirkte sein Gesichtsausdruck leicht angestrengt, doch der Schein musste gewahrt werden. Zumindest in der Öffentlichkeit. So war es all die letzten Monate gewesen.
   »Erzieherinnen sind hier nicht gerade Stammgäste.«
   Hallo? Hatte er noch alle Tassen im Schrank? Das hätte sie sich denken können!
   Erzieherin war in Svens Augen ein Beruf, den wirklich jeder Hilfsarbeiter leisten konnte. Außerdem passte es zu dem Naturell einer jeden Frau, ein bisschen auf Kinder aufzupassen. Diese Fähigkeit war praktisch angeboren.
   »Marie hat quer über den Frühstückstisch gekotzt. Zeitgleich hat Tom so sehr in die Windel gemacht, dass ihm die Kacke sogar in die Hose gelaufen ist. Puh, war das ein Gestank und Geschmiere!«
   »Hannah!«
   Sie bereute es nicht, deplatziert zu wirken. Es war ihr schlicht und ergreifend egal.
   Tief in ihrem Herzen war sie wohl doch ein kleines Landmädchen geblieben, das im Sommer barfuß durch Bäche stieg, im Herbst Kastanien sammelte und im Winter johlend mit dem Schlitten durch den Schnee jagte. Manchmal vermisste sie die Zeit ihrer Kindheit. Vielleicht war sie aus jenem Grund auch Erzieherin geworden. Ein Beruf, in dem es möglich war, ein Stück eben jener Kindheit zu erhalten, die nie zurückkehren würde.
   Ein Kellner trat an ihren Tisch und nahm die Bestellung entgegen, die natürlich Sven aufgab, ohne überhaupt nach ihren Wünschen gefragt zu haben. Sie sollte aufstehen und gehen. Ihm sagen, dass es jetzt und hier vorbei war. Endgültig.
   Stattdessen blickte sie aus dem Fenster. Die Sonne schien immer noch von einem wolkenlosen tiefblauen Himmel, obwohl sie schon tief stand. Goldene Kringel fielen auf den braunen Holztisch. Hannah legte ihre Hand hinein, doch leider spürte sie die erhoffte Wärme nicht. Sie fröstelte. Ihre Füße fühlten sich wie Eisklumpen an. Die Nobelgaststätte war natürlich klimatisiert. Leider betrug die gefühlte Temperatur maximal zehn Grad. Zwar hatte Sven wie erwartet zwei Plätze vorbestellt, allerdings nicht auf der sonnendurchfluteten Terrasse, sondern im gekühlten Gastraum.
   Während er über den neuesten Klatsch und Tratsch der High-Sicuety erzählte und nicht im Geringsten darüber pikiert zu sein schien, dass sie stumm blieb, fuhr sie gedankenverloren über die Tischplatte. Echtholz. Heimlich bohrte sie den Fingernagel in das Holz, um die Härte zu testen. Keine Rille.
   Der Wirt hatte sich die Einrichtung wirklich etwas kosten lassen. Trotzdem … Hannah war das Ambiente zu duster. Nicht heimelig, sondern dunkel. Vielleicht wirkte die Einrichtung auf die anderen Gäste gemütlich, aber sie sah nur, dass sie hier nicht hingehörte. Dabei besaß die Location echt einige Highlights. Der große Holzofenbackofen, in dem die Pizza frisch zubereitet wurde, hatte schon was. Der Koch stand daneben, in eine weiße Schürze gekleidet und mit Hütchen auf dem Kopf, knetete Teich und schwang ihn hoch in der Luft zu dünnem Pizzabrot. Wie im Film eben. Auch die Zutaten lagen offen aus. Gekühlt natürlich. Alles frisch und ohne Vertuschung.
   »Wir sind nächstes Wochenende bei Peter Straubing eingeladen. Du weißt schon, er sitzt im Aufsichtsrat bei …« Svens Worte rauschten an ihr vorbei.
   Das Essen wurde serviert, und Sven redete weiter wie ein Wasserfall.
   Hannah sah zu dem Kellner auf und schenkte ihm ein Lächeln, während Sven ihn nicht einmal beachtete. »Vielen Dank.«
   Sie erntete ein freundliches Nicken. „Guten Appetit, die Herrschaften.“
   »Danke.«
   »… hast du gehört, Hannah?«
   Ruckartig hob sie den Kopf, aufgeschreckt durch die scharfe Stimmlage. »Wahrscheinlich hast du recht«, sagte sie, ohne zu wissen, um was es überhaupt ging.
   Sie stocherte in den Bandnudeln herum, die eine schwer essbare Spaghettilänge besaßen, und von denen sie den italischen Namen nicht kannte. Die Pasta war so kompliziert zu essen, dass sie um ihr grünes Etuikleid fürchtete. Gesprenkelt würde es nicht mehr gut aussehen. Die frisch gebratenen Meeresfrüchte machten den Genuss leider nicht einfacher, da sie allesamt mit Schale in der Mitte der Nudeln angehäuft waren. Ein weiteres optisches Highlight, das sich allerdings zum Essen als untauglich erwies. Höchstens, man hatte bereits eine Ausbildung im Speisen kompliziert zu essender Lebensmittel erhalten. Wahrscheinlich würde sie sich im Laufe des Abends in ein Erdferkel verwandeln. Fett- und Tomatenflecken. Ein Traum. So wirklich mies zum Reinigen eben.
   »Hörst du mir überhaupt zu? Ich habe dich gebeten, bei dem Besuch bei Peter Straubing ein anständiges Outfit zu wählen. So kann ich ja nirgends mit dir hingehen!«
   Hannah schob den Teller von sich. »Irgendwie ist mir auch schon ein bisschen seltsam vom Magen«, klagte sie. »Meinst du, der Fisch ist wirklich frisch?« Verdammt! Warum servierte sie ihn nicht einfach ab? Sie war doch genau mit diesem Vorsatz hergekommen. Jedenfalls brauchte sie jetzt erst einmal Luft, sonst würde sie sich noch vergessen.
   »Hannah!«, zischte Sven wie erwartet erneut. Er sah aus, als ob er sie jeden Moment eigenhändig erwürgen könnte.
   Sie schenkte ihm ein schiefes Lächeln und fasste sich theatralisch an den Magen. Ein Rülpsen verkniff sie sich. Gar so dick auftragen musste sie nicht.
   Beim Aufstehen blieben ihre nackten Oberschenkel an dem glatten Leder des Stuhles kleben. Dieses Ambiente war wirklich nicht für sie gemacht! Mit einem kleinen Plopp löste sich die Haut. Erneut schickte sie ein herzliches Lächeln in Svens säuerliches Gesicht, dessen Farbe binnen der letzten Sekunden von Rosa zu Rot gewechselt war.
   Er hätte sich wohl weniger den Sonnenstrahlen aussetzen oder eine bessere Schutzcreme benutzen sollen.
   Freundlich, wie sie war, verkniff sie sich einen Kommentar und strich stattdessen ihr nicht ganz knitterfreies Etuikleidchen glatt.
   Natürlich hatte ihr kleiner Auftritt Aufmerksamkeit erregt. Zumindest an den Nachbartischen.
   Spießer, fuhr es Hannah durch den Kopf. Am liebsten hätte sie jedem Einzelnen der netten Gäste ein Extralächeln geschenkt. Wahrscheinich wären sie schreiend davongerannt. Auf der Flucht vor einer möglichen Noro Virus Attacke.
   Mit sich zufrieden schlenderte Hannah den weiß geputzten und mit farbenfrohen Bildern irgendeines Künstlers verzierten Gang entlang zu den Toiletten. Leise Musik drang aus unsichtbaren Lautsprechern. Was für ein Luxus! Sogar die Pflanzen, die in jeder Ecke standen, waren echt. Ein kleiner Springbrunnen vor den Toilettenräumen sollte wohl die Gäste zum Pinkeln animieren. Ein kurzer Blick in das Wasser. Es fehlten nur noch ein paar Mini-Goldfische. Hannah grinste.
   Sie wusste, dass ihre Gedanken garstig waren, aber insgeheim ärgerte sie sich über alles. Auch über ihre lauthalse Äußerung bezüglich des Noro Virus, weil sie sich nicht anders Sven gegenüber zu behaupten wusste.
   Warum sagte sie ihm nicht endlich klipp und klar, dass es nie eine Zukunft für ihre Beziehung geben würde? War sie so feige?
   »Hast du das wirklich nötig?«, erklang mit einmal eine samtige Stimme hinter ihr.
   Hannah schnellte herum. Sie hatte niemanden kommen hören. Der Mann war groß. Fast einen Kopf größer als sie. Er stand so dicht vor ihr, dass sie auf sein weißes Leinenhemd anstatt in sein Gesicht blickte.
   Was hatte er gesagt?
   Ob sie es wirklich nötig hatte?
   Du, er hatte sie geduzt.
   Langsam hob Hannah den Blick. Die oberen drei Knöpfe standen offen und entblößten eine leicht gebräunte Haut. Breite Schultern. Das Hemd hätte keine Nummer kleiner sein dürfen. Obwohl es im Brustbereich locker saß, waren die Muskeln unter dem luftigen Leinenstoff nicht nur zu erahnen. Weiter begutachtete sie seinen Körper. Ein Dreitagebart.
   Nein, eher ein Fünf- oder Siebentagebart, berichtigte sie ihre Gedanken. Dunkel. Wie seine Haare, die eigentlich nach hinten halten sollten, ihm aber immer wieder in die Stirn fielen. Sein Glück, denn es nahm ihm das gelackte Aussehen und gab ihm stattdessen etwas Verruchtes. In Hannahs Bauch begann es seltsam zu prickeln, was wohl an dem sauren Rotwein liegen musste, den der Kellner empfohlen hatte. Dann streifte ihr Blick seinen. Grüne Augen.
   Grüne Augen?
   Sie kannte nur einen Menschen mit solch intensiv grünen Augen.
   Musstest du so viel Mist bauen?, hatte sie ihn angeschrien.
   Ich komme doch wieder, hatte er geantwortet.
   Aber jetzt gehst du weg!
   Wartest du auf mich?
   Ich weiß nicht, hatte sie trotzig geantwortet, doch sein Blick hatte sie zum Schweigen gebracht.
   Ja, war es stattdessen aus ihrem Mund gekommen.
   Versprichst du es?
   Ja, ich verspreche es.
   Boah! Und dann hatte sie ein paar Jahre später ihr Versprechen gebrochen. Zumindest in seinen Augen. Wütend war er gewesen. Leise wütend, was es nicht besser gemacht hatte. Und dann hatte er sie erinnert, dass es keiner Entschuldigung bedarf, sondern Versprechen, die man ihm gab, nie zu brechen waren. Auch nicht Jahre später. Für ein paar Stunden hatte er sie in eine Welt mitgenommen, die ihr fremd war, ihr Angst machte, nicht ihre war. Erst war sie überwältigt gewesen. Doch nicht lange. Zu viele Fragen, zu viele Gedanken. Sie hatte zu weinen begonnen. Einerseits aus Kummer, andererseits aus Erleichterung. Gegangen war er ohne Worte, hatte sie wieder zurückgelassen. Mit dem Gefühl von Leere in ihrem Herzen …
   Sein Blick nagelte sie fest.
   »Noro Virus?« Das Lächeln, das auf seinem Gesicht fehlte, vibrierte leicht in seiner Stimme.
   »Ja«, antwortete sie leichthin, zu nervös, um mehr als dieses eine Wort herauszubringen. Erst musste sie den Schock verarbeiten, Eliaz nach so vielen Jahren wiederzusehen.
   Eliaz, der Schwarm ihrer Kindheit. Das Augenöffnen ihrer Jugend.
   »Du solltest dich schämen«, tadelte er leise.
   Schämen?
   Hatte er sich etwa auch zu einem Schnösel entwickelt? Wahrscheinlich, sonst würde er nicht dieses Lokal besuchen. Das letzte Mal, als sie ihn gesehen hatte, waren seine Haare lang gewesen. Wie ein Indianer hatte er ausgesehen. Genauso rücksichtslos war er gewesen. In Hannahs Unterleib begann es erneut freudig zu kribbeln, was sie dieses Mal nicht dem Rotwein in die Schuhe schieben konnte.
   »Warum?«, fragte sie nur.
   Sein linker Mundwinkel zuckte nach oben. Wie früher. Die vage Andeutung eines Lächelns. Wissend und amüsiert zugleich. »Du trägst keinen Slip.«
   Das Blut schoss ihr förmlich in die Wangen. Siedend heiß glühten sie. Eliaz hatte bemerkt, dass sie keinen …
   Sehr genau musste er sie gemustert haben.
   Nein, sie trug kein Höschen, als wenn sie es geahnt hätte, ihm heute Abend zu begegnen. Als wenn das Kleid absichtlich so eng gesessen hätte, dass sie selbst auf den String verzichtet hatte.
   »Nein, ich trage keinen Slip«, bestätigte sie leise.
   Der Blick aus grünen Augen durchbohrte sie, wanderte in Zeitlupentempo hinab zu ihren Brüsten, prägte sich die ungewohnten Rundungen ein und strich weiter über ihren flachen Bauch zu ihren festen Schenkeln, die unter dem engen Kleid nicht nur zu erahnen waren. Hannahs Unterleib zog sich verlangend zusammen. Sein Blick und das Wissen, ohne Slip vor ihm zu stehen, machte sie unheimlich an.
   Damals hatte er sie gefickt. Hemmungslos. Dabei war sie erst fünfzehn Jahre alt gewesen. Am Baggersee. Im Sand. Ihr Körper hatte selbst am nächsten Tag noch gezittert. Ihre Scheide höllisch geschmerzt. Dennoch hatte sie geglüht, wie es ihr nie wieder geschehen war.
   »Warte bei der Villa auf mich!«
   Bei der Villa?
   Sprach er von der alten Villa seiner verstorbenen Tante?
   In Leinfeld, ihrem Heimatort?
   Hannah versuchte, das drängende Pochen zwischen ihren Schenkeln auszublenden. Natürlich war es aufregend, Eliaz wiederzusehen, aber sie würde seiner Aufforderung nicht nachkommen. Definitiv nicht. Schließlich besaß auch sie ihren Stolz. Ganz davon abgesehen, dass sie nicht mit offenen Augen vom Regen in die Traufe rennen wollte. Sven hatte ständig an ihr herumgenörgelt. Sie hatte es viele Monate stillschweigend ertragen. Nun war sie endlich dabei, sich frei zu strampeln, und da tauchte Eliaz wie aus dem Nichts auf, tat, als wäre nichts geschehen und befahl sie zur Villa seiner Tante. Das konnte er vergessen!
   »Nein!«, antwortete sie lediglich, ließ auch ihren Blick provozierend langsam über seinen Körper wandern. Dann drehte sie sich ruckartig um und ging mit extra wiegenden Hüften zurück in den Gastraum.
   Und wenn du Eliaz wieder aus den Augen verlierst?
   Egal. Schließlich war er derjenige gewesen, der damals von heute auf morgen verschwunden war und sie mit einem gebrochenen Herzen und tiefem Schmerz hatte sitzen lassen. Damals hatte sie ihm noch brav aus der Hand gefressen. Hatte er sich deswegen bei ihr gemeldet? Nein.
   Falls er sie sehen wollte, sollte doch er sein Köpfchen anstrengen und sie nicht irgendwohin befehlen.
   In welcher Welt lebten sie denn?
   Außerdem hatte sie mit dem Thema Männer endgültig abgeschlossen.
   Vielleicht solltest du wenigstens Eliaz’ Qualitäten im Bett noch einmal testen?
   Eliaz benötigte kein Bett für das Ausleben seiner Leidenschaft und sie keinen Sex.
   Also: komplett sinnloses Unternehmen.
   Scheint dein Bauch aber anders zu sehen.
   Ja, ihr dummer Unterleib.
   Begriff er denn nicht, dass seine Meinung im Moment nicht die Bohne gefragt war? Und dann erst das nervige Pochen zwischen ihren Schenkeln. Feucht waren sie bereits. Verdammt, sie trug keinen Slip!
   Wenn Sven wüsste, was eben geschehen war …
   Aber er wusste es nicht. Wahrscheinlich interessierte es ihn auch nicht.
   Sie lief an den farbenfrohen Kunstwerken vorbei, die wirklich gut aussahen, aber nie den Gang zu den Toiletten hätten füllen dürfen. Normalerweise hätte ihr Mitleid all den kreativen Menschen gehört, die sich durch solche Ausstellungsmöglichkeiten den Hauch von Aufmerksamkeit zu erarbeiten versuchten. Doch nicht heute. Ihr Herz überschlug sich. Ihre Gedanken ebenso. Sie fühlte sich wie pures, wandelndes Adrenalin.
   Schon von Weitem sah sie Sven sitzen. Langweilig sah er aus. Wie hatte sie jemals mit ihm schlafen können? Gereizt hatte er sie nie.
   Und nun sollte sie zu Sven, dem Langweiler zurückkehren. Nachdem ihr Eliaz begegnet war.
   Hannah atmete tief durch. Irgendwie war sie vollkommen durcheinander.
   Hast du den überraschten Ausdruck auf Eliaz’ Gesicht gesehen, als du gegangen bist?
   Natürlich hatte sie. Eben aus diesem Grund riss sie sich zusammen. Sollte er sich ruhig nach ihr verzehren. Recht geschah es ihm, denn es fühlte sich gut an, gegen alte Gewohnheiten zu verstoßen. Ihm eben nicht das Gefühl zu geben, dass sie nach seiner Pfeife tanzen würde. Natürlich wäre sie am liebsten zurückgerannt und hätte ihm versichert, dass sie bei der Villa auf ihn warten würde.
   Warum?
   Weil sie sich nach ihm sehnte. Weil sie wissen wollte, was damals geschehen war. Weil sie noch einmal erleben wollte, wie es sich anfühlte, eine Frau zu sein.
   Aber sie tat es nicht.
   Wow! Sie war richtig stolz auf sich! Schritt eins erledigt. Nun zu Schritt zwei: Jetzt musste sie noch Sven loswerden. Wenigstens für heute. Dann würde sie nach Hause laufen. Ein Spaziergang kam ihr gerade recht. Zu froh war sie, endlich das unterkühlte Lokal verlassen zu können. Die laue Luft würde ihr guttun. Doch erst wartete Sven auf sie.
   Was sollte sie ihm sagen?
   Hannah wollte sich eben setzen, als der Oberkellner neben sie trat. Er sprach mit ihr, aber so leise, dass sie kein Wort verstand. Irritiert blickte sie ihn an. Was wollte er? Fragte er jetzt schon, ob ihr das Essen mundete?
   »Gäste haben uns berichtet, dass Sie am Noro Virus erkrankt sind. Wir möchten Sie herzlichst bitten, das Lokal erst nach Ihrer Genesung wieder aufzusuchen.« Er räusperte sich, war sichtbar verlegen. »Das Essen geht als kleine Entschädigung natürlich aufs Haus.«
   Hannah klappte die Kinnlade sprichwörtlich bis zum Boden. Fassungslos griff sie nach der Stuhllehne, als würde die ihr Halt geben.
   Hatte sie richtig gehört? Sie wurde des Lokals verwiesen? Wegen eines Scherzes, den sie gemacht hatte?
   Sie schluckte, wollte eben Luft holen, um zu erklären …
   Vielleicht wäre eine deutliche Ansage angebrachter.
   »Das ist aber freundlich«, hörte sie Sven in dem Moment sagen. »Ich möchte mich entschuldigen. Natürlich auch für meine Bekannte. Ihr war das Ausmaß ihrer Erkrankung sicherlich nicht bekannt, sonst hätte sie die Location nicht aufgesucht. Wird nicht wieder vorkommen.«
   »Sie können natürlich gern bleiben. Wir versuchen, unseren Stammgästen stets entgegenzukommen.« Der Ober wirkte sichtbar erleichtert und strahlte Sven förmlich an.
   »Ich weiß das zu schätzen«, entgegnete er.
   Schleimer!
   In Hannahs Magengegend begann es, gefährlich zu grummeln, wie immer, wenn sie wütend wurde.
   Er wusste das zu schätzen?
   Sven, der Arschkriecher!
   Eine andere Bezeichnung hatte er leider nicht verdient.
   Nein, sie musste sich keine Gedanken machen, was sie ihm sagen sollte. Sie musste sich nicht entschuldigen. Sie musste einfach nur gehen. Und zwar jetzt. Bevor es ihr ernsthaft übel wurde.
   Ohne Sven oder den Ober noch eines einzigen Blickes zu würdigen, drehte sie sich um und rauschte hocherhobenen Hauptes dem Ausgang entgegen. Einige Gäste schüttelten mit den Köpfen.
   Wegen des Verhaltens des Kellners?
   Nein, ihretwegen, erinnerte sie sich.
   Nie wieder würde sie diesen Ort besuchen. Nie in ihrem Leben.
   Aus den Augenwinkeln bemerkte sie noch Eliaz, der jeden ihrer Schritte zu beobachten schien. Aber auch für ihn reichte ihre Zeit nicht.
   Scheiße.
   Tür auf. Tür zu.
   Luft.
   Hannah atmete tief durch. Trotz Sommerende war es sogar am Abend noch warm. Die Tage brachten locker dreißig Grad zustande. Nur die Nächte erinnerten bereits an den nahenden Herbst. Die angenehme Luft hüllte Hannah ein wie ein weicher Mantel. Sie hätte sich zurücklegen und die Augen schließen können, aber auch dafür reichte ihre Zeit nicht aus. Die Gefahr, dass Sven ihr folgen würde, war zu groß. So einen Abgang würde er ihr nicht durchgehen lassen. Sinnlose Diskussionen würden die Folge sein.
   Du musst ihm endlich klipp und klar die Meinung sagen!
   Ja, das würde sie. Nur eben nicht im Moment.
   Nach Hause wollte Hannah aus genau diesem Grund nicht. Vielleicht würde Sven dort auf sie warten. Aber sie wollte ihre Ruhe haben. Wenigstens die nächsten Stunden. Sie musste erst einmal verdauen, dass …
   Sie hatte Eliaz wiedergesehen und ihn stehen lassen. Schon jetzt fühlte sie den Schmerz des Bedauerns, der sich in ihrem Herzen regte. Er hatte nur wenige Meter entfernt gesessen. In dem Lokal, das sie soeben verlassen hatte. Mit jedem Schritt entfernte sie sich weiter von ihm. Dabei hätte sie einst alles gegeben, nur, um in seiner Nähe sein zu können.
   Würde sie denn nie von diesem Mann loskommen?
   Fast könnte man meinen, er hätte vor langer Zeit einen Bann über sie geworfen.
   Irgendwie war es auch so. Noch zu gut konnte sie sich daran erinnern, als er damals nach Leinfeld gezogen war. Mutter verstorben, Vater unbekannt. Bei seiner verschrobenen Tante, einer reichen Bullterrierzüchterin, hatte er gewohnt. Sie konnte sich noch gut an den Jungen mit dem verschlossenen Gesichtsausdruck erinnern. Dabei war er bereits in der vierten und sie erst in der zweiten Klasse gewesen. Nur etwa ein Jahr später war er von der Schule geflogen und von seiner Tante in ein Internat für schwer erziehbare Kinder gesteckt worden. Damals hatte sie ihn beim Rektor verteidigt, vor all den anderen Lehrern. Dafür hatten ihr ein paar Große nach der Schule aufgelauert. Aus welchen Grund auch immer. Aber Eliaz hatte sich für sie geprügelt. Und ihr Herz war ihm zugeflogen. Ohne Kompromisse.
   Noch einmal hatte sie ihn treffen sollen. Jahre später, aber die Begegnung war ganz anderer Natur gewesen.
   Nicht darüber nachdenken, ermahnte sie sich.
   Vielleicht sollte sie bei Nathi vorbeischauen. Ihre Wohnung lag auf dem Weg. Max und Lotti schliefen sicher schon. Und Till besaß meist das nötige Feingefühl, sich zurückzuziehen, wenn er bemerkte, dass seine Gegenwart unerwünscht war. Hannah beneidete Nathi um ihren Mann. Sie waren ein richtiges Dreamteam. Gesucht und gefunden traf die Beziehung der beiden ziemlich genau auf den Punkt.
   Hannah überlegte. Seltsam, dass sie im Gegensatz zu ihrer Schwester so viele Beziehungsprobleme hatte. Immerhin waren sie gleich erzogen worden, und doch waren sie in ihrem Wesen und ihrer Lebenseinstellung grundverschieden. Nathi – ihre durchgeknallte Schwester mit Einser-Abitur, jedoch ohne abgeschlossenes Studium. Gelegenheitsjobberin. Mutter zweier süßer Kinder. Ein kunterbunter Punkverschnitt mit stets gefärbtem Haar und einer Kleidung, die jeden Spießer im Boden versinken ließ. Hannah musste lächeln. Von dem Einser-Abitur und Till abgesehen beneidete sie Nathi um den Rest eigentlich nicht. Sie neigte weder zu ausgefallenen Frisuren und Kleidung noch zum Jobben. Denn insgeheim mochte sie ihr geregeltes Leben. Es gab ihr Sicherheit. Und Sicherheit war ein Halt, den sie benötigte, um nicht zu fallen.
   Denn nie wollte sie fallen.
   Nie sich fallen lassen.

2. Kapitel

Hannah beeilte sich, von dem Lokal wegzukommen. Natürlich lief sie nicht an der Hauptstraße entlang, sondern entschied sich für den Umweg durch
   die kleinen, verwinkelten Gassen der Altstadt. Manche waren für den Verkehr komplett gesperrt, manche nur in einer Richtung befahrbar. Somit sollte es Sven schwer möglich sein, ihr zu folgen. Wenn er es denn überhaupt vorhatte.
   Nach ein paar Minuten entspannte sich Hannah und genoss es, einfach nur zu laufen. Nicht reden zu müssen. Keine Beschallung durch lautes Stimmengewirr. Nur Ruhe. Ein bisschen Vogelgezwitscher, ab und zu ein Auto, das sich in die verschlafenen Gassen verirrt hatte. In den kleinen ehemaligen Gärtnerhäusern – Hannah hatte es einst selbst nicht glauben wollen, dass sich hinter der bebauten Front wahrhaftig Beete erstreckten – verzierten sogar Blumenkästen mit Geranien und Petunien die Fensterbretter. Klar, viele Alteingesessene wohnten hier. Hannah mochte diesen Teil der Stadt, der sich ein Stück ländliche Atmosphäre erhalten hatte.
   Nathi wollte sie nun nicht mehr besuchen. Im Moment benötigte sie keinen Rat, sondern lediglich Zeit für sich. Vielleicht sollte sie endlich lernen, weniger nachzudenken, sondern das Leben auf sich zukommen zu lassen. Mittlerweile musste sie sogar über die Szene beim Italiener schmunzeln.
   Des Lokals verwiesen – so etwas war ihr noch nie passiert. Wieder musste sie grinsen. Das hatte noch nicht einmal Nathi fertiggebracht.
   Seltsam beschwingt bog Hannah in die Fußgängerzone ab.
   »Willst du endlich aufhören, vor mir davonzulaufen?«, ertönte plötzlich Eliaz’ Stimme hinter ihr.
   Abrupt blieb sie stehen. Sie drehte sich nicht um, wusste, dass er nahe war.
   »Ich mag das nicht.« Ein Luftzug strich ihren Nacken.
   »Nein?« Leider konnte sie es nicht verhindern, dass ein Hauch Unsicherheit in ihrer Stimme schwang. Zu schnell hatte er damals reagiert, zu heftig.
   »Das solltest du eigentlich wissen.«
   »Ich bin gebeten worden, das Lokal zu verlassen«, klärte sie ihn auf.
   »Von dieser Szene spreche ich nicht.«
   »Nein?« Sie straffte unmerklich die Schultern. »Und ich lass mich nicht gern herumkommandieren.«
   »Mich bei der Villa zu treffen, war lediglich ein Angebot.«
   »Ach so. Ein einmaliges?«
   »Das wird sich herausstellen.«
   Hannah rieselte es eiskalt den Rücken hinab. Sie war nicht mehr an Eliaz’ direkte Art gewöhnt. »Ich bin lange nicht in Leinfeld gewesen«, wich sie aus.
   »Das habe ich gemerkt.«
   Wie denn?
   Sie war leicht überfordert. Und dennoch … Ihrem kribbelnden Bauch schien es zu gefallen, überfordert zu sein.
   »Meine Eltern haben vor ein paar Jahren das Haus gekauft, in dem Vaters Kanzlei ist«, erzählte sie. Was redete sie nur? Wahrscheinlich interessierte es ihn überhaupt nicht.
   »Es ist meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass auch deine Eltern weggezogen sind.«
   Wie steif er sein konnte. »Ah, ja«, sagte sie leichthin und schaute angestrengt auf ihre Zehen. Ungewöhnlich war es, sich zu unterhalten, ohne sich dabei anzusehen. Doch sie würde sich nicht umdrehen. Schon aus Prinzip nicht, denn hinter ihr stand nicht irgendwer, sondern ein Mann, der es schaffte, ihr gesamtes Denken in Sekundenschnelle durcheinanderzuwirbeln. Dabei hätte sie gerade ihm gern in die tiefgrünen Augen geblickt. Um darin zu versinken, Erinnerungen lebendig werden zu lassen, aber auch, um seine Stimmung zu erkennen und seine Reaktion vorhersehen zu können. »Hast du die Villa deiner Tante geerbt?«, erkundigte sie sich, die Unterhaltung in Richtung Small Talk lenkend.
   »Hm.«
   »Wohnst du dort?« Ein klein wenig straffte sie die Schultern und hob den Blick, sodass sie zumindest die Häuser betrachten konnte.
   »Hm.«
   Ihre Füße hatten sich förmlich auf dem Asphalt festgeklebt. So dumm sich das auch anhören mochte, sie war nicht fähig, sich auch nur eine Handbreit zu rühren. Dabei kribbelte es gefährlich in ihrem Nacken. Zu bewusst war sie sich Eliaz’ Nähe. »Musstest du viel renovieren?«
   »Ja«, knurrte er. »Sonst noch Fragen?«
   »Mir fallen sicher noch einige ein«, pflaumte sie zurück, riss sich mit aller Kraft zusammen und drehte sich mit einem Ruck um. Ihr Arm streifte seine Schulter. Ihr Gesicht landete unsanft an seiner Brust. Hannah hielt den Atem an. Sie regte sich nicht, sondern starrte wie hypnotisiert auf das weiße Leinenhemd. Langsam holte sie Luft. Der leichte Geruch nach Bodylotion stieg ihr in die Nase. Ein weicher Duft. Eliaz hatte schon immer auf weiche Düfte gestanden, erinnerte sie sich.
   Eliaz – ihr Eliaz.
   Ihr Herz klopfte eine Nuance schneller. Sie hatte nicht zu ihm gewollt, war sogar davongelaufen. Nicht nur vor Sven. Sondern auch vor Eliaz und den widersprüchlichen Empfindungen, die nur er in ihr zu wecken vermochte. Ihr genügte schon diese unheilvolle Sehnsucht, die so sehr verzehrte und noch schrecklicher schmerzen konnte.
   Doch jetzt war es für ein erneutes Davonlaufen zu spät. Er stand vor ihr. Er war bei ihr. So nah. Erneut begann es erwartungsvoll zwischen ihren Schenkeln zu pochen.
   Zu gern hätte sie die Hände ausgestreckt und in den Ausschnitt seines Hemdes geschoben. Es Knopf für Knopf geöffnet.
   Ihre Lippen würden ihren Händen folgen. Samtig weich, aber hungrig. Nur darauf fixiert, ihn zu schmecken. Seine Haut zu liebkosen. Ihre Zunge würde tanzen, ihn liebevoll necken. Eliaz’ Brust war unbehaart. Hannah konnte sich genau erinnern. Leicht gebräunt und unbehaart. Das würde auch jetzt – Ende vom Sommer – nicht anders sein.
   Damals hatte er ihr nicht viel Zeit gegeben. Nur ein paar Sekunden. Zu wütend war er gewesen. Dann hatte er sie genommen, als wenn es kein Morgen gegeben hätte. Dabei war sie noch so jung gewesen. Jung und unerfahren. Nur eben keine Jungfrau mehr. Wie hatte er das nur erfahren können?
   »Gehst du immer ohne Slip aus dem Haus?«, kam die Frage, die sie bereits erwartet hatte.
   »Ja, ich halte es für unkomplizierter.« Welcher Teufel ritt sie nun schon wieder? Sie wusste doch, dass es wenig ratsam war, ihm freche Antworten zu geben. Aber das war lange vorbei …
   »Wirklich?«
   »Hm.«
   Der Duft seiner Haut gepaart mit dem weichen Geruch der Bodylotion brachte Hannah komplett durcheinander. Sie wollte ihn wenigstens berühren.
   »Geh!«, befahl er.
   »Was?«, fragte sie irritiert.
   »Du sollst gehen!«
   Das war Eliaz. So und nicht anders. Sie hätte es nicht verdrängen sollen.
   »Wohin denn?«
   Seine Hand fasste nicht eben zärtlich in ihr Haar, sodass sich ihr Kopf von seiner Brust lösen und sie ihm stattdessen in die Augen blicken musste. Blankes Verlangen leuchtete ihr entgegen. Scharf sog sie die Luft ein.
   »Zu meinem Wagen«, knurrte er.
   »Wo?«, fragte sie hilflos.
   »Ich zeige es dir.«
   Zielstrebig übte die Hand Druck auf ihren Hinterkopf aus.
   »Ich kann selbst laufen«, beschwerte sie sich halbherzig.
   »Nein.«
   »Was nein?«
   »Du hast vorhin erst das Gegenteil bewiesen.«
   »Ich bin nicht dein Hund.«
   »Nein, bist du nicht. Den würde ich auch nicht an den Haaren führen.«
   Ein Sondern? verkniff sie sich. Die Gefahr, dass die Antwort An der Leine lauten würde, war viel zu groß.
   Hoffentlich sieht mich nur niemand, betete sie.
   Aber Eliaz würde schon achtgeben.
   Zumindest ihr Unterleib mochte die leicht grobe Behandlung, denn er zog sich so heftig zusammen, dass es ihr beinahe den Atem nahm. Sie war nass. Ohne Slip ein seltsames Gefühl. Unheimlich erregend. Ihre Mitte glühte und sehnte sich nach Aufmerksamkeit. Nach Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Und nach noch viel mehr.
   Eliaz schob sie mehr, als dass sie selbstständig lief. Die Hand war unnachgiebig in ihren Haaren verschlungen. Nach nur wenigen Metern bogen sie in einen kleinen, dunklen Parkplatz ab, den Hannah nie zuvor registriert, sondern wahrscheinlich als Einfahrt wahrgenommen hatte. Ein schwarzer Yeti parkte einsam unter einem alten, tief hängenden Kastanienbaum. Zielstrebig schob Eliaz sie darauf zu.
   Was hatte er vor?
   Hannahs Atem ging stoßweise. Vorfreude mischte sich mit Erregung. Erregung wiederum mit einem Hauch Furcht. Furcht, weil sie Eliaz’ Reaktionen noch nie hatte einschätzen können.
   Da drückte er sich zielstrebig nach vorn. Mit dem Kopf hinab auf die Motorhaube. Ihre Wange rutschte über den warmen Lack. Erschrocken keuchte Hannah auf, verharrte jedoch in der ungewohnten Position. Eliaz’ Hand entfernte sich. Dicht trat er hinter sie, presste sich an ihren Po. Automatisch öffnete sie die Beine, um ihn dazwischentreten zu lassen. Er fasste nach ihren Schultern und schob sie zurück. So unnachgiebig, dass sie ahnte, was ihr gleich geschehen würde.
   Wieder gnadenlos. Wie vor mehr als zehn Jahren. Nur, dass sie damals mit seiner Unnachgiebigkeit überfordert gewesen war. Auch mit ihren Gefühlen. Erschrecken hatte sich mit Genuss gemischt. Schmerz mit Lust. Etwas hatte ihre Seele berührt. Sie erweckt.
   Doch heute war Hannah nicht überfordert. Heute fieberte sie ihm förmlich entgegen. Wollte sich krümmen vor dem süßen Hauch von Schmerz. Wollte Respekt seiner Härte entgegenbringen. Wollte leiden in süßesten Wonnen. Sie wollte, dass er sie fickte. Wie ein Mann eine Frau fickte, die er begehrte. So sehr, dass er nichts anderes als hart sein konnte.
   Doch Eliaz’ Hände verließen ihre Schultern, fuhren stattdessen fest ihren Rücken hinab, umfassten ihren Po. Weiter fuhren sie zu ihren Schenkeln. Mit einem Ruck schlug er das Kleid nach oben, sodass sie von der Taille abwärts nackt vor ihm stand. Wieder entwich ihr ein erschrockenes Keuchen. Seine Hände ruhten kurz auf ihrem Po, um dann auf den Außenseiten ihrer Schenkel hinab- und auf der Innenseite hinaufzufahren. Nass waren sie. Bereitwillig öffnete sie ihre Beine, kam den Händen entgegen. Ihr Körper schrie förmlich nach Berührung. Sie brauchte ihn. Dringend.
   Mehr als dringend, schien ihr Innerstes zu schreien. Ausgehungert war sie. Ausgehungert nach … – sie wusste es nicht.
   »Nein!«, knurrte er.
   Hannah verstand nicht. Da fasste er ihre Hüften, schob sie wieder so weit nach vorn, dass sie mit zwar leicht auseinanderstehenden, aber durchgestreckten Beinen auf der Motorhaube zum Liegen kam. Seine Hände fanden zurück zur Innenseite ihrer Schenkel, doch fuhren sie kurz vor ihrer glühenden Mitte auseinander, um fest über ihre Pobacken zu streichen.
   »Bitte!«, flehte sie.
   »Was?«, fragte er mit rauer Stimme.
   Gut, fuhr es ihr durch den Kopf. Auch ihm fiel es hörbar schwer, sich zu beherrschen. Das war gut! Sehr gut sogar! »Berühr mich!«, würgte sie mühsam hervor. »Bitte!«
   Sanft fuhr er über ihre Klit, klopfte sacht dagegen.
   Ein Seufzen drang ihr über die Lippen. »Mehr«, flehte sie.
   Wieder gaben ihre Beine nach, und wieder schob er sie unbarmherzig nach oben.
   Das Geräusch eines Reißverschlusses.
   Endlich!
   Da fühlte sie bereits seine Erektion zwischen ihren Schenkeln. Leicht drückte sie gegen ihre Klit. Hannah dachte, sie würde jeden Moment wahnsinnig werden. Jeder einzelne Muskel in ihrem Körper stand unter Spannung. Soweit es die seltsame Stellung zuließ.
   »Bitte!«, bettelte sie erneut.
   »Hm.«
   »Fick mich!«
   Er war genau vor ihrer Mitte. Mit aller Gewalt drückte sie sich nach hinten. Ganz kurz ließ er es zu, dann schob er sie erneut nach oben. Enttäuscht seufzte sie auf. Da fasste er fest nach ihren Hüften und stieß tief in sie. Über Hannahs Lippen entwich ein Wimmern. Zu hart war er gewesen. Sie zu unvorbereitet. Offen für ihn, aber nicht für seine Gnadenlosigkeit. Er würde kaum zärtlich werden – sie wusste es. Konnte sie es ertragen? Sich ihm wirklich hingeben? Ihren Körper ihm völlig schutzlos überlassen?
   Er hielt sie, gönnte ihr eine kurze Pause, um ihre Gefühle zu ordnen.
   »Es ist okay«, wisperte sie.
   »Gut.«
   Wieder stieß er zu. Immer wieder.
   Hannah konnte ihm keinen noch so kleinen Millimeter ausweichen. Eine Motorhaube gab nicht nach. Ihre Finger griffen nach dem glatten Lack, doch natürlich fanden sie keinen Halt. Keine einzige Möglichkeit, ihren Körper auf irgendeine Art abzufangen. Doch genau dieses enorme Ausmaß ihrer Hilflosigkeit jagte Schauder der Erregung durch ihren gesamten Körper. Sie hätte Stopp! schreien müssen, doch stattdessen verlangte etwas tief in ihr nach mehr. Nach mehr Härte, nach mehr Schnelligkeit, nach einem Punkt, der unerreichbar hoch hing. Sie wusste nicht, ob sie es jemals ertragen könnte, ihn zu erreichen.
   Wieder holte Eliaz sie zurück, sodass ihre Hüften in der perfekten Position für ihn zum Liegen kamen. Hannah keuchte auf. Doch auch Eliaz’ Atem wurde schneller. Ebenso sein Tempo. Sein Schwanz knallte in sie. Ohne Unterbrechung. Ohne Pause. Ihr Bauch zog sich zusammen. Jeder Muskel spannte sich. Sie stand kurz vor einer Explosion, doch die Erlösung wollte nicht kommen. Nicht, bevor er bereit war. Nicht bevor er …
   In dem Moment stieß er unendlich tief. Noch tiefer als zuvor. Seine Hände pressten sich fest in die Haut ihrer Hüften, in die Weichheit ihres Hinterns. Und er hielt sie …
   Es war wie ein elektrischer Kurzschluss. Ihre Muskeln verkrampften sich. Ihre Körper bäumte sich auf. Heiße Wellen rannen durch sie hindurch, angefangen in ihrem Unterleib bis in jeden Finger und jeden einzelnen Zeh. Ein lautes Stöhnen drang über ihre Lippen. Dann sank sie erschöpft zurück auf die Motorhaube. Noch kurz hielt er sich, dann zog er seinen Schwanz aus ihrem Inneren, doch seine Hände blieben auf ihren Hüften ruhen und gaben ihr den Halt, den sie so dringend benötigte.

*

Eliaz glaubte, seinen Augen nicht zu trauen, als er sie nur zwei Plätze entfernt hatte sitzen sehen. Überall hätte er sie wiedererkannt. Selbst nach über zehn Jahren. Ihre langen blonden Haare waren abgeschnitten. Nun trug sie einen Stufenschnitt, der ihr bis auf die Schultern reichte. Damals fand er ihre langen Haare toll, aber er musste sich eingestehen, dass das Kurze ihr Gesicht sehr schmeichelhaft umrahmte und ihr eine zarte Weichheit verlieh. Hellblonde Haare zu heller Haut sah bei wenigen Frauen gut aus, doch ihr verlieh es eine coole Lässigkeit. Wie Schneewittchen in blond.
   Mit ihrem seegrünen, eng anliegenden Baumwollkleidchen war sie der Farbtupfer des Restaurants. Der Typ, der sie begleitete, wirkte dagegen unscheinbar und spießig, obwohl er sich wahrscheinlich seines guten Geschmacks sehr sicher war. Eliaz’ Mund fühlte sich staubtrocken an, wie immer, wenn er erregt oder erzürnt war.
   Wie hatte sie sich nur auf so einen Mann einlassen können? Er sah aus wie ein Weichei, wenn da nicht so ein unangenehmer Zug um seinen Mund gespielt hätte. Eliaz ahnte, dass er Hannah nicht viel Freude bereitet hatte.
   Hannah, wie lange hatte er sie damals gesucht? Am Tag nach dem Ausrutscher am Baggerloch hatte er abreisen müssen. Dabei hätte er so gern gewusst, wie sie die Stunden mit ihm überstanden hatte. Doch seine Tante hatte ihn zur Eile gedrängt. Ihr Bedarf an Ärger war gedeckt gewesen. Ja, er hatte es der alten Frau nicht leicht gemacht. Mittlerweile tat es ihm leid, doch damals hatte er mit dem Kopf sprichwörtlich durch die Wand gewollt. Als er Monate später nach Leinfeld zurückgekommen war, hatten in Hannahs Elternhaus Fremde gewohnt. Im Telefonbuch hatte er nur die Anwaltskanzlei ihres Vaters gefunden, wo er sich nicht getraut hatte, nachzufragen. Seltsamerweise hatte er Jahre später Hannahs Vater als Anwalt beauftragt und war ganz gut mit ihm ausgekommen. Doch auch da hatte er sich nicht nach Hannah erkundigt.
   Eigentlich hatte er die Hoffnung längst aufgegeben, sie eines Tages wiederzusehen.
   Und nun saß sie da. Nur wenige Meter entfernt. Und wirkte äußerst lebendig.
   »Wir haben den Noro Virus in der KiTa. Ein Albtraum. Wir müssen ständig die Toiletten säubern und desinfizieren«, hörte er mit einmal ihre Stimme. Sie sprach extra laut, er wusste es.
   Ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.
   »Marie hat quer über den Frühstückstisch gekotzt. Zeitgleich hat Tom so sehr in die Windel gemacht, dass ihm die Kacke sogar aus der Windel gelaufen ist. Puh, war das ein Gestank!«
   Eliaz konnte sich nur mit Mühe ein Lachen verkneifen. Hannah hatte schon als Kind einen Hang zum Unmöglichen gehabt. Ihre Schwester hatte zwar verrückt ausgesehen, aber Hannah hatte sich manchmal so benommen. Eine zwillingsverkehrte Welt eben.
   Das Gesicht ihres Gegenübers verfärbte sich zusehends.
   Irgendwann stand sie mit einem Ruck auf und lief Richtung Toiletten. Sie hatte einen echt geilen Po. Runder als damals, stellte er fest. Das Kleid saß verdammt eng. Er stutzte. Beinahe hätte er sich an seinem Wasser verschluckt. Das Kleid saß so eng, dass sie kein Höschen darunter tragen konnte. Nicht die Spur eines Abdruckes zeichnete sich durch den dünnen Stoff ab.
   Boah!
   Sofort zuckte sein bestes Teil vernehmlich. Hannah hatte ihn schon immer gereizt, doch allein die Vorstellung, dass sie ohne Slip durch die Gaststätte lief, steigerte diesen Reiz enorm. Zumindest so weit, dass er feststellen musste, dass ihm die Hose um einige Größen zu eng wurde. Er entschuldigte sich bei Simon, seinem Geschäftspartner und beeilte sich, Hannah zu folgen. Er musste sie aus der Nähe sehen, wissen, wie sie sich ihm gegenüber verhielt.
   Vielleicht machte er sich umsonst Gedanken, und sie wollte nichts mehr von ihm?
   Nein, das glaubte er nicht. Zu eng war das Band gewesen, das sie verbunden hatte. Ein Band, für das es eigentlich keine logische Erklärung gab.
   Hannah lief langsam. Anscheinend verspürte sie keine große Lust, ins Lokal zurückzukehren. Das war seine Gelegenheit!
   »Hast du das wirklich nötig?«, sprach er sie an.
   Sie schnellte herum, schaute ihn aus großen braunen Augen entgeistert an.
   Sie erkennt mich nicht, fuhr es ihm durch den Kopf.
   Er ließ ihr Zeit, sich zurechtzufinden. Sie starrte seine Brust an, dann hob sie langsam den Blick. Das Erkennen traf sie wie ein Schlag. Es war, als würde sich ein Schleier lüften.
   Eliaz wurde siedend heiß. Seine Haut begann erwartungsvoll zu kribbeln, so dicht stand sie vor ihm. Leider presste sich sein Schwanz voll Vorfreude hart gegen die Jeans, was es ihm schwer machte, einen kühlen Kopf zu bewahren. Auch seine Hände wollten sich zu gern selbstständig machen und über ihren knackigen Po streichen. Er müsste nur kurz das Kleid anheben, schon würde sie beinahe nackt vor ihm stehen. Seine Hände würden ihre Pobacken umschließen, sie zu ihm heranführen. Er würde …
   Eliaz’ Mund fühlte sich wieder staubtrocken an. Er wollte sie ficken. So wie damals am Baggerloch. Er wusste, dass sie insgeheim seine Vorlieben teilte, sie genoss, nach ihnen verlangte. Er wusste aber auch, dass sie sich das damals noch nicht eingestehen konnte.
   Wenn er an ihre männliche Begleitung dachte, konnte er sich nicht vorstellen, dass sie mit dem Typ überhaupt irgendeine Art der Befriedigung genossen hatte.
   »Du trägst keinen Slip«, stellte er scheinbar seelenruhig fest.
   Hannah schoss das Blut in die Wangen. Er musste schmunzeln. Es gefiel ihm, dass ihr solch eine Bemerkung peinlich war, doch ihre Augen sprachen eine andere Sprache. Aus ihnen leuchtete keine Schüchternheit, sondern glühende Erregung. Er kannte sie genau, wusste, dass sich ihre Augen verdunkelten, wenn sie Leidenschaft empfand. Aus diesem Grund lud er sie kurzerhand ein, ihn bei der Villa zu treffen.
   Doch sie reagierte nicht auf sein Angebot, schlug es sogar aus. In dem Moment hätte er sie zu gern erinnert, wie es sich anfühlte, ihn zu verärgern. Er musste sich beherrschen. Groß war der Reiz, sie an den Schultern zu packen und in die Knie zu zwingen. Kurz hätte sie seine Härte durch die Jeans fühlen dürfen. Dann hätte er ihr seine Erektion tief in den Mund geschoben. Er hätte sie gefickt und seinen Samen schlucken lassen. Vielleicht hätte sie der Geschmack erinnert, zu wem sie gehörte und ihr klargemacht, dass sie ihren Gefühlen zu folgen hatte und nicht ihren Trotzkopf die Oberhand gewinnen lassen durfte.
   Er ahnte, dass ihr diese Behandlung sogar gefallen würde. Aber vollkommen sicher war er sich nicht. Das brachte ihn in eine Zwickmühle, denn nichts war schlimmer, als sie jetzt wieder zu verlieren. Kein Fehler durfte ihm unterlaufen. Er musste vorsichtig sein, sich und ihr Zeit geben und sie selbst ihren Weg finden lassen. Eliaz’ Gedanken arbeiteten fieberhaft. Die Gefahr, dass sie es noch nicht dulden würde, wenn er in ihren Mund kommen würde, war zu groß. Er konnte sie nicht mehr genau einschätzen. Früher hätte er sich nie Gedanken gemacht, sondern wäre seinen Gefühlen gefolgt. Heute schaltete er erst seinen Verstand ein. Meistens zumindest. Solange er Herr über seine Sinne war. Er wusste aber auch, dass Hannah es genoss, ihn zu erfreuen. Ebenso wusste er, was sie brauchte, um ungeahnte Höhen zu erklimmen.
   Mit aller Gewalt riss er sich zusammen. Sie würde für ihr trotziges Verhalten bezahlen. Einen süßen Preis, der nur für sie bestimmt war. Allein diese Vorfreude hielt ihn davon ab, sie wenigstens in die Knie zu zwingen.
   Doch Hannah schien nicht einmal zu bemerken, dass sie mit dem Feuer spielte.
   Oder liebte sie dieses Spiel mittlerweile sogar? Und ihre Unschuld war nur Show?
   Allein der Gedanke heizte ihm noch mehr ein.
   Doch da drehte sich Hannah um und lief mit wiegenden Hüften davon. Wie ein begossener Pudel stand er da.
   Das wirst du büßen, dachte er. Ich werde dich schon daran erinnern, dass du zu mir gehörst.
   Eliaz wusste, dass er diese Erinnerung nur anstupsen und sie überzeugen musste, denn er bemerkte sehr wohl das Feuer, das in ihr brannte und drohte, sie zu verbrennen. Hannah brauchte den Halt, den nur er ihr bieten konnte, und er benötigte als Gegenzug ihre Zartheit. So ließ er sie wahrhaftig laufen, denn er wusste, dass es sich nur um Minuten drehte, bis er sie wiedersah. Nie würde sie bei dem Knilch bleiben, der meinte, dass sie zu ihm gehörte. Irgendetwas würde geschehen. Da war er sich sicher. Wenn nicht, würde er sich überlegen müssen, sie eigenhändig zu holen.
   Relativ siegessicher ging Eliaz in den Gastraum zurück. Mit vielem hatte er gerechnet, aber nicht mit einem übereifrigen Kellner, der Hannah des Lokals verweisen wollte. Das Schicksal schien ihm alle Trümpfe in die Hand zu spielen.
   »Können wir morgen telefonieren?«, erkundigte er sich bei Simon. Der sah ihn mit einem wissenden Lächeln an.
   »Wer ist die Kleine?«
   Eliaz mochte es nicht, wenn jemand Hannah Kleine nannte, aber Simon war nicht nur sein Geschäftspartner, sondern auch sein bester Freund. Eliaz wusste von seinem Frauenverschleiß, deswegen sah er ihm auch den abfälligen Ausdruck nach.
   »Ich kenne sie schon sehr lange.«
   »Ist es sie?«
   Er nickte nur. »Zahlst du für mich? Ich muss los!«
   Simon grinste von einem Ohr zum anderen. »Wir sehen uns.«
   Doch Eliaz hörte ihn nicht mehr. Schließlich musste er sich beeilen, denn Hannah hatte das Lokal bereits mit großen Schritten verlassen.

Suchend blickte sich Eliaz um. An der Hauptstraße entlang lief sie nicht. Das hätte er sich denken können. Madame war wütend, auf der Flucht noch dazu. Deswegen war von ihr auch keine Spur mehr zu sehen. Leise fluchend machte er sich auf den Weg zu seinem Wagen. Es machte wenig Sinn, ihr zu Fuß durch die zahlreichen Gässchen des Gärtnerviertels zu folgen. Mit dem Auto war er schneller, so konnte er Weg für Weg abfahren. Zum Glück kannte er die Gässchen wie seine Westentasche. Auch die, die für den Verkehr gesperrt waren, führten alle auf die Straße, die in die Fußgängerzone mündete. Hannah würde nie auf die Hauptstraße zurückkehren. Dazu kannte er sie zu gut. Auf eine offene Konfrontation mit dem Typen hatte sie aller Wahrscheinlichkeit nach keine Lust. So etwas lag ihr nicht.
   Er war mittlerweile in der dritten Gasse angelangt, als er sie endlich sah. Sie beeilte sich nicht, sondern schlenderte gemütlich dahin, als wollte sie den lauen Spätsommerabend genießen. Das Verhalten war so typisch für sie. Er musste lächeln. Auch, weil er erleichtert war, sie endlich gefunden zu haben. Nun hatte er keine Eile mehr. In Ruhe parkte er seinen Wagen in einem kleinen, halb verborgenen Parkplatz unter einem dichten Kastanienbaum. Sein Kopfkino lief wieder an, was seinen besten Freund sofort hellwach sein ließ. Erneut verfluchte er die enge Hose. Vielleicht sollte er Frauen zukünftig nur noch in der Villa empfangen. Im Sportoutfit. Bequem und dehnbar. Wieder musste er lächeln. Nein, das war keine gute Idee. Frauen standen auf Männer in knackigen Jeans. Ebenso auf muskulöse, haarlose Oberkörper. All das wusste er. Ebenso wie ihm bekannt war, dass er über all diese Vorzüge verfügte. Ebenso wie die Frauen seinen Anblick genossen, liebte er es, wenn er den Genuss in ihren Augen sah. Ja, er war eingebildet. Zu Recht, denn er war gern Mann. Ein richtiger Mann. Mit einer gewissen Portion Härte, die viele Frauen noch gefügiger, noch heißer machte. Er liebte leicht devote Züge beim weiblichen Geschlecht. Dominante Frauen interessierten ihn nicht.
   Momentan galt sein ganzes Interesse sowieso nur der einen namens Hannah. Die Erfüllung all seiner Sehnsüchte. Noch nie hatte es eine andere Frau fertiggebracht, ihn so sehr zu reizen. Selbst er musste auf seine gesteckten Grenzen Obacht geben. Grenzen, die er nie überschreiten wollte. Die er nie überschreiten würde, doch sich an ihnen entlangzuhangeln bedeutete einen Reiz, wie es keinen zweiten gab.
   Eliaz verließ den Parkplatz. Hannah war noch nicht weit gelaufen. Es war offensichtlich, dass sie sich Zeit ließ.
   Ob es ihr leidtat, ihn in dem Lokal zurückgelassen zu haben? Ganz leicht grummelte es in seinem Magen. Dieses Thema würden sie noch klären müssen.
   Er legte ein wenig Geschwindigkeit zu. Schon war er dicht hinter ihr.
   »Willst du endlich aufhören, mir davonzulaufen?«, sprach er sie an. »Ich mag das nicht«, fügte er gleich hinzu. Nur, um sie zu erinnern, dass er so ein Verhalten in der Regel nicht duldete, beziehungsweise sie mit einer Gegenreaktion zu rechnen hatte.
   »Was machst du hier?« Sie schien völlig perplex.
   »Dich zurückholen.«
   »Mich?« Mit ihren großen braunen Rehaugen blickte sie ihn an.
   Nein, ich bin nur aus Spaß durch die halbe Stadt geirrt, dachte er. Wieder grummelte es in seinem Magen, wenn er daran dachte, dass sie sein Angebot, ihn in der Villa zu besuchen, ausgeschlagen hatte. »Hm«, antwortete er nur.
   Nervös fingerte sie an ihrem Kleidchen herum.
   Das Kleid, unter dem sie keinen Slip trug, erinnerte er sich.
   Es war offensichtlich, dass sie unsicher war. Sie redete und redete, erzählte vom Umzug ihrer Eltern, fragte nach der Villa und etwaigen Renovierungsarbeiten. Doch er war nicht die Geduld in Person. Schon gar nicht, wenn es um sie ging. Das war er nie gewesen. Das müsste sie eigentlich wissen. Im Moment war ihm auch definitiv nicht nach einem Gespräch. Also griff er in ihre Haare, sodass sie ihm ins Gesicht sehen musste. Sofort verdunkelte sich das Braun ihrer Augen um eine Nuance, und er wusste, dass sie bereit war, sein Spiel mitzuspielen. Er erkannte die Vorfreude, aber auch einen Hauch Furcht.
   Verdammt! Sie würde endlich lernen müssen, ihm zu vertrauen. Komplett zu vertrauen. Ohne Kompromisse.
   Eliaz freute sich darauf, sie zu lehren, denn er wusste, dass sie ihm dieses Vertrauen schenken wollte und es auch konnte.
   Brav ließ sie sich von ihm führen. Ihr erster Vertrauensbeweis. Das gab ihm ein verdammt gutes Gefühl, denn er war derjenige, der dafür sorgte, dass niemand sie in ihrer misslichen Lage zu sehen bekam. Er hielt Ausschau und er passte auf. Dafür entwand sie sich ihm nicht, sondern genoss es, sich seiner Führung hinzugeben. Schnell checkte er den Parkplatz ab. Sein Yeti war das einzige Auto. Fast verborgen unter den tief hängenden Zweigen der alten Kastanie. Lampen gab es keine. Auch keine Fenster aus angrenzenden Häusern. Somit keine Beobachter. Perfekt. Fest war seine Hand in ihr Haar geschlungen, als er sie die letzten Meter zu seinem Wagen führte. Dann drückte er ihren Kopf auf die Motorhaube hinab. Mit der Wange kam sie auf dem Lack zum Liegen. Pures Adrenalin schoss ihm durch die Glieder. Dieser Anblick. Wie sie vor ihm lag. Am liebsten hätte er …
   Doch er riss sich zusammen, widmete sich erst ihrem Rücken, um dann mit seinen Händen zu ihrem vielversprechenden Po vorzudringen. Sein Schwanz meinte, die Jeans sprengen zu müssen, so fest pulsierte er in der Enge. Mit einer schnellen Bewegung brachte Eliaz Hannah auf der Motorhaube in Position. Er würde nicht dulden, dass sie ihre Stellung ungefragt veränderte, denn er wusste, was ihr wahren Genuss bereitete. Wahrscheinlich wusste er es mehr, als sie es überhaupt ahnte.
   Wie sehr freute er sich auf das Erwachen ihrer Gefühle. Gefühle, die noch in Ketten lagen.
   Er musste lächeln. Die Vorstellung gefiel ihm.
   Natürlich hörte er ihr erregtes und gleichzeitig ängstliches Stöhnen. Es machte ihn schier wahnsinnig. Liebend gern hätte er seinen Schwanz aus der Hose gerissen und ihr die Seele aus dem Leib gefickt. Doch wieder beherrschte er sich. Hannah war noch nicht bereit für seine Härte. Noch konnte sie nicht mit allen Sinnen genießen. Und sie sollte einen gigantischen Höhepunkt erleben. Einen Höhepunkt, von dem sie die nächsten Tage träumen würde, denn er würde ihr Zeit lassen. Sie würde lernen müssen, dass sie ihn brauchte. Erst wenn sie dazu bereit war, würde es ein Morgen geben und die Realität die Träume ersetzen.
   Immer wieder änderte sie die Position, in die er sie gebracht hatte. Sie wollte ihm entgegenkommen. Wollte seinen Schwanz in ihrer feuchten Mitte wissen. Doch immer wieder verbot er es ihr, brachte sie zurück in die Stellung, in der sie zu warten hatte, bis er sah, dass sie das Warten keine einzige Sekunde länger ertragen würde. Schwierig war es, eine unendliche Anstrengung, denn sein Verlangen war übermächtig. Die Willensanstrengung, die er sich ihretwegen auflud, unfassbar. Ihre Hände wollten sich festhalten. Hilflos fuhren sie über den Lack. Wieder versuchte sie, ihm entgegenzukommen, doch wieder brachte er sie zurück. Keine einzige Sekunde länger konnte er sich beherrschen. Sein Schwanz pulsierte so sehr, dass es schmerzte. Mit einem kräftigen Stoß drang er in sie. Sie war weich. Was für eine Erfüllung! Weich und nass. Gleichzeitig spürte er ihre Muskeln, die seinen Schwanz eng umschlossen.
   Wie hatte sie nur all die Jahre diese herrliche Enge bewahren können?
   Sie zu ficken war, wie eine Jungfrau zu seinem eigen zu machen. Er spürte den Druck, der sich nicht aufhalten ließ. Doch er durfte noch nicht kommen. Er wollte sie leiden lassen und sie in himmlische Höhen entführen. Ihr ganzer Körper verspannte sich. In tiefer Entzückung bäumte sie sich auf. Ein Röcheln entwich ihrer Kehle. Durch seinen Körper fuhr ein Stromschlag. Sternchen vor seinen Augen. Dann explodierte er in ihr.
   Am liebsten hätte er sich auf sie sinken lassen, aber er tat es nicht. Er zog lediglich seinen Schwanz aus ihrem süßen Inneren und hielt sie weiterhin fest, aber nun zärtlich an den Hüften. Er wusste, dass sie den Halt dringend benötigte. So lange, bis ihr Zittern nachließ.

3. Kapitel

Völlig erschöpft blieb Hannah auf der Motorhaube liegen. Ein Wirrwarr an Gefühlen stürmte auf sie ein, obwohl sie gleichzeitig unheimlich relaxed war. Aus-
   gepowert nach einem Orgasmus, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Nicht einmal damals, denn da hatte die Unsicherheit sie zu fest im Griff gehalten. Am liebsten hätte sie sich jetzt ins Bett gelegt oder noch besser auf ihre Dachterrasse. Unbekleidet, nur einen lauen Luftzug auf der Haut. Langsam ließ Hannah ihre Hand über den schwarzen Lack gleiten. Glänzend im Sonnenlicht, heiß in der Wärme, aber angenehm glatt und kühl in der Nacht.
   Ob ihr Lack stehen würde? Oder würde er zu viel von ihrer Haut verhüllen? Spitze oder Netz mochte erotischer wirken. Ansprechender.
   Oder eine Korsage? Das würde ihr gefallen. Sicherlich auch stehen. Eng geschnürt, damit es Taille und Po gut in Szene setzte.
   Ob Eliaz Reizwäsche an ihr schön finden würde?
   Da lag sie nun. Fix und fertig. Und schon spielte ihre Fantasie ihr erneut Bilder zu. Wieder klopfte es verlangend zwischen ihren Schenkeln. Sie wollte Eliaz gefallen. Unbedingt. Nicht nur im grünen Kleidchen. Sexy und begehrenswert wollte sie für ihn aussehen. Nur für ihn. Damit er sich stets erneut an ihr erfreuen konnte. Und nie wieder gehen würde.
   Stimmen erklangen.
   Hannah erstarrte. Sie lag frisch gefickt auf einer Motorhaube mitten in der Innenstadt.
   War sie wahnsinnig geworden? Wie hatte sie sich zu so einem Leichtsinn hinreißen lassen können?
   Verdammt, sie war Erzieherin. Ein Vorbild für die Kleinen. Schitt!
   Eliaz’ Hände entfernten sich von ihren Hüften, fassten stattdessen nach ihren Oberarmen und zogen sie in seine. Mit der rechten hielt er sie fest, mit der linken zog er das Kleid züchtig über ihren Hintern. Hannah ließ ihn gewähren. Eliaz wusste stets, was er tat. Als die Jugendlichen vorbeiliefen, stand auf dem Parkplatz nur ein Liebespaar, das sich umarmte.
   Hannah schmiegte sich eng an Eliaz. Sie genoss die Berührung, die Stärke seiner Arme, seinen Geruch. Fast meinte sie, zu träumen. Dabei waren sie nie füreinander bestimmt gewesen. Immer wieder hatte das Schicksal sie getrennt. Nur kurze Augenblicke hatte es gegeben, die sie stets daran erinnerten, dass es den anderen noch gab. Eine Liebe, die nie enden sollte.
   Vielleicht täuschte sie sich und sie waren doch füreinander bestimmt?
   So war Hannahs Traum. Schön klang er. Wie in einem kitschigen Film. Ein leuchtendes Liebespaar vor einer schwarz-weißen Kulisse.
   Und genauso fühlte sie sich. Wie in einem Film. Nicht in der Realität, sondern als wäre sie kurz in eine andere Haut geschlüpft. In eine Person, die genießen konnte und sie an diesem Genuss teilnehmen ließ.
   »Alles okay?«, raunte Eliaz in ihr Ohr.
   »Hm.«
   »Bist du sprachlos?«
   »Hm.« Dann überlegte sie es sich anders. »Ich könnte ewig so stehen, in deinen Armen, von der Nacht verhüllt.«
   »Glaubst du wirklich, ich würde es lange ertragen, dich nur in den Armen zu halten?«
   »Hm.«
   »Willst du es testen?«
   »Nein.« Hannah schmunzelte. »Das würde mein geschundener Körper nicht überleben.«
   »Der würde sich schon daran gewöhnen.«
   »Nein!«, antwortete sie mit Nachdruck und befreite sich aus der Umarmung. »Das ist völlig unmöglich.«
   Wieder zuckte Eliaz’ linker Mundwinkel nach oben. Bereits früher hatte sie die Geste geliebt, die ihm einen schelmischen Ausdruck verlieh.
   »Es ist mein Ernst. Ich werde mich die nächsten Tage nicht mehr setzen können.«
   »Ich habe kein Problem damit, wenn du wie frisch gevögelt aussiehst.«
   »Spinnst du?«, blaffte sie ihn entsetzt an. »Ich arbeite in einer KiTa.«
   Eliaz’ Augen verschmälerten sich. Das tiefe Grün nur noch ein Blitzen. »Was mache ich?«, fragte er in einem Ton, der ihr erwartungsvolles Frösteln über die Haut laufen ließ.
   »Nichts.«
   »Steig ins Auto!«
   Hannah überlegte, ihm zu widersprechen. Schließlich hatte sie nicht vor, vom Nörgler zum Befehlsgeber zu wechseln. Doch das Grün nahm eine kalte Färbung an, sodass sie sich einen Gegenkommentar verkniff. Das Gefährliche an Eliaz waren nicht unbedingt seine Worte, sondern seine Taten. Er handelte so schnell, dass man kaum Zeit hatte, zu entkommen. Einen Vorgeschmack auf seine Art der Überzeugung hatte sie bereits erhalten. Nicht, dass ihr das nicht gefiel, aber zu viel war nun einmal zu viel. Und sie war komplett außer Übung. Hier war nichts mit kurz drüber und vorbei. An Einduseln brauchte sie überhaupt keinen Gedanken zu verschwenden. Sven hatte es nicht gestört, dass sie komplett passiv geblieben war. Hauptsache, er war irgendwann gekommen. Sex war nie anstrengend, nur schrecklich nervtötend gewesen. Nicht so bei Eliaz. Bei ihm kam sie an ihr Limit. Körperlich, aber auch psychisch. Er forderte und testete gezielt ihre Grenzen aus. Sie wusste das. Ebenso wie sie wusste, dass sie besser davonlaufen sollte, solange ihr noch die Zeit dazu blieb. Er war nicht der Typ Mann, der sie gehen ließ, wenn sie sich erst einmal entschieden hatte, zu bleiben. Ebenso machte er keinen Hehl daraus, wer das Sagen hatte. All das mochte sie eigentlich nicht. Es war nicht ihre Welt. Schließlich war sie erwachsen und selbstbewusst genug, ihr eigenes Leben zu führen. Dazu brauchte sie niemanden, der ihr sagte, was sie zu tun und zu lassen hatte. Auch nicht beim Sex.
   Tut er das denn auch im normalen Leben?
   Gute Frage.
   Woher sollte sie das wissen?
   Nur ein einziges Mal hatte sie damals mit ihm geschlafen. Da war sie fünfzehn gewesen. Eigentlich hatte er sie überfallen, oder besser gesagt, sie überfahren. Woher sollte sie also wissen, wie er sich in einer Beziehung benahm? Geschweige denn konnte sie sich ihn überhaupt in einer Beziehung vorstellen.
   Aber bei Sven hat es mit der Vorstellung von einem perfekten Partner geklappt?
   Nein, bei Sven hatte es keine Träume gegeben. Die Beziehung mit ihm war eine reine Vernunftentscheidung gewesen. Nicht mehr und nicht weniger. Dass er sich innerhalb von kürzester Zeit in einen Dauernörgler verwandeln würde, war im Vorhinein nicht absehbar gewesen.
   Und bei Eliaz kannst du träumen?
   Eliaz war nicht nur zum Träumen gut. Er war wie eine Walze, die sie überrollte.
   »Und?«, riss er sie aus ihren Gedanken.
   »Was?«, fragte sie irritiert.
   »Die Tür ist offen.«
   Ein »Danke für den Hinweis!« konnte sie sich nicht verkneifen, was ihr sofort ein kurzes Aufblitzen aus den grünen Augen einbrachte.
   Dieser Mensch brachte sie an den Rand des Wahnsinns. Was erlaubte er sich? Und dennoch stieg sie gehorsam in den Yeti.
   Sogar mit Ledersitzen, registrierte sie.
   Wo hatte Eliaz all das Geld her? Von seiner Tante geerbt? Oder verdiente er so gut?
   Instinktiv wusste sie, dass ihm all diese Fragen nicht gefallen würden. Es gab gewisse Dinge, über die er nicht gern sprach. Eigentlich gehörte dazu fast alles, was sein Leben betraf. Einst hatte sie versucht, ihn über seine Eltern auszufragen, doch auch da war seine Reaktion mehr als abweisend gewesen.
   Hannah wusste nicht einmal, was er für einen Schulabschluss hatte. Damals war er aufs Gymnasium gewechselt, erinnerte sie sich. Bevor er im Internat gelandet war.
   Aufgeregt und gleichzeitig verunsichert legte sie ihre Hände in den Schoß und wartete ab. Was hatte er vor?
   Auch Eliaz stieg ein, ließ jedoch den Motor nicht an. Augenblicklich stieg ihr der warme Duft, der ihn umgab, in die Nase. Hannah atmete langsam ein und aus.
   Würde er sie noch einmal bitten, mit zu ihm zu kommen?
   Doch Eliaz sagte nichts. Er saß lediglich da und musterte sie. Hoffentlich gefiel ihm, was er sah.
   Mit Sicherheit tut es das! Ein kleines Lächeln schlich sich auf Hannahs Lippen. Sollte sie ihn fragen, ob er mit zu ihr wollte? Nein, entschied sie aus genau zwei Gründen: Erstens wusste sie genau, dass ein leicht widerspenstiges Verhalten stets den Reiz erhöhte. Zweitens war Eliaz wie Salz zu genießen. Vorsichtig und stets nur eine Prise.
   Ein Alarmglöckchen in ihrem Kopf riet ihr, sich immer einen Rückweg offen zu halten. Gab sie ihm alles, nahm er sich auch alles. Auf halbe Sachen stand er nicht, das hatte er früher schon so gehandhabt. Ausnahmen gab es keine.
   »Ich wusste gar nicht, dass du Tätowierungen magst«, bemerkte er unvermittelt.
   Ah, er hatte ihr Tattoo entdeckt! Logisch. Schließlich begann die Ranke knapp oberhalb ihrer Leiste und schlängelte sich an ihrer rechten Seite empor, um knapp über dem Busen zu enden. Schmetterlinge säumten ihren Weg. Ein Mammutwerk war es gewesen. »Gefällt es dir?«
   »Ich habe nicht allzu viel davon gesehen.«
   Es ging ihm nicht um das Motiv. Um was dann? Ihre Lippen bebten. »Hättest du mir ein Tattoo nicht zugetraut?«
   Eliaz musterte sie durchdringend. »Warum rechts?«
   Sie musste nicht überlegen. »Ich hatte Angst vor der Nadel über dem Herzen.« Eine Wahrheit, die sie noch nie jemandem erzählt hatte.
   »Mann oder Frau?«
   »Im Tattoostudio?«
   »Ja.«
   »Frau. Zu einem Mann wäre ich nicht gegangen.«
   »Nein?«
   »Nein.«
   Nie hätte sie sich vor einem fremden Mann ausgezogen. Sie tat es nicht einmal gern vor einem bekannten. Bei Sven und seinen Vorgängern hatte sie stets darauf geachtet, wenigstens ein Shirt anzubehalten oder rechtzeitig unter der Decke zu verschwinden. Sie mochte es nicht, ihren Köper zur Schau zu stellen.
   »Ich würde das Tattoo gern sehen.«
   »Hast du doch.«
   »Ich möchte das ganze Bild sehen.«
   Interessierte es ihn doch? Das freute sie. »Es ist nur eine Ranke mit Schmetterlingen.«
   »Nur? Und dafür der Schmerz?«
   Hannah erinnerte sich daran, wie aufgeregt sie vor ihrer ersten Sitzung gewesen war. Und nein, es war nicht nur eine Ranke. Dornen verborgen unter Blüten. Dennoch hatten die Schmetterlinge ihre Freude daran. Das Naschen an verbotenen Früchten konnte so reizvoll sein.
   »Es hat nicht sehr wehgetan. Außer an besonders empfindlichen Stellen.«
   »Wie hat es sich angefühlt?«
   Hannah überlegte. Wem konnte sie schon erklären, dass sie das Gefühl der Nadel auf der Haut genossen hatte, ebenso wie die festen, gewandten Hände der Tätowiererin. »Es ist wie ein leichtes Vibrieren.«
   »Angenehm?«
   Zaghaft schielte sie zu Eliaz empor. Die grünen Augen durchbohrten sie förmlich. »Hm.«
   »Und wenn der Schmerz kommt? Wenn die Nadel in empfindliche Haut sticht?«
   Hannah war wie hypnotisiert von seinem Blick. »Dann erträgt man es.«
   »Gern?«
   »Hm.« Sie suchte nach den passenden Worten. »Schließlich freut man sich auf das Bild.«
   »Und an den Stellen, an denen die Nadel nur ein Vibrieren erzeugt? Hast du das Gefühl genossen?«
   Woher wusste er? »Ja«, wisperte sie.
   »Warst du enttäuscht, als das Bild vollendet war?«
   Hannah kroch Röte in die Wangen. Mit feuchten Händen strich sie sich die Haare aus dem erhitzten Gesicht. »Ich hätte mir gern ein weiteres Tattoo stechen lassen.«
   »Warum hast du nicht?« Eliaz musterte sie interessiert.
   »Das Motiv muss mir etwas bedeuten. Außerdem arbeite ich in einer KiTa, da kann ich mir nicht den ganzen Körper verschönern lassen. Außerdem ist es nicht eben billig.«
   »Dein Körper ist schön genug«, erwiderte er bestimmt.
   »Findest du wirklich?«
   »Trotzdem möchte ich das Tattoo sehen.« Ernst blickte er sie an.
   »Hm«, antwortete sie vage.
   »Jetzt!«, befahl er. Die Schärfe in seiner Stimme war unüberhörbar.
   Irritiert blickte sie ihn an. Hatte er eben Jetzt gesagt?
   »Du hast mich schon richtig verstanden.«
   Eliaz hatte etwas von einem Raubtier, das auf seine Beute lauerte.
   Die Beute war eindeutig sie.
   Aber was noch schlimmer war, dass sie allein die Vorstellung, ihm hier das Tattoo zu zeigen, erregte, was sofort ein schmerzhaftes Ziehen in ihrem Bauch auslöste.
   »Nein«, wisperte sie, allerdings ohne viel Gegenwehr.
   Er lächelte wissend. »Du hast nicht viel auszuziehen. Nur Kleid und BH«, fuhr er schonungslos fort.
   Komplett nackt. Mitten in der Stadt. Vor Eliaz. Hannah schluckte. Ihr Mund war wie ausgedörrt. Dafür begann ihre gepeinigte Scheide erneut verlangend zu pochen. »Im Auto?«, erkundigte sie sich vorsichthalber.
   Eliaz schüttelte leicht den Kopf. »Nein. Du steigst aus, gehst um den Wagen herum und öffnest meine Tür. Dann trittst du ein paar Schritte zurück und entkleidest dich. Die Schuhe darfst du anbehalten.«
   Wie gnädig! Sollte sie sich etwa bei ihm bedanken? »Niemals«, entgegnete sie mit Nachdruck. Stocksteif setzte sie sich hin, die Hände zu Fäusten geballt, wie um sich zu wehren.
   Ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen. Dann beugte er sich zu ihr hinüber und ließ seine Hand unter ihren Rock wandern. Zärtlich strichen seine Fingerspitzen ihren Schenkel hinauf. Ihrer Kehle entwich ein sehnsuchtsvolles Seufzen, für das sie sich am liebsten auf die Zunge gebissen hätte. Was für ein gemeiner Verräter ihr Körper doch war! Eliaz’ Finger fand ihre Klitoris, umkreiste sie. Er rutschte tiefer und drang mit einem Finger tief in sie ein. »Bitte!«, keuchte sie.
   »Bitte was?«, kam es wie aus der Pistole geschossen.
   »Berühr mich!«
   Das Lächeln spielte weiterhin um seine Lippen, verstärkte sich jedoch nicht. Seine Augen dagegen blickten ernst. Todernst und zwingend.
   Er fand ihren G-Punkt, berührte ihn ganz leicht und entfernte sich wieder. Hannah presste sich ihm entgegen, sodass sein Finger tief in ihre Scheide geschoben wurde. Ein Keuchen drang über ihre Lippen. Schmerz sowie ein gleichzeitig unstillbares Verlangen rann durch ihren gesamten Körper. Eliaz schob den zweiten Finger hinterher, dann den dritten. Fest biss sie sich auf die Lippen, um nicht zu wimmern. Ihr Kopf fiel gegen seine Brust. Da pochte er leicht gegen ihren G-Punkt, rieb ihn. Der Schmerz wurde immer milder, immer süßer. Sie stöhnte auf. Ihre Lippen suchten seine Haut, strichen am Leinenstoff empor und fanden sie zwischen den Knöpfen seines Hemdes. Nur kurz wollte sie ihn liebkosen, ihn schmecken. Seine Hand entfernte sich aus ihrer feuchten Mitte, strich ihre Schenkel hinab.
   Nein! Sie brauchte die Berührung. Jetzt!
   Mit der linken Hand fasste er in ihre Haare, zog ihren Kopf von seiner Brust weg. Dann hielt er ihr die feucht glänzende rechte vors Gesicht.
   »Säubere sie!«
   Was? Hannah verstand nicht, blickte ihn nur irritiert an. Sollte sie etwa …? Nein! Das war ein Scherz! Doch ein Blick in sein Gesicht überzeugte sie vom Gegenteil. »Ich kann nicht«, wisperte sie.
   »Doch, du kannst. Du kannst noch viel mehr.«
   Sacht strich er mit dem Daumen über ihre bebenden Lippen. Sie spürte ihre Nässe an ihren Schenkeln. Das Pochen steigerte sich ins beinahe Unerträgliche. Bereitwillig öffnete sie ihren Mund. Zärtlich umfassten ihre Lippen den ersten Finger, ihre Zunge fuhr genussvoll darüber. Seltsam war es, ihre eigene Leidenschaft zu schmecken. Seltsam, aber unheimlich erregend.
   »Und jetzt raus!«, forderte Eliaz mit belegter Stimme.
   Er hatte es nicht vergessen. Natürlich nicht.
   Sollte sie wirklich? Sollte sie sich tatsächlich mitten in der Stadt entkleiden und sich Eliaz vollkommen nackt zeigen?
   Sie musste wahnsinnig sein, wenn sie seinem Wunsch nachkam. Oder seiner Forderung? Egal. Süß schmeckte, was er sich von ihr erwünschte. Verdammt süß, denn tief in ihrem Inneren wollte sie, dass Eliaz sie sah, die Schönheit ihres Körpers bemerkte und in sich aufsaugen konnte. Sie wollte ihn erregen, ihn um den Verstand bringen, sich aber auch ihrer eigenen Attraktivität und ihrer Macht, die sie über ihn besaß, bewusst werden.
   Noch ein kurzer Blick in seine grünen Augen. Zwei unendlich tiefen Waldseen glichen sie. Dann stieg sie aus. Sie bewegte sich langsam, ließ ihre Hand genussvoll über den Lack der Motorhaube gleiten, wohl wissend, dass er jede ihrer Bewegungen verfolgte. Sie ahnte, dass er innerlich brannte und sie dieses Feuer unendlich hoch lodern lassen konnte. Dabei war sie das rettende Wasser. Der Schluck, der seine Seele rettete. Sie überlegte, sich auf der Motorhaube zu rekeln, aber sie war nicht der Typ, der gern billig erschien, und Eliaz nicht der Mann, der billige Frauen schätzte. So ließ sie es dabei, lediglich ihre Hand über den Lack streichen zu lassen. Wieder empfand sie die Berührung als angenehm. Sie mochte die noble, kühle Glätte.
   Schon war sie um den Wagen herumgetreten. Es störte sie nicht, nach dem Griff zu fassen und die Tür zu öffnen, um es Eliaz so angenehm wie möglich zu machen. Im Moment war sie Bestandteil eines Schauspiels, und die Rolle, die sie darstellte, schrieb ihre Handlungen exakt vor. Sie war nicht mehr sie selbst, sondern fühlte sich, als wäre sie in einen fremden Körper geschlüpft.
   Oder eine fremde Seele in deinen Körper?
   Hannah dachte kurz darüber nach. Beide Gedankengänge besaßen ihren eigenen Reiz.
   Die Tür schwang weit zurück. Eliaz wirkte auf den ersten Blick entspannt, aber Hannah wusste, dass dieser Eindruck täuschte. Er hatte sich lediglich gut unter Kontrolle. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Diese Kontrolle galt es zu lockern. Ins Wanken sollte sie geraten. Dafür musste sie viel geben. Ob es ihr gelingen würde?
   Mutig beugte sie sich ins Wageninnere, fasste nach seinen Beinen und zog ihn sanft, sodass er nun in Blickrichtung zu ihr saß. Ihre Hände glitten zu seinen Knien und drückten sie sacht auseinander. Sie linste in sein Gesicht. Überraschung spiegelte sich in seinen Zügen wider.
   Der erste Punkt ging definitiv an sie.
   Hannah glitt hinab in die Hocke, spreizte seine Schenkel noch weiter und küsste ihn in seine Mitte. Die Hose spannte sich eng über seiner Erektion. Sie küsste zärtlich jeden einzelnen Millimeter. Ein genussvolles Stöhnen drang über seine Lippen. Hannah lächelte.
   Punkt Nummer zwei ging ebenfalls an sie.
   Mit Bedauern löste sie ihren Mund von seiner Härte, fuhr stattdessen langsam mit den Lippen seinen Schenkel entlang. Ihre Hände folgten der Bewegung ihres Mundes. Dann ließ sie ihn los.
   Hannah trat ein paar Schritte zurück. Hinter ihr war eine Mauer. Alt war sie, aus Sandstein gebaut. Vor ihr stand der Yeti. Die Möglichkeit, von abendlichen Passanten entdeckt zu werden, war relativ gering. Im September waren die Tage schon kurz. Der Mond leuchtete bereits hell am Himmel. Er würde ihr Scheinwerfer sein. Allein die Vorstellung schickte einen wahren Adrenalinstoß durch ihren Körper.
   Die Schuhe durfte sie anbehalten?
   Nein, das wollte sie nicht. Sie musste den warmen Beton unter ihren Füßen spüren. Nur so fühlte sie sich geerdet, würde nicht schwanken und nicht zögern.
   Hannah bückte sich, löste erst die Riemen ihrer linken Sandale und schlüpfte hinaus, dann ihrer rechten. Ganz leicht kickte sie die Schuhe einen Meter zur Seite. Dann stellte sie sich an die hellste Stelle, damit Eliaz keine Kleinigkeit entging. Ihre Hände fasste nach dem Saum ihres Kleides, hoben es langsam hoch. Damit sich der enge Stoff leichter bewegen ließ, bewegte sie ihren Körper sacht von rechts nach links. Wie eine geschmeidige Schlange. Die Bewegung setzte sich in ihrem Oberkörper fort. Auch, als das Kleid bereits ihre Brüste entblößte. Dann zog sie es geschwind über Kopf und Arme. Achtlos ließ sie es zu Boden fallen. Ihre Hände strichen an ihren Seiten hinab zu ihren Hüften. Von dort zu ihren Schenkeln und an deren empfindlicher Innenseite hinauf zu ihrer Mitte. Ihr Finger fand die Klit, rieb sie kurz, um daraufhin tief in ihrem Inneren zu versinken. Hannah benötigte all ihre Willensanstrengung, um sich nicht an Ort und Stelle zu befriedigen. Zu erregend war die Vorstellung auf einen Megaorgasmus im Mondlicht. Aber heute ging es nicht um sie. Heute wollte sie Eliaz freudige Wonnen bereiten. Und dieses Wissen war so elektrisierend, dass sie gern ihr brennendes Verlangen weiter ertrug. Zu verglühen war ein Gefühl des reinsten Genusses. Schmerzhaft süß. Wie Salz mit Zucker und einer Prise Chili gemischt. Das Salz für den Schmerz, der Zucker für die Süße und Chili für die nötige Schärfe. Hannahs Finger suchten die Haken ihres BHs, fanden und öffneten sie. Das Rückenteil fiel in ihre Hände. Ganz langsam entfernte sie auch das seidene Vorderteil. Sie wandte sich zur Seite, damit Eliaz ihre gestochene Blumenranke mitsamt Schmetterlingen bewundern konnte. Völlig nackt stand sie da. Die Brüste stolz nach vorn gereckt, den Kopf hoch erhoben. Weiße Haut im hellen Mondlicht. Sie musste sich nicht mehr berühren. Eliaz verglühte allein bei ihrem Anblick. Sie wusste es.
   Langsam stieg er aus. Die Beule in seiner Hose war unübersehbar. Dennoch lehnte er sich scheinbar entspannt gegen die geschlossene Autotür und sog ihren Anblick in sich auf. Keinen einzigen Zentimeter ließ er aus. Als er seine Musterung beendet hatte, trat Hannah auf ihn zu, blickte in seine seegrünen Augen und öffnete Knopf für Knopf sein Hemd. Ihre Hände fuhren über seine glatte, muskulöse Brust hinab zu seinen schmalen Hüften. Ihre Lippen folgten dem Weg ihrer Hände. Ein Kuss auf seinen Bauchnabel, dann sank sie vor ihm auf die Knie. Zu gern hätte sie ihr Gesicht an seine stahlharte Mitte gepresst, doch sie beherrschte sich. Mit leicht zittrigen Fingern holte sie das weiche Leder seines Gürtels aus der Schnalle, zog ihn enger, damit sich der Dorn lösen konnte.
   Wie weich sich das Leder anfühlte.
   Sie mochte Leder. Kein steifes, aber diese Sanftheit, die ihre Haut zu liebkosen schien.
   Ganz in Leder, das wäre auch etwas, fuhr es ihr durch den Kopf. Ein Korsett aus Leder. Und Eliaz sollte es schnüren. Nur für sie. Schön eng. So eng, dass sie nur noch gerade stehen konnte, ein Sitzen kaum mehr möglich war. Es würde ihm gefallen, sie wusste es. Ob sie ihn danach fragen durfte? Ihm ihre geheimsten Wünsche erzählen konnte? Nur so, zum Träumen.
   Der leichte Ledergeruch stieg ihr in die Nase und vernebelte ihre Sinne. Instinktiv fuhr sie mit den Lippen an dem Gürtel entlang, bedeckte ihn mit Küssen. Dann ließ sie ihn los, so schwer es ihr auch fiel.
   Wenn Eliaz sie binden könnte. Mit dünnen Lederriemen. Sie ihm total ausgeliefert wäre …
   Nun zitterten ihre Hände wirklich. Dennoch gelang es ihr, den Knopf seiner Jeans zu öffnen. Zum Glück trug er eine Jeans und keine Stoffhose zu seinem Hemd. Hannah fand Stoffhosen schrecklich unerotisch, wogegen der raue Jeansstoff all ihre Sinne zum Vibrieren brachte. Sie hauchte einen Kuss auf seine Haut, die sich samten über seine stählernen Bauchmuskeln spannte. Dann öffnete sie den Reißverschluss. Seine Erektion versuchte beinahe den Slip zu sprengen. Hart drang sie ihr entgegen. Hannah wollte sie aufnehmen. Ihr die feuchte Wärme bieten, nach der sie sich sehnte. In ihrem Mund wollte sie sie spüren. Hart und groß. Nirgendwo anders. Jetzt. Hier auf dem Parkplatz. Im Mondlicht. Völlig nackt.
   Mach langsam! Beherrsch dich!, ermahnte sie sich.
   Ihre Hände fuhren in Eliaz’ Jeans, gleichzeitig in seine Boxershorts, fassten nach seinen Pobacken und streiften beide Hosen hinunter. Groß und hart ragte seine Erektion über ihr. Sie liebte Eliaz’ Schwanz. Er war wie er. Unnachgiebig und gnadenlos, wenn es um seinen Genuss und seine Wünsche ging.
   Sie würde ihm beides geben. Seine Wünsche erfüllen und ihm Genuss schenken. Denn er sollte ihr gehören. Keine andere Frau sollte ihn je so zufriedenstellen können wie sie.
   Ihre Zunge glitt sanft über seine runde Kuppe, leckte an der weichen Haut, fuhr über den kleinen Schlitz, kostete ihn. Nein, sie konnte sich nicht länger beherrschen. Ihre Lippen drängten sich über seine Kuppe, nahmen sie auf, spielten mit ihr, saugten genussvoll. Eliaz stöhnte leise auf.
   Hannah ließ sich zurück auf ihre Fesseln sinken. Ihr Kopf kam an der Mauer zum Liegen. Leicht spreizte sie ihre Schenkel. Dann lugte sie mit verschleiertem Blick zu Eliaz empor. Groß und stark stand er da. Sie wollte, dass er näher trat. Über sie. Sie wollte ihm nicht entkommen können.
   »Du musst mich bitten, wenn du möchtest, dass ich ihn dir in den Mund schiebe«, knurrte er mit rauer Stimme.
   Ihn bitten?
   Damit er das tat, was sie nie für möglich gehalten hatte, ihm bieten zu können?
   Konnte sie das? Sich so weit überwinden? Ihren Stolz aufgeben? Nur für ihn?
   Und für dich!
   Ja, sie konnte es. Sie wollte es. Mit jeder Faser ihres glühenden Körpers. »In meinen Mund«, hauchte sie. »Bitte!«
   »Was?«
   Sollte sie wirklich?
   »Fick meinen Mund! So sehr und so hart du willst. Ich will deinen Schwanz spüren. Ihn nicht nur kosten«, hörte sie sich sagen.
   Eliaz trat näher. Genau zwischen ihre geöffneten Schenkel. Mit seinen Schuhen spreizte er sie weiter, sodass sie ein Stückchen tiefer rutschte, den harten Sandstein in ihrem Rücken. Hannah küsste ihn zwischen seine Schenkel, genoss den Anblick, der sich ihr bot.
   »Genug jetzt!«, befahl er.
   Willig öffnete sie den Mund, sich der unnachgiebigen Mauer in ihrem Rücken bewusst. Ihr war klar, dass sie ihm komplett ausgeliefert war und ahnte, wie sehr er genau dies genoss.
   Sanft führte er seine Erektion in ihren Mund. Zu sanft für seine Verhältnisse. Dafür schob er stetig weiter, füllte sie aus. Bis in das letzte Stückchen ihrer Höhle. Als Hannah meinte, ersticken zu müssen, hielt er inne. Sie brauchte ein paar Sekunden, um ihm diese Dominanz zu erlauben. Um sie zu ertragen. Ruhig versuchte sie, ihren Atem fließen zu lassen. Ruhig, damit sie nicht in Panik ausbrach und sich nicht wehrte. Eliaz gab ihr zwar Zeit, aber keinen winzigen Millimeter Spielraum. Hannah wurde ruhig, wusste, dass es schlimmer kommen würde und wappnete sich innerlich vor dem, was vor ihr lag. Sie wappnete sich, um weich zu bleiben und das Kommende zuzulassen, wie schwer es ihr auch fallen mochte. Zum Entrinnen war es viel zu spät. Sie hatte zu diesem Teil des Spiels eingeladen. Alles geschah mit ihrem Einverständnis.
   Trotz des großen Druckes schlossen sich Hannahs Lippen eng um seinen stahlharten Schwanz. Da begann er sich zu bewegen. Hart und fordernd.
   Sie war unerträglich nass. Auch ihr Körper lechzte nach einer Erfüllung, die es wahrscheinlich nicht geben würde.
   Eliaz’ Bewegungen wurden schneller. Hannah wusste längst nicht mehr, wie sie ihre Lippen halten sollte. Sie wurde benutzt, ohne eine winzige Möglichkeit, selbst zu agieren.
   »Du darfst dich jetzt streicheln«, erlaubte er ihr in dem Moment.
   Sie durfte sich berühren … Ihre Finger griff zwischen ihre nassen Schenkel, fanden ihre Klit.
   Wieder beschleunigte Eliaz sein Tempo. Tief, hart und schnell. Auch Hannahs Finger wurde forscher. Ihre Muskeln zogen sich zusammen. Eliaz explodierte. Ein warmer Strahl schoss in ihren Mund, sein Schwanz blieb tief in ihr. Sie würgte, gleichzeitig war sie erregt wie noch nie in ihrem Leben. Sie krümmte sich zusammen. Trieb seinen Schwanz noch tiefer in ihr Inneres. Etwas in ihr zerschellte in abertausend gleißend helle Facetten. Sie schluckte.
   Dann kam sie an seinem Oberschenkel zum Ruhen.

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