Carina Gründers Dates sind generell Reinfälle, dieses erweist sich zudem noch als gefährlich, denn Gentleman78 will ihre Abfuhr nicht gelten lassen und bedrängt sie in einer dunklen Gasse. Ihre Rettung kommt in göttlicher Gestalt und lässt heißes Sehnen in ihr aufbranden. Die Nacht in den Armen des Fremden wird erotisch und lässt Hoffnung entstehen. Was täte sie nicht alles, um seine Aufmerksamkeit immer wieder zu genießen. Fesselspiele? Fetisch? Oder doch noch härter? Warum nicht, schließlich schlägt sie damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ihre sexuellen Bedürfnisse werden erfüllt und sie fabriziert aufregenden, neuen Content für den Blog #Loversguide …

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ISBN: 978-9963-53-874-4

Seiten: 266

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Kathrin Fuhrmann

Kathrin Fuhrmann
Kathrin Fuhrmann ist im März 1980 im Kreis Recklinghausen geboren und lebt in der Nähe von Dortmund. Dort arbeitet sie als Chemielaborantin und schreibt mit großer Leidenschaft an ihren Geschichten. Neben Erotik und Romantic Thrill fühlt sie sich auch in anderen Genren zu Hause, nutzt dafür aber ein anderes Pseudonym. Historische Liebesromane und Chick Lit aus ihrer Feder findet ihr unter Katherine Collins.

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Kapitel 1
Onlinedating

Die nasskalte Januarluft legte sich auf Carinas Wangen und füllte ihre Lungen mit einem schmerzhaften Stechen. Sie hörte Schritte hinter sich, aber wann immer sie sich umwandte, befand sich niemand in unmittelbarer Nähe. Die Straße schien verlassen, aber die Münsteraner Innenstadt bot unzählige Verstecke. Hauseingänge, Nischen, kleine Gassen und natürlich die Geschäfte machten es schwierig, tatsächliche Verfolger auszumachen.
   Du hast zu viel Fantasie! Da ist niemand.
   Trotzdem kribbelte ihr Nacken. Ein Schauder kroch über ihren Rücken und die Beklemmung nahm zu. Sie blieb stehen und drehte sich um. Auf der anderen Straßenseite schubsten sich ein paar junge Männer gegenseitig auf die Backsteinstraße und flachsten dabei. Ein Taxi rollte an ihr vorbei.
   Wenn du Schiss hast, nimm das Taxi und lass dich zum Parkplatz bringen.
   Die Reifen ratterten an ihr vorbei. Sie zögerte. Wenn sie sich nun alles nur einbildete? Wenn sie nur das Gefühl hatte, beobachtet zu werden, weil sie langsam abdrehte? Weil der Abend so creepy verlaufen war, weil …
   Das Taxi hielt und aus der Gruppe junger Männer stiegen drei ein.
   Carina seufzte. Gelegenheit verpasst. Erneut sah sie sich um. Die altertümlichen Lampen beleuchteten kläglich wenig des Umfeldes. Lange Strecken zwischen den Laternen verblieben im Dunkeln, und so sehr sie sich auch anstrengte, ausmachen konnte sie kaum mehr als Schwärze.
   Nimm dich zusammen, Carina. Da ist nichts. Fünf Minuten, dann sitzt du im warmen Auto und lachst über deine Nervosität.
   Sie ging weiter, bog in eine Gasse ab und schloss die Finger fest um ihre Clutch. Ihre Absätze klackerten über den Backstein und hallten an den Wänden wider. Schnelle Schritte in ihrem Rücken ließen ihren Puls ansteigen, und sie fuhr herum. Es war keine Einbildung. Er umklammerte ihre Oberarme und drängte sie zurück.
   Sie prallte an die Wand, stieß einen schrillen Schrei aus, starrte dabei in bekannte eisblaue Augen und schluckte. »Lass mich los.« Ihre Worte kamen ihr nur mühsam über die bebenden Lippen und klangen dadurch nicht halb so fest, wie sie es sich gewünscht hätte. »Sofort!«
   »Nicht mehr ganz so sweet, hm, Sweetcandy?«
   Sein Atem schlug ihr ins Gesicht und erinnerte sie an den ersten Punkt ihrer Ablehnung: Er stank aus dem Mund wie die sprichwörtliche Kuh aus dem Arsch.
   »Nicht mehr ganz so gentle, Gentleman78, was?« Sie schlug seine Hände weg und gab ihm einen Schubs. Zu ihrem Glück war er schmächtig und sie nicht ganz so wehrlos, wie er es sich wohl erhoffte. »Was läuft falsch bei dir, dass du Frauen in dunklen Gassen auflauern musst?« Sie machte einen Schritt auf ihn zu, obwohl ihr die Knie zitterten. Mit Aggression kamen Angreifer laut ihres Kursleiters Selbstverteidigung für Frauen nicht klar. Laut sein, deutlich machen, dass man kein leichtes Opfer war und Ruhe bewahren.
   Oder sich einfach nicht mit Psychos verabreden. Hilft auch.
   Nur hatte er im Chat nicht wie ein durchgeknallter Irrer gewirkt, und auch bei dem Skypegespräch hatte sie keinen Verdacht geschöpft. Schön, sonderlich empfohlen hatte er sich auch nicht, aber sie war selbst eher gesprächsfaul und sah das nicht unbedingt als Manko. Eine Fehleinschätzung offenbar, sonst müsste sie nun nicht die Schultern recken und sich auf einen weiteren Angriff gefasst machen. Sicherer Stand, abwarten … Die Spannung in ihren Gliedern und ihrem Inneren war schier unerträglich.
   »Gibt es hier ein Problem?«
   Carina schrie auf und machte einen Satz zurück. Sie prallte erneut gegen die Wand und ratschte sich die Haut an den Handflächen auf. Es war zu dunkel, um den Kerl zu erkennen, der sich in ihren Disput einmischte. Aber sein Umriss war bemerkenswert.
   »Verschwinde!«
   »Nein!« Carina rutschte auf den Unbekannten zu. Sie wusste, dass sie vom Regen in die Traufen kommen konnte und der Typ war alles andere als schmächtig. Erwehren konnte sie sich ihm nicht, aber sie konnte ja nicht so viel Pech haben, dass ihr heute noch ein zweiter Psycho über den Weg lief. »Dieser Mann belästigt mich. Wären Sie so freundlich und begleiten mich zum anderen Ende der Gasse?« Die schließlich bereits sichtbar war, wenn auch noch zwei Häuser entfernt. Auf dem Parkplatz dahinter, auf der anderen Straßenseite, wartete ihr kleiner Smart. Sie konnte ihren tanzenden Elvis auf der Hutablage bereits grinsen sehen – zumindest vor ihrem inneren Auge.
   Ihr Date griff nach ihrem Arm, umklammerte ihn mit erstaunlicher Härte. Eine Gänsehaut rollte über ihren Körper und drückte ihr dabei fast die Luft ab.
   Du machst alles, um ihn loszuwerden, Carina. Alles!
   Der Fremde löste die Finger von ihrem Arm und zog sie am Ellenbogen zu sich. »Verschwinden Sie.« Er schob sie hinter sich, und sein Duft umhüllte sie. Bruno Banani, ganz sicher.
   »Pft.« Gentleman78 hatte sich mit Frank vorgestellt. »Hör mal zu, Freundchen.« Es klackerte merkwürdig. »Mach dich vom Acker.«
   Der Fremde verdeckte ihr die Sicht und hob die Hände. »Wow.« Er machte einen Schritt zurück und rannte Carina dabei fast über den Haufen.
   Sie klammerte sich an sein Hemd.
   Mein Gott, lass diesen Albtraum enden. Jetzt. Bitte!
   Sie legte die Stirn an den breiten Rücken ihres Beschützers, der ließ seine Rechte sinken und schob sie an der Hüfte rückwärts. »Was wird das?«
   »Du verschwindest besser.«
   »Okay.«
   Carina stöhnte. »Nein, bitte …« Ein Stoß, und sie landete auf dem Straßenbelag. Matsch unter den Fingern, der sich langsam durch ihren Rock zog und ihren Po nässte.
   Gleichzeitig warf sich ihr Beschützer nach vorn. Frank flog im hohen Bogen und landete mit einem tiefen Uff nicht weit von ihr entfernt.
   Carina suchte den dunklen Boden nach ihrer Handtasche ab und rappelte sich auf, als sie diese im Gestrüpp entdeckte, das den Zaun emporragte. Ihre Knie zitterten und trugen sie gerade so. Etwas schepperte über den Backstein und blieb unter der Laterne am Anfang der Gasse liegen. Ein Klappmesser. Sie schluckte und streckte die Finger nach der Wand aus.
   »Das ist meine letzte Warnung. Verschwinde.« Die tiefe Stimme ihres Retters sandte ihr einen Schauder über den Rücken. Sie mochte Männer mit tiefen Stimmen, konnte ihnen mühelos stundenlang zuhören, allerdings klang er wie ein Grizzly vor dem Angriff. Wütend. Gefährlich. Sie lehnte sich gegen die Wand. Ihr Blick flog von der dunklen Gestalt zum Ende der Gasse, zum Parkplatz, wo irgendwo ihr kleiner Flitzer stehen musste.
   »Ich will dich hier nicht noch einmal sehen, verstanden!«
   Der Bär wandte sich ab und stapfte auf sie zu. Die Silhouette erinnerte sie an einen Cartoon-Charakter, der auch gern verkannt wurde. Sully. Das schrecklichste Monster der Monster AG. Ihre Lippen zuckten.
   Sully, Carina, du Esel, lass die Helden deiner Kindheit, wo sie hingehören. In der Vergangenheit!
   »Kommen Sie, im Haus sind Sie sicher.« Seine Hand schloss sich erstaunlich sanft um ihren Ellenbogen. Er schob sie ein paar Schritte weiter zu einer Nische, die bis dahin nicht zu sehen gewesen war. Ein Tor lehnte an, und er stieß sie auf. »Sie sind ziemlich blass. Was halten Sie von einem Kaffee?«
   Carina warf einen Blick zurück. Frank rappelte sich auf und suchte den Boden ab.
   »Ja. Bitte.« Alles, wenn sie nur nicht hier allein mit Frank zurückbleiben musste. Vielleicht sollte sie die Polizei verständigen, immerhin wurden sie ernstlich bedroht. Mit einer Stichwaffe! In welcher Gefahr sie sich befunden hatte … Ihre Knie gaben nach, und sie sackte zusammen.
   Der Fremde fing sie ab. Sein Brummen konnte alles bedeuten.
   Das Tor schlug zu und das Schloss knirschte, als der Schlüssel in ihm gedreht wurde.
   »Es sind nur ein paar Meter. Schaffen Sie das?«
   Ein Schauder ließ sie erbeben. Sein Arm schlang sich um ihre Mitte und er half ihr die Stufen hinauf. Die Hintertür war nur angelehnt und der Flur dahinter dunkel.
   Vom Regen in die Traufe.
   Sie umklammerte ihre Clutch. »Es ist …« Das Licht ging an und blendete sie. Leise Musik spielte tiefer im Haus und sie konnte verschiedene Stimmen ausmachen. Eine Party?
   »Sie können leider nicht zur Bar.«
   Carina wandte sich um. Ihr Retter hatte nicht nur eine verdammt anregende Stimme, auch der Rest versprach einiges. Sein braunes Haar wellte sich und fiel ihm bis über die Ohren. Sie waren sichtbar gestylt, hoben sich die Spitzen doch an der rechten Gesichtsseite, als wäre der Wind durch sie gefahren. Sonst waren sie gekonnt verwuschelt. Sexy. Sein Hemd spannte sich an den Schultern und den Oberarmen, besonders, nun, da er die Hände in die Hüften stemmte. Auch sein Blick wanderte hinab und ein Lächeln hob seine Mundwinkel.
   Match.
   Dummerweise war er nicht ihr Date. Sie seufzte. »Danke. Das hätte ins Auge gehen können.«
   »Kein Problem. Kommen Sie mit nach oben. Ich besorge Ihnen dann einen Kaffee oder wäre Ihnen ein Schnaps lieber?«
   »O nein, ich muss noch fahren.« Abgesehen davon, dass es nie klug war, in Gesellschaft eines Mannes zu trinken. Es machte unnötig leichtsinnig und führte häufig zu unverzeihlichen Fehlern.
   Er deutete den Gang entlang. »Die Treppe ins Obergeschoss, dann die Erste rechts und bitte nicht erschrecken. Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen.«
   Carina folgte der Anweisung und blieb in der Tür stehen. Ein Schlafzimmer. Wie dreist. Schön, sie war kein Kind von Traurigkeit, aber zumindest ein richtiges Date setzte sie schon voraus, bevor sie mit einem Typen ins Bett ging – Attraktion hin oder her. Nur gut, dass sie den Alkohol bereits abgelehnt hatte. Trotzdem betrat sie das Zimmer. Rote Wände, Samt, Kerzen, prunkvolle Gemälde mit anzüglichem Motiv. Es war wohl offensichtlich, wo sie gelandet war.
   »Sorry, aber die meisten Räume sind belegt.«
   Sie drehte sich. »Auch alles Schlafzimmer?«
   »Einige, aber nicht nur.« Er streckte ihr den duftenden Kaffee entgegen.
   In den er alles Mögliche hineingeträufelt haben könnte …
   Albern, aber passend zu ihrer heutigen Gemütsverfassung. Sie war so aufgewühlt und schreckhaft. Gut, Frank hatte sie beunruhigt – herrje! Aber deswegen musste sie doch nicht jedem Typen alles Mögliche unterstellen. Sie nahm ihm die Tasse ab und blies in die heiße Flüssigkeit. Zeit schinden. »Danke. Noch einmal.«
   »Sie bleiben besser noch einen Moment. Ihr Freund erscheint ziemlich beharrlich.« Seine Lippen wellten sich. »Dann bringe ich sie vorn herum raus, allerdings …« Er verengte die Augen und ließ seinen Blick an ihr hinabwandern. Dieses Mal blieb seine Miene kritisch. »… muss ich Sie warnen. Sie möchten vielleicht nicht gesehen werden.«
   In einem Bordell, fügte sie für sich hinzu. Oder besser, wie sie aus einem Bordell herauskam. Nur gut, dass sie in Bochum studierte und keinerlei Kontakte nach Münster hatte. Ein Grund, warum sie gern ihre Dates hier traf. Anonymität. »Ich komme nicht aus Münster. Wer immer mich sieht, wird mich nicht kennen.«
   »Ich wollte es nur erwähnen.«
   Wofür sie ihm durchaus dankbar war. In Bochum nähme sie trotz der Gefahr sicherlich lieber die Hintertür, ebenso in Dortmund, Hamm und Recklinghausen. »Also …« Worüber unterhielt man sich mit einem Bordellbesucher?
   »Setzen Sie sich doch.«
   Carina stockte und sah sich um. Ihr kalter Po erinnerte sie jedoch an ihre kleine Misere. »Ähm, mein Kleid ist ziemlich mitgenommen.« Sie drehte sich, damit er sich selbst ein Bild machen konnte.
   »Kein Problem.« Er verließ das Zimmer und war im Nu mit einem Laken zurück. »Bitte.«
   Das Bett war erschreckend hart für die romantische Aufmachung des Raums.
   »Das ist mein erster Besuch in einem Bordell.« Sie sah sich erneut um. Sie hatte sich ein Freudenhaus anders vorgestellt, schließlich interessierten sich Männer nicht sonderlich für Ambiente. Aber mit dem Kamin, den Kandelabern und dem warmen Rotton war es schon fast gemütlich.
   »Da muss ich Sie enttäuschen, es ist nur ein Klub.«
   Ein Sexklub. Ein gut besuchter Sexklub, wenn die anderen Zimmer belegt waren. »Ah. Tja, ich war auch noch nie in einem Sexklub. Swinger? Oder wie muss ich es mir vorstellen?«
   Er stemmte die Hände wieder in den Hüften ab. In verdammt schmalen Hüften in Relation zu seinen Schultern.
   Sie verbiss sich einen Pfiff. Warum datete sie Honks wie Frank und bekam nie so einen ab?
   Weil du zu gutgläubig bist und auf die übertreibenden Beschreibungen der Websites hereinfällst. Deswegen muss Luna dich bei der Hälfte aller Versuche aus dem Date befreien. Ach ja, und vergiss die Kleinigkeit deiner Optik nicht. Du müsstest schon mindestens zwei Kleidergrößen verlieren, um begehrt zu sein, und dein Mundwerk halten. Wie viele Typen hast du schon vergrault, weil du einfach alles sagst, was dir in den Kopf kommt?
   Apropos Luna, die sollte sie besser anrufen, damit zumindest jemand wusste, wo sie sich aufhielt. Sicher war sicher. Sie fischte in ihrer Clutch nach ihrem Handy.
   »Vermutlich anders, als Sie es tun.«
   Sie sah auf, überrascht von seinen Worten. Hitze stieg ihr in die Wangen. Warf er ihr Vorurteile vor oder machte er sich über ihre Unwissenheit lustig?
   »Man kommt her, hat Sex und geht wieder. Richtig? Dann ist meine Vorstellung nicht ganz abwegig.« Sie tippte schnell ihren Standort in den Chat mit der Freundin.
   »Ja, so kann man es zusammenfassen.« Seine dunkle Stimme schwang vor Belustigung.
   Wie alt war er wohl? Dreißig? So um den Dreh konnte es hinhauen. »Was sagt Ihre Freundin dazu, dass Sie …« Was sie absolut nichts anging. Sie klappte den Mund zu. »Na ja, Sie können es sich wohl leisten, Verständnis einzufordern.« Was tat man als Frau nicht alles, um einen Typen wie ihn zu halten? Einen attraktiven, muskelbepackten Retter in der Not. Mit einer Stimme wie Samt und Augen so warm, dass einem unter seinem Blick der Schweiß nur so ausbrach. Sie räusperte sich und senkte den Blick. Sie spiegelte sich in ihrem Kaffee und nahm schnell einen Schluck.
   »Flirten Sie mit mir?«
   Carina verschluckte sich fast. »Wieso sollte ich?« Ansehen konnte sie ihn nicht, schließlich wäre sie einem Flirt nicht abgeneigt. Trotz des wenig beschaulichen Abends bisher oder ihres Aufenthaltsorts. Sex in einem Sexklub. Mit einem völlig Fremden. Ihre Haut begann zu kribbeln.
   Er lachte leise. Ein verdammt berauschender Klang.
   Sie befeuchtete sich die Lippen und lenkte sich mit ihrem Kaffee ab.
   Angriff, Carina. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Du willst einmal an der Sahneschnitte schlecken? Das ist deine Chance.
   »Entschuldigung, ich muss das Kompliment missverstanden haben. Ich nehme an, Ihr Freund wäre nicht begeistert, wüsste er, wo Sie sich aufhalten? Haben Sie ihm gerade eine beruhigende Lüge geschickt? Schatz, bin bei meiner BFF oder vielleicht auch im Kino?«
   So hübsch seine Augen waren, wenn sie vor Belustigung strahlten, witzig fand sie es nicht, wenn man sich über sie mokierte. »Genau genommen habe ich meine Freundin informiert, wo ich mich aufhalte. Sicher ist sicher.«
   »Kluge Vorsichtsmaßnahme.«
   »Man weiß ja nie, ob man vom Regen in die Traufe gerät.«
   Wieder lachte er auf. »Stimmt. Von der Gewalt eines Messerstechers in ein vermeintliches Bordell verschleppt. Schlimmer geht es immer.« Er ließ die Hände abrutschen und kam auf das Bett zu. »Darf ich mich setzen?«
   »Ist nicht mein Bett.« Abgesehen davon, dass sie im Prinzip nichts gegen seine Nähe einzuwenden hatte. Zumindest nicht, bis sie sich endlich entschieden hatte, lieber doch gehen zu wollen.
   Und diese einmalige Chance vertun? Sie ihn dir an. Wenn er unter dem Hemd hält, was er verspricht …
   … hat er einen winzigen Schniedel und durch das Testosteron in seinen Steroiden eine jämmerliche Potenz.
   Sie verbiss sich gerade noch ein Grinsen. Böses Vorurteil und im Endeffekt genau das, was sie ohnehin gewohnt war. Aber sonst ließ die Optik zu wünschen übrig, und ihr war auch noch nie warm geworden, wenn sie schlicht der Stimme ihres Dates lauschte oder seinem Lachen.
   »Sie sollten nicht durch dunkle Gassen schleichen. Es war purer Zufall, dass ich Sie bemerkt habe.«
   »Es ist der kürzeste Weg zu meinem Wagen.« Es klang nach einer Ausrede. »Ich nehme oft die Abkürzung, wenn ich schnell nach Hause will.«
   »Dann sollten Sie sich angewöhnen, woanders zu parken.« Sein Blick wärmte ihr Inneres.
   Carina spielte mit dem Henkel. Das war eine blöde Situation. Von einem heißen Typen gemaßregelt, weil sie sich in Gefahr brachte. »Ja, sollte ich wohl. Also laufen hier lauter vom Partner gelangweilte Gestalten rum, die auf ein Abenteuer hoffen?« Er musste unbedingt aufhören zu lachen, es zerrte an ihr, und zwar nicht, weil er sich womöglich über sie lustig machte. Viel eher verfiel sie auf dumme Gedanken, die zu dümmeren Handlungen führten, die unweigerlich in einer Enttäuschung mündeten.
   »Zweimal im Monat trifft das zu, ja.«
   »Heute?« Sie ließ die Zunge über die Lippen huschen. Er war ihr zuvor ausgewichen, bekam sie nun die Antwort? Letztlich war es wohl egal. Er war ja nicht hier, weil er das Ambiente bewundern wollte. Sie unterdrückte ein Grinsen.
   »Nein. In diesem Jahr an den graden Wochen dienstags. Allerdings haben nur Klubmitglieder Zutritt. Ist dir nicht warm?«
   Verdammt heiß sogar. Sie öffnete die Knöpfe ihrer Jacke, wobei das Porzellan klirrte.
   Er nahm ihr die Tasse ab. »Nachschub?«
   »Danke, aber vermutlich sollte ich …«
   Über ihn herfallen, guter Plan. Auf ihn mit Gebrüll.
   »Weiß der Typ, wo Sie parken?«
   Carina stockte und musste sich mühsam zur Ordnung rufen. Einem Gespräch folgen und gleichzeitig ihrer Fantasie nachhängen, hatte sie noch nie geschafft. »Nein. Wir haben uns im Pub getroffen.«
   »Ihr Date? Weiß er, wo Sie wohnen?«
   »Nein.« Sie war nie darauf eingegangen, wo genau im Ruhrgebiet sie zu Hause war. Sie stand auf und durchquerte das Zimmer. Sie konnte den Parkplatz überblicken, wie sie es vermutet hatte. Der war aber, genau wie die Straßen, eher spärlich belichtet, nur ihr Smart leuchtete im Schein seines eigenen Glühlämpchens.
   Sie spürte ihn hinter sich.
   Wahnsinn, wie heiß ihr bei dem Gedanken wurde, dass sie sich nun an ihn lehnen könnte, so nah, wie er ihr war, könnte er ihr nicht rechtzeitig ausweichen.
   »Welches ist Ihres?«
   Was? Verflixt, reiß dich zusammen.
   Also, worum ging es?
   Das Auto, sollte sie es verraten? Ihr Blick glitt über die Reihen dunkler Fahrzeuge, während sie haderte, ob sie ihn schlicht belügen und ein anderes Auto als das ihre ausgeben sollte.
   »Ich bringe Sie zum Wagen. Nur für den Fall …«
   Eine Bewegung fesselte ihre Aufmerksamkeit. Sie starrte angestrengt an die Stelle, aber es wiederholte sich nicht. Sie entließ den angehaltenen Atem. »Vielleicht bleibe ich doch noch einen Moment.« Ein schneller Blick, der ihr erneut vor Augen führte, was ihr zur Abwechslung mal geboten wurde. Wenn sie eines nicht wollte, dann bereits gehen. Aber natürlich war dies nicht allein ihre Entscheidung. »Ich muss Sie aufhalten. Vielleicht kann ich …«
   »Sie können hier nicht allein bleiben. Nur Klubmitglieder haben Zutritt.« Fast klang er entschuldigend. »Möchten Sie noch etwas?«
   »Eine warme Dusche, saubere Sachen und seligen Schlaf.«
   Nach dem heißen, supererfüllenden Sex mit dir.
   Eine himmlische Aussicht, die sich sicherlich nicht erfüllen ließ.
   »Sorry, nur …«
   »Für Mitglieder.« Sie lehnte sich an die Fensterbank und musterte ihn. Sie hatte keine Ahnung, was in Etablissements wie diesem so vor sich ging, aber sicherlich ging man doch nach Hause, wenn man sich amüsiert hatte. »Man kann hier echt übernachten?«
   »Man kann hier einiges.«
   Wie kryptisch und irgendwie auch anregend. Ihre Fantasie lief Sturm und dieses Mal mit recht explosiven Bildern. »Wie ist die Klientel?« Waren sie alle so heiß wie er oder war er mal wieder die goldene Ausnahme?
   Er schmunzelte und berührte ihr Gesicht, um seine Fingerkuppen federleicht über ihre Wange wandern zu lassen.
   Hitze schoss durch sie hindurch und weckte ein zehrendes Verlangen in ihr. Was gäbe sie darum, selbst begehrenswert zu sein und von ihm gewollt zu werden.
   »Durchwachsen.«
   Wieder eine präzise Aussage, dabei hieß es immer, von Frauen bekäme man keine klaren Antworten. »Dann haben Sie ein Faible …«
   Er stoppte ihre Worte. Der Druck seines Daumens auf ihren Lippen weckte brennende Sehnsucht. Sie streckte den Hals. Wenn er sie schon zum Schweigen bringen wollte, dann doch bitte mit einem Kuss.
   »Sie flirten ja doch mit mir.«
   »Ist das auch nur Mitgliedern erlaubt?« Bei jedem Laut rieb sein Daumen über ihre empfindlichen Lippen.
   Ambiente fünf Punkte, Auftreten fünf Punkte plus Sternchen für besonders sexy, Verhalten fünf Punkte … Jackpot. Schnapp ihn dir und scheiß auf die Erlaubnis! Und das besser schnell, denn sicher beginnen deine Knie jeden Moment zu schlottern.
   »Nein.«
   Sein Kuss war anders als erwartet. Zwar entfachte er das in ihr lodernde Flämmchen, aber mit ihm noch ein weiteres Gefühl. Ein Schlingern. Ein Beben. Ihre Mitbewohnerin Luna sprach häufig davon, wie Lust sie von Zehen- zur Haarspitze durchfloss, aber Carina hatte es für Unsinn gehalten.
   »Davon steht nichts in den Statuten.«
   »Gut«, flüsterte sie und hob sich ihm entgegen, um den Kuss fortzuführen. Sie legte ihre Hände auf seiner Brust ab und schob sie langsam höher. Dabei genoss sie die Hitze, die durch den feinen Stoff seines Hemdes drang. Ein starker Mann, das war deutlich zu spüren, durch das Spiel seiner Muskeln, als er sie in die Arme schloss. Er war so nah dran an der Topwertung! Carina kicherte an seinen Lippen.
   Nimm dich zusammen. Sei die heiße Verführerin, nicht das alberne Schulmädchen.
   Sie berührte seine Haut, spürte das Kratzen seines Bartes an ihren Fingerspitzen. Definitiv zu viel Gel im Haar, es war starr und pikste, dabei liebte sie es, Männern durch den Schopf zu fahren.
   Er stupste sie an und löste sich von ihr. »Das wiederum …«
   Carina lachte erstickt auf, perplex, aber auch davon überzeugt, dass er sie hochnahm. Schließlich war es doch absoluter Unsinn, oder etwa nicht? »Was bist du?«, fragte sie verunsichert, »Eigentum des Klubs? Callboy?« Was wiederum einiges erklären würde … bezahlten Sex.
   Das ist armselig. Kriegst du so einen Typen echt nur rum, wenn du dafür bezahlst?
   Carina senkte den Blick, wobei er ihr noch einmal vor Augen führte, was im Angebot stand. Er war einfach zu gut. Zu hübsch, zu gepflegt, zu muskulös, zu freundlich, zu hilfsbereit … klar war da etwas faul. Vermutlich war er schwul und verkaufte sich nur, weil es der schnellste Weg zu viel Geld war. Ob Männlein oder Weiblein konnte einem da wohl gleich sein.
   War ja auch zu schön, um wahr zu sein.
   Definitiv. Sie stieß den Atem aus und wandte sich ab, denn selbst wenn sie ihre Bedenken beiseiteräumte – was ihr angesichts des Aufruhrs in ihrem Inneren, nicht weiter schwerfiele – blieb ein anderes, bedeutenderes Problem: ihr chronischer Geldmangel.
   »Jein.« Er ließ seine Hand über ihre Schulter wandern, dann an ihrem Arm hinab.
   Er war zu heiß, wenn es ihr schon egal war, was seine Vorlieben waren und weshalb er so zugänglich war. Auf dem Parkplatz schien alles ruhig zu sein, aber sie wollte nicht gehen. Sie wollte diesen Typen haben. Sie wollte wissen, ob er hielt, was er optisch versprach.
   »Muss man Mitglied sein, um in deine Gunst zu gelangen?«
   Er schob seine Finger über ihren Bauch und lehnte sich an ihren Rücken. »Nein«, wisperte er. Sein Atem kroch über ihren Hals.
   Sie erschauderte. Das war genau die Antwort, die sie hören wollte. Ihr Magen machte einen weiteren Schlinger, als sie den Kopf umwandte und ihren Mund auf seinen presste. Dass er auch noch so gut schmecken musste! Mann, als wäre die Versuchung nicht so schon groß genug. Sie wob ihre Finger in sein starres Haar und verwünschte erneut sein Styling. Es sah bombe aus, aber nahm deutlich einen sexy Aspekt aus der Sache heraus.
   Seine Finger krümmten sich um ihre Brust, kneteten sie sacht.
   Feuer schoss durch ihre Adern und ihre Brustwarze verhärtete sich augenblicklich. Ein Stöhnen entwich ihrer Kehle. Zu verdammt heiß!
   »Du machst es mir nicht leicht, oder?«
   »Doch, ganz leicht.« Sie war sogar bereit, ihm jeden seiner Wünsche zu erfüllen. Wie, war ihr absolut schnuppe, und wenn sie Geld hätte …, hätte er alles verlangen können.
   »Das Zimmer steht nur Mitgliedern zur Verfügung.«
   »Du bist doch Mitglied.« Wo war also das Problem?
   Sein leises Lachen ließ sie erbeben.
   Oh, diese Stimme. Selbst als Steuerberater brächte er sie damit um den Verstand, und die waren doch per se abturnend.
   »Aber du nicht.«
   »Muss doch keiner erfahren.« Schließlich sollte es doch auch egal sein, mit wem die Zimmer explizit benutzt wurden, wenn sie doch jedem Mitglied zur Verfügung standen.
   »Ich soll die Regeln brechen?« Wieder lachte er.
   Ja, verdammt!
   »Fein. Mein Wagen steht da unten. Ich fahre mit ihm in die Gasse. Fühlst du dich dann dazu in der Lage …«
   Er stoppte ihr Schnauben mit einem festen Kuss. »O nein.« Er drehte sie herum und drängte sie gegen das Fenster. »Es ist schweinekalt da draußen.« Er sah an ihr hinab. »Stretch?«
   Carina streifte ihre Jacke ab und schlüpfte aus den schmalen Trägern ihres Kleides.
   Er übernahm es, ihre Brüste freizulegen. »Tape. Ein netter Trick.« Er beugte sich vor, um sie zu küssen, und streichelte sie dabei zärtlich. »Kann ich es abmachen?«
   »Klar.« Zwar ständen sie durch ihr Gewicht dann nicht mehr so aufrecht, aber damit musste er dann leben. Sie waren über das Ansehen schließlich hinaus und zum Fühlen war das Klebeband nicht ideal. Es zwirbelte, als er das Tape von ihrer Haut löste.
   Carina lenkte sich ab, indem sie sein Hemd aufknöpfte. Sie wollte ihn auch spüren und mochte es ohnehin viel lieber, die blanke Haut ihres Partners zu spüren als den Stoff beliebiger Kleidungsstücke. Sie zog ihm das Hemd aus der Hose.
   »Du hast Kondome, oder?«
   »Ja.«
   Natürlich. Wohl eine dumme Frage in einem Sexklub.
   Er streifte sich schnell das Hemd ab und legte seine Hände dann an ihre Schenkel. Er drängte sie weiter zurück und schob gleichzeitig ihre Beine auseinander.
   Sie rutschte tiefer auf die Fensterbank. Sie bot gerade genug Platz für ihren Po, eine willkommene Unterstützung.
   Er ließ die Finger höher wandern, über ihre Schenkel zu ihrem Schoß, dann hoch zum Bund ihrer Thermostrumpfhose.
   Sie hob den Po, damit er sie abstreifen konnte, und klammerte sich dafür an seine starken Schultern. Das hier hatte definitiv seinen Reiz. Jede Komponente für sich war bereits ein kleiner Kick. Dieser Typ, das verruchte Ambiente, die Lust, die sie verspürte … zusammengenommen …
   Er stöhnte an ihrem Mund und drängte sich an sie. Seine Hose rieb über die sensible Innenseite ihrer Oberschenkel.
   Sie sah zu ihm auf, als er den Kuss unterbrach. In seinen Augen zeigte sich Verlangen, sein Blick huschte über ihr Gesicht, fiel an ihr hinab und richtete sich dann hinter sich auf das große, protzige Bett.
   »Verdammte Hacke.«
   Oh, er glaubt doch nicht, dass er jetzt noch abbrechen kann?
   Carina streckte die Hand aus, berührte ihn federleicht knapp über dem Bund seiner Hose und schob die Finger hinein, um ihn an sich zu ziehen. Besser, sie ließ ihm nicht zu viel Zeit zum Nachdenken. Sie knöpfte seine Hose auf und schob sie über seine Pobacken. Sein Slip war prall gefüllt, und es juckte ihr nahezu in den Fingern, ihn endlich zu berühren. Die Hand um ihn zu schließen und seinen samtweichen Schwanz zu streicheln.
   Er stöhnte erneut und wob seine Finger in ihr Haar. Sein Kuss war beruhigend, er hatte nicht vor aufzuhören, wenn er sie nahezu verschlang. Sicher nicht.
   Sie umschloss ihn sacht, ließ die Finger etwas Druck ausüben, bevor sie sie an ihm hinabschob. Wieder hinauf und hinab. Er schwoll an, wurde härter und richtete sich noch mehr auf. Sie erhöhte den Druck und rieb mit ihrem Daumen über seine Eichel.
   Er unterbrach seinen Kuss, wodurch sein Atem anregend über ihre Lippen wusch.
   Sie hob die Lider, begegnete seinem schwülen Blick und lächelte zufrieden. O ja, ans Aufhören dachte er sicher nicht mehr.
   »Du machst es mir echt schwer.« Sein Murmeln bewirkte ein kleines Beben.
   Wahrscheinlich konnte er sie mühelos in den Orgasmus quatschen, ausprobieren wollte sie es aber mit Sicherheit nicht. Sie fing seine Lippen ein. »Scht«, wisperte sie. »Es ist spielend leicht. Ich will dich, du willst mich.« Sie hob die Achseln. Damit war alles gesagt, was gesagt werden musste – ihrer Meinung nach.
   »Ja.« Er schlang den Arm um sie und hob sie auf. »Ich will dich ficken.«
   Sie klammerte sich an ihn, als er sie zum Bett trug, und ließ sich dort fallen. Sie zog die Beine an und behielt sie einladend geöffnet.
   Sein Blick glitt über sie, langsam und wahnsinnig erregend. »Zieh das Kleid aus.« Er zog derweil die Schublade des Nachtschränkchens auf, holte ein Kondom heraus und streifte es über.
   Carina ließ ihr Kleid vom Bett purzeln, während sie seinen Body bewunderte. Sixpack. Schamrasur und einen Schwanz, der sicherlich nicht an Testosteronüberfluss litt oder an Potenzproblemen. Sie biss sich auf die Lippe. O ja, da konnte bei der vollen Wertung nichts mehr schiefgehen. Vielleicht in der B-Note. Vielleicht konnte man bemängeln, dass er sie nicht offensiver befriedigte. Aber sie wollte nichts bekritzeln. Sie wollte diesen heißen, verdammt geilen Typen haben. In sich und vor Lust grunzend. Sie unterdrückte das Kichern. Bitte nicht grunzen!
   Er kam zu ihr ins Bett und sicherte sich den Platz zwischen ihren Beinen. Er beugte sich vor und ließ seine Zunge um ihren Bauchnabel kreisen.
   Sie verbiss sich ein Stöhnen. Keine Abzüge. Oh, vielen lieben Dank, lieber Gott!
   Er wanderte höher. Sein Speichel hinterließ eine verdammt anregende Spur über ihren Bauch. Er leckte über ihre Brustwarze und entlockte Carina einen gewaltigen Schauder.
   Sternchen in der B-Note. Alles gut. »Nun komm endlich.«
   Er stoppte das Spiel seiner Lippen an ihrer Brust und sah auf, Verblüffung in der Miene. »Mache ich was falsch? Ich habe noch nicht einmal …« Er schob die Hand in ihren Schoß.
   Carina keuchte. Oh, verflixt, doppeltes Sternchen in der B-Note. Er sollte sich dafür bezahlen lassen, definitiv.
   Seine Berührung ihrer Schamlippen weckte ein Beben tief in ihr und, als er sie sanft rieb, türmten sich die Wellen auf.
   »Hör zu, das ist toll, aber ich will dich in mir spüren, okay?«
   Er zögerte noch, sie anstarrend. Vermutlich war er so klare Ansagen nicht gewohnt. Sie auch nicht, aber es fühlte sich verdammt gut an, zu sagen, was sie wollte.
   »Also gut.« Mehr leises Brummen als verständliche Worte. Er schob sich über sie und sie umschlang ihn mit den Gliedmaßen. »Wow, du kannst es echt nicht erwarten, was?«
   Ein neuerliches Beben rollte durch sie hindurch, und sie zitterte an seinem heißen Leib. »Du quatscht mich noch in den Orgasmus.« Und dabei wollte sie ihn bloß endlich in sich spüren.
   Er lachte und der sinnliche Ton, die Vibration in der Luft und an ihrer Brust, verstärkte den ersten Schauder. Es fehlte nicht mehr viel.
   »Komm jetzt.«
   Er gehorchte und schob sich in sie.
   Ihr stockte der Atem.
   Er sah sie an, sah ihr an, was er in ihr auslöste, ganz sicher, denn er schüttelte leicht den Kopf. Er kommentierte es nicht, aber er fragte sich sicher, wie sie so heftig reagieren konnte. Das fragte sie sich auch. Sie klappte die Lider zu und biss sich auf die Lippe.
   »Oh, Mann.«
   »Alles in Ordnung?«
   Sie verstärkte die Umklammerung um seine Mitte. Ihre Schenkel bebten vor Anstrengung. »Ja, verdammt, willst du reden oder ficken?« Beides konnte ihr eins sein.
   »Ficken.« Er zog sich zurück und stieß sich wieder in sie.
   Sie stöhnte und warf den Kopf zurück. O ja! »Schneller.«
   Er beschleunigte brav sein Tempo. Sein Atem kam keuchend und wusch bei jedem Stoß über ihre Lippen. Er bemühte sich um sanfte Küsse, konnte sie aber nicht mit seiner Bewegung koordinieren.
   Carina kratzte über seinen Oberarm und hob sich ihm, so gut es ging, entgegen. Er war zu schwer, als dass sie tatsächlich den Kontakt mit der Tagesdecke verlor, aber für sie machte es dennoch einen Unterschied. Es fühlte sich an, als glitte er noch tiefer in sie, als füllte er sie zur Gänze aus. Die Wellen überschlugen sich und sie erstickte einen kleinen Schrei an seiner Schulter.
   »Autsch.«
   Sie stöhnte gedehnt und bohrte die Nägel in seinen Bizeps.
   Er schob seine Hände unter ihren Po und stieß sich noch heftiger in sie.
   Carina spürte seine Reaktion, wie er kam.
   Sein Kuss wurde starr, dann der Rest von ihm, bevor er deutlich auf ihr zusammensackte. Nur einen Moment, dann hatte er sich wieder im Griff und stützte sich ab.
   Volle Punkte in der B- und C-Note. Man konnte es eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: perfekt.
   Mach etwas, was dir eine Wiederholung sichert. Eine? Dutzende!
   Nur was? Sie sog mühsam Luft ein. Fast schwindelte ihr, oder warum fühlte sich ihr Kopf an, als wäre er mit Watte befüllt?
   Sie sog den Atem ein, wobei sie seinen Duft inhalierte. Gott, sie sollte sich besser auf die Situation besinnen, anstatt in ihre Fantasiewelt abzudriften und sich viele heiße Nächte in seinen Armen vorzustellen.
   Die nüchterne Realität ist, dass du sehr wahrscheinlich mit einem Callboy geschlafen hast, der dir gleich eine deftige Rechnung präsentiert. Das sollte das Feuer doch dämpfen.
   Tat es auch. Sie räusperte sich, weil sie einfach fragen musste und es nicht auf sich zukommen lassen konnte. »Worauf bezog sich das Jein?«
   Er stemmte sich auf. Seine Brauen stießen über der Nasenwurzel zusammen. »Wie bitte?«
   »Als ich fragte, ob du zum Inventar gehörst oder hier arbeitest, sagtest du Jein.« Also wohl doch Callboy?
   »Ich arbeite hier.« Er strich ihr zart über die Wange. »Und das hier«, er schüttelte den Kopf, »ist gegen die Statuten.«
   Oje, sie machte da ja einige Erfahrungen in dieser Nacht. Sex mit einem heißen Callboy in einem Sexklub. Da konnte man einige Dinge von der Liste »Was man mal erlebt haben sollte« streichen. Allerdings öffnete es auch ein Meer an Möglichkeiten.
   »Was kostet so eine Mitgliedschaft?« Und er, aber das war ihr doch zu direkt. Andererseits wäre er ja der einzige Grund, überhaupt herzukommen.
   Sein Blick wanderte über ihr Gesicht. »Zweihundertfünfzig.«
   »Im Jahr.« Das war ein Monatsbeitrag von um die zwanzig Euro. Je nachdem, was er zusätzlich kostete, war es keine schlechte Option. Zumindest konnte sie sich sicher sein, auf ihre Kosten zu kommen. Sie brauchte keine Abende in Chatrooms verbringen und sich immer dieselben Fragen stellen lassen, und sie lief auch nicht Gefahr, bei einem Date an einen wie Frank zu geraten. Sie seufzte tief, schließlich wusste sie, dass sie schon die zwanzig Euro nicht gesichert aufbringen konnte, mal abgesehen von den Zusatzkosten.
   »Im Monat.«
   Sie riss die Augen auf. »Was?« Sie musste sich verhört haben.
   Er hob ihr Kinn an. »Zweihundertfünfzig im Monat.«
   »Da bist du hoffentlich inklusive!« Das konnte sie sich nicht einmal leisten, wenn sie sonst emsig sparte.
   Er lachte auf und drückte ihr einen vibrierenden Kuss auf die Lippen. »Nein.« Dann zog er sich zurück.
   Carina setzte sich auf und gaffte ihn an. Jetzt traute sie sich erst recht nicht, zu fragen, was man für seine Aufmerksamkeit berappen musste.
   Das war es wert, egal, was du bezahlen müsstest, er wäre es wert!
   Na ja, ihr Vibrator war auch nicht übel und hatte nur einen Bruchteil gekostet. Sie beobachtete ihn, wie er in seine Hose schlüpfte.
   »Ich sag es ungern, aber du musst gehen.«
   Das rüttelte sie wach. Es gab also doch negative Dinge, die sie ihm ankreiden konnte. Ein Rausschmiss direkt nach dem Sex war rüde. Sie kletterte aus dem Bett.
   »Wenn das hier jemand mitbekommt …«
   »Bekommst du Ärger?« Bei dem Hintergrund konnte sie ihm den Rauswurf verzeihen. »Das wollte ich nicht.«
   »War meine Entscheidung.«
   Ein wahrer Gentleman. Sie bückte sich nach ihrem Slip, den er ihr mitsamt der Strumpfhose ausgezogen hatte.
   »Wie heißt du eigentlich?«
   Zwickmühle. Für ihre Dates hießen ihre Freundinnen und sie immer Anne. Schließlich meldeten sie sich alle vier über denselben Account bei der Datingwebsite an. Er war aber kein Date, wozu also lügen?
   Weil er, wie alle anderen Dates, bewertet und beschrieben wird. Zu eurem Schutz erfährt keiner von ihnen etwas Persönliches von euch! Du dumme Gans!
   Aber sie konnte ihn ja verschweigen. Sie musste ihn ja nicht aufführen, auf dem Blog erwähnen, auf dem Luna und die anderen ebenso wie Carina selbst ihre Dating-Erfahrungen an ihre Leserschaft weitergaben.
   »Ich bin Torben.«
   Sie räusperte sich. »Anne.« Es wäre eine Schande, gerade ihn zu verschweigen. Volle Punktzahl, der perfekte Liebhaber …
   »Anne.«
   Sie stieg in ihr Kleid.
   Torben trat hinter sie und schob ihren Träger über ihre Schulter. Er drückte seine Lippen in ihren Nacken. »Ich kann dich hier schlecht verstecken. Leider.«
   »Ich bin nicht der Typ, der sich in Schränken oder unter dem Bett verbirgt.« Klang ja wie aus einem schlechten Roman. Carina schmunzelte und drehte sich zu ihm um. »Da gehe ich lieber.«
   »Ich bringe dich zu deinem Wagen.«
   Sie nickte und suchte nach ihrer Clutch. »Danke.«
   »Sieh dich nicht um. Wenn wir angesprochen werden …«
   »Springe ich hinter den nächsten Vorhang?« Sie zwinkerte ihm zu. »Weil du es bist.«

Kapitel 2
#Loversguide

Carina schloss die Tür auf. Musik spielte und sie hörte Luna singen. Wenn sie sturmfreie Bude hatte, nutzte sie es für wilde Singlepartys, Karaoke und fließender Wein inklusive.
   Carina verschwand in ihrem Zimmer, um ihre Tasche abzulegen. Barfuß folgte sie dem schiefen Gesang und klopfte an die Türzarge.
   Luna tanzte vor ihrem Fernseher den Macarena.
   »Sieht schon sehr professionell aus.« Sie bemühte sich nicht einmal, ihre Belustigung zu verschleiern.
   Luna streckte ihr die Zunge entgegen und sang noch eine Spur schiefer.
   Carina ließ sie stehen. Luna war neugierig, länger als einen Song hielt sie ohnehin nicht aus, sich zu bezähmen.
   Also bereitete sie sich in der Küche einen Pfefferminztee zu und wurde nicht enttäuscht. Die Mitbewohnerin schneite in die Küche, kaum war die Tasse mit Wasser befüllt.
   »Und? Wie war der Gentleman? Es ist gerade mal zwölf.« Luna holte sich ebenfalls eine Tasse aus dem Schrank und hielt sie ihr unter die Nase. »Wenn du morgen früh nicht gerade Termine hast …«
   »Du Spottdrossel.«
   »Wie schlimm auf einer Skala von 1 bis 10?«
   Carina goss Wasser auf. »Fünfzehn.«
   Luna lachte auf und fischte nach einem Teebeutel. »Du übertreibst doch.«
   »Nein. Kein bisschen.« Sie setzte sich auf die Bank und zog das Knie an den Körper. »Es war eine Bar. Eine Spelunke, wenn man es genau nimmt. Verschroben, dunkel und unheimlich.«
   »Klingt nach null Schwänzen.« Luna stand noch an der Küchentheke und blies grinsend in ihren Tee. »Andererseits …«
   »Der Tisch klebte.« Das sagte doch bereits alles. »Bei jedem Schritt knatschte es und an meinem Glas waren noch Reste von Lippenstift.«
   »Böse.« Sie zwinkerte wieder. »Bei ‘nem Pingelchen wie dir.«
   »Lippenstiftreste am Glas sind ja wohl abartig. Wie sauber ist das Glas, wenn man noch deutlich die Abdrücke der Lippen erkennen kann?«
   Luna hob die Hand. »Ich bin bei dir. Ekelhaft, aber du bist wohl nicht direkt schreiend davon gelaufen.«
   »Nee, wäre ich aber besser mal.« Andererseits …
   »Erzähl schon!«
   »Frank.«
   »Der Gentleman?«
   »Ja, aber glaube mir, der Name passt zu ihm wie Gesangsgöttin zu dir.«
   »Hey!« Luna warf den Teebeutel nach ihr und verfehlte sie knapp, trotzdem erwischten sie einige heiße Tropfen Wasser, die sie sich schnell aus dem Gesicht strich.
   »Ich musste eine ganze Stunde warten. Eigentlich war ich bereits auf dem Weg, als er endlich kam.« Sie hätte gehen sollen, leider hatte sie sich ein Herz gefasst und ihm eine zweite Chance gegeben.
   »Er hatte keinen guten Grund, nehme ich an.«
   »Richtig. Er tat sogar so, als sei alles in bester Ordnung. Wollte mich zur Begrüßung küssen – auf den Mund.«
   »Na, der hat Nerven.«
   »Ich sag’s ja. Das wirklich Schlimme: Er hat sich absolut keine Mühe gegeben mit seiner Optik. Die Jeans hatte er sicherlich die ganze Woche an und auf seinem Shirt waren Kaffeeflecken. Er stank.«
   Luna lachte auf. »Jackpot!«
   Sie bestätigte es mit einem Augenrollen. Der absolute Griff ins Klo.
   »Ich will gar nicht wissen, wie es weiterging.« Lunas funkelnde Augen bewiesen das Gegenteil.
   »Er taxierte mich, als wäre ich ein saftiges Stück Fleisch, fläzte sich auf seinen Stuhl und fragte, ob wir gleich ficken können.« Selbst in der Erinnerung war es zum Aufregen. »Ich habe ihm natürlich gesagt, dass daraus nichts wird, und habe dir die Nachricht geschickt.«
   »Ich wollte dich erst zappeln lassen.« Luna zuckte die Achseln. »Du lässt bestimmt jedes zweite Date platzen, und so schlimm können die Typen doch nicht sein.«
   »Ha! Der war es. Er wollte mir ausreden zu gehen, und als ich darauf bestand, wollte er mitkommen. Ich hatte echt Mühe, ihn loszuwerden.«
   Luna pfiff. »Wow.«
   »Das war noch nicht alles.« Carina fragte sich, wie offen sie sein sollte. Sollte sie Torben erwähnen? Das glaubte man ihr doch eh nicht. »Er folgte mir und überfiel mich in der Gasse vor dem Parkplatz.«
   »Was?« Der Schreck war ihr anzusehen.
   »Nichts passiert. Du wirst es nicht glauben, aber ich wurde gerettet – von einem Traummann.«
   Luna prustete, und man konnte ihr mühelos ablesen, was sie dachte.
   »Torben. Groß, gebaut wie ein griechischer Gott und …«
   »Klar.«
   »Echt!« Ach lass es doch, sie glaubt dir sowieso nicht. Du und einen göttlichen Liebhaber abbekommen? Klar. Du bist nicht Jule, bei der sie Schlange stehen, und auch nicht Rafa, mit den Mordstitten. Du bist die kurvige Carina. Etwas zu viel Masse, Verstand oder wahlweise Bedenken. Du bist die, die sogar offensichtlichen Psychos noch eine Chance einräumt. Leider wahr. Carina schwenkte ihre Tasse und beobachtete, wie die Flüssigkeit schwappte.
   »Okay. Ein griechischer Gott. Welcher?« Der Spott war deutlich herauszuhören. »Zeus persönlich? Vielleicht war es auch Herkules? Oder Artemis?«
   Ihr Lachen war kränkend, auch wenn sie es vielleicht nicht so meinte.
   Carina stellte die Tasse ab. »Herkules war nur ein Halbgott, aber darum geht es auch nicht. Warum sollte ich nicht auch mal einen sexy Typen abbekommen?«
   Luna klappte den Mund zu. »So habe ich das nicht gemeint.«
   »Ach nein?«
   »Nein. Aber du suchst dir echt immer die schlimmsten Missgriffe aus. Nicht nur für Dates. Markus zum Beispiel, vier Jahre Beziehung und eigentlich warst du eher seine Haushälterin, Geldgeberin und Spielzeug als irgendetwas anderes.«
   »Ja, Markus war ein Fehler.«
   »Dann Stefan. Der ließ dich seine Arbeiten schreiben.«
   Carina musste auch da zugestehen, nicht das beste Händchen gehabt zu haben.
   »Und dann …«
   »Ja. Bisher nur Idioten und nicht einmal etwas, das sich anzusehen lohnte.« Sie klang so aufgebracht, wie sie war, aber das durfte sie sich bei ihren Freundinnen auch erlauben. Nach fünf Jahren Wohngemeinschaft waren sie mehr als Freundinnen. Sie waren Gefährtinnen, Familie. Sie teilten alles.
   »Ich muss deine Dates nicht aufführen.«
   Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Frank passt da perfekt in die Abfolge.« Leider nur zu wahr. »Aber Torben ist anders.« Sie warf Luna einen vorsichtigen Blick zu. »Er ist spitze.«
   »Erzähl.« Luna zog einen Stuhl vom Tisch und ließ sich darauf plumpsen. »Torben. Da habe ich einen übergewichtigen Bären vor mir, rötlich-blondes Haar und ebenso frische Wangen.« Sie verdrehte die Augen und grinste breit.
   »Kein Bär.« Er stand ihr direkt wieder vor Augen. »Extrem gut gebaut. Breite Schultern, wahnsinnig definiert … Waschbrett, echt!« Ihre Wangen begannen zu glühen und ein ebenso warmes Gefühl breitete sich in ihrem Inneren aus. »Er war wahnsinnig nett. Hat mir sofort beigestanden und mich in Sicherheit gebracht, obwohl er dafür Ärger bekommen konnte. Er hat mir Kaffee angeboten …« Was für ein Traumkerl.
   »Sixpack. Ich bin voll bei dir, Cara. Hast du Kontaktdaten?« Sie zwinkerte. »Du hast doch nichts dagegen, wenn ich einen zweiten Test durchführe? Du scheinst ja richtig in Torben verschossen und bist vielleicht nicht objektiv.«
   »Also bitte, natürlich bin ich objektiv.«
   Klar bist du verschossen, schließlich kommt dir sonst nie jemand dermaßen Attraktives vor die Linse, geschweige denn jemand, der die Verführungskiste echt drauf hatte.
   »Und selbst, wenn ich seine Nummer hätte …«
   Luna lachte auf. »Du bist hoffnungslos.«
   Hätte sie fragen sollen? Carina starrte in ihren Tee. Hätte sie Torben fragen sollen, ob sie sich mal treffen wollten? Sie hatten sich zwar erst auf dem Parkplatz getrennt, aber ausgerechnet da, hatte er ein Gespräch angenommen. Zugegeben, sie war schnell geflüchtet, als sie seine konzentrierte Miene bemerkte. Er hatte seine Worte genau abgewogen, wie zuvor, als sie im Gang angesprochen worden waren. Sie hatte ihm keine weiteren Probleme bereiten wollen, hatte die Hand gehoben und war nicht angeschnallt losgedüst, bevor er mehr tun konnte, als den Gruß zu erwidern.
   Vielleicht hätte sie warten sollen? Ihm die Chance geben, nach ihrer Nummer zu fragen? Selbst nachhaken sollen? Vielleicht hätte sie sich eine Abfuhr eingehandelt, ja, aber nun würde sie sich fortwährend fragen, was wäre gewesen, wenn …

*

Torben joggte die Stufen hoch. Unterm Dach befand sich sein Büro, während im Keller seine Fitnessecke eingerichtet war. Bisher hatte ihm die zusätzliche Anstrengung nie etwas ausgemacht, heute merkte er, wie sich sein Herz überschlug. Er hatte es übertrieben. Am Laufband bereits, weil er schlicht in Gedanken die Zeit vergessen hatte. Vermutlich hätte er die Bank ausfallen lassen sollen oder zumindest das anschließende Kardio auf dem Rad.
   »Ben!«
   Er stöhnte unterdrückt. Er wusste ja, dass er spät dran war. »Ich brauche eine Dusche, Leif.«
   »Mit Sicherheit, aber ich muss in zehn Minuten los.«
   So spät war er nun auch wieder nicht dran. »Wieso?«
   Leif grinste schief und zuckte die Achseln. »Laura besteht auf meine Begleitung.«
   »Wobei?« Leifs Ehefrau Laura bestand ständig auf dessen Begleitung, für gewöhnlich befreite er sich jedoch aus ihren Fängen.
   »Die Hochzeit ihrer Schwester.«
   »Heute?« Das war ihm wohl durchgegangen. Torben wischte sich mit dem Schweißband über die Stirn. Es war bereits fit zum Auswringen.
   »Hast du es dir anders überlegt?«
   »Nein.« Christin war zwar eine richtige Schönheit, aber sie wusste es auch und behandelte die Männer, auf die sie traf, eher wie Bedienstete. Auch wenn mehr lief, als ihr Zukünftiger wissen sollte. »Ich mach die Abrechnung.«
   »Das hatte ich gehofft.«
   »Auf gut Deutsch: Du hast deinen Spaß, und ich habe die Arbeit.« Leif wusste, wie man sich aus unangenehmen Dingen hinausmanövrierte.
   »Wir können tauschen«, bot er an, aber auch nur, weil er wusste, dass Torben nur eines noch schlimmer fand: Hochzeitsfeiern.
   »Christin und Laura gleichzeitig am Hals? Nein, danke.«
   »Sieh es sportlich. Wir können schauen, wer von uns die Braut zuerst flachlegt.« Leif grinste dreckig. Er lehnte an der Wand neben seinem Büro und verschränkte die Arme vor der Brust. »Wie wäre es mit einem Wetteinsatz?«
   »Zufällig habe ich kein Interesse, ausgerechnet dieser Braut zu nahe zu kommen. An welchem Tag auch immer.« So toll, wie sie dachte, war sie nicht, und Torben hatte keine Lust, Egos zu streicheln, die aufgeblasener waren als Zeppeline.
   »Aha. Eigentlich wollte ich es dezent übergehen, aber jetzt hast du mich neugierig gemacht. Die Kleine gestern?« Leifs scharfem Blick entging kein Zucken. »Ist sie neu?«
   Torben zögerte. Klar, im Endeffekt waren es seine eigenen Regeln, die er gebrochen hatte. Leif hielt sich ohnehin an keine Absprache und vernaschte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Im Klub oder sonst wo.
   »Ja.« Er wischte erneut mit dem Schweißband über die Stirn. »Eine Empfehlung. Sie hat aber noch nicht unterschrieben.« Damit war er fein raus, trotzdem blieb er vorsichtig. Das Personal redete mitunter zu viel, und wer wusste schon, was so getratscht wurde?
   »Wenn sie wiederkommt, lass es mich wissen.«
   »Du vergisst mal wieder …«
   Leif lachte auf, stieß sich von der Wand ab und schlug ihm auf die Schulter, als er an ihm vorbeikam. »Du sollst sie bis zum Wagen gebracht haben, da wird sie keine x-Beliebige sein. Also, wir sehen uns Montag. Ich komme direkt zum Steuerberater.«
   Torben sah ihm nach, wie er pfeifend die Treppe hinunterhüpfte. Wenn Leif erst zum Termin beim Steuerberater erschien, hieß dies, dass Torben selbst die gesamte Monatsabrechnung und die Überprüfung des Vorjahres vor sich hatte, neben dem Tagesbetrieb wohlgemerkt. Leif machte sich das Leben verdammt einfach auf seine Kosten!

*

Carina brütete an ihrem PC, starrte seit einer Ewigkeit auf das Display und fand keine Worte. Für eine studierte Journalistin durchaus ein Schlag ins Gesicht.
   Es klopfte, was sie zu ignorieren trachtete, aber gewöhnlich blieb es nicht beim Klopfen. Die Tür wurde aufgestoßen und knallte gegen den offenen Kleiderschrank.
   »Oh, Scheiße!«
   Sie seufzte und drehte sich auf ihrem Stuhl, um Anne zu beruhigen. »Meine Schuld. Ich bin heute extrem unorganisiert. Fange alles an und bringe nichts zu Ende.«
   Anne sah sich um. Das Zimmer war das Kleinste der WG und zudem bis unter die Decke vollgestapelt mit Zeug. »Sieht man. Ein Messie hält dagegen Ordnung.«
   »Ha, ha.« Sie rutschte auf dem Stuhl zusammen und starrte an die Decke. »Erst dachte ich, beende ich den DIY-Artikel zum Apfelsinenkisten-Upcycling, aber es hat zu Regnen begonnen, als ich gerade alles draußen hatte. Dann wollte ich mit dem Rezeptvergleich für die Ella weitermachen, aber unsere Bananen waren vergammelt.«
   »Aha.« Sie zog es ungewöhnlich lang, wohl, weil dies noch nicht erklärte, warum das Zimmer aussah, als sei eine Bombe eingeschlagen.
   Carina seufzte. »Dann wollte ich das »Taschen aus Jeans«-Ding probieren, also suchte ich nach einer Hose, die nicht mehr passt.«
   Annes Blick fiel ebenso wie Carinas auf den Berg Jeanshosen vor dem Bett. »Und hast keine gefunden? Kein Problem, ich habe sicherlich …«
   »Keine, die noch passt.«
   Anne klappte den Mund zu und starrte sie an. Sie räusperte sich, noch immer nach den passenden Worten suchend. »Hm. Ich nehme an, shoppen gehen ist keine Hilfe.«
   Natürlich nicht, schließlich waren sie alle vier notorisch klamm. »Vielleicht nächsten Monat, wenn ich endlich einen der Artikel abgegeben habe!« So es je dazu kam, denn irgendwie konnte sie sich nicht recht konzentrieren. Ihre Gedanken kreisten um den Artikel über Torben, nein, um ihn in persona.
   »Hm.« Anne biss sich auf die Unterlippe.
   »Raus damit.« Sie kannte die Freundin gut genug, um genau zu wissen, dass sie eigentlich etwas von ihr wollte.
   »Eigentlich wollte ich fragen, ob du mit deiner Bewertung schon fertig bist.« Sie zog die Nase kraus. »Aber die ist nicht wichtig, keinen Stress.«
   »Stell ich online.«
   »Echt?« Anne klang überrascht und sah sich erneut um.
   »Ja. Der Gentleman brauchte nicht viele Worte.«
   »Du hast echt kein Glück.« Anne seufzte schwer. »Wenn es dich tröstet: Gestern hatte ich einen echt heißen Typen an der Angel, und der hat nicht einmal versucht, mich zu küssen.«
   »Hört sich nicht per se nach einem Griff ins Klo an.« Im Gegenteil. Bei der Flut an übereifrigen Dates, mit denen sie sich sonst herumschlugen, war ein zurückhaltendes Sahnestückchen doch nett.
   »Er hat auch nicht nach meiner Nummer gefragt, und ich bin mir sicher, dass er sich nicht mehr melden wird.« Sie zuckte die Achseln. »Und Rafa …«
   »Danke, aber Trost ist nicht nötig.«
   »Ach nein?«
   »Ich bin deprimiert wegen der Hosen.« Und ein klein wenig melancholisch, weil ihr Torben einfach nicht aus dem Kopf ging. Sie seufzte.
   »Oh. Tja. Vielleicht gibt es da eine DIY, die dir weiterhilft?« Anne zwinkerte. »Also, ich muss zum Postamt. Hast du irgendwelche Bewerbungen, die ich für dich mitnehmen soll?«
   Carina drehte sich zu ihrem Schreibtisch und zog eine Lade auf. »Fünf. Du müsstest sie nur vorher für mich schreiben.«
   Anne lachte auf. »Okay.«
   »Hier ist noch das Inserat, das ich überarbeiten sollte.« Sie reichte den Umschlag weiter und sackte auf ihrem Stuhl zusammen. »Mann, ich würd am liebsten zurück ins Bett gehen.«
   »Mach das doch. Schreiben kannst du später auch noch.«
   Eine zu verlockende Option. »Besser nicht.« Es gab schließlich keinen Grund, auch wieder aufzustehen.
   »Wegen ein paar Hosen? Komm mit. Wir joggen zur Post. Täglich, wenn es sein muss.«
   »Dein Ernst?« Sie schlug vielsagend die Augen auf. »Netter Versuch.« Obwohl es vermutlich klug wäre, etwas für ihre Fitness zu tun. Vielleicht hätte sie dann bessere Chancen bei einem Typen wie Torben. Der neuerliche Seufzer war raus, bevor sie ihn zurückhalten konnte und leider viel zu offenbarend.
   Anne schob die Tür zu und lehnte sich dagegen. »Carina, lass dir nicht einreden, nicht attraktiv zu sein, nur weil du nicht ein abgemagertes Supermodel bist. Kurven haben einen Boom. Glaub mir, du bist verdammt hübsch.«
   »Warum will mich dann keiner?«
   »Das redest du dir nur ein.« Anne hielt ihren Blick fest. »Du brauchst dich nicht verstecken und du brauchst auch nicht nehmen, was sonst niemand will. Du bist sexy. Glaub das, und im Nu wirst du passende Typen daten.«
   Carina zwang ein Lächeln auf ihre Lippen. »Danke, Anne.« Sie sparte sich den Widerspruch, weil sie keine Diskussion zu dem Thema wollte.
   »Komm.«
   »Ich muss arbeiten.« Sie machte einen Wink zum Computer.
   »Schnapp dir deinen Laptop, wir gehen an die frische Luft. Halbe Stunde, und wir sind sexy, okay?«
   »Sorry, habe meinen Zauberstab verlegt.«
   Anne warf ein Kissen vom Bett nach ihr. »Mach dich hübscher. Wir gehen aus.«
   Carina erhob sich träge und fischte nach einer zu engen Jeans.
   »Oh, nein!« Anne riss ihr das Kleidungsstück aus den Fingern und wählte aus dem Schrank einen winterlichen Rock. »Sexy! Also, dreißig Minuten, quickstyling.«
   Was bei Anne zu einem ansehnlichen Erfolg führte, blieb bei Carina wirkungslos. Selbst ihr Haar wollte nicht mitmachen und sah nach dem Styling schlimmer aus als zuvor. Also zeigte sie dem Spiegel die Zunge und anschließend die kalte Schulter.
   Anne verkniff sich jeglichen Kommentar und versuchte es mit Ablenkung. »Ich liebe winterliche Sonnentage! Streck die Nase in die Luft und lass dir die Wangen wärmen!«
   Carina plumpste stattdessen auf den Beifahrersitz.
   »Wie immer eine harte Nuss, hm?«
   »Wo geht deine Bewerbung hin?«
   Anne lachte auf. »Der Arbeitsvertrag, Cara! Du bist nicht up to date.«
   »Oh?«
   »Die Ruhrnachrichten!« Die Begeisterung ließ Annes Stimme quietschen. »Ist das nicht aufregend?«
   »Äh, nein. Ich dachte, du wolltest zu einem Magazin.«
   Anne war die Ambitioniertere von ihnen und hatte große journalistische Pläne. Carina war zufrieden, wenn sie mit ihren Artikeln ein Auskommen hatte, und musste nicht den nächsten Publikationspreis gewinnen. Oder einige in Serie.
   Sie bogen ab, aber nicht in Richtung City.
   »Falsche Richtung.«
   »Nö. Wir machen einen Ausflug.«
   »Nicht zum Postamt?« Damit hätte sie wohl rechnen sollen.
   »Nö.« Anne warf ihr einen Blick zu und grinste verschwörerisch. »Münster.«
   Carina erstarrte in ihrem Sitz, und das lag nicht an den noch eisigen Temperaturen in dem kleinen Twingo.
   »Ich habe gehört, dass du da einen göttlichen Typen versteckt hast.«
   Sie stöhnte voller Verzweiflung. Immerhin hatte sie ein paar Details ausgelassen, und dies rächte sich nun. »Das war anders.«
   »Ein Retter in der Not, gebaut wie ein Herkules, sexy wie Ryan Raynolds …« Sie machte ein schmachtendes Geräusch. »Hört sich für mich an, als wäre er einen Ausflug wert.«
   Tja, so kam es, wenn man Dinge verschwieg. »Ich habe wohl das eine oder andere Detail ausgelassen.« Sie brachte die Worte nur gepresst hervor. Ihre Finger gruben sich in ihre Tasche, und sie wagte nicht, die Freundin anzusehen. Die Offenbarung war ihr unangenehm, schließlich kamen die plötzlich heißen Wangen nicht von der unendlichen Hitze in Wagen.
   »Oh, bitte, du hast nicht gelogen, oder?« Anne schnalzte. »Was soll’s, ich war auch schon mal geneigt, Luna einen Bären aufzubinden von der Größe des Jupiters.«
   »Ich habe Details ausgelassen.« Die Wiederholung gelang leichter, und sie atmete tief durch. »Die peinlichen Details.«
   »Das ihr von der Freundin überrascht wurdet?«
   »Nein«, knirschte Carina. Obwohl das zuzugeben, wohl weniger peinlich gewesen wäre.
   »Dass er ein Stripper war und sich bezahlen ließ?« Anne lachte auf, so abwegig fand sie wohl diese Möglichkeit.
   Wie verdammt peinlich, es einräumen zu müssen. »Fast.«
   Das Lachen erstarb augenblicklich. »Wie bitte?«
   Sie räusperte sich. »Butter bei die Fische. Er arbeitete für einen Sexklub und war so gesehen … arbeiten.«
   »Ups.«
   Ja, ups. Sie spürte Annes Blick auf sich und war froh, dass sie auf der Autobahn waren und somit eine längere Musterung nicht möglich war. Anne hätte sie sicherlich ansonsten stundenlang angestarrt.
   »Jetzt bin ich etwas neben der Spur. Du weißt nicht, wo er wohnt, nur, wo er arbeitet? Weißt du wann?«
   Sie schüttelte stumm den Kopf, schließlich fragte man nicht gleich nach dem Dienstplan, nur weil man mal Sex hatte. Bomben Sex. Der einem nicht mehr aus dem Kopf ging. Verflixt!
   »Tja, dann eine Nachricht. Wir kaufen am Markt eine Karte, und du lässt sie im Klub hinterlegen.«
   Carina gurgelte entsetzt.
   »Dann hat er die Wahl.«
   »Wozu?«
   »Dich anzurufen. Oder hast du da noch etwas verschwiegen? Übertrieben vielleicht? Da lief doch was, oder war es nur eine Fantasie? Oje, du brauchst dringend eine feste Beziehung!«
   Weil sie eventuell etwas zu euphorisch von ihrem Erlebnis berichtet hatte? Und sowieso, was bedeutete denn, sie brauchte dringend etwas Festes?
   »Diese ganze Dating-Sache ist für mich schon anstrengend, dir scheint sie richtig an die Substanz zu gehen. Früher fandest du dich weder unattraktiv noch warst du der Meinung, dass niemand Tageslichttaugliches etwas von dir wissen wollte. Du solltest Schluss machen, bevor du noch zum Trauerkloß mutierst.«
   »Und woher bekommst du dann deine Erfahrungsberichte für deinen Blog? Willst du ihn einstellen? Was ist mit deiner Leserschaft?« Immerhin hatten sie fast vier Jahre damit zugebracht, #Loversguide zu etablieren. Sie hing schon irgendwie an der Arbeit.
   Anne zuckte die Achseln. »Es gibt immer Möglichkeiten. Gastbeiträge. Wir können die Richtung langsam ändern. Mehr Journalismus, weniger Erfahrung. Wir können eh nicht ewig so weitermachen. Mir hängen die Typen mittlerweile zum Hals raus. Ich kann ihnen bereits ansehen, wie der Abend verlaufen wird.«
   Erfahrung machte nun mal hellsichtig und gerade in der Liebe brauchte es die rosarote Brille. »Ja.« Es schwang keine Belustigung mit. »Kann ich auch.«
   Anne bog ab, und sie fuhren in die Stadt ein. »Ich bin reif für mehr, und ich glaube, dass wir auf dem Holzweg sind. Zumindest die Sites, auf denen wir unterwegs sind, sind zur Partnersuche ungeeignet.«
   So konnte man es nennen. »Hm.«
   »Zusammen kommen wir auf gut hundertfünfzig Dates. Genau drei Mal wurde daraus eine kurze Beziehung. Das ist mau, findest du nicht?«
   »Ja.« Unfraglich. »Aber die Alternativen sind auch nicht erfolgversprechender, oder? Was willst du tun? Tindern? Annoncen in Tageszeitungen schalten?«
   Besser, als im eigenen Saft zu schmoren und sich nach Vergangenem zu verzehren! Es war ein One-Night-Stand und das war’s!
   Sie seufzte. Es war wohl besser, es endlich abzuhaken. »Schön, aber Torben ist nichts für mich.«
   »Torben. Der Name ist schon ein Abturner.«
   Carina war der Name ziemlich egal.
   »Wie stöhnt man bitte Torben?« Sie probierte es und brachte Carina damit zum Lachen. Es hörte sich echt verboten an.
   »Lass das, ja.« Es ließ ihr keine Ruhe. »Stöhnst du echt den Namen deines Liebhabers?« Merkwürdig. Ihr kam maximal ein unartikulierter Laut über die Lippen, aber bestimmt kein Name.
   »Klar. Hier rechts?«
   Carina sah sich um. Sie hatte überhaupt nicht bemerkt, dass sie bereits in Münster waren, und zwar keine zwei Straßen von Torbens Arbeitsstelle entfernt. Aufregung brachte ihr Herz zum Stolpern. »Ja.« Ein peinliches Krächzen, und sie räusperte sich. Hitze ließ ihre Wangen glühen, aber das konnte sie mittlerweile auch auf die Heizung schieben. Es war unangenehm heiß im Wagen.
   »Willkommen in Dunkeldeutschland.«
   »Wir sind mitten in Münster.« Sie schmunzelte und deutete nach links. »Dort rein.«
   Sie parkten, und Carina konnte den Blick nicht von dem Klubhaus gegenüber abwenden. Es war früher Nachmittag und sicherlich war der Klub geschlossen. Wie um sie zu widerlegen, ging die Haustür auf und ein Mann joggte die drei Stufen hinunter, eine Kippe im Mund und sich umsehend.
   Ihr Herz überschlug sich, bevor ihr Hirn das Bild abglich und definitiv feststellte, dass es nicht Torben sein konnte.
   »Ist er das?«
   »Nein.«
   »Okay. In die Stadt, eine Karte besorgen und dann auf einen Kaffee, um zu überlegen, was genau du schreiben willst?« Anne zog den Schlüssel ab und wandte sich ihr zu.
   »Das ist eine bescheuerte Idee, Anne.« Ihre Hände wurden feucht. »Er sieht täglich Dutzende Frauen, wer weiß schon, mit wie vielen er schläft? Er wird gar nicht mehr wissen, wer ich bin.« Sie fühlte, wie ihr Herz absackte, und hatte Mühe, zu schlucken. Es war kein netter Gedanke, dass er sicher keinen zweiten an sie verschwendete, aber sicherlich die nackte Realität.
   »Und wenn doch? Gib ihm diese eine Chance. Eine Karte mit deiner Nummer. Wenn er anruft, Bingo, wenn nicht, auch gut.«
   Also: wenn nicht. Was kostete es sie schon? Ein paar Cent und etwas Überwindung. »Das ist peinlich, Anne.«
   »Kein bisschen.« Sie stieg aus und nötigte Carina dazu, ebenfalls auszusteigen. »Ihm gegenüberzustehen, ist vielleicht peinlich, eine Karte nicht.«
   Aus der Nummer kam sie wohl nicht wieder raus. Sie nahmen die enge Gasse zwischen den Häusern, eben jene Gasse, in der Frank sie vor drei Tagen überfallen hatte und Torben ihr zur Hilfe geeilt war. Die Karte war schnell gefunden und der Kaffee schneller ausgetrunken, als es ihr lieb war und so stand sie bebend vor der verschlossenen Tür des Klubs, bevor sie auch nur annähernd bereit war, mit der Sache klarzukommen.
   Feigling.
   Anne klingelte.
   Die Tür öffnete sich und der Raucher von zuvor sah an ihr herab. »Guten Tag.«
   Carina krächzte und klappte den Mund schnell wieder zu.
   »Kann ich Ihnen helfen?«
   »Ähm.« Sie bekam den Mund nicht auf. »Äh.«
   »Wir suchen Torben.« Anne legte ihr eine Hand in den Rücken und bestärkte sie damit. »Er arbeitet hier.«
   Ihr Gegenüber sah auch an Anne hinab. »Tut mir leid, das muss ein Irrtum sein.«
   Carina fiel der Mund auf. Auf keinem Fall hatte sie sich geirrt, trotzdem sah sie sich um. Es war das richtige Haus, da war sie sich hundertprozentig sicher.
   »So? Vielleicht ein Torsten? Groß, gut gebaut und charmant?« Anne ließ nicht so schnell locker. »Ein Gast vielleicht?«
   »Es tut mir leid, aber darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben.« Der Mann trat zurück und schloss die Tür. Anne sprang vor und stoppte ihn.
   »Fein. Hören Sie, wir haben hier eine Nachricht, sollte Torben, Torsten oder irgendwas Ähnliches hier auftauchen, übergeben Sie sie einfach.« Sie nahm Carina die Karte aus den starren Fingern und drückte sie ihm den unkooperativen Typen in die Hand. »Danke und schönen Tag noch!« Sie zog Carina mit sich zum Wagen. »Tja, war wohl keine gute Idee, sorry.«
   »Du hast es gut gemeint.« Auch wenn es katastrophal in die Hose gegangen war. Nur gut, dass sie diesem Typen nicht wieder begegnen musste.
   »Meinst du, er hat gelogen?«
   »Der Typ an der Tür? Warum sollte er?«
   »Dein Torben.«
   Carina schlug die Tür des Twingos zu. »Er ist nicht mein Torben.« Das war gerade eben mehr als deutlich geworden.
   Träumerin, hast du wirklich gedacht, er wäre an mehr interessiert als an einem schnellen Techtelmechtel?
   Natürlich nicht, schließlich konnte sie Wunsch und Realität sehr gut auseinanderhalten. Sie schnallte sich an.
   »Schade. Tja, dann versuchen wir es doch mit Tinder?« Anne zwinkerte ihr zu. »Annoncen in Tageszeitungen sind doch total old fashioned.«
   »Hm.« Das bestätigende Grinsen gelang nur halbherzig. »Ich nehme die Zeitung. Alte Männer haben sicher mehr Klasse als die in unserem Alter, meinst du nicht?«
   Die Freundin schüttelte sich übertrieben. »Bah! Lieber jung und dumm als alt und belesen.«
   Da waren sie deutlich nicht auf gleicher Wellenlänge, also zuckte sie bloß die Achseln.
   »Vielleicht auch ein Thema, das wir aufgreifen können, also versuch’ es mit deinen alten Knackern.«
   »Klar«, murrte Carina, deutlich weniger begeistert als bei der ersten Betrachtung. Eigentlich wollte sie auch keine Verabredungen mit alten Männern treffen. Sie lehnte den Kopf gegen die Stütze und schloss die Lider.
   »Hast du deinen Torben bereits beschrieben?«
   Sie atmete aus. »Ja.«
   »Und?«
   »Volle Punktzahl.«
   Anne pfiff beeindruckt. »Mann, wie dumm.«
   »War doch klar, dass es bei ihm einen Haken gab.« Sie seufzte. »Gut aussehend, kräftig, nett …« Absolut nicht, was sie sonst gewohnt war.
   »Wie bewertest du?«
   »Wie abgesprochen. Ich habe mich an der Checkliste orientiert. Auftreten, Sprache, Ambiente …«
   »Ja, klar, dafür haben wir die Checkliste schließlich erstellt, aber bist du eher kritisch, oder nicht? Also, ich lasse auch schon mal fünf gerade sein, wenn er mir einen Grund dafür gibt.«
   »Ich auch, aber das war nicht nötig. Er war wirklich toll. Sehr besorgt und zärtlich. Er hat jeden Punkt verdient, den ich ihm gegeben habe.«
   »Wow.«
   »Sag mal, können wir die Punkte nicht endlich weniger abwertend benennen? Ich hatte Schwierigkeiten, Torben in einem Satz mit Schwänzen zu nennen.« Generell fand sie die Bewertung eher peinlich, aber Luna hatte sich in dem Punkt durchgesetzt.
   Anne lachte auf. »Nicht wahr? Versuche doch mal, das Luna zu verkaufen. Ich habe schon einige Male mit ihr debattiert, aber sie ist der Meinung, dass die Wertung bereits bei der Bezeichnung anfängt.«
   »Na eben. Schwänze. Gott, das ist schon dermaßen abwertend, dass ich automatisch einen Punkt zusätzlich gebe.«
   »Keine Sorge, den Punkt zieht Luna dafür ihren Dates automatisch wieder ab, und im Schnitt sind wir dann ausgeglichen.«
   Sie lachten, und Carina schob die düsteren Gedanken zur Seite – zumindest für den Moment.

Kapitel 3
Klub Noir

Torben schlug die Tür zu. Leif hatte ihn hängen lassen und war nun seit Stunden unerreichbar. Damit hatte er nicht nur die Abrechnungen allein erstellen und kontrollieren, sondern auch dem Steuerberater allein Rede und Antwort stehen müssen. So gut er mit der Buchhaltung zurechtkam, stank es ihm dennoch, dass er stets damit alleingelassen wurde.
   Steve kam ihm entgegen. »Chef.«
   »Ist Gustavson im Haus?«
   »Nein. Wir haben dreizehn Gäste.« Steve nahm seinen Platz an der Tür wieder ein. »Ach, da waren zwei Frauen, die wollten eine Nachricht überbringen.« Er schüttelte den Kopf und verzog die Lippen. »Die eine war verdammt heiß, aber sicherlich kein Mitglied.«
   »Ich will Gustavson sofort sehen, wenn er reinkommt.« Den Rest überging er. Frauen mit Nachrichten waren ihm völlig schnuppe – Mitglied oder nicht.
   »Was ist mit der Nachricht?« Steve drehte den Umschlag.
   Genervt fuhr er mit den Fingern durch das gegelte Haar. Leif und seine Affären. »Gib her. Lass Gustavson wissen, dass ich eine Nachricht für ihn entgegengenommen habe.« Mit etwas Glück brachte es Leif dazu, ihn tatsächlich direkt aufzusuchen, sobald er reinkam.
   Er verschanzte sich in seinem Büro. Lang konnte er sich vermutlich nicht verstecken, weil er seinen Pflichten nun mal nicht einfach so entrinnen konnte. Nicht ohne schlechtes Gewissen. Er warf die Nachricht auf den Tisch und lockerte seine Krawatte.
   Sein Blick fiel auf den Umschlag. Schon wieder eine neue Geliebte. Prinzipiell war es ihm gleich, dass Leif seine Frau betrog und dass er ihn nicht gerade selten als Alibi benutzte, störte ihn auch erst seit Kurzem. Weil es überhandnahm, nicht weil er Treue in einer Ehe voraussetzte. Aber langsam reichte es wirklich. Wenn Leif nun schon seine Aufgaben ignorierte und die Frauen hier antanzten …
   Torben warf das Jackett über die Rückenlehne und setzte sich. Die Nachricht sprang ihm erneut ins Auge, und er drehte sie. Es juckte ihm in den Fingern. Sollte er den Brief einfach verschwinden lassen? Allerdings brachte es auch nichts. Es war ja nicht so, als hätte ausgerechnet diese Frau irgendeine Bedeutung. Er drehte den Brief mit dem Zeigefinger im Kreis. Er konnte ihn Laura schicken. Er grinste, sich bewusst, wie daneben der Gedanke war und letztlich auch nicht hilfreich. Leif war nun mal sein Geschäftspartner, und nur damit konnte er ihn packen. Mit dem Geschäft. Er konnte Leif anbieten, ihn auszuzahlen. Nach fünf Jahren hatte er Leifs Einlage erwirtschaftet, schließlich hatte er kaum Ausgaben. Natürlich bliebe die Arbeit dann auch einzig an ihm hängen …
   Das Telefon schrillte und gab Leifs Nummer an.
   »Was zum Teufel …?«
   »Sorry, Mann, verpennt.«
   Torben fluchte. »Ach, hör auf! Das ganze Wochenende habe ich geackert, während du dich herumgetrieben hast! Mann, sag deinen Weibern, sie können dich hier nicht erreichen!« Er zerknitterte den Umschlag und bemerkte dabei, dass eine Karte in ihm steckte.
   »Du klingst schon wie sie.«
   »Vielleicht, weil sie recht haben? Leif, wir sind Partner. Das bedeutet, dass wir die Arbeit teilen und nicht, dass du dir auf meine Kosten einen schönen Lenz machst.« Seine Aggression schwang in jedem Ton mit und steckte auch in jedem Zentimeter seines Körpers. Er war tatsächlich stinksauer und dies eigentlich schon seit geraumer Weile. Das Fass war einfach voll. »Komm in den Klub, wir haben einiges zu besprechen.« Wie sich ihre Partnerschaft zukünftig zu gestalten hatte, zum Beispiel.
   »Sorry, aber ich muss zum Arzt.«
   »Wie bitte?« Sein Nacken verkrampfte. Das war doch jetzt ein Witz.
   »Eine lästige Sache, die ich nicht am Telefon … Ah, Schatz, klar. Ich soll dich von Laura grüßen. Ich fahr dann jetzt, bis später.«
   »Leif!«
   Das Tuten bewies, das der aufgelegt hatte. Torben knallte selbst den Hörer auf die Gabel. Verflucht, so konnte es nicht weitergehen! Er zerriss die Karte und warf sie in den Müllkorb. Er verfehlte das Ziel und ein Stück der Karte fiel aus dem Umschlag. Ein faltiger, nackter Hintern im Altweiberschlüpfer und ein Schriftzug Ich musste a. Er starrte auf das Hochglanzbild. Es war auszuschließen, dass Leif Interesse an älteren Frauen hatte. Also ein Gag?
   Torben hob die Karte auf und drehte sie. Sein Name war das Erste, was ihm auffiel.
   Vielleicht ist es dumm, aber ich bereue meinen überstürzten Aufbruch. Vielleicht gönnst du mir einen zweiten Versuch?
   Er fischte die zweite Hälfte aus dem Papierkorb und fügte sie zusammen. Eine Telefonnummer und ein Name. Anne. Sein Hirn ratterte, landete aber keinen Treffer. Er drehte die Karte und sah sich das Bild an. Ich musste an dich denken. Wer schickte eine solche Nachricht mit einem dermaßen unappetitlichen Bild? Jemand mit Humor.
   Ich bin nicht der Typ, der sich in Schränken oder unter dem Bett verbirgt.
   Er hatte augenblicklich ihre amüsierte Stimme im Ohr und ihren Anblick vor Augen. Anne, klar. Er grinste in der Erinnerung steckend. Die Verabschiedung war tatsächlich etwas plötzlich gewesen, weil er einen dringenden Anruf hatte annehmen müssen. Geschäfte gingen nun mal vor und die Eventplanung ganz sicher.
   Sollte er anrufen? Wozu? Ganz gleich, wie die Geschäftsbeziehung mit Leif weiterging, viel Zeit hätte er auch zukünftig nicht für Privates. Er drehte die Karte wieder, um nicht mehr die nackten Hintern vor Auge zu haben. Sie war süß, und er hatte Spaß gehabt. Der Sex war gut gewesen, und er hätte schon Lust, es zu wiederholen. Aber … die Liste war einfach zu lang.

*

Carina checkte ihr Make-up. Besser ging’s wohl nicht. Sie schubste die Schublade mit der Hüfte zu und fragte sich einmal mehr, warum sie sich darauf einließ. Sie hatte absolut keine Lust und wollte eigentlich nur wieder in ihr Bett, aber Luna hatte penetrant darauf bestanden, dass sie unter Leute müsste, und Anne hatte ebenso hartnäckig zugestimmt. Gegen die beiden kam man nur an, wenn man aus Titan geschmiedet war.
   »Fertig?«, fragte Luna. Sie stand in der offenen Tür, die Arme verschränkt, und ließ ihren Blick an Carina hinabwandern. »Hm.«
   »Was genau soll das bedeuten?« Carina konnte es sich denken, schließlich hatte sie sich nicht sonderlich viel Mühe mit ihrem Outfit gegeben.
   »Willst du Sex oder den Mann für’s Leben finden?« Luna wellte die Lippen und verkniff sich dabei das provokative Grinsen.
   Ich will Sex mit dem Mann für’s Leben, wenn du es genau wissen willst, und es wäre bombe, wenn es ein Schnuckel wie Torben sein könnte.
   So drehte sie sich nur wieder im Kreis. Sie hatte alles getan, was getan werden konnte. Wenn er sich nicht meldete, bedeutete das, dass er kein Interesse an ihr hatte. Klar und deutlich. Abhaken und weitermachen wie bisher. »Schließt das eine das andere aus?« Irgendwie klang es nicht scherzend, sondern deprimiert.
   Luna bemerkte es nicht, lachte auf und räumte die Tür. »Wohin geht’s?«
   »Essen. Irgend so eine Bar in der Innenstadt.« Carina zuckte die Achseln und holte sich ihre Handtasche aus ihrem Zimmer. »Sein Vorschlag.« Auf den sie nur zu gern eingegangen war. Sie wollte nicht nach Münster fahren, auf dem üblichen Parkplatz parken und an Torbens Arbeitsstätte vorbeischleichen, in der deprimierenden Erinnerung versunken und hadernd, dass sie keine zweite Chance bekam.
   »Welcher ist es? HeißeSchnitte79 oder Knuddelbärsuchtliebe?«
   »HeißeSchnitte79. Knuddelbär kommt nicht aus dem Quark.« Carina blieb an der Wohnungstür stehen und wandte sich der Mitbewohnerin zu. »Ich melde mich, wenn ich ankomme, und schicke dir einen Daumen, wenn er okay ist.«
   »Wie immer.« Luna öffnete die Tür und lehnte sich dagegen. »Vergiss nicht: Vorsicht …«
   »… ist besser als Nachsicht.« Carina leierte den Spruch, den sie sich jedes Mal anhören musste, wenn sie sich mit einem Onlinedate traf. Na ja, den sie sich gegenseitig vorhielten, je nachdem, wer von ihnen gerade auf Recherche war.
   »Eben! Anne ist in Duisburg, und Rafa wird wohl ein Auge auf sie haben.«
   »Was ist mit dir? Kommt mir vor, als wärst du seit Wochen ohne Date.«
   »Du schläfst nur zu viel. Ich war gestern und Montag unterwegs. Beides Reinfälle. Also, viel Spaß und sei offen für Neues!«
   Carina ließ sich in den Hausflur schieben und ergab sich der Situation. Ein Date. Fein. Trotzdem saß sie lange Minuten in ihrem Smart, ohne ihn zu starten. Sie wollte den Abend nicht mit HeißeSchnitte79 verbringen.
   Hab ein wenig Spaß!
   HeißeSchnitte79 hatte eine quakende Stimme, die ihr bei jedem Wort eine unangenehme Gänsehaut bereitet hatte. Sie glaubte nicht eine Sekunde, dass es an der Übertragung gelegen hatte, wie Luna ihr einreden wollte.
   Ihr Handy klingelte und schreckte sie auf. O nein, hatte Luna bemerkt, dass sie noch nicht losgefahren war, und wollte sie nun antreiben? Unwillig fischte sie nach dem Telefon und nahm ab. »Was?«
   Am anderen Ende blieb es einen langen Moment still. »Ich störe wohl.«
   Die tiefe Stimme vibrierte tief in ihr, und sie bekam erst einmal keine Korrektur hervor.
   »Entschuldige.«
   »Warte!«, quiekte sie schrill und mahnte sich dann zur Ruhe. »Torben? Ich habe nicht damit gerechnet …« Nicht nach drei stummen Tagen. Na ja, und davor auch nicht wirklich.
   »Die Karte ging mir nicht aus dem Kopf.« Sein Amüsement hob auch ihre Stimmung.
   »Ja, ich dachte mir schon, dass ich damit bei dir punkten kann.« Gelogen, doch sie musste ja nicht eingestehen, dass sie aus lauter Verzweiflung die erst beste genommen hatte, die ihr ins Auge gesprungen war.
   Er lachte auf. »Ich bin wohl zu leicht zu durchschauen.«
   »O ja. Wie Glas.«
   »Dann erübrigen sich ja weitere Worte.«
   »Klar.«
   Stille dehnte sich.
   »Also?«
   »Wann?«
   Wieder lachte er. »Am liebsten sofort, aber …«
   »Du bist arbeiten.« Im Klub, wo er lauter sexy, nackten Frauen über den Weg lief und doch rief er sie an! Wärme durchzuckte sie von Kopf bis Fuß.
   »Ja. Hör zu: Ich kann dich als Mitglied führen. Wir müssen aber einige Regeln aufstellen. Wenn dir das zu kompliziert ist, verstehe ich das, nur geht es momentan nicht anders.«
   Carina stockte der Atem. Mitglied in einem Sexklub? »Das kann ich mir nicht leisten.«
   »Du hast Bedenken, dass man dich hier sehen könnte. Vielleicht, wenn ich dich durch den Garten reinlasse?«
   »Ich kann mir die zweihundertfünfzig Euro nicht leisten, Torben.« Und das war nun mal ein trauriger Fakt.
   »Ich lasse dich nur als Mitglied führen, damit man dich reinlässt. Kostenlos, aber mit Bedingungen. Du musst dich an die Regeln halten.« Er klang angespannt.
   »Welche Regeln.«
   »Das besprechen wir besser unter vier Augen, meinst du nicht?« Er räusperte sich. »Klubregeln bleiben im Klub.«
   Das war zumindest nachvollziehbar. Sie war so was von getrieben, zu ihm zu kommen, trotz des Warnblinklichts. Regeln. Sexklubregeln. Sie konnte sich kaum vorstellen, wie diese Regeln aussehen könnten.
   »Kommst du?« Seine tiefe Stimme war samtweich und legte sich um sie wie ein warmer Umschlag.
   Wenn du weiterquatschst, ganz sicher.
   Wahnsinn, was er mit ihr anstellte. Sie räusperte sich, nicht sicher, ob ihre Stimme stabil bliebe. »Schön. Wir können darüber sprechen.« Zumindest anhören wollte sie sich die Regeln und wenn sie nicht nach ihrem Geschmack waren, konnte sie immer noch gehen. »Ich brauche eine Stunde.«
   »Hervorragend. Anne? Klingel durch, ich hole dich vom Parkplatz ab.«
   Sie erschauerte wohlig. Herrje, ihre Haut kribbelte bereits und dabei war sie nicht einmal in seiner Nähe! »Gut, mach ich.«
   »Bis später, und hey? Danke für die Karte.«

*

Torben konnte den Blick kaum von der Uhr nehmen oder sich auf ein Gespräch konzentrieren. Die Stunde musste langsam um sein. Er legte die Hand auf seine Hosentasche. Das Handy war dort – immer noch, schließlich war es nicht das erste Mal, dass er sich versicherte, dass er erreichbar war. Warum vibrierte es nicht?
   »Ben? Ich habe das Gefühl, dass du mir überhaupt nicht zuhörst.«
   Er zuckte zusammen, setzte aber aus Gewohnheit ein spöttisches Grinsen auf die Lippen. »Ich bin abgelenkt von deiner Schönheit.«
   Betty strahlte ihn an und legte ihre faltige Hand auf seinen Oberarm, um ihn zu drücken. »Wie charmant du bist!«
   »Lediglich aufmerksam genug, um es hin und wieder zu bemerken.« Er nahm ihre Hand weg und drückte ihre Finger, bevor er sie losließ. »Wir Männer vergessen manches Mal, wie wichtig es ist, auf diese Details zu achten.« Das Grinsen fiel ihm zunehmend schwerer.
   Sie schmachtete ihn an und trat näher.
   »Was hältst du von einem erfrischenden Drink? Wie es aussieht, sucht Paul noch Anschluss.« Was ihm mehr als recht wäre, schließlich sollte Anne jeden Moment eintreffen und dann wartete ein Gespräch auf ihn, das er lieber überginge. Aber so sehr er sich auch um eine Alternative bemühte, mochte ihm nichts Umsetzbares einfallen. Sie musste herkommen, wenn er sie sehen wollte. In den Klub und damit war ihre Beziehung auch schon definiert. Damit musste sie nur einverstanden sein, und er war sich nicht sicher, ob sie es wäre. Vielleicht scheuerte sie ihm auch eine und verschwand auf nimmer wiedersehen. Verübeln konnte er es ihr nicht. Die Mitglieder des Klubs hatten ganz bestimmte Vorstellungen, besonders die weiblichen. Sie waren allesamt nicht wie die Frau von nebenan. Sie waren lebenshungrig, verrucht, offen und versessen auf Sex. Sie passten in das Ambiente, während Anne irgendwie deplatziert wirkte.
   »Paul.« Ihre Finger krabbelten über seinen Arm und drückten sich wieder in seinen Bizeps. Sie schnurrte vernehmlich. »Ich glaube, heute brauche ich etwas Agileres.«
   Wieder nahm er ihre Finger von seinem Arm. »Du weißt …«
   »Pfeif’ auf die Regeln«, beschwor sie und kam näher. Sie drückte ihre Brüste an seine Seite. »Du wirst es nicht bereuen.«
   Sein Hintern vibrierte. Endlich. Er schob Betty von sich und fischte nach dem Mobilfunkgerät. »Sorry, aber ich habe ein neues Mitglied, das eingewiesen werden muss.« Er grinste breit und checkte die Nummer. Anne, endlich. »Entschuldige mich.«
   »Ben, später? Ich warte gern.«
   »Warte nicht. Paul ist vielleicht nicht agil, aber er hat doch seine Vorzüge.« Er schob sie vorsichtig in Richtung Bar. »Amüsier dich, Betty. Deswegen bist du hier.« Er tätschelte ihre Schulter und sah sich um. Keiner der Angestellten war frei, um ihn von Betty zu befreien. Er musste sie bis zur Bar bringen und orderte ihr einen Sekt auf Kosten des Hauses.
   Es war eisig, und er konnte den kleinen Wagen nicht sofort ausmachen.
   »Hi.« Sie biss sich auf die Lippe und senkte die Lider über ihre blauen Augen.
   Torben starrte sie einen Moment an. Er hatte sie anders in Erinnerung. »Hi.«
   Sie lächelte. »Also?«
   »Wollen wir?« Er deutete zum Klub, ohne hinzusehen. Da war es wieder. Etwas an ihr fesselte ihn, und er wusste nicht, was.
   »Ja.«
   Er folgte ihr, nicht sicher, ob er sie zur Begrüßung nicht besser in den Arm genommen hätte. Vielleicht geküsst? Er legte ihr die Hand in den Rücken, als sie an der Treppe ankamen, und hielt ihr die Tür auf. »Wir gehen ins Büro, Steve, für die Formalien.«
   Steve musterte Anne und runzelte die Stirn, vermutlich erkannte er sie wohl wieder.
   Sie lächelte wesentlich unsicherer als zuvor und schob sich näher an ihn.
   Torben legte den Arm um sie. »Komm.« Ihr flauschiger Schal kitzelte seine Wange, als er sie durch den Vorraum zur Treppe führte. »Möchtest du was trinken? Wir müssen ganz nach oben.«
   Sie schüttelte den Kopf. »Danke, aber ich bin zu neugierig, worauf ich mich hier einlassen soll.« Sie kicherte leise. »Ich kann es kaum erwarten, die Regeln zu hören.«
   »Da gibt es einige und vermutlich sollte ich dich erst abfüllen, bevor ich dich mir ihnen bekannt mache.«
   Sie blieb stehen und sah ihn an. »Oh, so schlimm?« Ihre Befürchtung stand ihr in der geröteten Miene geschrieben.
   »Aus meiner Sicht nicht, aber du bist nicht sonderlich erpicht auf Regeln, oder?«
   Sie blinzelte effektiv und riss die blauen Augen auf. »Mache ich den Eindruck?« Sie setzte sich wieder in Bewegung und ließ ihn stehen.
   Er ließ das Thema fallen, schließlich erfuhren sie bald genug, wie freudig sie die Klubregeln aufnahm. »Bist du gut hergekommen?«
   Sie sah zu ihm zurück. »Ja.«
   »Eine Stunde?« Kam ihm länger vor. »Aus welcher Richtung?«
   »Tja, mit Richtungen habe ich es nicht so.«
   Wich sie ihm aus? »Wo kommst du her?«
   Ihr Po wackelte vor seinen Augen. »Von zu Hause.«
   Ah, ja, sie wich ihm aus. »Auch so ein Sicherheitsding?«
   Sie drehte sich zu ihm um. Ihr Blick glitt über ihn. »Ja.«
   »Gut, dann frage ich nicht weiter.«
   Anne nahm ihren Weg wieder auf. »Wie lange willst du mich noch auf die Folter spannen?«
   »Macht dich das nervös?«
   Sie lachte auf. »Meine Freunde wissen, wo ich bin, und warten auf mein Zeichen.«
   »Soll mich das nun nervös machen?« Sie war verdammt hübsch, wenn sie lachte.
   »Aber nein, ich will dich nicht nervös, was hätte ich davon?« Sie kam die Stufen zu ihm herab, hob die Hand und ließ die Fingerspitzen über seine Lippen gleiten. »Mich interessiert der Hokuspokus hier nicht.« Sie beugte sich vor und ersetzte ihre Finger mit ihrem Mund. Sie ließ keine Frage offen. Sie wollte ihn, sonst nichts.
   »Eine unserer Regeln«, wisperte er, »untersagt zu enge Kontakte zwischen Mitgliedern und dem Personal.«
   »Was tue ich dann hier?«
   »Die Regeln brechen, wie üblich.«
   Ihr Lachen vibrierte an seinen Lippen und weckte seine Lust mehr noch als ihr Kuss.
   »Die Regeln können warten.« Und ihre Unterschrift auf der Verschwiegenheitsklausel sowieso. »Komm.« Er zog sie mit sich, hastete die Stufen hinauf in sein Büro und zog sie dort direkt wieder in die Arme. »Nur eines: Hier passiert nichts ohne die Einwilligung beider Partner. Du kannst jederzeit abbrechen. Immer. Verstanden?«
   »Pft, komm besser nicht auf die Idee, abzubrechen.« Anne zerrte an ihrem Mantel und ließ ihn fallen, dann warf sie sich ihm an die Brust, schlang die Arme um seinen Nacken und küsste ihn. Nicht wie zuvor im Flur, o nein.
   Torben ließ sich mitreißen. Schließlich war es viel einfacher, als die Kontrolle zu bewahren und auf die Regeln zu pochen. Die zudem auch noch entgegen dem lagen, was er wollte.
   Ihre Hände schoben sich unter sein Hemd hoch zu seiner Brust. Dann rutschten sie zur Seite ab und strichen über seinen Rücken. Seine Haut kribbelte.
   »Du hast Kondome dabei?«
   »Auch eine Regel hier«, murmelte er an ihren Lippen. »Sex nur mit Kondom.« Er schob die Hände in ihre Hose und umfasste ihre prallen Pobacken.
   »Schau, schon eine Regel, die ich einhalten kann.«
   Ihr Raunen ging ihm direkt unter die Haut. Sie öffnete seine Hose. Wie beim letzten Mal trieb sie es voran. Sie umfasste seinen Schwanz und rieb ihn mit genau dem richtigen Druck. Verdammt, sie hatte es drauf.
   »Die andere auch.« Er stoppte ihre Liebkosung und hob ihr Kinn an, um ihr in die funkelnden Augen sehen zu können. »Du tust nur, was du auch tun möchtest.«
   »Ich sag dir, was ich möchte …«
   Er nahm es mal als Zustimmung.
   »Dich küssen. Dich spüren. Dich. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt.« Ihre Lippen bogen sich spöttisch, und sie befreite sich von seinem Griff, um ihre Hand wieder an ihm auf und ab schieben zu können.
   »Du hast mich.« Voll und ganz und dies mit wenigen Handgriffen. Er küsste sie, sich bewusst, dass er mehr tun müsste.
   »Kein Bett?«
   »Ich müsste mir die Belegung ansehen.« Aber so lange wollte er eigentlich nicht warten. Er stöhnte an ihrem Mund und ließ die Hände an ihren Armen hinabwandern. »Möglicherweise finde ich ein bequemeres Plätzchen.«
   »Ich besteh nicht drauf, ich will dich nur spüren.«
   »Komm zum Tisch.« Torben zog sie mit sich und schob das Papier zur Seite, damit sie sich auf die Kante setzen konnte. Er drängte sie zurück, legte sich auf sie, um ihren Körper zu spüren, so wie sie es sich von ihm wünschte. Ihre vollen Brüste pressten sich an seinen Brustkorb, und sie stöhnte an seinem Mund. Ihre Leidenschaft war schon bemerkenswert. Ihre Finger fuhren durch sein Haar, und es ziepte.
   »Worauf wartest du?« Sie hob die Lider und sah ihn mit einem derart verhangenen Blick an, dass ihm mulmig wurde.
   War das echt? Seiner Erfahrung nach brauchten Frauen wesentlich länger, um in Fahrt zu kommen, und selbst dann … Er hatte noch nicht einmal angefangen, sie zu erregen.
   »Stimmt was nicht?« Ihre Brauen kräuselten sich. »Mache ich was falsch?«
   »Nein.« Er streichelte ihre Wange.
   »Noch eine Regel?« Sie verdrehte die Augen.
   »So was in der Art. Du musst mir nichts vorspielen. Ich lasse dir die Zeit, die du brauchst.«
   Ihr Blick richtete sich auf ihn. »Wie bitte?«
   »Das läuft hier gleichberechtigt. Wir bereiten uns gegenseitig Lust und Vergnügen. Hier werden Frauen nicht benutzt.« Zumindest nicht in der Regel, auch wenn es sich letztlich nicht immer vermeiden ließ.
   »Ich verstehe nicht ganz.«
   »Hingabe ist toll, aber ich will, dass du es genauso genießt wie ich. Wir müssen beide was davon haben.« Das war sein verfluchter Ernst, aber sie lachte auf.
   »Das ist ein Witz.«
   »Nein.« Er grummelte es und musste es klarer wiederholen. »Das ist mein voller Ernst.«
   Sie starrte ihn an, aus ihren blauen Augen und offensichtlich hin- und hergerissen.
   »Das ist kein Bordell. Die Frauen, die herkommen, haben Bedürfnisse, die ebenso befriedigt werden müssen wie die der Männer. Es funktioniert nicht einseitig, darüber müssen sich beide Seiten aber im Klaren sein.« Anscheinend waren die Regeln doch wichtiger als erwartet.
   »Warte!« Sie folgte ihm und griff in sein Hemd, um ihn festzuhalten. »Schön. Akzeptiert, kein Grund aufzuhören.«
   »Anne …« Gott, er wollte überhaupt nicht aufhören. Er fuhr sich durchs Haar, einmal mehr hadernd, dass er es so verkleben musste, damit es einigermaßen aussah.
   »Ich hab Spaß, versprochen.«
   Sie nahm ihn nicht ernst, verflixt! »Anne …«
   »Bitte.« Sie schüttelte leicht den Kopf. »Ich sag dir schon, wenn ich zu kurz komme, aber momentan will ich dich nur spüren und genießen, bei dir zu sein.«
   Wenn sie ihn dabei nicht so verdammt treudoof ansehen würde, dass er es ihr einfach abnehmen musste. Mann!
   Sie zog an seinem Hemd, und er stieß gegen sie. Sie drückte ihre Lippen sacht auf sein Kinn, dann auf seine Unterlippe, um sie sacht zu zwicken. »Bitte.«
   Torben ließ seine Zweifel fahren. Er konnte später noch einmal auf die Regeln zu sprechen kommen und was ihm an ihnen wirklich wichtig war. Er fing ihren Mund ab und küsste sie, bevor er ihr Top lüftete und es über ihren Kopf zog. Ihr BH schnürte ihre Brüste ein.
   Anne knöpfte sein Hemd auf und schob ihre Hände über seine Brust, um es abzustreifen. Ihre Schenkel schlossen sich um seine Hüften und hielten ihn fest. Sie hatte erstaunliche Kraft in den Beinen. Sie kratzte leicht über seine Haut, auf ihrem Weg zu seinem Schoß.
   Sie wusste, wie man einen Mann um den Verstand brachte, ganz sicher.
   »Hilf mir aus der Hose«, wisperte sie mit einem heißen Augenaufschlag. »Ich will dich.«
   Er schob die Hände unter ihren Hintern. Sie musste ihre Schenkel lösen, damit er die Hose und den Slip abstreifen konnte. Er ließ die Hände über ihre Beine wandern, hoch zu ihren Hüften und weiter. Ihre Brüste waren ebenso weich wie der Rest von ihr.
   Anne stöhnte leise. Ihre Augen waren geschlossen und ihre Lippen leicht geöffnet. Er tupfte kleine Küsse auf ihren Mund, bis sie ihn umschlang und ihn festhielt. »Jetzt.« Ihre Sehnsucht stand in ihren Augen.
   Torben stockte. Wenn das echt war …
   Er umfasste ihre Brüste, knetete sie leicht.
   Sie rutschte näher, ihre Finger schlossen sich wieder um seinen Schwanz und bewegten sich auf und ab.
   »Warte.« Er beugte sich zur Seite und öffnete eine Schublade.
   Sie folgte der Bewegung. »Wow, gibt es hier überall ein Kondomvorrat?«
   »Ja.« Besser zu viele bereitliegen haben als zu wenige in einem Haus wie diesem.
   Sie lachte auf.
   Torben ging ein Schauder über den Leib.
   Anne nahm ihm das Kondom ab und streifte es über seine Erektion. Sie rutschte noch näher an den Rand des Tisches und drückte ihn in Position. Seine Eichel rieb über ihre Schamlippen, und sie stöhnte. Anne schlang die Beine um ihn. »Torben.«
   Er schob sich in sie.
   Annes Nägel kratzten über seine Schulter. »Ja.« Sie ließ den Kopf nach hinten fallen und bog den Rücken durch.
   Daran konnte er sich gewöhnen. Pure Leidenschaft.
   Sie presste sich an ihn, umschlang ihn fest und bewegte sich leicht an seinem Schoß. Heiße Glut schoss durch seine Adern. Sie wusste, wie man einen Kerl scharfmachte, verflixt! Er nahm sich zusammen und stieß sich in sie. Dabei beobachtete er ihr Mienenspiel. Sie biss sich auf die Lippe, stöhnte und presste ihren Mund auf seinen zu einem harten Kuss.
   »Oh!« Ihre Lider hoben sich, und ihr Blick feuerte ihn noch mehr an.
   »Du machst mich an, weißt du das?« Er legte die Hände fest an ihre Hüften. »Du bist verdammt heiß«, wisperte er an ihrem Hals, bevor er mit der Zunge von der Kehle zu ihrem Ohr fuhr. Sie bebte unter ihm, um ihn herum.
   »Ah!«
   »Du bist der Wahnsinn.« Er küsste ihr Ohr. »Wie du dich anfühlst.« Heiß wie Lava und dabei so weich wie Samt. Er fuhr an ihrem Bein entlang, hob es höher, um sich tiefer in sie stoßen zu können.
   Sie keuchte und klammerte sich an ihn. Ihr Mund presste sich auf seinen und entließ einen harschen Ton. Einen tiefen, gutturalen Laut. Ihre Nägel bohrten sich in seine Schultern und sie krümmte sich. Das Beben in ihr nahm zu.
   Torben beugte sich vor, legte sie dabei auf der Tischplatte ab und ließ seiner Lust freien Lauf. Ihre Seufzer sprengten seine Zurückhaltung, und er kam in einer unglaublichen Explosion.

*

Carina schloss die Augen. Süße Ruhe durchfloss sie, obwohl ihr Herz zum Zerspringen schlug. Sie grinste zufrieden. Es hatte sich gelohnt, das Date sausen zu lassen, so was von gelohnt!
   Er stöhnte tief und sackte auf ihr zusammen. »Du bist verdammt scharf, weißt du das?« Seine Worte vibrierten in seiner Brust und kitzelten ihren Hals. Er streichelte die Kuppe ihrer Schulter, küsste ihr Ohr und murmelte weitere Dinge. Wie sexy sie wäre. Wie gut sie sich anfühle.
   Der quatscht dich echt noch mal in den Orgasmus!
   Ein Schauder rollte über sie und weckte erneut den Wunsch, ihn zu spüren. Die Bewegung seines harten Schwanzes in ihr. Sie schloss die Augen und biss sich genüsslich auf die Lippe.
   »Da breche ich gern die Regeln.« Er lachte und stemmte sich auf. Seine Finger glitten über ihre Wange, zu ihrem Mund, seine Augen folgten. Dann küsste er sie zart. »Alle, wenn es sein muss.«
   »O nein, auf das Kondom muss ich bestehen.« Sie kicherte befreit und schob ihm eine Strähne aus der Stirn. »Aber die mit den Angestellten …, ich glaube, die werde ich ignorieren.«
   Und das so oft, wie er einen hochbekam!
   Er streichelte noch immer ihre Wange. »Hm, wenn du nicht einmal so tun willst, als befolgtest du unsere Regeln, wie soll ich dich da guten Gewissens als Mitglied aufnehmen?« Seine Stimme vibrierte vor Belustigung.
   »Ich verspreche, dein Gewissen zu polieren, wann immer es nötig ist …«
   »Mein …? Anne, was soll ich nur von dir halten, hm?«
   »Was immer du willst.«
   »Hm.« Er stupste ihre Nase an. »Ich habe gar keine Lust, mich nun mit den Regeln auseinanderzusetzen.«
   »Dann lass es.« Sie schob ihren Po zur Seite, aber der Druck auf ihr Steißbein nahm nicht ab. »Mhm.«
   »Anne?«
   »Der Tisch ist ziemlich hart.« Sie verzog die Miene.
   Torben stemmte sich augenblicklich auf. »Anne, das musst du sofort sagen!« Seine tiefe Stimme glich einem Donnergrollen.
   »Hab ich doch.« Sie setzte sich auf und rieb über ihren Steiß. »Also, wie war das mit der Dusche?«
   Er hob ihr Kinn an. »Nur für Mitglieder.«
   Sie stieß ihn an. »Ey! Sag jetzt nicht, ich solle besser fahren, sonst passiert was.«
   »Und was?« Er drückte ihr einen Kuss auf.
   »Ich schlitz die Reifen deines Autos auf.« Männer liebten nur eines: ihre Boliden.
   Ja, und deren Unversehrtheit zu bedrohen, ist das Ende vom Lied, Carina! Verdammt, du wolltest ihn doch halten. So wird das nichts!
   Nein, wohl nicht. Sie wäre besser mal bei ihrem ursprünglichen Plan geblieben, dem bombastischen Sex. Tja, wie immer spielte ihr loses Mundwerk nicht mit.
   »Hm.« Er zog sich weiter zurück. »Du fährst schwere Geschütze auf.«
   »Ach ja, wer nicht wagt …« Sie zwinkerte ihm zu und hopste vom Tisch. Dabei schob sie ihn zur Seite und bückte sich nach ihrem Top.
   Torben hielt sie davon ab, es überzustreifen, und zog sie an sich. »Ich will nicht, dass du gehst. Rettet das meine Reifen?«, raunte er ihr ins Ohr.
   Sie zögerte. Sollte sie weiter darauf eingehen oder zugeben, niemals Autos zu beschädigen?
   »Bitte?« Er küsste ihren Hals. »Wie wäre es mit einer Dusche? Gibt es noch etwas, womit ich dir etwas Gutes täte?«
   Sex, Sex und Sex. Bitte.
   »Ich nehme die Dusche«, sagte sie versöhnlich und drehte den Kopf, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
   »Schön. Ich mache die Papiere fertig, oder … soll ich vielleicht mitduschen?« Er fing sie wieder ein, schlang die Arme um sie und presste ihren Leib an sich. Obwohl sie weder klein noch filigran war, verschwand sie in seiner Umarmung.
   Sie rieb ihren Po an ihm. »Weiß nicht.« Sie lehnte sich an ihn.
   Er vergrub die Nase in ihrem Schopf. »Wie kann ich dich überzeugen?« Er ließ die Hände abgleiten, über ihren Bauch zu ihrem Schoß.
   Quatsch weiter, quatsch einfach weiter.
   Sie verbiss sich ein Stöhnen und schloss die Lider. Sein harter Körper fühlte sich so wahnsinnig gut an. Duschen war eine herrliche Idee, sie konnte ihn einseifen, jeden Zentimeter an ihm erkunden. Welch erregende Aussicht. Sie grinste. »Ich gebe dir eine Chance, ich fühle mich heute nämlich äußerst großmütig.« Sie verschränkte ihre Finger miteinander und stoppte damit seine Liebkosung.
   »Magst du das nicht?«
   Sein Atem kitzelte an ihrem Ohr und weckte einen süßen Schauder. »Oh, doch. Aber du wirst noch etwas brauchen, bis du wieder kannst.«
   »Ja, einen Moment brauche ich wohl noch, aber das hindert uns nicht daran, zu sehen, was du hier so versteckst.« Seine Finger wackelten an ihrer Scham und wühlten sich dabei durch zu ihrer Klitoris.
   Sie biss sich auf die Lippe. »Nicht«, wisperte sie, bereits völlig außer Atem. Wie gut er sich anfühlte.
   »Ich glaube, da lassen sich Schätze finden.«
   Sie erschauderte unter seinen Fingern. »Irrtum.«
   »Vielleicht sollte ich es mir aus der Nähe ansehen?«
   »O nein!« Sie machte einen schnellen Schritt vorwärts und überrumpelte ihn dadurch.
   »Was ist?«
   Carina schlang die Arme um sich. »Duschen, okay?«
   Er ließ sie zappeln, bevor er zustimmte. Er führte sie ins Nebenzimmer. »Darf ich mitduschen?«
   Da es keine übliche Duschkabine war, in der man sich bereits einzeln an jeder Ecke stieß, sondern ein ebenerdiger Wellnessbereich, für den man eine Einweisung brauchte, bevor man sich waschen konnte, stimmte sie zu.
   »Du siehst genervt aus.«
   Wie hellsichtig. »Ich sollte wohl fahren.«
   »Noch nicht.« Er stellte die Dusche an und feine Tröpfchen nieselten auf sie nieder. »Lass uns den Papierkram erledigen, damit du beim nächsten Mal problemlos reinkommst.« Er kuschelte sich an sie. »Für den Fall, dass ich beschäftigt sein werde.«
   Wie er wohl beschäftigt wäre? Mit anderen Frauen? Nicht gerade das, was man hören wollte.
   Stell dich nicht so an. Du bist nicht hier, um den Mann für’s Leben zu finden, sondern um guten Sex zu haben. Nimm, was du kriegen kannst, so lange es währt.
   »Was für Papierkram?«
   Seine Hände lagen an ihrem Busen und kneteten ihn. Seine Lippen tupften an ihrem Hals und sogen hin und wieder an der empfindlichen Haut. Er ließ sich Zeit, bevor er antwortete. »Wir müssen durch die Regeln gehen und ich bekomme eine Unterschrift, dass du sie einhalten wirst.«
   »Ich soll unterschreiben, etwas einzuhalten, was ich nicht einhalten werde?« Klang idiotisch. Sie drehte sich trotz seines Widerstandes zu ihm um. »Was ist die Konsequenz einer Zuwiderhandlung?« Welche Strafen gab es wohl in Sexklubs? Gangbangs? Schläge? Ausschluss?
   Er räusperte sich, bevor er mit der Katze aus dem Sack kam. »Eine Geldstrafe bis zum Ausschluss bei wiederholten Regelverstößen.« Zumindest sah er aus, als erkannte er den Widersinn einer solchen Unterschrift. Er wiegte den Kopf.
   »Ich kann mir keine Strafen leisten.« Und da war die Höhe derselben völlig gleich. »Das hier ist ziemlich bescheuert.« Sie schob ihn von sich und wollte die Duschkabine verlassen.
   Torben hielt sie auf, indem er ihr einen Arm um die Mitte schlang und sie an sich zog. Sein Atem kitzelte ihr Ohr. »Ja, das ist bescheuert.« Er küsste ihr Läppchen. »Ich bin hier sehr eingebunden. Ich wüsste nicht, wie ich dich sonst sehen sollte, wenn du nicht herkommst. Selbstverständlich zahle ich eventuelle Bußen, aber zunächst muss es ja auffallen und dann jemand anmerken und so weiter.« Sie spürte, wie er die Achseln zuckte an der Reibung seiner Haut an ihrer. »Warten wir ab. Vielleicht interessiert es niemanden.« Er schloss die Arme fester um sie, und sie spürte ihn an ihrem Po anschwellen. »Dinge ändern sich.«

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Viel Spaß beim Weiterlesen.