Lisa ist angehende Polizistin beim SEK, und damit ihrem Traumjob nahe. Jetzt ist es an der Zeit, endlich auch ihr zweites Ziel zu erreichen: Mr. Right soll in ihr Leben treten. Nur leider hat sie ihn bisher nicht gefunden. Nachdem sie in der Vergangenheit bereits auf die verrücktesten Ideen gekommen ist, wo sie ihre Misserfolgsserie in Bezug auf Männer stoppen könnte – sie hat sich bereits auf klassischen Konzerten und sogar in der Kirche nach ihrem Traummann umgesehen –, wählt sie als Kurzurlaubsziel ausgerechnet Mallorca, um ihre Suche zu vertiefen. Schon klar, dass sie bereits nach kurzer Zeit erkennt, einen Fehler gemacht zu haben und beschließt, dass sie die Zeit zumindest für ein megascharfes Date ausnutzen kann. Das gelingt ihr ganz nach Plan, und sie könnte mit ihren heißen Erlebnissen durchaus zufrieden sein, gäbe es da nicht ein klitzekleines Problem: Die Stimme ihres unbekannten Telefonsexpartners, die sie einfach nicht wieder loslassen will.

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ISBN: 978-9963-53-747-1

Seiten: 187

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Sienna Dalton

Sienna Dalton lebt abwechselnd in den USA und in Deutschland. Das Schreiben begleitet sie seit ihrer Kindheit rund um den Globus. Sie führte ein Reisetagebuch über das Leben als Tochter eines Soldaten, lebte bereits auf der ganzen Welt und hegt den Traum, irgendwann einmal einen Bestseller zu schreiben.

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Nele Jansen

Nele Jansen liebt das Wandern und Pferdesport. Seit frühester Kindheit lebt sie zeitweise auf Mallorca, was sie in ihre Liebesromane mit einfließen lässt. Nach einer Ausbildung im kreativen Bereich machte sie ihr Hobby zum Beruf und widmet sich vollständig dem Schreiben von Geschichten, die sie bewegen.

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Leseprobe

Hallo, ich bin Lisa

Mein Name ist Lisa. Jedenfalls nenne ich mich so, denn ich lüge bei meinem Namen, seit ich denken kann.
   Ich bin vor einem halben Jahr vierundzwanzig geworden. Kein Alter, in dem ich schon an Heirat und Familie und so etwas denken würde – aber nach zwei, drei mehr oder minder interessanten Erfahrungen, was Beziehungen angeht, ist mir klar geworden, dass die Suche nach Mr. Right wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte.
   Denn das ist es, was mir fehlt. Mein Traummann!
   Beruflich bin ich auf dem Weg zu meinem Traumjob. Nach meinem Bachelor of Arts im Polizeivollzugsdienst habe ich gute zwei Jahre lang im Wach- und Wechseldienst gearbeitet und mich vor drei Monaten für eine Ausbildung im SEK beworben. Vor Kurzem habe ich das Auswahlverfahren bestanden. Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass mir seit dem Abitur vor etwas mehr als sechs Jahren kaum Zeit geblieben ist, mich nach Mr. Right umzusehen. Auch die nahe Zukunft wird mir nicht mehr Gelegenheiten einräumen, denn die Einführungsfortbildung wird noch heftiger werden als das Auswahlverfahren. Es ist ein körperlich und psychisch harter Weg zu meinem Ziel als Präzisionsschützin, aber ich werde es schaffen, weil ich es will.
   Nur meinen Mr. Right zu finden ist etwas, das ich nicht mit reinem Wollen erreichen kann. Mit Sex-only kann ich mich zwar eine Zeit lang zufriedengeben, und ich bin tatsächlich kein Kind von Traurigkeit, aber tief in mir wächst das Verlangen, nicht nur beruflich ans Ziel meiner Wünsche zu gelangen.
   Ich träume von einem Partner, bei dem es im Bett so richtig kracht und funkt, damit auch noch nach Jahren, wenn das erste Feuer niedergebrannt ist, genug Glut bleibt, um bis ins Alter glücklich miteinander zu sein. Ich halte nichts von den sogenannten offenen Beziehungen. Meinen Mann mit einer anderen teilen? Im Leben nicht! Treue ist für mich eine unabdingbare Eigenschaft, von der ich nicht einen Millimeter abrücke.
   Damit kennst du so in etwa meine Absichten und Ansichten. Jedenfalls, wenn ich mit jemandem zusammen bin. Als Singlefrau steht mir ein bisschen mehr Freiheit zu, und ob du es glaubst oder nicht: Ich lasse mich nicht Schlampe nennen, nur weil ich mir das Recht nehme, als Frau ebenso experimentierfreudig zu sein wie ein Mann, der dafür Prädikate wie Womanizer, Frauenheld oder Äonen vor meiner Zeit Casanova erhält. Schließlich will ich weder die Katze im Sack kaufen noch zugunsten anderer wertvoller Eigenschaften dann Einschränkungen bei der wichtigsten Nebensache der Welt akzeptieren. Da kann der Typ noch so fantastisch aussehen, noch so erfolgreich sein … wenn es im Bett nicht stimmt, erledigt sich das Übrige.
   Es ist eben nicht leicht, Mr. Right zu finden. Nicht einmal mit Schmetterlingen im Bauch. Denn was, wenn gleich um die Ecke jemand steht, der die sanft über eine herrlich bunte Sommerwiese flatternden Schmetterlinge in einen wilden Herbststurm treibt, bis der Atem keuchend stockt, die Glieder zittern …?

Kapitel 1
Mittwoch



Erotik ist Überwindung von Hindernissen.
Das verlockendste und populärste Hindernis ist die Moral.

Karl Kraus

Ein langes Wochenende steht vor der Tür. Der morgige Donnerstag ist ein Feiertag, und in unserer Einheit ist der Freitag zum Brückentag ernannt worden. Vier volle Tage, um mich der Suche zu widmen. Ich habe kurz entschlossen einen Trip nach Mallorca gebucht, der Flug geht bereits am frühen Nachmittag.
   Um eins habe ich Feierabend.
   Ich fahre direkt vom Dienst aus zum Flughafen. Ballermann und sein Verruf hin oder her, wo treffen sich in Europa mehr Vergnügungssüchtige auf einem Haufen als dort? Nachdem ich schon bei klassischen Konzerten und selbst in der Kirche nach Mr. Right gesucht habe, kann ich es genauso gut einmal unter den Hallodris der Nation probieren, denn im wahren Leben stellen sie meist eine ganz andere Persönlichkeit dar. Letztlich suche ich selbstverständlich keinen der Komasäufer, sondern jemanden, der zeigt, dass er sich inmitten des Chaos auch stilvoll amüsieren kann.
   Auf dem Weg nach Düsseldorf plagen mich allerdings die ersten Zweifel, ob ich mir bei meiner spontanen Entscheidung das richtige Reiseziel ausgesucht habe, doch erstens ist es ohnehin zu spät, und zweitens können sich auch auf Mallorca schließlich nicht nur Idioten herumtreiben.
   Der Flieger geht pünktlich, und nach zweieinhalb Stunden Flugzeit begrüßt mich die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Bei uns in Essen war es mal wieder grau in grau. Regenschwangere Wolken drückten auf mein Gemüt, obwohl der Juli bestes Wetter zeigen sollte anstelle von vierzehn Grad und frostigen Schauern.
   Schon auf dem Weg zum Hotel fühle ich mich wie befreit. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich in einem Fünfsterneresort einzunisten. Mein Verdienst ist ganz okay, ich verbrauche als Single wenig und kann mir den Luxus leisten. Auf ein eigenes Einkommen will ich auch später nicht verzichten, es sei denn, irgendwann werde ich Mutter. Doch das steht in weiter Ferne. Darüber hinaus birgt mein Beruf Hindernisse und Hemmschwellen, die meine Suche noch mehr verkomplizieren.
   Nachdem ich mein Zimmer inspiziert habe, soll es natürlich als Erstes zum Pool gehen. Schon der Blick vom Balkon im sechsten Stock lässt mein Herz höherschlagen. Es tummeln sich keine Familien mit Kindern in der Poollandschaft. Kein Wunder, wer kann sich schon zu dritt oder viert diese Preise für ein langes Wochenende leisten? Außerdem habe ich das Hotel so gewählt, dass ausdrücklich keine speziellen Programme für Kinder angeboten werden.
   Die Aussicht ist heiter bis knackig.
   Ich betrachte die von Sonnenöl glänzenden braunen Körper, die sich auf den Liegen aalen. Fast meine ich, den Geruch nach Kokosöl, Vanille und weiteren duftenden Sonnencremes wahrzunehmen, doch meine Fantasie geht mal wieder mit mir durch. Würde nicht ein Schnupfen meine Nase verstopfen, müsste ich hier oben wahrscheinlich eher die Abgase der Flugzeuge riechen, die im Dreiminutentakt ihre Schleifen am Himmel ziehen und die Landung vorbereiten.
   Frischfleisch ohne Ende, doch die Anwesenden reichen fürs Erste. Mittlerweile bin ich einigermaßen geübt darin, potenzielle Kandidaten schnell herauszufiltern. Zwei Männer sitzen an der Bar. An ihrem Auftreten erkenne ich, dass sie ohne weibliche Begleitung hier sind, sonst würden sie es sich eher nicht trauen, solche unverhohlen begehrlichen Blicke umherzuwerfen. Der dunklere, fast südländisch anmutende Typ könnte es mir antun.
   Was genau, das malt sich meine übersprudelnde Fantasie gerade bildlich aus.
   Ich sacke mit dem Rücken gegen die Glasscheibe neben der Balkontür und genieße die Wärme, die durch das T-Shirt in meinen Körper fließt.
   Wärme hat für mich etwas Wohliges, Intimes. Wenn ich die Augen schließe, kann ich mir vorstellen, an den festen breiten Brustkorb eines trainierten SEKlers gelehnt zu stehen. Ich schlinge die Arme um den Oberkörper und presse sie an mich, male mir aus, dass es seine harten Muskeln sind, die mich umspannen. Leider sind die Kollegen in meinem Team ein Tabu, auch wenn die Jungs schon allein ihres Berufes wegen alles knackige Typen mit durchtrainierten Körpern sind, die mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Doch eine Beziehung unter Kollegen würde unsere nüchterne Handlungsweise im Team gefährden, ein No-Go.
   Ich vertiefe trotzdem meine Gedanken an einen dieser gestählten Jungs, ohne ihm ein Gesicht zu geben.
   Der sanfte, heiße Wind, der über meine Wangen streicht, ist sein Atem. Das leise Flüstern in den Palmblättern seine Stimme, die mir Versprechungen zuraunt und die Hitze in meinem Inneren schürt, bis es mir zwischen den Schenkeln kribbelt.
   Meine Arme lockern sich wie von allein, ich lasse die Finger über die Rundungen meiner Brüste gleiten, streife sacht die Nippel, die sich sofort verhärten und gegen den Stoff pressen. Sanft fahre ich mit den Fingerkuppen zwischen dem Bündchen des Oberteils und meiner Shorts über die Haut. Samtig und weich, wie die Berührung mit einer Feder.
   Ich streife das T-Shirt über den Kopf, lasse es achtlos auf den Boden fallen. Mein schwarzer BH könnte ebenso ein Bikinioberteil sein, jedenfalls wird von unten niemand den Unterschied erkennen können.
   Hinter meinen geschlossenen Lidern tobt ein Feuerwerk aus hellen, bunten Blitzen. Die Sonne kitzelt mich an der Nase, und ich habe das Gefühl, plötzlich viel mehr Luft zu bekommen, den Schnupfen auszutrocknen.
   Ich zittere, als meine Handflächen über den Busen streichen. Ich habe viel zu lange keinen Sex gehabt, fast drei Monate schon. Leider ist es nicht mal sonderlich gut gewesen.
   Die Hitze der Sonne schürt die in meinem Inneren. Wie viel Licht und Wärme doch bewirken können, aber das ist es nicht allein. Bereits während des Fluges habe ich mir ausgemalt, eine heiße Urlaubsbekanntschaft zu machen. Meine Laune war zuvor an einem Tiefpunkt angelangt, nachdem ich mir heftige Vorwürfe über mein Kurzurlaubsziel gemacht hatte, und der einzige Weg, daraus hervorzukommen, war, dass es eben Pech wäre, wenn es dieses Mal nicht die Suche nach Mr. Right werden würde, sondern einfach nur nach einem geilen Date. Immerhin ist das fern der Heimat deutlich besser als irgendwo daheim meinen Ruf zu gefährden.
   Ich hänge beide Daumen in den Bund der Shorts und lasse erneut meinen Blick schweifen. Der Dunkelhaarige an der Poolbar blickt zu mir herauf. Leider liegt sein Gesicht im Schatten, sodass ich keine Mimik erkennen kann. Er wendet sich jedoch nicht ab, sondern starrt auch noch herüber, als ich nach einer Weile wieder zu ihm hinsehe. Er ist kräftig, mit breiten Schultern und schmalen Hüften, genauso, wie ich mir einen ganzen Kerl vorstelle. Seine langen Beine hat er lässig nach vorn geschoben, seinen Hintern halb sitzend, halb anlehnend gegen den Barhocker gedrückt.
   Unauffällig senke ich den Blick. Mein BH sieht wirklich wie ein Bikinioberteil aus.
   Unter halb geschlossenen Lidern beobachte ich ihn wieder. Sein Freund spricht ihn an, aber er wendet sich ihm nicht zu, sondern nickt nur, ohne mich aus dem Blick zu lassen.
   Von der Balkonmauer geschützt, lasse ich meine Finger unter die Shorts wandern. Mein Atem geht schneller, die Sonne brennt auf der Haut, und der unentwegte Blick von unten schürt mein Verlangen nach Zärtlichkeiten. Nach Berührungen, die mein Blut zum Kochen bringen. Sommer, Sonne und heiße Gedanken – und schon male ich mir die wildesten Vorstellungen aus, stelle mir erneut die kräftige Männerbrust vor, an die ich mich lehne, während mich kräftige Arme umfangen.
   Ich stöhne leise auf und schiebe die Beine auseinander, um meinen Fingern Zugang in die begehrte Zone zu gewähren. Ganz von allein finde ich das Zentrum meines Glücks und reibe sanft, tauche tiefer, um Feuchtigkeit auf meiner Klit zu verteilen. Wird der Supercop in meinem Rücken es schaffen, mich nur mit sanftem Reiben zu einem Höhepunkt zu treiben? So geschickt sich meine Partner bisher auch angestellt haben, keiner schafft es so perfekt wie ich, die Klitoris zum Zucken zu bringen. Wieder und wieder – denn wenn mich der erste Orgasmus überrollt hat, sehne ich mich nach wenigen Sekunden Pause nach weiteren zarten Berührungen, die vorsichtig außen um die Perle streichen, sich langsam, aber energisch wieder ihrer Mitte nähern und intensiver werden, mich auf einen zweiten und dritten Höhepunkt treiben.
   Ein Zucken fährt durch meine Oberschenkel. Ich bin kurz davor. Jetzt ist der Punkt gekommen, wo ich mir einen prächtigen, stahlharten Schwanz zwischen den Beinen wünsche. Ich bin so nass, dass er problemlos in mich eindringen könnte. Tiefer und tiefer, während die Stimulation der Klit fortgesetzt wird. In dieser Jubelphase reichen zwei Stöße, und ich rausche auf einem gigantischen Orgasmus davon, der eine heiße Fortsetzung einläutet.
   Während ich zärtlich reibe, öffne ich erneut die Augen. Eine heiße Flut wonniger Gefühle trifft mich, als ich seinem Blick begegne. Er ist zwei Schritte von der Poolbar vorgetreten, hält sein Glas mit beiden Händen vor dem Bauch umklammert und starrt mich mit einem begehrlichen Ausdruck auf den Gesichtszügen an. Sein Kumpel ist nicht mehr da.
   Er wirkt, als wüsste er, was ich hinter der Brüstung verborgen treibe, welche Gedanken und Wünsche mir durch den Kopf ziehen. Schade, dass ich nicht erkennen kann, ob sich eine mächtige Beule in seinem Schritt bildet.
   Jedenfalls kippt er sein Getränk in einem Zug hinunter, was zeigt, dass er eine ganz schön trockene Kehle bekommen hat. Wahrscheinlich hat meine Mimik Bände gesprochen.
   Vorsichtig sehe ich mich um und prüfe, ob ich ungewollte Aufmerksamkeit erregt habe, doch niemand sonst scheint zu mir hochzublicken. Das Spiel gefällt mir, und ich stelle mir vor, welche Begehrlichkeiten ich in seinem Kopf hervorrufe.
   Ich lächele, lasse die Shorts auf meine Füße fallen und stelle einen Fuß auf den Stuhl neben mir. Die Balkone sind rechts und links geschlossen, sodass sich die Zimmernachbarn nicht gegenseitig auf die Tische schauen. Erst recht nicht auf das, was ich im Verborgenen und doch in aller Öffentlichkeit treibe.
   Meine Finger gleiten tiefer, fordern Einlass ins Paradies, und ich gewähre ihn bereitwillig. Erst einem, dann einem zweiten, und zu guter Letzt noch einem. Jetzt kann ich das Stöhnen nicht mehr zurückhalten. Es schießt wie ein Pistolenschuss aus mir hinaus, und ich bin froh, dass es dort unten niemand hören kann. Meine Linke krallt sich um die Stuhllehne, der Orgasmus durchschüttelt mich, und ich muss aufpassen, dass meine Knie nicht nachgeben.
   Er starrt noch immer herauf. Ich schenke ihm ein weiteres Lächeln und gebe ihm ein Zeichen. Fünf Finger in die Luft. Vier. Einen. Wenn er halbwegs intelligent ist, erkennt er darin meine Zimmernummer, und in weniger als drei Minuten wird er anklopfen.
   Ich nutze die Gelegenheit, um unter die Dusche zu huschen. Das Wasser kühlt mein Gemüt nicht im Mindesten. Ich hoffe, dass er kommt. Mehrfach. Aber natürlich nicht sofort. Ich werde ihn auf den Balkon bitten, ihm etwas zu trinken aus der Minibar anbieten und ihn in einen heißen Flirt verwickeln. Dann sehe ich weiter.
   Die Vorfreude treibt mir wohlige Schauder über die Haut.
   Tatsächlich meldet er sich genau in dem Augenblick, als ich nass aus dem Bad komme. Allerdings nicht per Anklopfen, sondern per Zimmertelefon. Ich weiß, dass er es ist. Wer sollte mich sonst hier anrufen? Meine Freunde wissen nicht, wo ich das Wochenende verbringe und würden mich auch auf dem Handy anrufen.
   »Ja?« Ich gleite auf das Laken des Bettes.
   »Heiße Vorstellung.«
   Seine Stimme klingt schon einmal vielversprechend. Etwas rau, das liegt garantiert an seiner Erregung. Männlich, das gefällt mir. Und leise, das mag ich noch mehr. Ich hasse es, wenn Männer meinen, mit Lautstärke ihre vermeintliche Macht demonstrieren zu müssen. Da sind mir die stillen Typen lieber, die ihre Kraft auf andere Weise zeigen. Beispielsweise, indem sie dir eine kräftige Schulter zum Anlehnen bieten, einen ernsthaften Blick, der zeigt, dass sie dir zuhören, einen breiten Rücken, mit dem sie sich vor dich schieben, um dir Schutz zu bieten. Obwohl, oder vielleicht gerade, weil ich sehr gut selbst meinen Mann stehen kann, wünsche ich mir in einer Beziehung einen Kerl, der mir das Gefühl eines Beschützers gibt.
   »Meine Hose platzt beinahe.«
   »Was willst du dagegen tun?« Ich mache es mir bequem, lehne mich an das Kopfteil und lasse schon wieder eine Hand auf Wanderschaft gehen. »Warte«, sage ich und springe auf. In meinem Kosmetikbeutel reist der kleine Mr. Right mit, und irgendwie ruft er nach mir. »Bist du noch da?«
   »Ja.«
   »Was machst du gerade?«
   »Willst du eine ehrliche Antwort?«
   »Klar!«
   »Ich hol mir einen runter.« Tatsächlich knurrt er gleich darauf leise, ein unverhohlener Laut unterdrückter Begierde.
   Sofort schießt Hitze in meinen Unterleib. Zu gern würde ich ihn beobachten, wie er seinen stahlharten Schaft massiert, sich die Vorhaut zurückschiebt und eine pralle Eichel zum Vorschein kommt. Während er sich streichelt, würde ich sanft wie ein Schmetterlingsflügel mit der Handfläche über seine straff gespannte Haut streichen. Mit den Fingerspitzen die Wulst umfahren und sein Bändchen kitzeln. Hinabgleiten an seinem Schaft, die prallen Adern entlang, bis ich die Hoden umfassen kann. Ich würde sie nur kurz und kraftvoll kneten, bis ich ihm ein gieriges Stöhnen entrissen hätte und dann wieder loslassen, ihn zwingen, seine Bewegungen zu beschleunigen. Die wachsende Gier gibt mir Antrieb, lässt mich klatschnass werden.
   »Und du?«
   »Oh!« Ich tauche gerade Mr. Miniright in meine Mitte, aber das muss er nicht wissen. Noch nicht. »Ich versuche, mir das auszumalen.«
   »Bist du nackt?«
   »Ja. Ich hab gerade geduscht.«
   »Noch nass?«
   »Ja.« Ich kichere. Wenn der wüsste …
   »Reib deine Nippel.«
   Der Typ steht eindeutig auf Telefonsex. Mir ist so heiß, dass ich ihn am liebsten durch den Hörer herbeizerren möchte. Außerdem stehe ich darauf, wenn der Mann beim Sex den Ton angibt. Nicht zu machohaft, schon gar nicht so einen durchgeknallten Dom aus der BDSM-Ecke. Einfach nur ein ganzer Kerl, der weiß, was er will und sich nimmt, was er auch gibt.
   Mr. Miniright lässt sich gefügig kreisen und wild vor- und zurückschieben. Nur ungern pausiere ich und widme mich meinen Brüsten. Die Spitzen sind hart, als wären es Kirschkerne.
   Es klopft an der Tür. Für einen Moment schrecke ich auf, doch ich bin viel zu sehr in Fahrt, um mich jetzt stören zu lassen.
   »Ich reibe sie.«
   »Sehr gut. Hast du große oder kleine Titten?«
   So genau scheint er das von unten also nicht erkannt zu haben, vielleicht kann er weit nicht gut sehen, obwohl er keine Brille getragen hat.
   »Mittel. Willst du wissen, wie sie sich anfühlen?«
   »Natürlich.«
   »Fest. Wenn ich von den Seiten aus in Richtung Mitte streiche, kann ich sie zusammenpressen und einen mächtigen Schwanz dazwischen aufnehmen. Hast du reichlich was zu bieten?«
   »Was verstehst du unter reichlich?«
   Oh, bitte nicht einer dieser Typen, die meinen, fehlende Zentimeter mit Ausdauer und Geschicklichkeit ausgleichen zu können. Es tut mir ja leid für die Männer, die weniger gut bestückt sind, doch sie sollen sich Frauen suchen, für die das okay ist. Gibt schließlich genug davon. Aber nicht ich! Wer einmal in den Genuss eines fähigen Liebhabers mit äußerst guten Proportionen gekommen ist, beginnt, den Genuss zu lieben wie eine Flasche besonders erlesenen Wein. Sein bestes Stück muss nicht kilometerlang sein, darauf kommt es tatsächlich nicht an. Aber die Dicke sollte schon so sein, dass ich mich ausgefüllt fühle. Sehr ausgefüllt. Deutlich mehr, als Mr. Miniright mir bieten kann. Mir muss die Luft wegbleiben in dem Moment, wo er in mich eindringt, mir beim ersten Stoß das Gefühl geben, es würde mich innerlich zerreißen. Natürlich nicht schmerzhaft – doch so, dass ich aufschreie, nach Atem ringe, mich winde, um die richtige Position zu finden, damit ich ihn gierig in mir aufnehmen kann. »Fängt für mich bei mindestens zwei Fingerbreit an«, sage ich und reibe Mr. Miniright über meine geschwollene Perle. »Männerfinger«, setze ich hinzu und seufze.
   »Drei«, sagt er trocken und stöhnt auf. »Machst du so etwas öfter?«
   »Was?«
   »Deine Vorstellung auf dem Balkon.«
   Soll ich jetzt rot werden? Ich unterdrücke den leicht schalen Geschmack, der sich auf meiner Zunge bilden will. »Eigentlich nicht«, sage ich und höre selbst, dass meine Stimme eine Spur zu kühl klingt.
   »Hey, so meinte ich das nicht. Ich finde es klasse, dabei zusehen zu dürfen. Macht mich total scharf.«
   Das wäre ein Punkt, den ich Mr. Right zuordnen würde. Sich gegenseitig bei der Selbstbefriedigung zuzuschauen, hat etwas gigantisch Reizvolles, das ich zu einem ausgefüllten Liebesleben bedingungslos hinzuzähle. Trotzdem noch ein weiter Weg, um deine neunundneunzig Punkte vollzubekommen, Schnuckelchen.
   Ich widme mich wieder Mr. Miniright. Vielleicht sollte ich demnächst über die Anschaffung eines größeren Bruders für ihn nachdenken. Nicht, dass sie sich miteinander vergnügen sollen – sie würden schön brav für mich strammstehen und mir zu Willen sein.
   Wann immer und wo immer und wie lange immer ich will. Auch so ein wichtiger Punkt. Eine Dreiminutennummer bringt mich nicht in Fahrt, auch wenn ich von der ersten Sekunde meinen Spaß beim Sex habe. Und mit nur einem einzigen Orgasmus gebe ich mich selten zufrieden. Allenfalls dann, wenn der Kandidat mich vorher mindestens ein halbes dutzend Mal bis um eine Haaresbreite davor getrieben hat und mit meinem Körper spielt wie ein begnadeter Virtuose auf seinem Instrument. Wenn er es schafft, mich im letzten Moment zurückzureißen, die Gier ins Unermessliche zu steigern, dann rausche ich gern auf den Wellen eines Megaorgasmus ab in ein fremdes Universum.
   »Stell dir vor, ich lecke deine Klit. Massiere sie gleichzeitig sanft mit den Fingern. Ich sauge daran, bis dir schwindlig wird.«
   Nicht seine Worte versetzen mich immer mehr in Ekstase, es ist seine Stimme. Er könnte glaube ich von vollen Staubsaugerbeuteln erzählen, die dringend gewechselt werden müssen, ich würde dennoch mein Ohr an den Hörer pressen und ihm gebannt zuhören. Da ist ein Raunen in seinem Timbre, ein leises, unterschwelliges Flüstern, das wilde, animalische Gier verrät.
   »Während du dich unter mir rekelst und windest, gleitet meine andere Hand tiefer zwischen deine Schenkel. Ich suche deinen nassen Eingang.«
   Den findet in diesem Moment erneut Mr. Miniright und bohrt sich drängend hinein. Ich danke es ihm mit einem Stöhnen.
   »Ich erobere dich mit einem Finger, fühle deine Nässe, deine Hitze. Du bist so bereit für mich, Baby, dass mich allein der Gedanke daran, dich zu nehmen, beinahe in den Irrsinn treibt. Mein Schwanz zuckt und pocht in meiner Hand.«
   O ja. Er schwebt bildlich und überdimensional vor meinem inneren Auge. Ich lechze danach, meine Zunge auszustrecken und über die samtige Haut zu fahren. Seinen Geschmack zu kosten und seine Härte zu erforschen.
   Unterschwellig dringt ein störendes Geräusch an meine Ohren, aber ich schaffe es im Moment beim besten Willen nicht, es zuzuordnen. Mittlerweile klemmt der Telefonhörer zwischen meiner Schulter und meinem Ohr, denn ich brauche dringend beide Hände frei. Die eine gibt dem Dildo den Takt vor, schneller und fester. Mit der anderen streichle ich abwechselnd meine Perle und knete meine Brüste, zupfe leicht an den Brustwarzen, mitunter auch etwas härter.
   Er stöhnt mir ins Ohr. »Baby, ich brauche nicht mehr lange. Ich rieche dich, ich schmecke dich. Du fühlst dich wahnsinnig erotisch an. Deine Haut ist so weich, glatt wie Seide und heiß wie die Hölle …«
   Eine erste Welle fasst mich, versucht, mich mit sich zu reißen, doch der Schwung reicht noch nicht. »Sprich weiter«, fordere ich. »Beschreib mir, was du treibst.«
   »Ich treibe es in Gedanken wild mit dir, Süße. Ich knete deinen Backen, spüre deine ausgelassene Gier. Komm, streck mir deinen prallen Hintern entgegen, mein Schwanz lechzt danach, sich von hinten in dir zu vergraben.«
   Ein Zucken schüttelt mich, zwingt mich, meinen Nippel so fest zu kneifen, dass ich aufschreie. Meine Haut ist nass, doch nicht mehr vom Duschen, sondern von der Hitze, die von innen nach außen fließt. Meine Hand gleitet zurück an meine Klit. Ich nehme sie zwischen zwei Finger und drücke sie zart, fester, reibe wild.
   »Ich streichle meinen Schwanz durch deine Ritze, befeuchte ihn mit deinem Saft. Gott, bist du heiß. Du glühst ja.«
   Meine Oberschenkel zittern immer stärker. Gleich passiert es, der Vulkan ächzt und stöhnt, steht nur Sekunden vor einem explosiven Ausbruch.
   »Ich packe deine Hüften und vergrabe mich in deinem Innersten. O ja, Baby, ja. Verschling mich. Nimm mich in dir auf, verbrenn mich, lass mich in deiner Hölle schmoren und katapultier mich daraus in den Himmel.«
   Ich stöhne. Die Wucht meines Orgasmus presst mir die Luft aus den Lungen, bis ich nur noch japsen kann. Auch er stöhnt, schreit verhalten. Er hat abgespritzt, das höre ich an seiner Stimme. Dieser gutturale Ton, schnurrend und schmeichelnd wie ein Kater, der nach Streicheleinheiten lechzt.
   Der Hörer rutscht wie von allein von meinem Ohr und bleibt auf dem schweißgetränkten Kissen liegen. Ich kann sein hektisches Atmen noch hören, doch langsam dringt ein anderes Geräusch in mein Bewusstsein. Ich brauche eine Weile, bis mir klar wird, dass es schon wieder an der Tür pocht. Oder noch immer? Fast hat dieses Pochen den gleichen Rhythmus wie das Pulsieren meiner Klit, die sich langsam von den Strapazen der wilden Reibung erholt und, wie ich mich kenne, schon bald nichts mehr gegen weitere Aufmerksamkeiten wird einzuwenden haben.
   Ich gleite aus dem Bett und lege während des Aufstehens den Hörer zurück auf die Ladestation. Leise nähere ich mich der Tür, bleibe stehen, lausche. Draußen ist es ruhig. Das Klopfen hat aufgehört.
   Zuerst muss ich tief durchatmen und mich sammeln. Dann schaffe ich es, die Tür vorsichtig zu öffnen. Ich strecke den Kopf nur Zentimeter weit hinaus in den Gang, gerade so weit, dass ich so eben noch einen braun gebrannten Rücken erkenne. Lange Beine und breite Schultern. Ein geschmeidiger Gang, wie der eines an sein Opfer heranpirschenden Panthers. Ich starre auf den dunklen Haarschopf und die maskuline Statur meines Mr. Rights von der Poolbar. Am Ende des Ganges bleibt er vor dem Fahrstuhl stehen. Ich schaffe es gerade noch, zurückzuschnellen und die Tür zu schließen. Mein Herz wummert bis in die Ohren.
   Wer war der Typ am Telefon?
   Oder – und das bringt mich jetzt erst mal völlig durcheinander: Wer war der Typ vor meiner Zimmertür? Gab es doch mehr Zuschauer, als mir bewusst geworden ist?

*

Er hätte sich nicht ablenken und Mike nicht allein losziehen lassen sollen, um die Akte des Spaniers noch mal durchzugehen. Zwar war es nur reine Routine, und erst morgen Abend würde der Einsatz starten, aber es war nicht fair gewesen, Kopfschmerzen vorzutäuschen und seinem Partner die eigentlich überflüssige Arbeit allein zu überlassen. Sie kannten alle Details in- und auswendig.
   Diese Frau auf dem Balkon hatte ihm vollkommen den Kopf verdreht.
   Ein kühnes, freches Früchtchen, aber er musste zugeben, dass sie ihm ganz schön zugesetzt hatte. Eine Frau, die schon vom Anblick her sein Blut in Wallung brachte – oder eher, es in die unteren Regionen seines Körpers presste.
   Wie sie da oben im sechsten Stock auf dem Balkon gestanden hatte, vom Sonnenlicht umflutet, und ungeniert ihren Genuss preisgegeben hatte. Erst nur über die Wärme, die Sonne, das Gefühl, unter blauem Himmel den Sommer zu genießen. Er hatte in ihrem Gesicht lesen können wie in einem offenen Buch, und obwohl er sie nicht kannte, wusste er doch mehr über sie, als sie auch nur ahnen konnte.
   Sie war vor einer halben Stunde angereist, eine Deutsche, deren Namen er sich nicht eingeprägt hatte, denn die Ankunft der Touristen aus Deutschland war zweitrangig. Der spanische Drogenbaron, den sie erwarteten, hatte am Mittag eingecheckt, nachdem er planmäßig mit einem Emirates-Flug über Zürich aus Dubai zurückgekehrt war. Er hatte dort einen Emir getroffen, den die lokalen Behörden schon länger im Visier hatten, doch der war so vorsichtig gewesen, dass man ihm bislang nichts hatte nachweisen können. Nur der Ordnung halber hatten Mike und er die Namen der Neuankömmlinge aus Deutschland schon vor deren Eintreffen im Hotel in ihren Zimmerplan eingetragen. Der Drogenbaron residierte eine Etage über der kessen Kleinen in einer Suite, die beinahe das gesamte oberste Geschoss des Hotels einnahm. Allerdings würde der Zugriff nicht hier stattfinden, sondern morgen Abend direkt bei der Übergabe des Rauschgifts in einem Einsatz, geleitet von der spanischen Polizei, den Mike und er begleiteten.
   Er warf einen Blick auf die Uhr. Noch immer war es beinahe eine Stunde, bis er sich wieder mit Mike treffen würde. Er konnte sich angenehmere Dinge vorstellen, um die Zeit zu überbrücken.
   Die Kleine hatte unter dem Namen Lisa Schultheiß eingecheckt, aber ein Blick in ihre im Hotelcomputer gespeicherten Kreditkartendaten, in die er unter großzügiger Auslegung seiner Befugnisse Einsicht genommen hatte, hatte ihm verraten, dass sie Lakisha Chantal mit Vornamen hieß. Er war seit sieben Jahren in Deutschland bei der DEA Presence in Stuttgart stationiert, beherrschte die deutsche Sprache beinahe wie seine amerikanische Muttersprache und kannte sich mit deutschen Werten und Gepflogenheiten ebenso gut aus wie mit Vorurteilen und Voreingenommenheit. Er verdankte dieses Wissen nicht zuletzt seinem Aufenthalt, sondern seinem deutschstämmigen Vater, der mit Mom und seinen jüngeren Geschwistern in Salt Lake City auf seine baldige Rückkehr hoffte. Er vermisste sie auch, aber er dachte noch nicht an eine Heimkehr. Er war erst knapp dreißig und noch nicht bereit dafür, seinen Eltern den Wunsch nach Enkelkindern zu erfüllen.
   Seine Gedanken glitten zurück zu Lisa. In Gedanken sprach er zärtlich ihren echten Namen aus: Lakisha. Dass sie nicht Chantal genannt werden wollte, konnte er nur zu gut verstehen. Es hätte es auch gehasst, wenn er einen gesellschaftlich verpönten Namen tragen müsste.
   Entspannt lehnte er sich an das Kopfteil seines Hotelbetts und dachte voller Genuss an das Mienenspiel, das Lisa auf dem Balkon geliefert hatte. Mehr als ihr Oberkörper, den sie zuerst fest umschlungen gehalten hatte, war von ihr nicht zu sehen gewesen. Die Tätigkeit ihrer Finger hatte sich dafür umso bildhafter vor seinem inneren Auge abgezeichnet. Es war nicht schwer, anhand der leichten Bewegungen ihrer Arme, und in der Hauptsache anhand ihres Gesichtsausdrucks, ihr Treiben zu deuten. So klar, als wäre der Beton der Balkonbrüstung transparent gewesen.
   Er wurde schon wieder hart. Sein Hals trocknete aus, und obwohl er an der Poolbar drei große Gläser Wasser getrunken hatte, fühlte er sich wie kurz vor dem Verdursten. Hastig nahm er eine Wasserflasche aus der Minibar und leerte sie in einem Zug, ehe er sich wieder auf das Bett fallen ließ.
   Zimmer 541!
   Hätte sich Lisa wirklich auf ein sofortiges Sexabenteuer eingelassen, wenn er direkt zu ihr gegangen wäre, nachdem sie ihm die Zimmernummer signalisiert hatte? Hatte er Trottel sich eine noch heißere Nummer als den Telefonsex versaut, weil er nicht glauben konnte, dass diese junge Frau derart freizügig sein sollte? Er hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, dass sie wahrscheinlich als Erstes den Preis verhandeln würde, ehe sie es ihm gestattete, auch nur einen Zeh über ihre Türschwelle zu setzen.
   Das Abenteuer am Telefon hatte ihn vom Gegenteil überzeugt. Eine Professionelle hätte nur auf einer kostenpflichtigen Sonderrufnummer einen erotischen Talk mit ihm geführt, wahrscheinlich, während sie dastand und die Wäsche bügelte.
   Er legte eine Hand auf sein mittlerweile wieder stahlhartes Geschlecht. Die Nummer am Telefon war heiß gewesen, aber sie stellte nur ein Vorspiel dessen dar, was er jetzt am liebsten mit Lisa tun würde. Beinahe wäre es ihm egal gewesen, wenn sie es für Geld täte, Hauptsache, sie tat es mit ihm. Er stellte sich vor, seine Hände in ihrem goldblonden Haar zu vergraben, das im Sonnenlicht geglänzt hatte wie schimmernde Seide. Während Lisa vor ihm kniete und genau das fortsetzte, was sie auf dem Balkon verborgen hinter der Brüstung getrieben hatte, wollte er spüren, wie sich ihre feuchten Lippen um seinen Schwanz legten. Wie sie ihn tief in sich aufnehmen würde, um ihn Zentimeter für Zentimeter wieder freizugeben, bis sie mit der Zunge seine Eichel umfahren könnte, um anschließend mit den Zähnen sanft zu knabbern. Er liebte dieses Zwicken, das ihm prickelnd durch den Schwanz bis in die Eier schoss, gefolgt von zarten Liebkosungen, die das Zucken bezähmten.
   Beinahe wie von allein umschlossen seine Finger den stahlharten Schwanz. Er schob seine Faust vor und zurück und legte den Daumen der anderen Hand auf die Eichel. In kreisenden Bewegungen liebkoste er die empfindliche Haut, bis ihn ein wonniger Schauder zwang, die zweite Faust um die Eichel zu legen und fest zuzudrücken. Er rekelte die Hüften unter der kribbelnden Empfindung, die seinen Hodensack zusammenzog, sodass sich die Haut kräuselte.
   Hinter seinen geschlossenen Lidern malte sich das Bild ab, wie er seine Hände in Lisas Hüften vergrub und ihr den Takt vorgab, mit dem sie sich auf seinem Schwanz auf und ab bewegte. Er sah ihre schaukelnden Brüste vor sich, als sie sich vorbeugte und sie nah vor seine Lippen bewegte. Seine Zunge schnellte vor, um eine Spitze zu erhaschen. Er würde den Kopf heben, um ihre Brustwarze zwischen die Lippen zu ziehen und fest daran zu saugen. O Gott, er liebte die Vorstellung, Lisa so weit zu treiben, dass sie alle Hemmungen verlor. Dass sie zügellos auf ihm ritt, während er ihr mit dem Daumen die Klitoris rieb und die andere Hand um ihre Pobacke legte, um Lisa immer wieder für zwei, drei Sekunden zum Innehalten zu bringen, damit er seine kurz bevorstehende Explosion entschärfen konnte.
   Der Genuss, irgendwann gemeinsam mit ihr zu kommen, würde umso gigantischer sein.
   Er hielt sich die gewölbte Hand vor die Eichel, als er abspritzte, und gönnte sich noch einige Minuten, in denen er sich den nachlassenden Wellen seines Orgasmus hingab.
   Nach dem Duschen fühlte er sich wie neugeboren. Er schlüpfte in seine Panties, Jeans und T-Shirt. Normalerweise trug er Anzüge während des Dienstes im Büro, aber hier durfte er unter den Hotelgästen nicht auffallen. Das Einzige, was ihn von den Flip-Flop tragenden männlichen Gästen unterschied, waren die Puma-Turnschuhe, in denen er nötigenfalls einen Sprint hinlegen konnte, sollte es zu einer Verfolgung kommen. Rechnen tat er damit für den heutigen Abend nicht. Die spanische Kriminalpolizei hatte ordentliche Vorarbeit geleistet, wofür er den Kollegen Respekt zollte. Die Verhaftung würde einen der größten Global Player am Drogenhimmel in die Arme der Drug Enforcement Administration spielen. Mike und er waren dafür zuständig, den Gefangenen zunächst in die europäische DEA-Zentrale zu bringen, um ihn ersten Verhören zu unterziehen. Anschließend sollte er den amerikanischen Behörden zugeführt werden, die ihm den Prozess machen würden. Sämtliche Überführungs- und Auslieferungspapiere waren bereits abgehandelt. Der Drogenbaron wickelte nachweislich einen Hauptteil seiner illegalen Tätigkeiten in den Staaten ab, er traf sich auf Mallorca mit seinem größten europäischen Unterhändler, der ebenfalls ab morgen gesiebte Luft atmen, aber nicht von der DEA überführt werden würde.
   Mike klopfte an seine Zimmertür. »Bist du so weit? Was macht dein Kopf?«
   Er öffnete seinem Kollegen. »Ja. Und mir geht’s besser.«
   Sie hatten vereinbart, gegen sechs eine Kleinigkeit zu essen. Während er ins Bad zurücktrat, schnappte er sich sein Aftershave, gönnte sich eine unaufdringliche Menge und schlug sich die Hände ins Gesicht. Sein Magen knurrte, aber es war weder gut, mit überfülltem Bauch loszuziehen noch hungrig wie ein Bär.
   »Los geht’s!« Er kontrollierte noch einmal den Sitz seiner Waffe im Schulterhalfter und zog ein kurzärmliges weißes Hemd über das schwarze T-Shirt, das er offen über der Hose trug. Für den Speisesaal war das ebenso okay wie für den vermeintlichen Kneipenbummel, den Mike und er anschließend starten würden. Tatsächlich hatten sie geplant, das Umfeld auszukundschaften und sich mit den Wegen und Gassen rund um den Bierkönig vertraut zu machen. Der Zugriff würde morgen Nacht kurz vor Mitternacht in der Nähe des Kultschuppens stattfinden. Aus sicherer Quelle wussten sie, dass dort eine größere Menge Rauschgift den Besitzer wechseln würde. Dennoch konnte noch einiges schiefgehen, und er hoffte, dass sich Lisa nicht ausgerechnet in diese Gegend verirren würde, wenn sie sich unter das Partyvolk mischte.

Kapitel 2
Nachtleben



Männer wippen im Takt von Frauenhüften
Daniel Mühlemann

Ballermann, ich komme. Okay, das war eindeutig zweideutig, ich geb’s zu. Doch was wäre schon ein Mallorcaurlaub ohne Partynacht mit Cocktails, heißen Rhythmen und sexy Männern? Bestimmt ist irgendwo dort draußen der eine, mein Mr. Right, der mich bis an Ende meiner Tage glücklichvögeln wird. Aber bis es so weit ist, will ich nicht im Hotelzimmer versauern.
   Ich habe mich sorgfältig geschminkt, nicht zu dick aufgetragen, und mich für einen schwarzen Rock und High Heels entschieden. Dazu ein rotes leichtes Top. Genau richtig, um nicht underdressed zu sein, aber auch nicht zum Hingucker zu werden. Ich möchte lieber selbst die Lage sondieren, damit mir mein Mr. Right nicht an der Theke versackt, bevor ich ihn finde, und ich mich mit einer weiteren Niete abfinden muss. Oder ganz ohne Erfolg wieder hier im Hotel lande. Desolate Vorstellung.
   Auf Unterwäsche habe ich spontan verzichtet. Ich bin jung genug, um keinen BH zu brauchen. Warum soll ich meine Vorzüge verstecken? Meine Brüste sind prall, und als ich sie unter dem Top zurechtrücke, schießt mir die Erinnerung an mein Telefonsexabenteuer Erregung zwischen die Schenkel.
   Meine Berührungen werden intensiver, zärtlicher, und ich schließe die Augen. Seine Stimme hat mich irre angemacht. Ich streiche über meinen Bauch, tiefer und sanft.
   Stopp! Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um näher darüber nachzudenken. Vielleicht meldet er sich ja noch mal, vielleicht ergibt sich sogar eine Chance, ihn kennenzulernen. Ob er eine Niete oder der Hauptgewinn sein könnte, weiß ich noch nicht, aber ich werde den Teufel tun und darauf warten, dass mir eine Erleuchtung kommt.
   Das Kribbeln und Prickeln, das die Hoffnung auf eine fantastische Nacht hervorruft, wird einladender, doch ich atme tief durch und rücke mein Top zurecht. Selbstbefriedigung ist zwar nett, aber nicht alles. Mr. Miniright verdient auch seine Pausen.
   Der Weg zum Bierkönig, meiner ersten Anlaufstelle, gestaltet sich nicht schwer. Es ist nicht weit, ich muss nur den grölenden Grüppchen folgen. Meine Güte, so spät ist es doch überhaupt noch nicht. Wahrscheinlich haben die einfach andere Prioritäten für heute Abend – oder keine Hoffnung mehr.
   Ich mache einen großen Bogen um einen entrückt grinsenden Mann, der verdächtig high oder besoffen wirkt und wohl seiner Ansicht nach cool an einer Mauer lehnt. Für mich wirkt es eher, als wäre er unsicher, ob er gleich kotzen wird oder ihm Flügel wachsen. Also nicht, dass er mir noch die High Heels einsaut.
   Nur ein paar Meter weiter werde ich angesprochen. Drei Männer in mittlerem Alter mit Bierfahne und –bauch – und es ist wirklich noch nicht so spät – versuchen ihr Glück. Weil keiner von ihnen annähernd nüchtern, geschweige denn sexy ist, ignoriere ich sie und schlüpfe an ihnen vorbei in die Disko.
   Gerade kommen mir wieder Zweifel, ob ich will, dass mein Mr. Right gerade hier am Ballermann auftaucht. Was, wenn er auch so ein Schluckspecht ist? Die Vorstellung ist abtörnend. Ich finde es zwar anregend, einen Cocktail zu trinken und lockerer zu werden, den Großteil einer sinnlichen Atmosphäre macht jedoch nicht der Alkohol aus, sondern Berührungen, Blicke, mein Fetisch – die Stimme – und nicht zuletzt ein heißes Lächeln. Der Wunsch nach mehr, die Vorstellung, was passieren könnte, wenn man der Einladung des Lächelns nachgibt.
   Mit einem Brosé bewaffnet, eigentlich einem Männercocktail mit Whisky, schiebe ich mich kurze Zeit später durch das Gedränge und suche mir einen Platz an einem der Stehtische. Glücklicherweise ist einer noch frei an hinterster Front. Von hier aus habe ich einen guten Überblick.
   Hallo, da vorn steht doch jemand, der erstens fast nüchtern zu sein scheint – er schwankt nicht – und zweitens ein recht ansehnliches Hinterteil hat – die Jeans ist knackig ausgefüllt. So viel kann ich aus der Ferne beurteilen. Ich trinke einen Schluck, lasse den Blick schweifen, finde aber auf die Schnelle niemanden, zu dem er gehören könnte. Außerdem sehe ich in dem Gedränge kaum jemanden, der mein spontanes Interesse weckt.
   Neben ihm stehen einige andere Männer, mit denen er wohl unterwegs ist. Seine leicht gewellten braunen Haare sind ein wenig zu lang und berühren den Kragen seines Poloshirts. Da bekomme ich sofort Lust, hindurchzustreichen und mich hineinzukrallen, während er … Okay, ruhig Blut.
   Er hält ein Bier umklammert, wodurch ich seine Finger betrachten kann. Auffällig schlank und lang. Wieder ein Pluspunkt auf meiner Liste. Jetzt muss ich nur noch sein Gesicht sehen, um …
   In diesem Moment schmiegt sich eine junge Frau an ihn, und er legt einen Arm um sie. Mist. Meine Liste ist soeben hinfällig geworden.
   Ich trinke meinen Cocktail aus und lasse das Glas einfach stehen. Mir ist nach Tanzen zumute. Einige Zeit lasse ich mich treiben, genieße den Rhythmus und bewege die Hüften passend im Takt. Männer versuchen immer wieder, mit mir anzubandeln, aber es ist keiner dabei, bei dessen Anblick mein Herz schneller schlägt. Heute Abend stört es mich nicht mal, dass hier Schlager gespielt werden, eine Musikrichtung, um die ich ansonsten einen ebenso großen Bogen mache wie um betrunkene Gruppen.
   Plötzlich spüre ich eine Hand an meinem Hintern. Ich will sie wegschieben, überlege es mir jedoch anders, als die Finger nach oben über meine Hüfte bis zur Taille wandern. Meine Bewegungen werden lasziver, und ich genieße die feste Liebkosung. Mittlerweile tanzt der Fremde eng hinter mir. Ich drehe mich nicht um, um den Zauber nicht verfliegen zu lassen, sondern reibe mich ein wenig an ihm. Mhm, seinen Schwanz spüre ich durch den Stoff, der uns trennt, deutlich. Ihm gefällt unsere Begegnung also genauso wie mir.
   Er schiebt beide Hände über meinen Bauch in Regionen, die nicht mehr anständig sind. Ob er wohl merkt, dass ich keine Unterwäsche trage? Ob er so dreist ist, seine Hände noch weiterwandern zu lassen?
   Ich habe nicht vor, mich auf der Tanzfläche vor allen anderen flachlegen zu lassen, aber es macht mich schon an, dass er so forsch ist. Ich liebe es, wenn Männer leicht dominant sind, sich umgekehrt aber auch mal von mir führen lassen. Ich schiebe die neugierigen Finger in jugendfreie Regionen zurück.
   Seine Lippen erkunden meinen Hals, und ich erschaudere wohlig. Er nimmt sich ganz schön viel raus. Der ausgelassene Rhythmus und die unanständigen Berührungen heizen mich an. Eine Hand wandert meinen Rock entlang, befühlt spürbar den glatten Stoff, und dass sich darunter nichts abzeichnet. Er stockt, was mir ein Lächeln entlockt. Da hat wohl jemand festgestellt, dass ich kein Höschen trage. Tja, Überraschung.
   »Hallo, meine Schöne«, raunt er mir ins Ohr, was mir eine Gänsehaut beschert.
   Ich schiebe die erneut zu aufdringlich werdende Hand beiseite, drehe mich aber weiterhin nicht um.
   »Ich dachte, ich stelle mich erst mal vor, bevor wir uns noch näher kommen«, murmelt er. »Du bist ja ein Luder.«
   Ja, vielleicht. Manchmal.
   Sein Schmunzeln höre ich heraus, auch wenn der Bass kräftig hämmert. In mir wummert es auch, es zieht in meiner Mitte, und ich wünsche mir fast, doch mitten in der Menge gevögelt zu werden. Soll ich ihm eine Chance geben, mir näherzukommen?
   Ich drehe mich um und erschauere, aber nicht mehr vor Lust. Vor mir steht der Typ, dem beinahe Flügel gewachsen wären. Seine Pupillen sind riesig. Meine Lust verpufft wie die Luft eines geplatzten Ballons. Drogen sind tabu, und außerdem ist er so was von nicht mein Typ.
   Ich weiß nicht, was ich sagen soll und weiche zurück. Ein neuer Schauder läuft meine Wirbelsäule entlang. »Sorry, aber das war’s. Kein Interesse!« Ich drehe mich um und schiebe mich so schnell durch die Massen, wie es nur geht. Ich muss hier raus!
   Hoffentlich kommt er mir nicht nach in dem Glauben, er dürfte mich hinter einem Müllcontainer vernaschen. Den Abend habe ich mir wahrlich anders vorgestellt, als vor einem Kiffer davonzurennen.

*

Mike und er hatten die Umgebung um den Bierkönig herum ausführlich durchforstet und hier und da wie Touristen Fotos geschossen, die sie morgen ihren Straßenplan hinzufügen würden. Gerade planten sie, den Feierabend einzuläuten und nach einer ruhigeren Ecke zu suchen, um noch ein Wasser zu trinken, da sah er Lisa an drei Leuten vorbei in den Bierkönig huschen.
   »Sorry, Mike. Bist du mir böse, wenn ich da reingehe und wir uns hier trennen?«
   Sein Partner blieb stehen und warf ihm einen Blick zu, der jeder Diva im Film zu einem Oscar verholfen hätte. »Mi amor«, schluchzte er, »ich wusste, du würdest nicht treu sein können.« Mit einem beleidigten Ausdruck, den sein freches Grinsen Lüge strafte, marschierte Mike davon in Richtung Hotel. Wenige Schritte entfernt drehte er sich noch einmal um. »Ich hoffe, du verbringst die Nacht wenigstens in meinem Bett, ¡cariño!«
   Ein paar junge Frauen kicherten, als sie sich an ihm vorbeidrängten, und er war versucht, Mike den Mittelfinger zu zeigen, doch dann wandte er sich grinsend ab und ging hinter Lisa her, ehe er Gefahr lief, sie in dem Getümmel nicht mehr wiederzufinden.
   Die Menge war in bester Stimmung. Es mussten Hunderte sein, die die Halle füllten, die einem Festzelt auf den Münchner Wies’n glich. Beinahe kam er sich wie ein Greis vor, denn die Jungs und Mädels um ihn herum wirkten wie Teenager, nicht wie kurz vor Ü30. Er sah sämtliche Felle davonschwimmen, Lisa hier wiederzufinden. Dennoch bahnte er sich einen Weg tiefer hinein in die Menge.
   Mittlerweile ging es auf 22:00 Uhr zu, die Feierwut der Besucher war zwar schon mächtig am Brodeln, aber noch lange von ihrem Höhepunkt entfernt. Nach einem kurzen Rundumblick entschied er sich, einen Platz auf der Balustrade zu ergattern, um von oben die Besucherschar zu durchforsten. Irgendwo in der wogenden Masse musste Lisa stecken.
   Er stand noch keine fünf Minuten dort, als er sein Glück kaum fassen konnte. In der tanzenden Menge flackerten Dutzende blonde Köpfe im bunten Scheinwerferlicht, doch die Frau, die allein mit geschlossenen Augen und leicht in den Nacken gelegtem Kopf tanzte, war Lisa.
   Rasch schob er sich an den Gästen vorbei und hetzte zur Treppe zurück. Wahrscheinlich würde Lisa wieder in der Menge untergetaucht sein, bis er sich zu ihr hindurchgekämpft hatte. Er legte seine rechte Hand auf die Stelle, unter der sich seine Waffe im Schulterholster verbarg, damit im Gedränge nicht einer lange Finger machte, und schob sich unerbittlich vor, bis er am Rand der Tanzfläche eine Lücke eroberte, die ihm zwischendurch immer wieder eine Sicht auf Lisa ermöglichte.
   Noch immer tanzte sie mit geschlossenen Augen. Die Arme erhoben, gab sie sich vollends dem Takt der Musik hin. Ihr Körper bewegte sich anmutig in einer natürlichen Weise, als wäre ihr das Talent zur rhythmischen Bewegung in die Wiege gelegt worden. Er bewunderte ihre schlanken Arme und die fein definierten Muskeln, die ihr T-Shirt nicht verbergen konnte. Als er einen Schritt vortreten wollte, um sich unter die Tanzenden zu begeben und sich Lisa zu nähern, bemerkte er den Typen, den Mike und er vor etwa einer Stunde beim Drogenkauf beobachtet hatten. Wahrscheinlich Ecstasy oder eine andere Partydroge, verkauft von einem kleinen Fisch, für den sie sich nicht weiter interessierten als ein heimliches Foto zu machen, das sie den spanischen Kollegen zukommen lassen würden. Hier am Ballermann beherrschten noch immer senegalesische Gruppen den Straßenverkauf, aber in den vergangenen Jahren hatte die Polizei durch eine Verstärkung ihrer Einsatzkräfte bereits für mehr Sicherheit auf der Partymeile sorgen können.
   Der Kerl schmiegte sich rotzfrech von hinten an Lisa heran, und beinahe wäre er losgestürmt, um den Idioten am Schlafittchen zu packen und ihn in seine Schranken zu weisen. Rechtzeitig genug besann er sich. Er hatte kein Recht dazu, und Aufsehen erregen konnte er sich keinesfalls erlauben. Wenn es zu einer Prügelei kommen würde, wäre sein morgiger Einsatz gefährdet. Also trat er zwei Schritte zurück und beobachtete über die Schulter seines Vordermannes hinweg, was auf der Tanzfläche passierte.
   Der Drecksack legte von hinten eine Hand auf Lisas Hinterteil. Für einen Moment wirkte sie, als wollte sie sie wegschieben, doch dann löste sich ihr Stocken auf, und sie bewegte sich weiter in der Musik aufgehend, sogar ein wenig anzüglicher, wie es ihm schien. Hitze schoss in seinen Unterleib. Sie war wirklich ein echt freches Früchtchen.
   Die Hand des Kerls wanderte über ihre Hüfte bis an die Taille. Lisa wand sich unter der Berührung. Sie sollte sich nicht wundern, wenn der Typ zudringlicher werden würde, als es ihr lieb sein konnte, doch vielleicht legte sie es auch gerade darauf an. Der Mann schmiegte sich noch enger an sie und schob seine Hände nach vorn über ihren Bauch. Sie rutschten ab in Regionen, von denen er besser seine Finger lassen sollte, wollte er nicht riskieren, dass er ihm doch noch ein Veilchen verpasste. Verdammt! Lisa! Bist du wirklich so ein Flittchen?
   Er wusste nicht, was ihn an dieser jungen Frau so anzog. Ihr Verhalten ganz sicherlich nicht, auch wenn sie ihn schon aus der Ferne scharf machte wie keine Frau zuvor.
   Der Typ beugte den Kopf und fuhr mit den Lippen an Lisas Hals entlang, während er mit einer Hand nach dem Rocksaum tastete. Echt, das ging zu weit jetzt. Wenn Lisa ihm nicht bald einen kräftigen Rüffel erteilten, würde er doch noch auf die Tanzfläche stürmen. Natürlich war ihm bewusst, dass dieses Vorhaben nur seinem Wunschdenken entsprach.
   Lisas entrücktes Lächeln brachte ihn dennoch weiter auf die Palme. Er kochte innerlich vor Wut und Frust. Enttäuschung, die er sich nicht erklären konnte.
   Nur, weil er heißen Telefonsex mit der Lady gehabt hatte, dürfte es ihn nicht so berühren, was sie hier für ein Schauspiel vollführte. Wieder einmal. Das erste hatte er geil gefunden, dieses hier törnte ihn ab. Jedenfalls die bekiffte Hälfte davon, denn Lisas Bewegungen und ihr verklärter Gesichtsausdruck trugen trotz ihres Benehmens nicht dazu bei, die Beule in seiner Jeans zu verkleinern.
   Mittlerweile hatte sich der Kerl noch weiter über ihre Schulter vorgebeugt und flüsterte Lisa etwas ins Ohr.
   Er erhaschte einen Blick auf die Vorderseite der beiden. Lisa hatte jetzt die Augen geöffnet, und ihr Gesichtsausdruck wechselte jäh von verträumter Laszivität nach kalter Zurückweisung. Na endlich!
   Sie schob die Hand des Kerls mit einer ruckartigen Bewegung beiseite, drehte sich aber nicht zu ihm um. Erst einige Sekunden, nachdem er ihr erneut etwas ins Ohr geflüstert hatte, wandte sie sich um, und der Schauder, der ihr ganz sicher über die Haut lief, zeichnete sich an ihrem Gesichtsausdruck ab.
   Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Selbst schuld. Der Gedanke durchfuhr ihn nicht ohne eine Spur von Schadenfreude.
   Lisa sagte irgendwas, und ihre Augen blitzten dabei, als klirrten ihr gleichzeitig Eiswürfel über die Lippen. Abrupt wandte sie sich um und drängte sich durch die Tanzenden in Richtung Ausgang.

*

Als ich draußen bin, blicke ich mich um und registriere erleichtert, dass ich nicht verfolgt werde. Der Typ war wohl zu überrascht, dass ich die Flucht ergriffen habe.
   Meine Erregung trudelt natürlich dem Nullpunkt entgegen. Schade, denn die Tanzeinlage war anregend genug, um mir den weiteren Abendverlauf bildlich vorstellen zu können. Ich wäre gern auf eine intensivere Tuchfühlung gegangen, hätte mich mal wieder richtig fallen lassen wollen bei gutem Sex – bis ich gesehen habe, wer mich da so frech angemacht hat.
   Auf die kalte Dusche, die folgte, hätte ich gut verzichten können. Der Kiffer hat alles gekillt, was sich so schön in mir aufgebaut hatte.
   Jetzt ist die Nacht gelaufen, und ich sehne mich nach meinem Hotelzimmer. Der Tag war doch anstrengender als gedacht, und hier werde ich meinen Mr. Right definitiv nicht finden. Die Erkenntnis ist weniger schmerzhaft als vielmehr befreiend. Mallorca war sicher nicht meine beste Idee. Wobei das wohl auch schon meine Suche in der Kirche nicht war … Wie ich darauf gekommen bin, behalte ich lieber für mich. Verzweiflung, gepaart mit einigen Tequilas, mehr sage ich nicht …
   Einige Zeit lang schlendere ich ziellos über die Partymeile und überlege, ob ich es nicht doch noch mal in einem anderen Klub versuche. Aus allen Diskotheken ertönt Musik, die mir bis in den Bauch steigt. Das Vibrieren ist angenehm wie der laue Nachtwind. Langsam kehrt meine Gelassenheit zurück, und ich kann schon wieder über den Wichtigtuer schmunzeln. Das war bestimmt die heißeste Nummer, die er seit Langem erlebt hat. Schade, dass er nicht der sexy Mann war, den ich am Hotelpool gesehen habe … oder mein geheimer Anrufer – nur für den Fall, dass er nicht ein currywurstverschlingender Fettwanst ist. Wer weiß, was dann noch passiert wäre.
   Ich erreiche eine Straße, in der weniger los ist. Nach einer weiteren Straßenecke entdecke ich abgetrennt von einer Balustrade etwas tiefer den Strand. Hinten erkenne ich die Wellen, die gegen die Insel schlagen. Der Anblick lässt mich innehalten und tief durchatmen. Die Luft riecht salzig, ich schmecke es fast auf der Zunge, so intensiv ist der Geruch.
   Anscheinend bin ich falsch abgebogen, denn außer mir ist niemand hier. Die Partymusik ist kaum noch zu hören. Der Ort wirkt wie eine einsame Insel mitten im Getümmel. Ich will schon umdrehen, als ich ein leises Stöhnen höre.
   Abrupt bleibe ich stehen und lausche.
   Da ist es wieder. Erregte Laute einer Frau. Wenigstens eine, die ihren Spaß hat. Ich gönne es ihr und drücke ihr die Daumen, dass sie ihren Mr. Right gefunden hat und richtig rangenommen wird. Der Ort hier ist wie geschaffen für eine romantische Liebesnacht, wenn man darauf steht, vielleicht erwischt zu werden. Palmen und der Strand, der laue Wind, die plätschernden Wellen … total entspannend.
   Spontan beschließe ich, eine Weile hierzubleiben und die Atmosphäre zu genießen, bevor ich mich auf den Weg zurück ins Hotel mache. Ich setze mich auf eine weiße Bank, streife die High Heels ab und blicke in den Himmel. Eine sternenklare Nacht. Mir wird bewusst, dass Mallorca nicht nur den Ballermann zu bieten hat, sondern auch eine vielfältige Natur, die Meeresbrise, Palmen – eben das Flair einer Mittelmeerinsel. Ich mag das. Vielleicht sollte ich meine Bemühungen mehr in diese Richtung lenken? Mr. Right kann ja auch ein heißer Motorradfahrer oder ein sexy Segler sein. In Gedanken mache ich drei Kreuze, dass ich ihn nicht im Bierkönig aufgegabelt habe. Ich wünsche mir, dass er sportlich und charmant, elegant und humorvoll ist. Und natürlich treu, ehrlich und voller versteckter Geheimnisse, die ich lüften darf. Schließlich soll zwischen uns ja keine Langeweile aufkommen.
   Ich schließe die Augen und gebe mich den Gedanken an meinen Traummann hin. Ob er breite Schultern zum Anlehnen haben wird? Wird er Grübchen haben? Ich stehe auf Grübchen und breite Schultern, aber wo die Liebe hinfällt, weiß man ja vorher nicht.
   In das Stöhnen der Frau mischen sich weitere Laute. Ich öffne die Augen und lausche wieder aufmerksam. Auf jeden Fall ein Mann. Merkwürdigerweise macht mich das nicht weiter scharf, obwohl ich sogar daran denke, was mein Mr. Right alles mit mir anstellen könnte. Das muss wohl an dem Kiffer von vorhin liegen. Wobei … die Laute erinnern mich an den Voyeur vom Hotelpool, vor allem an den Anrufer mit der erotischen Stimme. Wie er wohl aussieht? Braun gebrannt mit schmalen Hüften und einem knackigen Hintern, das würde mir gefallen. Wer er wohl ist? Wie konnte ich ihn nur übersehen? Irgendwie ist es anregend, dass ich heimlich beobachtet wurde. Und wo wir gerade bei Beobachten sind …
   Die Geräusche werden lauter, und ich beschließe, einen Blick zu riskieren. Vielleicht kann ich die beiden ja erkennen, ohne selbst gesehen zu werden. Ich stehe auf, lehne mich vorsichtig über die Balustrade, die den Strand von der Straße trennt, und sehe sie prompt. Sie liegen fast genau unter mir im Sand. Von Verlegenheit keine Spur. Ich stütze mich auf und betrachte die beiden. Wer sich so offen präsentiert, wird schon nichts dagegen haben, wenn ich einen Blick riskiere.
   Er kniet zwischen ihren Schenkeln und widmet sich ihrer Weiblichkeit. Sie wölbt den Rücken und stößt immer wieder entzückende Laute der Erregung aus, während er sie leckt. Auf einmal kann ich verstehen, warum ein Mann das geil findet, wenn sich die Frau völlig gehen lässt. Bisher habe ich den Liebesakt immer nur aus der Perspektive der Frau mitgemacht, logischerweise, doch meine gute Sicht auf die Szene lässt ganz andere Gefühle in mir hochkochen.
   Das Kribbeln kehrt zurück, ich hatte es schon vermisst, und ich werde feucht. Meine Klit beginnt zu pochen. Ich genieße das Schauspiel, ohne mich zu berühren. Dieser erste Erregungszustand, in dem man noch nicht weiß, was passieren wird, und in dem der Weg in alle Richtungen führen kann, lässt mich erschauern, und ich möchte ihn bewahren.
   Der Knackarsch des Mannes bewegt sich mittlerweile eindrucksvoll vor und zurück. Sie knetet zusätzlich eine ihrer Brüste. Beide stöhnen lauter, während sie sich gegenseitig halten. Ihnen gefällt offensichtlich, was sie tun, und mir gefällt die Vorstellung, die sie abliefern. Ich kann nachempfinden, wie sich der Schwanz in ihr bewegt, und es ist viel erotischer als einen Porno zu sehen. In mir zieht sich alles zusammen vor Vorfreude, aber ich werde dem nicht nachgeben. Der Wind kühlt meine Hitze zumindest etwas ab, das ist einer der Vorteile, wenn man das Höschen weglässt.
   Auf einmal blickt die Frau nach oben. Wir sehen uns in die Augen. Ihre weiten sich einen Moment lang vor Überraschung, dann lächelt sie mich sinnlich an. Ihre Begierde ist verführerisch, ich kann einfach nicht wegsehen oder gar dezent verschwinden. Dazu ist es eh zu spät. So sehe ich hinunter, und sie wirft mir immer wieder heiße Blicke zu, die mich bis ins Mark treffen. Nebenbei flüstert sie dem Mann etwas ins Ohr, das ihn so anmacht, dass er noch eine Schippe drauflegt.
   Ich verfolge ihren gemeinsamen Weg zum Gipfel, und als es so weit ist, ersticken sie ihre Schreie in einem langen Kuss. Anschließend sieht die Frau lächelnd zu mir herauf, doch als der Mann Anstalten macht, sich aufzurichten, trete ich den Rückzug an. Meine Wangen sind heiß, und ich bin feucht, und eigentlich würde ich doch ganz gern meinen Spaß haben.

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